Mittwoch, 4. November 2009

Traurige Jäger (14)

Für Sancho war es, als wäre er allein in einem Alptraum zurückgeblieben. Das gleissende Licht der Strassenbeleuchtung brannte ihm in den Kopf. Die Leere Strasse war kalt und gefährlich, als wolle sie sich nächstens auftun und ihn verschlingen, zermalmen mit ihrem steinernen Gebiss. Er fühlte sich wieder wie der kleine Junge, der er einmal gewesen war. Als dieser kleine Junge hatte er sich jeweils in Situationen wie diesen unter dem Bett verkrochen oder sich im Schrank versteckt, voll banger Hoffnung, dass ES, das unbekannt Drohende, das immer näher kam, ihn nicht entdecken möge. Aber hier gab es weder ein Bett, unter das man kriechen, noch einen Schrank, indem man sich verstecken konnte. Auch näherte sich auf der leeren, hell erleuchteten Strasse nichts. Trotzdem schnatterten die panischen Stimmen in Sanchos Hirn wie verrückt. Sein Herz war eine hüpfende Eisenkugel, die ihn gefangen hielt. Er schiss sich in die Hosen, ohne es zu merken. Er hielt es nicht mehr aus, bei wachem Bewusstsein zu sein, und stürzte, in den Armen einer wohltätigen Ohnmacht landend, auf das harte Pflaster der Strasse. Für einmal hatten alle Heiligen des Himmels, die er so oft anzurufen pflegte, ein Einsehen gehabt.

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