<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912</id><updated>2011-11-28T00:35:46.692+01:00</updated><title type='text'>Welcome To Absurdistan</title><subtitle type='html'>Ein Reisejournal</subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><link rel='next' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default?start-index=101&amp;max-results=100'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>271</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-8264628180472841006</id><published>2011-08-14T11:39:00.005+02:00</published><updated>2011-08-14T11:55:10.995+02:00</updated><title type='text'>Literatur und Politik</title><content type='html'>«Politik ist Verallgemeinern», erklärte mir Leo. «Literatur ist Differenzieren, und die beiden stehen zueinander nicht nur in einem reziproken Verhältnis – sondern in einem &lt;span style="font-style:italic;"&gt;feindlichen&lt;/span&gt; Verhältnis. Für die Politik ist die Literatur dekadent, schlaff, unerheblich, langweilig, verschroben, fade, etwas, das weder Hand noch Fuss hat und das es eigentlich gar nicht zu geben braucht. Warum? Weil der Wunsch nach Differenzierung schon Literatur &lt;span style="font-style:italic;"&gt;ist&lt;/span&gt;. Wie kann man Künstler sein und Nuancen ausser Acht lassen? Wie kann man Politiker sein und Nuancen &lt;span style="font-style:italic;"&gt;beachten&lt;/span&gt;? Der Künstler sieht die Nuance als seine &lt;span style="font-style:italic;"&gt;Aufgabe&lt;/span&gt;. Die Aufgabe besteht darin, &lt;span style="font-style:italic;"&gt;nicht&lt;/span&gt; zu vereinfachen. Auch wenn man sich dazu entschliesst, so einfach wie möglich zu schreiben, etwa wie Hemingway, bleibt die Aufgabe, die Nuancen herauszuarbeiten, das Komplizierte aufzuhellen, die Widersprüche darzustellen. Und nicht, die Widersprüche wegzuwischen, die Widersprüche zu leugnen, sondern zu forschen, wo innerhalb der Widersprüche der gepeinigte Mensch zu finden ist. Man muss das Chaos mit einkalkulieren, man muss es zulassen. Man &lt;span style="font-style:italic;"&gt;muss&lt;/span&gt; es zulassen. Sonst produziert man Propaganda, wenn nicht für eine politische Partei, eine politische Bewegung, dann stumpfsinnige Propaganda für das Leben selbst – für das Leben, wie es sich vielleicht selbst gern in der Öffentlichkeit dargestellt sehen möchte. (…)»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Philip Roth, in «Mein Mann, der Kommunist», übersetzt von Werner Schmitz, rororo Taschenbuch, Seite 275&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-8264628180472841006?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/8264628180472841006/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=8264628180472841006&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8264628180472841006'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8264628180472841006'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2011/08/literatur-und-pilitik.html' title='Literatur und Politik'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-3318946256006131233</id><published>2011-08-01T13:22:00.000+02:00</published><updated>2011-08-01T13:23:50.950+02:00</updated><title type='text'>Eyjafjallajökull oder Das Haus, in dem die Schatten der Vergangenheit wohnen</title><content type='html'>Er klopfte ohne zu zögern. Er musste mit dem Direktor sprechen, schliesslich hatte sich ein Unglück ereignet, ein Unfall oder gar ein Verbrechen, in das ältere oder alte Damen verwickelt waren. Auf sein Klopfen wurde nicht reagiert. Vorsichtig öffnete Oesch die Tür, trat ein und blieb überrascht stehen. Der Raum war unglaublich gross und in dämmriges Grün getaucht. Überall standen überdimensionierte, tropisch anmutende Pflanzen, riesige Farne, bizarr anmutende Kakteen, Bananenbäume, Heliconien, Orchideen... Oesch war kein Pflanzenkenner, aber ein Pflanzenliebhaber – ihn faszinierte das Büro des Direktors, in dem es feucht, süsslich und erdig roch, in dem die Luft schwer und warm war und durch das Kolibris und andere kleine, bunte Vögel schwirrten. War das möglich? Warum sprengte das Büro des Direktors alle Proportionen, gab es überhaupt Platz in einem Stadthaus für einen riesigen Raum wie diesen? Und warum war das Büro – gar kein Büro? In dieser Halle gab es weder Schreibtische noch Gestelle oder weitere Büromöbel und auch keine Kopiergeräte, Computer und andere Büromaschinen. In diesem Büro gab es Natur pur und sonst gar nichts. Fehlten nur noch die Schildkröten und in den Baumkronen herumturnende Affen. Vom Direktor fehlte hingegen jede Spur.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Oesch versuchte, sich an den Direktor zu erinnern. Er musste den Direktor doch kennen, schliesslich arbeitete er nicht erst seit gestern beim Hilfswerk. Aber sein Gedächtnis liess ihn im Stich. War der Direktor jung oder alt, ein Mann oder eine Frau, ein angenehmer Mensch oder nicht? Oesch musste sich eingestehen, dass er keine Ahnung hatte. Vielleicht existierte der Direktor gar nicht? Aber ein umfassendes Hilfswerk von einer solchen überragenden Bedeutung musste doch einen Direktor haben – oder etwa nicht?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Oesch drang weiter in den Raum vor. Er fühlte sich trotz seiner Verunsicherung auf eine nicht unangenehme Weise leer, erwartungslos, ja geradezu wurstig gestimmt. Er nahm einen Geruch wahr, der ihn an Zoo und Tropenhaus erinnerte. Er war im Dschungel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Pflanzen, überall die wild wuchernden Pflanzen: Sie riechen, sie bewegen sich, sie greifen nach mir.&lt;br /&gt;Natürlich, die Pflanzen sind lebendige Wesen. Komisch. Das war mir bisher gar nicht recht klar. Die haben zwar kein Hirn und keine Augen und keine Ohren und so. Und doch sind sie aus einem Stoff gemacht, dass sie fühlen können. Aus einem besonderen Stoff,  aus einem feinen Stoff: dem Stoff, aus dem die Träume sind.&lt;br /&gt;Ja, sie sind wie Blinde, die Pflanzen. Wie Blinde tasten sie mit ihren knochenlosen Pflanzenarmen in der ewigdunklen Suppe ihrer Umgebung.&lt;br /&gt;Oder, was wahrscheinlicher ist, sie tasten nach mir, unschuldig getrieben von ihrem Instinkt. Sie wollen mich verschlingen. Es sind nämlich Fleisch fressende Pflanzen. Ich bin in einen Urwald geraten. Wie komm ich bloss in diesen Urwald?&lt;br /&gt;Ich muss fliehen.&lt;br /&gt;Aber wohin?&lt;br /&gt;Da, die Tarzanlianen – sieht aus wie in einem Comic-Strip. Ist aber alles echt. Plastisch. Vielleicht ist es ein 3-D-Comic.&lt;br /&gt;Wenn es nur ein Comic wäre! Oder ein Film. Oder ein Traum. Einfach erwachen können – das wäre schön!&lt;br /&gt;Wäre das schön?&lt;br /&gt;Auf jeden Fall mach ich mir hier in die Hosen in diesem Urwald. Wobei ich ja gar keine Hosen anhabe. Ich bin ziemlich nackt. Ich habe nur eine Baseballmütze auf dem Kopf und einen Gürtel mit Dschungelmesser umgeschnallt und grobe Stiefel an den Füssen.&lt;br /&gt;Das kommt davon, wenn man zum Abenteurer geboren ist.&lt;br /&gt;Verdient man aber schwer Geld auf diesen Expeditionen, Goldsucherfahrten, El-Dorado-Trecks.&lt;br /&gt;Was ist denn das für ein Brüllen und Quietschen?&lt;br /&gt;Ach ja, der Urwald. Hab ich schon fast wieder vergessen. Ein Urwald voller Affen, Tiger, Leoparden, Schlangen, Spinnen, Kannibalen…&lt;br /&gt;Ach hör schon auf!&lt;br /&gt;Mir ist komisch. Kalt oder heiss. Zu kalt oder zu heiss. Zu kalt und zu heiss. Ich brauch etwas. ICH BRAUCH ETWAS!&lt;br /&gt;Ich muss raus hier.&lt;br /&gt;Diese geilen Pflanzen versuchen die ganze Zeit, mir zwischen die Beine zu greifen. Ich hab einen Steifen, weiss gar nicht warum. Geil bin ich jedenfalls nicht. «Hart wie der Zahn der Bisamratte…»&lt;br /&gt;Weg da! Pfoten weg!&lt;br /&gt;Ich will in die Stadt! Ich will in die Stadt, denn ich brauche etwas, Geld und ETWAS, ich bin ein Stadtjunge, verdammt noch mal. Ich hasse die Natur. Scheissnatur! Scheissnatur!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Stadt.&lt;br /&gt;Die stinkende Welt der Stadt.&lt;br /&gt;Die Welt des täglichen Verkehrskriegs und des vertrauten Bildes von Erbrochenem auf der Strasse.&lt;br /&gt;Der Welt der aufeinander prallenden Menschenmassen in den Einkaufsparadiesen und den Bars.&lt;br /&gt;Die neonfunkelnde Welt der Stadt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da vorn ist es ein bisschen lichter. Vielleicht sollte ich auf einen Baum steigen. Vielleicht sehe ich dann was. Ein Hochhaus zum Beispiel. Eine Autobahn. Einen Spielsalon. Einen Waschsalon. Einen Saloon mitten im Wilden Westen. Die Luft flimmert in der Hitze, man hört keinen Ton, aber jetzt hört man das Getrampel von Pferdehufen, und ein Haufen bärtiger Männer mit wilden Gesichtern reitet in die Stadt und hat nichts Gutes im Sinn.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das ist ja ein Sumpf da vorn. Ein stinkender Sumpf. Es riecht wie im Bumsraum einer ungepflegten Schwulensauna.&lt;br /&gt;Hier hats bestimmt Krokodile.&lt;br /&gt;Die liegen im Wasser und bewegen sich nicht und sehen aus wie ein angefaulter Baumstrunk, aber wenn man ihnen zu nahe kommt, dann schnapp! Gemein wie das Leben.&lt;br /&gt;Ich spüre, wie sich meine Körperhaare aufrichten, eins nach dem andern.&lt;br /&gt;Etwas kommt näher.&lt;br /&gt;ETWAS.&lt;br /&gt;Hilfe, ich will weg hier. Lasst mich raus!&lt;br /&gt;Es ist so eng und feucht und heiss – &lt;br /&gt;krieg keine Luft mehr –&lt;br /&gt;ich – glaub – ich – verrecke –&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Scheisstraum das. Dass ich immer so einen Scheiss zusammenträumen muss. Hm, Nachmittagsträume. Ich glaub, ich brauch etwas. Fühl mich wirklich ein bisschen komisch. Wo hab ich denn… Ja: das reicht jetzt noch bis am Nachmittag. Das nehm ich jetzt, und dann will ich noch ein bisschen liegen. Dann träum ich bestimmt nicht mehr solchen Scheiss. Und dann muss ich mir Geld besorgen, mindestens einen Hunderter. Besser natürlich einen Fünfhunderter oder einen Tausender. Vielleicht find ich ja heut einen, der mich adoptiert. Wo sind die Streichhölzer? Eine Zigarette möchte ich rauchen. Nicht jetzt, nachher. Durst habe ich auch. Aber jetzt nehm ich zuerst was. Und dann lege ich mich nochmals ins Bett, um zu überlegen, wie ich denn heute zu Geld komme. Wenn ich doch ein richtiger Krimineller wäre! Wer einen Banküberfall machen will, muss planen und organisieren können, braucht Kreativität, kriminelle Intelligenz, Durchsetzungskraft. Und wenn er die hat, wird er nicht Bankräuber, sondern Banker. Ist einfacher. Bringt mehr Kohle. Geht bei mir nicht. Mach ich halt den Strich.&lt;br /&gt;Ja.&lt;br /&gt;Mhm, schon besser.&lt;br /&gt;Wenn ich jetzt auf den Strich geh, ist mir alles scheissegal. Nun kommt angelatscht, ihr alten, hässlichen, frustrierten Typen mit euern Eheweibern zuhause und den knackigen Söhnen, die ihr nicht anfassen dürft! Mich interessiert Sex nicht mehr, ist eine unappetitliche Sache, und wenn ich einem den Sabberschwanz nuckeln soll, kommt mir echt das grosse Kotzen. Nein, das mach ich nicht mehr mit. Sollen sie an mir rumfummeln, können auch meinen halbsteifen Schwanz lutschen, während sie sich einen runterholen dabei. Manche verlangen, dass man sie anpisst oder ihnen auf den Kopf scheisst, so ekelhaftes Zeug, ist mir auch egal, solange sie mich in Ruhe lassen, ist leicht verdientes Geld. Ja, da trifft man schon ganz komische Vögel. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also, ich bin vielleicht ja selbst auch ein bisschen schwul, aber nicht richtig, damit, dass ich auf den Strich gehe, hat das nichts zu tun. Ich brauche einfach den Zaster.&lt;br /&gt;Ich bin müde.&lt;br /&gt;Ich möchte ewig so liegen bleiben und gar nicht mehr aufstehen müssen.&lt;br /&gt;Vielleicht ist es so, wenn man tot ist.&lt;br /&gt;So herrlich gleichgültig, satt.&lt;br /&gt;Wie im Paradies.&lt;br /&gt;Wind, kleine flinke Wölkchen am Himmel.&lt;br /&gt;Ein weisses Häuschen, das auf einem Felsen steht hoch über dem Meer.&lt;br /&gt;Junge braune Männer, die ihre nackten Körper über die Klippe segeln lassen.&lt;br /&gt;Junge Männer, die fliegen können.&lt;br /&gt;Wassertropfen schmiegen sich an ihre glatte, braune Haut, während die Sonne ihre Körper küsst.&lt;br /&gt;Dann tauchen ihre Körper ins Meer ein.&lt;br /&gt;Das Leben ist ein Tanz, ein Spiel.&lt;br /&gt;Und rings der Raum so weit, so weit.&lt;br /&gt;Und die kleinen flinken Wölkchen unendlich fern am weiten Himmel.&lt;br /&gt;Und ich sitze auf dem Felsen hoch über dem Meer.&lt;br /&gt;Ich bin nackt, und der Wind und die Sonne liebkosen meine Haut.&lt;br /&gt;Tief unten schäumt und gischt das Meer.&lt;br /&gt;Ganz klein schwimmen die jungen Männer mit ihrer dunklen Haut im Wasser.&lt;br /&gt;Sie rufen mir etwas zu, aber ich verstehe sie nicht.&lt;br /&gt;Ich höre den hellen Klang ihrer Stimmen.&lt;br /&gt;Sie winken mir: Ich soll zu ihnen runterspringen.&lt;br /&gt;Ja, ich will auch ein fliegender Knabe sein.&lt;br /&gt;Ich springe auf die Füsse.&lt;br /&gt;Ich hüpfe auf dem Felsen wie auf einem Trampolin, nackt, schwerelos.&lt;br /&gt;Ich segle über die Klippen und falle langsam wie in Zeitlupe auf die Wasser zu&lt;br /&gt;und tauche ein in das silberne Element,&lt;br /&gt;den reinen Stoff des Lebens.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Scheisse, wie spät ist es? Schon nach vier. Muss wohl wieder eingeschlafen sein. Muss wohl geträumt haben. Ich habe eine Latte. Es war wohl ein erotischer Traum, schade, dass man Träume immer gleich wieder vergisst.&lt;br /&gt;Ich will mal einen Kaffee trinken und eine Zigarette rauchen. Und was essen.&lt;br /&gt;Allzu mager sollte ich nämlich nicht werden.&lt;br /&gt;Das mögen die Freier nicht, so ein klappriges Knochengestell.&lt;br /&gt;Die wollen dralles Fleisch am Arsch und stramme Schenkel, die geilen Böcke.&lt;br /&gt;Mein Gesicht gefällt mir. Die schwarzen Augenbrauen wachsen fast zusammen auf dem zarten Fleisch über der Nase. Jetzt sind die Haare wieder länger: braun und dicht. Lange Haare stehen mir einfach besser als kurze.&lt;br /&gt;Gestern habe ich ein Gesicht gesehen: Schutzlos und schön. Ein fleischgewordener Traum Gottes.&lt;br /&gt;Vielleicht sind wir ja alle Figuren aus den Träumen Gottes.&lt;br /&gt;Vielleicht gibt es Gott ja tatsächlich.&lt;br /&gt;Und manchmal hat Er einen geilen Traum, dann wieder einen Alptraum.&lt;br /&gt;Was Gott wohl empfunden hat, als er mich träumte... ?&lt;br /&gt;Halt, nein: Er träumt mich ja jetzt!&lt;br /&gt;Eigenartig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Kaffee ist heiss.&lt;br /&gt;Ich weiss gar nicht, wie das die Leute machen: acht, neun Stunden am Tag arbeiten. Die zwei, drei Freier, die ich pro Tag bediene, sind rasch erledigt.&lt;br /&gt;Die können ihren Sprutz ja meistens nicht schnell genug loswerden.&lt;br /&gt;Trotzdem: Langweilig wird mir nie.&lt;br /&gt;Einfach die Tatsache, dass man überhaupt lebt.&lt;br /&gt;Eine von Millionen von Samenzellen gewinnt den Wettlauf und befruchtet das Ei.&lt;br /&gt;Im Grunde ist jeder, der geboren wird, schon mal ein ganz grosser Gewinner. So gesehen.&lt;br /&gt;Die Kraft hat alles, was ist, ins Dasein geschleudert, ejakuliert, die Berge, die Bäume, die Autos und die Atomkraftwerke.&lt;br /&gt;Sie macht, dass das Herz schlägt, der Atem geht, die Bagger sich durch das Erdreich wühlen und die Raketen ins All fräsen.&lt;br /&gt;Die Ideen, Gedanken und Gefühle des Wesens, das uns gemacht hat, müssen alle zu Fleisch werden, das ist das Wunder und der Fluch der Existenz.&lt;br /&gt;Ich möchte es verstehen. Ich muss darüber nachdenken.&lt;br /&gt;Unbedingt.&lt;br /&gt;Ich hab doch mal was gelesen über den menschlichen Geist.&lt;br /&gt;Dass dieser Geist pure Magie sei oder so.&lt;br /&gt;Auch die Ideen und Gedanken und Gefühle des Menschen müssten zu Fleisch und Blut werden, zu handfesten Wirklichkeiten.&lt;br /&gt;Deshalb sei alles so, wie es sei, gebe es keinen Ausweg aus diesem Labyrinth.&lt;br /&gt;Es passiere, was passieren müsse. Im Guten wie im Schlechten.&lt;br /&gt;Wenn man mit einem solchen Hunger zur Welt kommt wie die Menschen, dann muss man sich nicht wundern, dass schliesslich alles kahl gefressen ist.&lt;br /&gt;Insbesondere, weil der Appetit mit dem Essen kommt, wie man sagt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin müde.&lt;br /&gt;Ich möchte im warmen Wasser liegen.&lt;br /&gt;Der Wind müsste mich in seine Arme nehmen.&lt;br /&gt;Das Feuerchen in meinem Herzen gibt warm.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-3318946256006131233?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/3318946256006131233/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=3318946256006131233&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/3318946256006131233'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/3318946256006131233'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2011/08/eyjafjallajokull-oder-das-haus-in-dem.html' title='Eyjafjallajökull oder Das Haus, in dem die Schatten der Vergangenheit wohnen'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-6932158617526326161</id><published>2011-07-22T18:08:00.001+02:00</published><updated>2011-07-22T18:11:34.233+02:00</updated><title type='text'>Nur heute ist heute heute</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/-5z5UU_AzSTQ/TimhLrAm8qI/AAAAAAAABRM/iIdM_fetnD4/s1600/P1000441.JPG"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 300px;" src="http://4.bp.blogspot.com/-5z5UU_AzSTQ/TimhLrAm8qI/AAAAAAAABRM/iIdM_fetnD4/s400/P1000441.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5632210030899425954" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/-gp-0N7dPJFM/TimhLOlsReI/AAAAAAAABRE/dPuqPJI50Ec/s1600/P1000440.JPG"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 300px;" src="http://4.bp.blogspot.com/-gp-0N7dPJFM/TimhLOlsReI/AAAAAAAABRE/dPuqPJI50Ec/s400/P1000440.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5632210023270335970" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-6932158617526326161?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/6932158617526326161/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=6932158617526326161&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6932158617526326161'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6932158617526326161'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2011/07/nur-heute-ist-heute-heute.html' title='Nur heute ist heute heute'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/-5z5UU_AzSTQ/TimhLrAm8qI/AAAAAAAABRM/iIdM_fetnD4/s72-c/P1000441.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-1952705923634893913</id><published>2011-07-12T11:10:00.002+02:00</published><updated>2011-07-12T11:14:47.854+02:00</updated><title type='text'>Zweiheimisch. Bikulturalität als persönliche Identität und Teil einer sozialen Lebenswelt</title><content type='html'>&lt;span style="font-style:italic;"&gt;Binationale Kinder im Spannungsfeld zwischen zwei (oder mehreren) Kulturen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Was heisst «binational» oder besser «bikulturell» überhaupt? Von welchem Kultur-, von welchem Identitätsbegriff gehen wir aus? Ist nicht jeder «Fall», von dem wir sprechen, eben ein Einzelfall und müsste gesondert betrachtet werden? Kultur ist nicht etwas Unveränderbares und Statisches. Sie ist in einem ständigen Um- und Aufbau begriffen. Und wenn der Mensch von seiner kulturellen Umwelt – oder seinen kulturellen Umwelten – geprägt wird, ist das doch immer nur ein Teil seiner Identität. Unter Vorbehalt dieser Überlegungen nähere ich mich dem Thema mit der Absicht, auf einige Chancen und Risiken hinzuweisen, die es mit sich bringt, mit zwei Kulturen aufzuwachsen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dass in binationalen Familien aufgewachsene Menschen es weit bringen können und oft hervorragende Qualitäten als «Brückenbauer» aufweisen, wissen wir nicht erst, seit Barak Obama Präsident der Vereinigten Staaten wurde. Durch die Globalisierung sind sich die  verschiedensten Kulturen tatsächlich sehr nahe gekommen, auch in der Schweiz. Viele Jugendliche aus bikulturellen Familien, aber auch Jugendliche aus Migrantenfamilien der zweiten oder dritten Generation, betonen denn auch, dass es nichts Besonderes sei – oder dass es eigentlich ganz „cool“ sei –, in zwei Kulturen zuhause zu sein. Typisch dafür ist die Aussage der 14-jährigen Sarah: «Mein Leben unterscheidet sich nicht sonderlich von anderen. Oft kam die Frage: ‹Welchem Land fühlst Du Dich mehr zugehörig? Der Schweiz oder Mexiko?› Ich habe darüber nachgedacht und festgestellt, dass ich mich gar nicht entscheiden muss! Ich fühle mich in beiden Ländern zu Hause und könnte mir in beiden Ländern ein Leben vorstellen.» &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir alle – nicht nur Menschen, die in binationalen Familien aufgewachsen sind – haben inzwischen mehr oder weniger eine Patchwork-Identität. Als gesellschaftlicher Normalfall ist heute weniger ein in ein übergeordnetes Ganzes eingefügtes und einheitliches Identitätsgefüge zu erwarten als vielmehr ein «Patchwork» von unterschiedlichen «Teilidentitäten», die unterschiedlichen Eigenlogiken folgen. Insofern ist die Situation binational aufgewachsener Kinder und Jugendlicher der Normalfall von morgen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man kann Binationalität also als verborgenen oder auch schon erschlossenen Schatz sehen, den binationale Kinder und Jugendliche durch ihre spezielle Situation mitbekommen. Probleme mit Binationalität  und -kulturalität haben in der Tat oft nicht die, die durch ihre Geburt binational sind. Es ist eher die soziale Umgebung, beim Kindergarten angefangen, die diesen «Schatz» nicht erkennt und es schlecht aushält, wenn die Einordnung in «einheimisch» und «ausländisch» nicht gelingt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Familiensituation binationaler Eltern (im Sinne von schweizerisch-ausländisch) unterscheidet sich von schweizerisch-schweizerischen, aber auch von Migrantenfamilien vor allem in folgenden Bereichen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rechtlich untersteht die ausländische Partnerin, der ausländische Partner in einer binationalen Familien nicht selten dem Ausländergesetz. Dies bedeutet u.a.: Wenn der nichtschweizerische Elternteil nicht aus einem EU-Land stammt, (noch) nicht eingebürgert wurde oder die Niederlassungsbewilligung (Ausweis C) erhalten hat, verliert er im schlimmsten Fall bei einer Trennung/Scheidung oder beim Tod der Partnerin, der Partners die Aufenthaltsbewilligung. Diese Situation verschärft sich noch, wenn beide Elternteile nicht schweizerischer Nationalität sind. Besuche der nichtschweizerischen Grosseltern oder anderer Verwandter sind in vielen Fällen vom Familieneinkommen abhängig; der Nachzug von Stiefgeschwistern unterliegt den restriktiven Bestimmungen für Familienzusammenführung; Reisen in andere Länder sind unter Umständen abhängig von Visaerteilungen etc. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die ökonomische Situation binationaler Familien ist häufig davon geprägt, dass der nichtschweizerische Elternteil auf dem Arbeitsmarkt keine seiner Qualifikation entsprechende Arbeit findet oder auch arbeitslos ist (auch dies gilt vor allem dann, wenn der ausländische Partner aus einem Nicht-EU-Land stammt; gut qualifizierte EU-Bürgerinnen und -Bürger sind in dieser Hinsicht in der Schweiz kaum benachteiligt). Stammt der männliche Teil eines binationalen Paares aus dem Ausland, sorgt oft die schweizerische Partnerin für das Familieneinkommen. Mancher ausländische Ehemann und Vater empfindet diese Rollenumkehrung als demütigend und abwertend, als eine zusätzliche Abhängigkeit und Ungleichheit in der Beziehung des Paares, was sich auch auf die Gestaltung des Familienlebens auswirken kann. Dazu kommt, dass der Kontakt zu der nichtschweizerischen Verwandtschaft eher kostspielig ist – umso kostspieliger, je weiter weg von der Schweiz sie sich befindet. Leben die Verwandten der ausländischen Partnerin, des ausländischen Partners in sehr ärmlichen Verhältnissen, besteht zudem oftmals so etwas wie eine moralische Unterstützungspflicht für sie oder ihn, zum Beispiel, weil die Eltern in Ländern leben, in denen es keine staatliche Altervorsorge gibt und es zu den Pflichten der Kinder gehört, im Alter für Vater und Mutter zu sorgen. Nicht wenige binationale Familien leben deshalb insgesamt in einer Situation, in der die Ausgaben höher und die Einnahmen geringer sind als in anderen Familien.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Die bikulturelle Partnerschaft&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hört oft die Meinung, dass vor allem binationale Partnerschaften mit Beteiligten aus einander sehr fremden Kulturen belastet und deshalb vom Scheitern bedroht seien. Die Herkunft allein sagt aber  nichts über allfällig zu erwartende Schwierigkeiten und vor allem auch nichts über die Bewältigungsstrategien der Beteiligten aus. Viele Faktoren wie Status, Bildung, soziale Herkunft, Sozialisation, gegenseitige Erwartungen aneinander, vorhandene oder fehlende persönliche Ressourcen, individuelle Charaktereigenschaften etc. spielen beim Gelingen einer binationalen Partnerschaft eine ebenso grosse Rolle wie die kulturelle Distanz. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bikulturelle Paare müssen ihre eigenen gemeinsamen Übereinkünfte bezüglich ihrer Verhaltensmuster und Interaktionsmodelle treffen. In der Literatur habe ich drei «idealtypische Muster» in Hinblick auf kulturelle Anpassung von bikulturellen Paaren gefunden,  die ich hier wiedergeben möchte:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;• Das einseitige Arrangement: Einer der Partner gibt zugunsten des anderen wesentliche Werte und Verhaltensmuster in sprachlicher, religiöser und sozialer Hinsicht auf und übernimmt stattdessen jene der Partnerin. Gründe dafür können sein: Einer der Partner zeigt deutlich dominantere Züge; die eine Kultur überwiegt im Lebenskontext oder der eine Teil des Paares hat nur noch eine schwache Bindung an seine Herkunftskultur.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;• Koexistenz: Die Handlungs- und Wertemuster beider Kulturen werden abwechslungsweise gelebt, es werden Kompromisse geschlossen oder Mischungen zwischen den Konzepten ausprobiert. Ein relatives Gleichgewicht entsteht. Gründe dafür können sein: Beide Partner schätzen die jeweils anderen Verhaltensmuster, sie geniessen die Vielfalt oder sie möchten ihre einseitige Fixierung auf ihre eigene Herkunftskultur «aufweichen».&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;• «Kreatives Arrangement»: Das Paar führt neue Verhaltensmuster ein, entweder weil sich beide kulturellen Muster als zu konflikthaft erweisen oder weil das Paar ihre bisherigen Werte und Verhaltensmuster selbst in Frage stellt. Es entsteht ein so genannter «dritter Weg».&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie das Paar mit den unterschiedlichen Kulturen umgeht, hat natürlich auch einen Einfluss auf die Kinder und Jugendlichen in der Familie. Aspekte der Selbstverortung bzw. Aspekte der Fremdzuschreibung spielen eine wichtige Rolle bei der Identitätssuche und -findung von Jugendlichen. Die Kinder und Jugendlichen sind nicht nur in einen bikulturellen Kontext, sondern manchmal auch in einen bilingualen Kontext eingebettet. Werte und Normen der Eltern können annähernd deckungsgleich, aber auch stark divergierend sein. Die Art zu denken, bestimmte Werte zu vertreten, aber auch geschlechtsspezifische Verhaltensweisen und Normen sowie die verbale und nonverbale Kommunikation können kulturspezifisch geprägt sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Prüfstein für jede partnerschaftliche Lebensgemeinschaft ist die Alltagsbewältigung&lt;br /&gt;mit ihren ganz konkreten Aufgaben und Herausforderungen. Wenn es dem Paar gelingt, sich sozusagen als Team zu verstehen, sich im Sinne eines kultur-, geschlechts- und rollenunabhängigen «Familienunternehmens» gegenseitig zu unterstützen, ohne dabei die eigene kulturelle Tradition und Herkunft verstecken oder verleugnen zu müssen, dann kann davon ausgegangen werden, dass diese emanzipatorische Leistung für alle Beteiligten bereichernd und befruchtend ist und sich dementsprechend in solchen Familien für Kinder und Jugendliche positive Lernfelder eröffnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dabei geht es nicht um Gleichmacherei oder kulturelle Plafonierung. Berechtigte Differenzen dürfen und sollen sein. Aber sie müssen eingebettet sein in einen Rahmen, der das ganze Familiengefüge zusammenhält. Was für die interkulturelle Gesellschaft  gilt, gilt sinngemäss auch für die binationale Familie: Nur die Balance von rechtlicher Gleichheit und kultureller Verschiedenheit macht eine interkulturelle Gesellschaft möglich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Innen- und Aussensicht&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Je nach Innen- oder Aussensicht unterscheidet sich die gesellschaftliche Einordnung von Kindern und Jugendlichen in binationalen Familien manchmal gewaltig. Wir haben gesehen, dass die Kinder und Jugendlichen selbst ihre Zugehörigkeit zu zwei Kulturen sehr oft als bereichernd empfinden. Von ihrer Umgebung bekommen sie allerdings nicht selten ein negatives Feedback, indem sie als «anders», «fremd», «nicht dazu gehörig» eingestuft werden. Kinder aus binationalen Familien wachsen häufig zweisprachig auf. Sie erfahren durch Kontakte mit der ausländischen Verwandtschaft anderskulturelle Familienstrukturen als eine andere Normalität. Diese Heterogenität finden sie in ihrem Schweizer Alltag oftmals nicht; ihre Fähigkeiten (Umgang mit kultureller wie persönlicher Differenz; Kenntnis anderer Rituale, anderer Feste und anderer Formen des Gemeinschaftslebens; Mehrsprachigkeit etc.) werden nicht als solche anerkannt resp. gefördert, sondern negiert oder unter Umständen gar mit Sanktionen belegt. Kulturelle Unterschiedlichkeit, anderes Aussehen, unterschiedliche Denkmuster und Verhaltensweisen werden von der Mehrheitsgesellschaft manchmal als defizitär oder zumindest «problematisch» wahrgenommen und stehen damit im Widerspruch zu der Selbstwahrnehmung der Kinder und Jugendlichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deshalb gibt es Kinder und Jugendliche aus binationalen und eingewanderten Familien, die froh wären, wenn man ihnen die Bikulturalität nicht anmerken würde. Es gehört zu ihrer Realität, dass sie in der öffentlichen Wahrnehmung, im Kontakt mit Nachbarn, Lehrern, im Betrieb oder in der Freizeit manchmal darauf reduziert werden, «Ausländer» zu sein, auch wenn sie das gar nicht sind oder sich zumindest so nicht fühlen. Die sicherlich oft interessiert gemeinte Frage «Woher kommst du?» oder die anerkennende Feststellung «Du sprichst aber gut Deutsch» ist für einen jungen Menschen, der nie woanders gelebt hat und mit der einheimischen Sprache zumindest seit dem Kindergarten vertraut ist, im günstigen Fall eine hohe Irritation. Die indirekte Mitteilung «Du gehörst nicht dazu, du bist anders» ist ja auch für viele Kinder von Migrantinnen und Migranten, die hierzulande aufgewachsen sind, eine individuelle Kränkung und ein soziales Dilemma. Die Reaktionen der Kinder und Jugendlichen darauf sind unterschiedlich: manche betonen ihr Anderssein bis hin zur Selbst-Ausgrenzung, andere versuchen, die Bikulturalität ihrer Biografie zu verdrängen. Für die allermeisten ist es schwierig, in einem Alter, in dem die Suche nach Zugehörigkeiten vorrangiges Bedürfnis ist, Ausgrenzung zu erfahren, die von ihnen nicht beeinflusst werden kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alle Jugendlichen werden in der Identitätsfindung mit den Fragen konfrontiert: Wo gehöre ich dazu? Wo will ich dazugehören? Wovon möchte ich mich abgrenzen? Mit welchen Personen möchte ich in Kontakt treten und zu welchen Gruppen dazugehören? Welchen Belastungen zum Beispiel in Form von Gruppendruck, familiären Erwartungen und anderem kann ich mich entziehen und wo gelingt dies nicht? Manchmal wird für die erkämpfte Autonomie oder für die konformistische Anpassung ein sehr hoher Preis bezahlt. Diese Suche nach Antworten ist eine immens wichtige Entwicklungsaufgabe, die sich für den jungen Menschen stellt – auch für den jungen Menschen mit binationalem Hintergrund.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn die Identifizierung mit der Peer-Group, also den Gleichaltrigen, immer mehr zunimmt, tritt die kulturelle Herkunft scheinbar in den Hintergrund. Jugendliche haben ihre eigene Kultur, die sich bewusst von der Kultur der Erwachsenen abhebt – sei es nun die schweizerische oder eine andere. Die «Jugendkulturen» bedienen sich virtuos der Elemente von verschiedensten Kulturen und kreieren daraus ihren eigenen kreativen Mix.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber es gibt auch bikulturelle Jugendliche, die in der wichtigen Entwicklungsphase der Identitätsfindung Schwierigkeiten haben, sich zwischen unterschiedlichen und manchmal widersprüchlichen kulturellen Werten zu orientieren. Einige finden dann Orientierung darin, dass sie sich besonders eindeutig zu einer bestimmten Kultur bekennen. Ist dies der Fall, so kann man erleben, wie die Jugendlichen gewisse in dieser Kultur verkörperte Ideale besonders hervorheben, verteidigen und vertreten. Werte und Ideale eignen sich nämlich hervorragend zur Identitätsstiftung. Diese Werte werden mitunter spezifisch definiert und ausgelegt. Durch sie erhält der Jugendliche die Möglichkeit, sich zu identifizieren und gleichzeitig abzugrenzen. Damit kann er ein klares Bekenntnis ablegen, ein Zugehörigkeits- und «Wir-Gefühl» zum Ausdruck bringen. Für manche Jugendliche ist dies ein Ausweg aus einer als schwierig empfundenen Ambivalenz. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bikulturelle Jugendlichen mussten, ich sage es noch einmal, schon als Kinder oft hin- und herwechseln zwischen den Verhaltensanforderungen des Domizillandes, dem Kulturverständnis des Vaters und dem Kulturverständnis der Mutter. Sowohl sprachlich als auch gedanklich – in fast automatischer Abgleichung – switchen sie zwischen ihren diversen Kulturerwartungen und Erfahrungen hin und her. Das erfordert von ihnen Flexibilität in der Kontextvielfalt. Oft können binationale Jugendliche das ganz selbstverständlich und – wie es scheint – mühelos leisten. Manchmal aber finden sie sich in Situationen wieder, in denen sich die Frage der kulturellen Zugehörigkeit zuspitzt. Sie werden dann durch spezifische Erwartungen – aber auch zwischen «Tradition» und «Moderne» – hin- und hergerissen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Risiken und Chancen&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir sehen schon jetzt, dass Risiken und Chancen bikulturellen Aufwachsens nahe beieinander liegen. Wir haben es angesprochen: Damit aus Ressourcen Kompetenzen werden, braucht es ein soziales Umfeld, in dem die Vielfalt gelebt werden kann, nichts Abweichendes und nichts Besonderes, sondern selbstverständlicher Bestandteil des Alltags ist, Normalität eben. Wenn kulturelle Pluralität nur in der Abweichung auffällt, ist dies der Spiegel eines monokulturell eingeschränkten gesellschaftlichen Horizontes, der diese Pluralität nicht zu integrieren versteht. Die Trennlinie zwischen Chancen und Risiken verläuft entlang sozialer wie kultureller Benachteiligung und ist nicht in der ethnischen Herkunft begründet&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Mehrheit der bikulturellen Jugendlichen lernt schon früh, zwischen den unterschiedlichen kulturellen Angeboten zu wechseln und je nach Situation das entsprechende Verhaltensmuster anzuwenden. Im Zeitalter der beruflichen Mobilität und der Erwartung an ständige persönliche Veränderung ist diese biografische Verortung im Sowohl-als-auch durchaus ein Lebensmodell der Zukunft und zum Teil auch schon der Gegenwart. Binationale Jugendliche haben die Chance, divergierende Grundhaltungen des Lernens, die von den Bezugspersonen unterschiedlich stark vorgelebt werden und mit Beziehungsarbeit verknüpft sind, zu adaptieren und damit offen und tolerant den Umgang zu pflegen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fast alle Jugendlichen, die bikulturell aufwachsen, bilden unterschiedliche Sprachkompetenzen aus. Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, haben in ihrem Ausdruck mehr Wahlmöglichkeiten, denn der Gebrauch der jeweiligen Sprache ist an Gefühle, bestimmte Handlungen, Orte oder Personen gebunden. Eine gelungene mehrsprachige Erziehung fördert das Denken in unterschiedlichen Strukturen und unterstützt damit nicht zuletzt den intellektuellen Zugang auch in anderen Bereichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Binationale Jugendliche können mitunter Kenntnisse mehrerer Sprachen vorweisen, die meistens entweder von der Mutter oder vom Vater vermittelt wurden. Bedauerlicherweise sind die Jugendlichen manchmal aber auch damit konfrontiert, dass sie weder die eine noch die andere Sprache gut genug beherrschen und sich dies oft auch in mangelnder Kompetenz der Sprache des Domizillandes ausdrückt. Dies ist häufig dann der Fall, wenn Mutter und Vater eine andere Sprache sprechen als die Sprache des Domilzillandes, also  zum Beispiel bei binationalen Familien ohne deutschsprachigen Elternteil, die in der deutschen Schweiz leben. Bei Kinder/Jugendlichen, deren einer Elternteil die Sprache des Domizillandes spricht, ist dies in der Regel nicht der Fall. Im Gegenteil: Die Sprachkompetenz von auf diese Weise zweisprachig aufwachsenden Kindern ist überdurchschnittlich hoch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Untersuchungen zeigen, dass kompetent mehrsprachige Kinder und Jugendliche Unterschiede bewusster reflektieren und ihnen der Umgang mit Vielfalt leichter fällt. Die mit den Sprachen erlebte Erfahrung von Wechsel und Mischung als individueller Ausdruck ermöglicht ihnen auch, eine entsprechende Haltung zu unterschiedlichen kulturellen Traditionen und Lebensformen zu entwickeln – ein unschätzbares Kapital in einer globalisierten Welt. Bilinguale junge Erwachsene wissen das: viele von ihnen pendeln zwischen den Ländern (und Sprachen) und kultivieren die Transkulturalität zu ihrem Lebensstil. Dies ist ein Potenzial, das aktuell jedoch noch weitgehend brach liegt. Die erschreckenden Zahlen über Schul- und Ausbildungsabschlüsse von Jugendlichen aus eingewanderten Familien lassen vermuten, dass hier die grösste Diskrepanz zu finden ist zwischen Ressourcen einerseits und der Transformation in Kompetenzen andererseits. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bikulturell aufwachsende Menschen erleben familiäre Normalität als mehrdimensional. Die unterschiedlichen Alltagsgewohnheiten mischen sich zu neuen Formen des Zusammenlebens. Kulinarisch ist dieser Mix aus multikulturellen Angeboten ja inzwischen auch im kleinsten Dorf zur Realität geworden. Im Haushalt steht neben dem Samowar die Espresso-Maschine, wird der Ramadan gefeiert und im Dezember ein Weihnachtsbaum aufgestellt. Zur engeren Familie gehören diverse Tanten und Onkel, viel Besuch zu haben ist eine Selbstverständlichkeit. Kinder und Jugendliche aus binationalen oder eingewanderten Familien haben oft Verwandte in der ganzen Welt. Sie fahren nicht als Touristen ins Ausland, sondern sie erleben dort einen anders strukturierten, für sie aber völlig normalen Familienalltag. Eine solche Lebenswelt erfordert ständige Anpassungsprozesse, eine hohe Sensibilität für situatives Handeln und ein ständiges Austarieren zwischen den eigenen Bedürfnissen und der Rücksichtnahme auf andere. Wer so aufwächst, lernt viel für ein Leben in einer hoch differenzierten Gesellschaft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bikulturelle Jugendliche haben sich in ihrer Adoleszenz oft mit sehr diskrepanten Erwartungen an die jeweilige Geschlechtsrolle auseinander zu setzen. Sie erleben in der Familie und in ihrem sozialen Umfeld unterschiedliche Bewertungen, wie Mann und Frau zu sein haben. Das ist manchmal nicht ganz leicht zu handhaben; Loyalitätskonflikte sind vorprogammiert. Dazu kommt, wir haben es gesagt, dass die Adoleszenz die Zeit der Ablösung von familiären Strukturen ist und die Aufforderung beinhaltet, sich in der sozialen Umwelt als eigenständiges Individuum zu positionieren. Letzlich haben bikulturell aufwachsende Jugendliche aber auch in dieser Hinsicht die Chance, durch die wechselnde Identifikation mit den kulturellen Prägungen ihrer Eltern und den Angeboten ihres aktuellen Lebensumfeldes eine Identität auszubilden, die mit unterschiedlichen Perspektiven spielerisch umgehen kann. Sie lernen früh, die damit einhergehenden Konflikte als Normalität anzusehen und die Möglichkeiten und Grenzen von Kompromissbildungen zu erproben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;All dies sind Chancen, Vorteile. Und die Risiken, die Nachteile? Die liegen vor allem darin, dass die jungen Menschen eben nicht – oder noch nicht, oder nur teilweise – in einer interkulturellen Lebenswelt aufwachsen. Ganz allgemein könnte man sagen, dass binational aufwachsende Jugendliche in einem akzentuierten Spannungsfeld stehen; die Komplexität des Lebens bekommen sie besonders stark zu spüren, sind aber auch besonders gut dafür gerüstet, damit umzugehen. Es soll aber nicht verschwiegen werden, dass dies eine anspruchsvolle Aufgabe ist, die von den Kindern und Jugendlichen je nach vorhandenen Ressourcen unterschiedlich gut bewältigt werden kann. Ob es gelingt, wird, wie gesagt, von sehr viele Faktoren beeinflusst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Binationale Jugendliche laufen vor allem dann Gefahr, sich zu überfordern und/oder überfordert zu werden und damit Schaden zu nehmen, &lt;br /&gt;• wenn sie zu sehr zwischen den divergierenden kulturellen Erwartungen der Eltern und evtl. auch noch der Kultur des Landes, in dem sie leben, hin- und hergerissen fühlen&lt;br /&gt;• wenn sie es allen Seiten recht machen wollen und sich dabei selbst aus den Augen verlieren&lt;br /&gt;• wenn sie vehement nur eine Seite idealisieren und die andere ständig abwerten müssen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ressourcen, die sich positiv dagegen auswirken, sind&lt;br /&gt;• die Fähigkeit, psychologischen Stress zu bewältigen&lt;br /&gt;• die Fähigkeit, effektiv zu kommunizieren&lt;br /&gt;• die Fähigkeit, interpersonale Beziehungen aufzubauen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Fähigkeiten werden vor allem in der Familie ausgebildet. Aber auch die Schule und die Gesellschaft insgesamt sind hier  – zum Wohl aller – gefordert.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Versuch einer Zusammenfassung&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu den Stärken binationaler Jugendlicher gehört – wir haben es mehrmals betont – das Entwickeln von spezifischen interkulturellen Kompetenzen und ihr grosszügiges Verständnis für andere in ähnlicher Lage. Letztlich ist die kulturelle Zugehörigkeit binationaler Jugendlicher ein zentrales Lebensthema, das nicht per se Zerrissenheit impliziert – oder nur insofern, als wir alle von einer gewissen Zerrissenheit betroffen sind, mit der die «Monkulturellen» aber vielleicht weniger gut umgehen können als die «Bikulturellen». Und es ist der Umgang mit der Zugehörigkeit zu zwei verschiedenen Kulturen eine sehr individuelle, eng mit der persönlichen Entwicklungsgeschichte verknüpfte Möglichkeit, die viele Chancen, Risiken und Herausforderungen beinhaltet. Wie anfangs gesagt: Das kulturelle Lebenskonzept wird ja auch stark individuell definiert. Hier hören die Möglichkeiten, Allgemeinverbindliches zu diesem Thema zu sagen, eben auch wieder auf.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-1952705923634893913?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/1952705923634893913/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=1952705923634893913&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1952705923634893913'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1952705923634893913'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2011/07/zweiheimisch-bikulturalitat-als.html' title='Zweiheimisch. Bikulturalität als persönliche Identität und Teil einer sozialen Lebenswelt'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-7082279954683113114</id><published>2011-07-12T10:37:00.003+02:00</published><updated>2011-07-12T10:42:43.135+02:00</updated><title type='text'>Griot Mi Schwiz</title><content type='html'>&lt;iframe width="425" height="349" src="http://www.youtube.com/embed/CmjnUV--p1s" frameborder="0" allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-7082279954683113114?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/7082279954683113114/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=7082279954683113114&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/7082279954683113114'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/7082279954683113114'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2011/07/griot-mi-schwiz.html' title='Griot Mi Schwiz'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://img.youtube.com/vi/CmjnUV--p1s/default.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-3305576779536321877</id><published>2011-05-08T22:42:00.000+02:00</published><updated>2011-05-08T22:43:23.315+02:00</updated><title type='text'>Politik für Milliardäre</title><content type='html'>Parteipolitik hat sich in den letzten Jahren immer mehr von der Sachpolitik entfernt und ist zum reinen Marketing verkommen. Das heisst, dass nicht mehr die politische Lösung von Sachproblemen im Vordergrund steht, sondern die Frage, wie zusätzliche Wählerstimmen geholt werden können. Natürlich gehört Politikmarketing – die wählerorientierte Entwicklung und Vermarktung der Politik oder einer politischen Partei – zur Politik. Politikmarketing als notwendiges Übel ja, als Selbstzweck nein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von dieser Tendenz zum Überhandnehmen des Politikmarketings zuungunsten der lösungs- und konsensorientierten Sachpolitik ist keine der Parteien ausgenommen. Die einen machen es geschickter, die anderen weniger geschickt; die einen mit weniger Mitteln, die anderen mit dem ganz dicken Portemonnaie. Das macht die weniger geschickten – und damit weniger erfolgreichen – zwar eher sympathisch, verhilft ihnen aber natürlich nicht zu grösserem politischem Gewicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gibt in der Schweiz eine Partei, die das Spiel des politischen Marketings perfekt beherrscht. Es ist die Partei, die zuerst erkannt hat, wie wichtig dieses Marketing für den politischen Erfolg ist. Es ist auch die Partei, die die meisten Mittel dafür aufwendet – und die meisten Mittel dafür aufwenden kann. Klar – schliesslich ist es die Partei der Milliardäre; jene Partei, die Politik für Milliardäre macht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was heisst das nun – Politik für Milliardäre (zu denen ich hier auch diejenigen mit den vielen Millionen rechne, die es – noch? – nicht ganz in den Club der Milliardäre geschafft haben). Es bedeutet Steuersenkungen auch – und gerade – für die ganz Reichen, es bedeutet die Senkung der Staatsausgaben. Die Partei, von der ich spreche, ist die einzige Partei mit einer konsequent neoliberalen Politik in der Schweiz, einer Politik, die sich für einen schrankenlosen, von allen Fesseln befreiten Kapitalismus stark macht – und damit für einen möglichst schwachen Staat. Ein starker Staat wird von ihr nur in Sicherheitsfragen toleriert – wenn es darum geht, einen (imaginären oder realen) äusseren oder inneren Feind zu bekämpfen. Und allenfalls noch dann, wenn es darum geht, die Bauern – ursprüngliche Kernwählerschaft – vor ausländischer Konkurrenz zu schützen (und damit, nebenbei gesagt, auch wieder gegen die eigenen neoliberalen Prinzipien zu verstossen).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie machen die das?&lt;br /&gt;Wir schafft es die Partei für Milliardäre, die eine Politik für Milliardäre macht, zu der wählerstärksten Volkspartei zu werden? Schliesslich sind Milliardäre auch in einem reichen Land wie der Schweiz nicht gerade in der Mehrheit. Das erfordert doch eine wahrhaft herkulische Leistung von den PR-Fachleuten der Partei. Wie machen die das?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zunächst geht es natürlich darum zu verschleiern, dass die Partei Politik für Milliardäre macht – oder vielmehr zu suggerieren, dass diese Politik auch anderen Wählerschichten zugute komme: zum Beispiel dem Mittelstand, aber auch ganz generell allen «guten», «richtigen» Schweizern. Ein starkes, durch keine gesetzlichen Schranken behindertes Unternehmertum schaffe Arbeitsplätze; die Bedrohung von Sicherheit und Wohlstand erfolge ausschliesslich durch einen zu bekämpfenden inneren und äusseren Feind (EU, Ausländer generell, Scheininvalide, Sozialschmarotzer, Linke und Nette, Classe politique).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das führt uns zum entscheidenden Hebel, an dem das Politikmarketing der Partei ansetzt: der Schaffung von Feindbildern. Dass Politikmarketing mit Feindbildern operiert, ist zwar auch bei anderen Parteien nicht gerade der Ausnahmefall, wird aber von keiner anderen Partei so permanent und konsequent umgesetzt und durchgezogen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;C.G. Jung hat das Konzept des Schattens entworfen, wobei der Schatten sozusagen die dunkle, im Schatten liegende Seite der Persönlichkeit ist. Er setzt sich aus all jenen mit den bewussten Identifikationen des Ich unvereinbaren Aspekten, Neigungen und Eigenschaften eines Menschen zusammen, die wir nicht in unsere bewusste Persönlichkeit integriert haben. Solange keine bewusste Auseinandersetzung des Ich mit diesem unbewussten Schatten stattgefunden hat, kann dieser nur ausserhalb des Ich wahrgenommen werden und wird deshalb häufig auf andere Personen und Personengruppen projiziert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Insofern passt das Marketing-Konzept der Partei recht gut zur Erklärung des Schattenprinzips von C.G. Jung. Die Feindbilder der Partei sind sozusagen der «Schatten» der Schweiz, aber auch jeder einzelnen Wählerin  und jedes einzelnen Wählers. Das, was uns bedrohlich erscheint, wird auf einen äusseren und inneren Feind projiziert, den man nun nur noch bekämpfen muss – indem man die Partei wählt, die das stellvertretend für uns tut –, damit alles gut wird und wir uns vermeintlich sicher fühlen können. «Jedem SVPler steht die Schweiz näher als die eigene Partei. Dies ist wohl der wesentliche Unterschied zu allen anderen Parteien, welche vor allem für die eigene (Partei-)Befindlichkeit und die Pöstchen einstehen, anstatt für die Unabhängigkeit und Freiheit unseres Landes», schreibt beispielsweise SVP-Nationalrat Alfred Heer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Insofern ist der Erfolg der Partei auch eine Folge der Globalisierung. Diese löst Ängste aus, die nun nach Jungs Schattenkonzept auf ein Feindbild projiziert werden und damit aushaltbar gemacht werden kann. Dieses Bedrohungsgefühl ist gleichzeitig sehr diffus und tief sitzend, es betrifft den Identitätsverlust und das Gefühl, dass die Anderen, Fremden uns etwas wegnehmen könnten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Feindbild Nr. 1: Ausländerinnen und Ausländer, alles «Fremde», «Unschweizerische» generell. In diesen Komplex gehören natürlich die EU, aber auch andere intergouvernementale und vor allem supranationale Strukturen (UNO, NATO, Abkommen von Schengen und Dublin). Dazu gehören Asylsuchende und alle Arten von Einwanderern. In dieses Kapitel gehört natürlich auch die Minerettinitiative, gehören Plakate wie jenes von den dunklen Händen, die nach dem Schweizerpass greifen, die Schäfchenplakate, die Plakate, die Ausländer als Mörder und Vergewaltiger zeigen etc.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Feindbild Nr. 2: «Sozialschmarotzer» und «Scheininvalide». Jede und jeder ist für sich selbst verantwortlich. All jene, die es nicht schaffen, sind selber schuld. Sie verkörpern das «Schwache», das es auszumerzen gilt. «Sozialschmarotzer» ist ein seit etwa Ende der 1970er Jahren verwendetes pejoratives Schlagwort für einen Einzelnen oder eine Gruppe von Menschen, die eine andere soziale Gruppe (z. B. einen Sozialstaat oder eine Solidargemeinschaft) „ausbeuten“ würden. Gelegentlich wird die Bezeichnung polemisch in Medien und politischen Debatten allgemein auf Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, Langzeitstudenten, Asylanten, Totalverweigerer, Kinderlose oder auch Kinderreiche erweitert. Seltener werden auch Leute als «Sozialschmarotzer» bezeichnet, die notwendigerweise, wie etwa aus gesundheitlichen Gründen, aufgrund hohen Lebensalters oder aus Verfolgung auf soziale Hilfe angewiesen sind. Oft werden Personen, die angeblich oder tatsächlich unberechtigt staatliche Transferleistungen erhalten (Leistungsmissbrauch bzw. Sozialhilfemissbrauch) oder die Schwarzarbeit  und Steuerhinterziehung begehen, so bezeichnet. Steuerhinterzieher sind allerdings eher nicht gemeint, wenn die SVP von Sozialschmarotzern spricht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Feindbild Nr. 3: Die Linken und die Netten. Unter dem Stichwort «Folgen der Multikultur» sagte SVP-Nationalrat Yvan Perrin in einem Referat zur «Ausschaffungsinitiative» 2010: «Die grassierende Ausländerkriminalität hat eine ideologische Grundlage: sie heisst Multikultur. Und für die grassierende Ausländerkriminalität gibt es politisch Verantwortliche: Es sind die Linken und Netten. Sie heissen SP, Grüne, CVP und FDP. Sie schwärmen von einer neuen Schweiz; von einer offenen Schweiz, die ihres Traditionsfundamentes beraubt der vielfarbigen Benetton-Werbung gleicht. Als Allianz weltfremder Träumer haben Linke und Nette während Jahren im Bundesparlament und in den Kantonsparlamenten alle Vorstösse und Lösungsbemühungen der SVP abgelehnt und abgeblockt. Die Folge ist eine verantwortungslose Schleusen-Auf-Politik.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Interessant an diesem Zitat ist der Begriff der «Schleusen-Auf-Politik», der sehr schön das Konzept des Schattens, der auf ein Feindbild projiziert wird, illustriert. Das «Böse» kommt von aussen, es bedroht, mit Hilfe von «Kollaborateuren mit dem Feind» im Innern, die «heile Welt der Schweiz», die es zwar nie gegeben hat, die aber zweifellos eine schöne Wunschprojektion der Parteianhängerinnen und -anhänger ist, eine heile Welt, in der der Parteipräsident mit einem Lämmchen auf dem Schoss vor seinem bäuerlichen Anwesen sitzt, in der es keine Drogen und keine Kriminalität und keine arbeitenden Mütter gibt.  Yves Perrin schliesst seine Rede mit dem ebenfalls aufschlussreichen Zitat: «Es ist somit an der SVP, das Bedürfnis der Schweizerinnen und Schweizer nach mehr Sicherheit, mehr Grenzen und vor allem nach konsequentem Durchgreifen beim Überschreiten der Grenzen, aufzunehmen und umzusetzen.»&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-3305576779536321877?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/3305576779536321877/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=3305576779536321877&amp;isPopup=true' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/3305576779536321877'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/3305576779536321877'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2011/05/politik-fur-milliardare.html' title='Politik für Milliardäre'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-2637417793713258317</id><published>2011-04-20T16:43:00.001+02:00</published><updated>2011-04-20T16:43:47.734+02:00</updated><title type='text'>Ein Tag wie jeder andere (6)</title><content type='html'>Oesch setzte sich an den Schreibtisch und folgte dem Auf und Ab der Stimmen im Nebenzimmer. Eigenartigerweise konnte er in der Unterhaltung keinen Inhalt erkennen, obwohl die Stimmen gut vernehmbar war und die Frauen, die den Stimmen nach wie gesagt eher keine jungen Frauen mehr waren, in einem klar identifizierbaren, schon fast übertrieben wirkenden Zürcher Dialekt sprachen, schnell und aufgeregt, mit aufgeblähten Vokalen. Oesch konnte also nur der Melodie und nicht dem Sinn des Gesprochenen folgen, und während er so dasass und lauschte, ergriff ihn eine Art Lähmung, eine Schwere der Glieder, die ihn in den Boden hinein zu ziehen versuchte. Ja, er fühlte sich irgendwie aufgesogen, eingeschlürft; seine Augenlider drohten zuzufallen. Währendem wurden die Stimmen im Nebenzimmer immer aufgeregter, lauter und aggressiver, bis sie sich schliesslich in einem Schrei entluden, auf den ein lautes Rumpeln folgte, ein Geräusch, das mit dem Umfallen von Gegenständen, Möbelstücken zum Beispiel, einherzugehen pflegte. Unvermittelt war es ruhig, man hörte nur entfernt ein Tram quietschen. Oesch war erstarrt, unfähig, sich zu bewegen. Dann öffnete sich die Tür, und eine beleibte ältere Dame mit ausladendem Busen stürmte mit hochrotem Kopf an Oesch vorbei und aus dem Raum heraus, gefolgt von einer noch älteren Dame mit grauem schütterem Haar, die jammerte und die Hände rang. Nun erwachte Oesch aus seiner Erstarrtheit und erhob sich vom Pult, um einen Blick in den Nebenraum zu werfen. Dieser erwies sich als das chaotischste Büro, das Oesch je gesehen hatte, so chaotisch, wie er es sich bisher gar nicht hatte vorstellen können. Eine weitere Dame, auch nicht mehr jung, aber mit hoch aufdupiertem blondem Haar, lag mit dem Gesicht auf der Schreibmaschine, tat keinen Wank und wirkte ziemlich tot. Neben ihr qualmte eine Zigarette im Aschenbecher, auf den vier zusammenschobenen Pulten, die den Raum beherrschten und kaum Raum liessen zu stehen, zu sitzen und zu gehen, lagen vergilbte Papiere, alte Zeitschriften und Zeitungen, vertrocknete und angeschimmelte Nahrungsreste, Stofffetzen, Kleiderbügel, Kugelschreiber, Stempelkissen, riesige Scheren, riesige Aktenlocher, zerfetzte alte Bücher, Bleistifte, mit Schreibmaschine beschriebene Karteikarten, Nastücher, Schminkutensilien, aber auch Gegenstände, die für Oesch nicht identifizierbar war, dazu hing über allem ein Geruch aus Zigarettenrauch, Moder und längstverdautem Essen. Oesch war völlig desorientiert; dann geriet er in Panik. Er verliess das Büro, so rasch er konnte. Auf den Korridoren des verwinkelten Hauses, in denen er sich bald nicht mehr auskannte, begegnete er anderen Mitarbeitenden des Hilfswerk, älteren und jüngeren, weiblichen und männlichen, die ihm alle nicht sehr bekannt vorkamen und die ihn auch gar nicht beachteten. In wachsender Panik ging er treppauf treppab und durch die düsteren Korridore, Ewigkeiten, wie ihm schien, als er sich plötzlich vor einer Tür befand, auf der sich ein Schild mit der Aufschrift „Direktor“ befand.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-2637417793713258317?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/2637417793713258317/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=2637417793713258317&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/2637417793713258317'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/2637417793713258317'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2011/04/ein-tag-wie-jeder-andere-6.html' title='Ein Tag wie jeder andere (6)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-3116281382339193661</id><published>2011-02-21T09:23:00.001+01:00</published><updated>2011-02-21T09:23:42.378+01:00</updated><title type='text'>Ein Tag wie jeder andere (5)</title><content type='html'>Er machte sich auf den Weg zur nächsten Tramstation, den nördliche Teil der Langstrasse entlang, die am Limmatplatz endete, wo er mit dem Vierertram Richtung Bahnhof und dann den Limmatquai hinunter bis zum Bellevue und dann zur Tramhaltstelle Opernhaus fahren musste, wo er das Tram zu verlassen hatte, wenn er rechtzeitig an seinem Arbeitsplatz erscheinen wollte. Es begegneten ihm eine Menge heruntergekommener, ungesund aussehender Gestalten, die meisten jung, einige mit aufgeschwollenen Gliedern und offenen Abszessen, von denen ihnen der eine und der andere um Geld anging. Das machte Oesch ganz konfus, er konnte sich den Aufmarsch dieser Jammergestalten nicht erklären, bis aus einem hinteren Winkel seines Gehirns der Begriff  «offene Drogenszene» auftauchte und sich in seinem Bewusstsein breit machte, ach ja, dachte er, richtig, der «Letten» unten am Fluss bei den Bahngeleisen, nur komisch, dass er sich erst nicht daran erinnert hatte. Überhaupt fühlte sich Oesch ganz grundsätzlich sehr irritiert, überhaupt nicht heimisch in dieser Gegenwart und in diesem Zürich, das mochte auch an der Tageszeit liegen, denn am Morgen fühlte sich Oesch nie ganz heimisch in der Aussenwelt, in die er zuungunsten seiner Innenwelt einzutauchen gezwungen war, aber ganz so fremd fühlte er sich an anderen Morgen denn doch nicht. Alles irritierte ihn: Wie die Menschen gekleidet waren, die Autos auf der Strasse, die Reklameplakate, die Auslagen in den Schaufenstern, so, als wäre das nur Staffage, Bühnenbild, Filmkulisse, gar nicht echt. Es war kalt, traurige schmutzige Schneereste lagen am Strassenrand, folglich war es Winter. Es fiel ihm auf, dass er keine Ahnung hatte, welches Datum man schrieb, ja nicht einmal, welcher Wochentag heute war. Montag oder Freitag? Das machte für einen werktätigen Menschen schliesslich einen erheblichen Unterschied. Die Montagslaune unterscheidet sich mitunter erheblich von der Freitagslaune. Er kaufte sich am Kiosk einen Tages-Anzeiger, dessen Layout ihm ebenfalls spanisch vorkam, bevor er zum eben einfahrenden quietschende und auf Oesch antiquiert wirkende Vierertram hastete. Er öffnete die Zeitung: Es war der 10. Dezember 1991, es war Dienstag, Aung Sang Suu Kyi, die zuvor in Burma die Wahlen gewonnen hatte, erhielt den Friedennobellpreis, den sie aber wegen Hausarrests in Burma in Oslo nicht abholen durfte, zwischen den EFTA-Ländern und der Türkei wurde eine Verständigungsprotokoll unterschrieben, bei einem Verkehrsunfall auf der A4 gab es sieben Tote, die Miss Schweiz signierte im Glattzentrum Autogrammkarten – Theophil Oesch erinnerte sich nicht, je von einer Sandra Aegerter gehört zu haben, aber seis drum, es kam ihm ja eh ziemlich alles ziemlich fremd, um nicht zu sagen surreal vor.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Büro war alles uralt. Der fleckige Spannteppich von einem unbestimmten Dunkelgrün, das Mobilar aus den Zwanziger- oder Dreissigerjahren, ein Büchergestell an der Wand mit Glasvitrinen war wohl noch älter, die lederrückigen schweren Bände im Gestell wohl auch, Brehm Tierleben und Meyers Grosses Conversationslexikon, nur auf dem Pult, vor dem ein altmodischer einbeiniger Drehstuhl aus Holz stand, stand ein winzigkleiner Apple-Macintosh-Computer. Vor seinem geistigen Auge hatte Oesch ein ganz anderes Bild, wenn er das Wort «Computer» hörte, dieser Winzling hier auf dem Pult war einfach lächerlich. Etwas weiteres fiel Oesch auf: Es roch im Büro nach Zigerettenrauch. Das man in Büros neuerdings wieder rauchen wurde, war ihm nicht bewusst gewesen. Aus dem Nachbarbüro gedämpft das Schnattern von Frauenstimmen.&lt;br /&gt;Oesch setzte sich auf den Drehstuhl, noch immer in der gefütterten Jacke, und lauschte. Er lauschte, denn er hatte keine Ahnung, was er sonst tun sollte. Er bemerkte überrascht und mit Grauen, dass er keine Ahnung oder vielmehr: keine Ahnung mehr hatte, worin sein Job bestand und was er konkret zu tun hatte. Ganz allgemein wusste er das schon noch, er arbeitete im Verlag des Hilfswerks und war Redaktor eines Jugendjahrbuchs und einer Fachzeitschrift, aber er hatte entweder vergessen oder verdrängt, in welchem Arbeitsprozess er sich gerade befand. Er hätte auch gar nicht gewusst, wie er mit diesem lächerlichen Minicompüterchen auf dem Pult und der elektronischen Schreibmaschine hätte arbeiten sollen. Diese Arbeitsinstrumente erschienen ihm merkwürdig unadäquat, wie Spielzeug für Kinder. Also sass er da und lauschte dem Geschnatter aus dem Nachbarbüro. Er konnte drei Stimmen unterscheiden – weibliche Stimmen, wie gesagt, nicht mehr junge Stimmen, wenn er sich nicht irrte, Stimmen in lebhafter Unterhaltung.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-3116281382339193661?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/3116281382339193661/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=3116281382339193661&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/3116281382339193661'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/3116281382339193661'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2011/02/ein-tag-wie-jeder-andere-5.html' title='Ein Tag wie jeder andere (5)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-6636552483117698688</id><published>2011-01-26T08:49:00.001+01:00</published><updated>2011-01-26T08:49:59.451+01:00</updated><title type='text'>Ein Tag wie jeder andere (4)</title><content type='html'>In diesem Moment erwachte Oesch; es dauerte lange, bis er sich daran erinnerte – oder zu erinnern glaubte – wo und in welcher Zeit er sich befand. Er befand sich in einem Bett, soviel war schon mal klar; und das Zimmer, in welchem das Bett stand, kam ihm auch nicht gerade unbekannt vor.  Geweckt worden war er vom Piepsen eines Weckers. Er befreite sich von der Bettdecke und wankte ins Badezimmer: modern, Stil frühe Neunzigerjahre.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So etwas wie ein leises Erschrecken suchte ihn heim, als er in den Spiegel blickte. Das Gesicht kam ihm, genauso wie das Zimmer, nicht unbekannt vor – das war zweifellos er, dieses Gesicht trug zweifellos den Stempel seiner Identität, nur war es ein zu junges Gesicht. Er schätzte es auf 35, höchstens 38 Jahre. Das Gesicht war zwanzig Jahre zu jung für seinen Geschmack – oder vielmehr für sein Selbstverständnis. Beim Erwachen hatte er sich als 55-Jährigen in Erinnerung, aber das mochte der Nachhall eines Traums gewesen sein, der schon erheblich verblasst war. Ist doch schön, dachte er flüchtig, wenn man plötzlich zwanzig Jahre jünger ist, wer wünscht sich das nicht. Manch einer erwacht aus einem Alptraum, in dem er sich als Greis träumte, und nimmt erleichtert war, dass er wieder der Jüngling ist, als den er sich wähnte. Aber bei ihm war es eben nicht so. Bei ihm fühlte es sich eher so an, als würde der Alptraum hier und jetzt beginnen. Er erinnerte sich daran, dass er im Traum etwas gesucht hatte, etwas oder jemanden, und dass er auch etwas gefunden hatte, etwas oder jemanden, aber keinesfalls das oder den, das oder den er gesucht hatte. Er schüttelte den Kopf. Er begann sich bereits an sein vermeintlich neues, aber vermutlich altes, das heisst jüngeres, Ego zu gewöhnen. Er war ein Mann, der sich auf das mittlere Alter zu bewegte, nicht mehr ein Jüngling, bewahre, der Bonus der Jugend war längst schon verspielt, aber doch noch weit entfernt von der statistischen Mitte des Lebens. Obwohl er sich nicht wirklich fit fühlte heute morgen. Wahrscheinlich hatte er gestern Abend etwas zu intensiv ins Rotweinglas geschaut, das kam ja nicht eben selten vor. Klar, er wohnte im Zürcher Kreis 5, allein in einer recht geräumigen Zwei- oder Zweieinhalbzimmerwohnung, ein bisschen junggesellenhaft eingerichtet und ungeputzt, aber ganz bequem. Klar, er war beim Hilfswerk angestellt, seit Kurzem erst, als Redaktor einer Fachzeitschrift und eines Jahrbuchs für Jugendliche und als Assistent der Verlagsleitung. Ein idealer Job für Oesch, in dem er bei einem anständigen Gehalt nicht eben überfordert wurde und seine Freiheiten hatte. In eine Bank hätte Oesch nicht gepasst, genauso wenig wie in eine Werbeagentur. In einer Werbeagentur hatte er kurz gearbeitet, aber da gingen ihm die ewigen Bezeugungen der Mitarbeitenden, wie toll sie alle waren, und dass man wenigstens so tun musste, als wäre man permanent im Stress – der Tag hat 24 Stunden, die Woche sieben Tage – schon bald gehörig auf den Kecks. Nein, das gemächliche traditionsreiche Hilfswerk, das zudem über ein komfortables finanzielles Polster verfügte, passte da schon besser zu ihm. Oesch war nicht faul, aber er war wahrscheinlich weiter davon entfernt, ein Workaholic zu sein, als von der Faulheit. Und Oesch war auch nicht sehr ehrgeizig – er war wiederum weiter vom Ehrgeiz entfernt als von der Bequemlichkeit, genauso, wie seine Natur im Raum zwischen Askese und Genusssucht weit näher bei der Genusssucht als bei der Askese angesiedelt war. Das alles kam Oesch in den Sinn, als er sich rasierte. Ob er wohl regelmässig von solchen Phasen der Selbsterkenntnis heimgesucht wurde. Dabei fiel ihm auf, à propos Genusssucht, dass sein Bauch weit weniger dick war, als er ihn in Erinnerung hatte – er war eigentlich kaum ein Bäuchlein und hatte nicht viel gemeinsam mit dem Bild der Wampe, das ihm im Kopf herumspukte. Wenn ich mich tatsächlich als 55-Jährigen geträumt habe, dann muss ich vielleicht in Zukunft etwas auf mein Gewicht achten, dachte er, ohne dass es ihm wirklich ernst damit war. Auch das Pissen fiel ihm übrigens überraschend leicht. Wieder schüttelte Oesch den Kopf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er machte sich auf den Weg zur nächsten Tramstation, den nördliche Teil der Langstrasse entlang, die am Limmatplatz endete, wo er mit dem Vierertram Richtung Bahnhof und dann den Limmatquai hinunter bis zum Bellevue und dann zur Tramhaltstelle Opernhaus fahren musste, wo er das Tram zu verlassen hatte, wenn er rechtzeitig an seinem Arbeitsplatz erscheinen wollte.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-6636552483117698688?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/6636552483117698688/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=6636552483117698688&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6636552483117698688'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6636552483117698688'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2011/01/ein-tag-wie-jeder-andere-4.html' title='Ein Tag wie jeder andere (4)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-6568488522018785820</id><published>2011-01-09T17:14:00.002+01:00</published><updated>2011-01-09T17:24:15.352+01:00</updated><title type='text'>Ein Tag wie jeder andere (3)</title><content type='html'>Als Oesch aus seiner Erstarrung erwachte, war da immer noch dieser Fluchtimpuls, den er in sich spürte und den er nun unverzüglich in die Tat umsetzte. Ohne sich darum zu kümmern, dass er noch im blossen Hemd und in Hausschuhen war, verliess er seine Wohnung und lenkte die Schritte mit grosser Entschlossenheit in Richtung Stadt. Dabei fiel ihm auf, dass es draussen mittlerweile merklich wärmer geworden war. Obwohl ohne Schal und Jacke, war ihm nicht nur nicht kalt, sondern sogar richtig warm. Das musste ein ungewöhnlich starker Zustrom subtropischer Luft aus südlichen Gegenden sein, den da ein ziemlich stürmischer Föhn mit sich brachte. Plötzliches Tauwetter war im Dezember ja keine Seltenheit, aber ein Tauwetter, das mit diesem Tempo und mit derart hohen Temperaturen einsetzte – es war inzwischen mindestens 15 Grad – hatte Oesch noch nie erlebt. Auch schien dieser Wind mit einem Duft geschwängert zu sein, den Oesch einfach nicht identifizieren, geschweige denn dingfest machen konnte. Obwohl der Duft äusserst intensiv war, war sich Oesch nicht ganz sicher, ob er ihn sich nicht nur einbildete. Er war irgendwie süsslich – Schokolade, Erdbeere, Jasmin, Flieder, weiss der Teufel, dann wieder salzig wie ein Duft vom Meer, plötzlich auch auf eine unsagbare Art geschlechtlich, sexuell, erregend...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Inzwischen war Oesch beim Zehntenhausplatz angelangt, einer Art Zentrum des Ortsteils am Stadtrand, den er bewohnte, und bog – weg von der üblicherweise in anderen Zeitaltern oder auf anderen Realitätsebenen stark befahrenen Wehntalerstrasse – nach rechts ab, in Richtung Hönggerberg, weg von der Zivilisation, die jetzt eine Zivilisationswüste oder eine verwaiste Zivilisation war, Richtung Wald. Von dort, schien ihm, musste die Geruchsimmission kommen, dort musste die Quelle der Düfte sein. Warum Oesch das vermutete, wusste er selbst nicht; er war aber felsenfest davon überzeugt. Gleichzeitig schienen ihm die Gerüche wie Farben zu sein, ja, die Gerüche tauchten die Umgebung je nach Beschaffenheit in ein spezifisches Licht. Oesch musste lachen, denn das war eigenartig, aber auch faszinierend: Synästhesie nannte man das, ja genau, Oesch erinnerte sich daran, weil er dieses Phänomen einmal für ein Buch über Drogenkonsum recherchiert hatte. Und während er zwischen verlassenen Einfamilienhäusern dem Wald entgegenstrebte, mit einer insgesamt nur als «staunend» zu bezeichnenden inneren Haltung, glaubte er manchmal, im heftigen Wind Musikfetzen zu hören, Musikfetzen, die aus einem alten Led Zeppelin-Stück herausgerissen waren, einem Lieblingssong von Oesch, «When the Leeve Breaks», Oesch versuchte sich zu erinnern: «If it keeps on raining levee’s going to braek/When the Levee breaks have no place to stay». Oesch versuchte sich zu erinnern, was «Levee» hiess: Damm, Deich, Schutzwall... sofort zogen Bilder von Holland durch sein Hirn, Bilder von überschwemmten Ebenen, von braunen, weissen und schwarzen Kühen, die aufgedunsen mit dem Bauch nach oben auf den Fluten trieben, und wieder dieser Geruch, dieser Geruch, der im Wind lag und einerseits nach Lust, anderseits nach Tod roch...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Inzwischen war es noch wärmer geworden. Oesch schwitzte, er war eindeutig zu warm angezogen. I am overdressed, sagte Oesch laut und lachte. Er lachte erst verhalten, dann überkam es ihn, und schliesslich wälzte er sich am Boden vor Lachen, das heisst, nein, er stellte sich nur vor, sich lachend auf dem Boden zu wälzen, When the Leeve Breaks when the Leeve Breaks... Wenn alle Dämme brechen, gibt’s keinen Ort mehr, wo man hingehen kann, nein nein, die grosse Flut setzt das ganze Land unter Wasser, die Gefühle überschwemmen ganz unsern Verstand und wir werden verrückt. Vielleicht war Oesch daran, verrückt zu werden, während ein Wind durch die Landschaft fuhr und an den Bäumen rüttelte, der nach Sperma und Scheisse roch und nach Achselschweiss und Pheromonen, ein inzwischen schon heisser Wind, der direkt aus dem Zentrum einer Wüste zu blasen schien, Oesch riss sich das Hemd vom Leib, wenn er verrückt wurde, wen juckte es? Don’t it make you feel bad/When you’re tryin’ to find your way home/You don’t know which way to go? sang Robert Plant, während der mit Düften geschwängerte heisse Wind die laublosen Bäume um ihn herum in die ein wildes Farbenspiel tauchte...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es war ein Wunder: Von weitem sah Oesch an einem der Holztische vor der Waldhütte einen Mann sitzen. Oeschs Herz schlug schneller, und er rannte jetzt fast. Der Mann sass am Tisch, vor sich eine Flasche Wodka und ein Glas, und schaute in die Oesch entgegengesetzte Richtung. Er war ein Mann in den Fünfzigern, mittelgross, korpulent, ergraut wie Oesch selbst, aber mit grosser Glatze, einem vom Trinken gedunsenen, gelben, fast grünlichen Gesicht und geschwollenen Lidern, unter denen jetzt wie aus Spalten winzige, aber lebendige, gerötete Äuglein blitzten. Während er seinen Blick auf Oesch richtete, funkelte in seinem Blick etwas wie Begeisterung, als wäre er ebenso froh wie Oesch, auf ein anderes menschliches Wesen zu stossen – aber gleichzeitig glomm darin etwas wie Irrsinn. Sein Anzug bestand aus einem alten, zerlumpten schwarzen Frack, ohne Knöpfe. Ein einziger sass noch halbwegs fest, und diesen hatte er auch geschlossen, da er offenbar den Regeln des Anstands Genüge tun wollte. Unter der Nankingweste kam eine Hemdbrust zum Vorschein, völlig verknittert, verschmutzt und verschmiert. Auf seinem Gesicht sprossen dichte, schwarzbläuliche Stoppeln. Sein Gehabe war irgendwie würdevoll und beamtenhaft. Er hob das Glas Oesch zum Gruss und fragte ihn offenbar etwas, was Oesch jedoch nicht verstand. Welche Sprache war das? Oesch tippte auf ein östliches Idiom; wahrschenlich russisch. Auch war der Wodka keine Marke, die man in der Schweiz kaufen konnte. «Ich kann Sie leider nicht verstehen», stammelte Oesch verstört, «woher stammen Sie? Welche Sprache sprechen Sie? English? Français?» Der Russe sprach aufgeregt weiter und begann, jetzt schon wesentlich weniger würdevoll und beamtenhaft, zu gestikulieren. Offenbar war er stark betrunken. Er zeigte immer wieder auf sich, auf Oesch und auf den sie umgebenden Wald, auf den er sich offenbar keinen Reim machen konnte. Auch wurde sein Ton immer anklagender, ja geradezu aggressiv, so, als sei der Russe Oeschs wegen in irgendeine missliche Lage geraten und der solle jetzt gefälligst was tun. Immer wieder tippte er sich selbst auf die Brust und rief: «Marmeladow, Semjon Sacharytsch Marmeladow!» Schliesslich machte sich der Russe an Oesch heran, bis sie Brust an Brust standen, und hauchte ihm seinen Alkoholatem ins Gesicht, während er ihn anschrie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Oesch geriet in Panik. Er riss sich los von dem Verrückten, ergriff einen am Boden liegenden Ast und schlug auf den verrückten Russen ein, bis dieser zu Boden stürzte. Dann rannte er voller Entsetzen davon.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-6568488522018785820?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/6568488522018785820/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=6568488522018785820&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6568488522018785820'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6568488522018785820'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2011/01/ein-tag-wie-jeder-andere-3.html' title='Ein Tag wie jeder andere (3)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-1520978010721236367</id><published>2011-01-02T12:10:00.004+01:00</published><updated>2011-01-02T12:22:49.441+01:00</updated><title type='text'>Ein Tag wie jeder andere (2)</title><content type='html'>Es dauerte eine Weile, bis Oesch sich begann, an seinen neuen Zustand zu gewöhnen oder ihn zumindest als Realität zu akzeptieren. Am Abend eines Tages, den Oesch weitgehend untätig verbracht hatte – er hatte ein wenig an seinem Computer herumgespielt, Golf Solitaire und Two of a Kind, ein wenig am Fernseher herumgezappt, hatte eine indonesische Nudelsuppe gekocht und gegessen, war von einem Zimmer ins andere gegangen, hatte sich dabei ertappt, wie er laut mit sich selber sprach – entdeckte Oesch, dass er der neuen Situation momentan beinahe etwas abgewinnen konnte. Das war aber allerdings erst, nachdem er eine Flasche Weisswein und eine halbe Falsche Roten intus hatte. Er hing vor dem Fernseher auf der Couch und sah sich die erste Folge der „Herr der Ringe“-Trilogie ab DVD an. Das plötzliche Gefühl des Wohlbehagens ging von dem (wahrscheinlich trügerischen) Bewusstsein aus, dass es absolut nichts und vor allem niemanden gab, der oder das ihn nun stören konnte – der Kern dieses Wohlbehagens war das (ganz bestimmt trügerische) Gefühl einer absoluten Freiheit. Er konnte tun und lassen, was er wollte – wer sollte ihn dafür kritisieren, wer ihn daran hindern? Höchstens seine eigene Erziehung oder Prägung oder Konditionierung oder wie man das nennen wollte. Er war frei! Niemand beobachtete ihn (ausser er sich selbst).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachdem er auch die Flasche Rotwein geleert hatte und eine zweite zur Hälfte geleert war, verflüchtigte sich sein Wohlbehagen allerdings rapide. Er konnte dem Film nicht mehr folgen; kalte Schauer jagten über seinen Rücken, sein Unterleib zog sich zusammen. Vielleicht wurde er krank? Ja, und dann? Es gab jetzt nicht nur keinen Aluk mehr, der ihm notfalls Tee kochte, ihm den Rücken mit Tigerbalsam einrieb und ihn tröstete, es gab auch keine Ärzte und Krankenschwestern mehr und keine 24-Stunden-Permanence-Praxis im Hauptbahnhof und keine Notfallstationen in den Spitälern, das heisst, die Notfallstationen gab es schon noch, einfach ohne Ärzte und Krankenschwestern und Patienten (nahm et jedenfalls an, gecheckt hatte er es ja noch nicht), notfalls musste er in eine Apotheke oder eine Praxis einbrechen, aber was hiess in diesem Fall schon einbrechen, juristische Tatbestände waren in der Welt, wie sie jetzt war, ganz irrelevant und nichtexistent geworden (denn es gab ja auch keine Polizisten und keine Richter mehr, wenngleich auch noch Polizeistationen und Gerichte), er, Oesch, musste also in Apotheken oder Arztpraxen einbrechen und sich Medikamente besorgen. Allerdings war sein medizinisches und pharmazeutisches Wissen beschränkt, sehr beschränkt. Dabei fiel ihm ein, dass er sich dann gleich mit ein paar Sachen aus dem Giftschrank versorgen konnte, die ihm dieses elende Leben hier ein wenig erleichtern konnten, zum Beispiel Valium oder Morphium, und überhaupt musste er daran denken, seinen Alltag zu organisieren. Er musste sich mit Lebensmitteln versorgen. Also zuerst einmal in einen Supermarkt einbrechen (aber was hiess da einbrechen?), das konnte er gleich morgen früh tun. Er könnte sich auch Geld beschaffen, aus der Ladenkasse oder vielleicht auch in einer Bank, was davon abhing, wie stark das Geld gesichert war. Geld hatte in den letzten Jahren seine materielle Seite sowieso zusehends verloren und zwar zum reinen Zahlenspiel verkommen. Sich Geld zu beschaffen machte momentan überhaupt keinen Sinn, aber da er natürlich durchaus damit rechnete, dass der momentane Zustand irgendwann ein Ende haben würde, war die Frage der Geldbeschaffung, sozusagen im Hinblick auf eine allerdings höchst ungewisse Zukunft, durchaus einen Gedanken wert. Der kluge Mann sorgt vor, sagte Oesch laut und lachte unfroh. Es wäre auch durchaus nicht ohne Reiz, in fremde Wohnungen einzusteigen und sich da ein wenig umzusehen. Er konnte morgen gleich bei seinen Nachbarn beginnen, die er noch nie besucht hatte; er hatte sich schon lange gefragt, wie die wohl eingerichtet waren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In den Laden, eine Filiale der österreichischen Spar-Kette gleich via-à-vis von seinem Haus, brauchte er gar nicht einzubrechen. Der Laden war zwar ebenfalls menschenleer, aber beleuchtet und offen. Auch die Kühlregale funktionierten tadellos, wie Oesch feststellen konnte. Die Energieversorgung war also trotz allem, was passiert sein mochte, nicht oder noch nicht zusammengebrochen. Sogar das Brot war, wie Oesch sich überzeugen konnte, noch einigermassen frisch oder sozusagen frisch. Ziemlich wahllos stopfte Oesch Lebensmittel in die mitgebrachten Taschen. Zu bezahlen brauchte er ja nicht. Er konnte gar nicht bezahlen. Trotzdem fühlte er sich unwohl bei seinem Tun. Streng genommen war die Aktion, die er hier vollzog, Ladendiebstahl, aber der Begriff verliert, wie überhaupt jede Moral, sozusagen jeden Sinn, wenn man schätzungsweise der einzige noch vorhandene Mensch auf dieser ganzen gottverdammten seelenlosen Erde ist. Das wusste Oesch natürlich nicht, musste aber immer mehr davon ausgehen, da sich bisher auch medienmässig kein menschliches Wesen aus der Zeit nach dem 10. Dezember zu Wort gemeldet hatte oder sonstwie bemerkbar machte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachdem Oesch zu Hause die Lebensmittel im Kühlschrank und im Küchenkasten deponiert hatte, läutete er vorsichtshalber an der Tür seiner Nachbarn, aber es reagierte natürlich niemand und die Tür war verschlossen. Sämtliche Türen, die er im Haus ausprobierte, waren verschlossen, bis auf die Tür, die zu einer der Penthousewohnungen führte. Nachdem er, höflich, wie er nun mal war, aber leider völlig vergeblich geläutet hatte, konnte er das Appartement problemlos betreten. Die Wohnung sah aus, als sei sie eben erst verlassen worden, überall fanden sich Spuren des Alltagslebens, das sich in diesen Wänden abgespielt hatte: abgelegte Kleider, verwelkende Blumen auf dem Tisch, herumliegende Illustrierte, eine angebrochene Cornflakes-Packung auf dem Tisch, eine Tasse erkalteten Tees... Oesch betrat das fremde Schlafzimmer und entdeckte in sich einen Impuls, der ihm sogleich peinlich war: Er hatte das Bedürfnis, in Schubladen zu stöbern und Schränke zu durchwühlen. Doch da liess ihn ein Geräusch aufhorchen: ein Knacken und Schaben, vielleicht auch ein kurzes Schnauben oder Stöhnen... Oesch verharrte reglos, zutiefst erschrocken, schwankend zwischen Hoffnung und Furcht – so blieb er für vielleicht fünf Minuten stehen, war ganz Ohr, atmete nur flach, um ja kein Geräusch zu verpassen – aber nichts rührte sich mehr, und Oesch wollte seine Examination schon fortsetzen, kopfschüttelnd; da war er wohl einer Sinnestäuschung erlegen, einer akustischen Halluzination. Noch während er das dachte, hörte er weit entfernt, weit unten im Haus eine Tür zuschlagen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ohne dass er hätte begründen können, warum, war Oesch in höchstem Mass alarmiert. Er eilte über das Treppenhaus in seine im vierte Stock gelegene Wohnung hinunter – den Lift zu nehmen getraute er, der unter Klaustrophobie litt, sich nun, da sich alles so verändert hatte, erst recht nicht mehr, das fehlte noch, dass er im Lift stecken blieb, und kein Alarmknopf der Welt konnte ihn aus dieser Zwangslage befreien – er eilte also zu Fuss zu seiner Wohnung hinunter, seine Wohnungstür, die er offen gelassen hatte – warum auch nicht? – war zu, daher also das Geräusch; wahrscheinlich ein Windstoss, aber woher? Es gab im Inneren dieses gut isolierten Hauses keine geheimen Winde! Und als Oesch seine Wohnung betreten wollte, musste er feststellen, dass die Tür abgeschlossen war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zunächst war Oesch einfach nur perplex. Total verblüfft. Der erste Gedanke, der ihm spontan durch Hirn fuhr, galt Aluk: Aluk ist nach Hause gekommen, irgendwie hat sich der Spuk verflüchtigt und alles ist wieder normal. Oeschs Herz pochte und hämmerte. Er läutete an seiner Tür. Nichts rührte sich. Oeschs Hände fuhren in seine Hosentaschen, aber da war nichts, nur ein Papiertaschentuch und ein Feuerzeug und ein nutzloses Handy, aber kein Schlüssel, natürlich nicht, denn der Schlüssel befand sich ja in der Wohnung, aus der er nun ausgeschlossen war. Das konnte doch nicht sein! Oesch hämmerte mit seinen Fäusten an die Tür, rief «Aluk, Aluk!», so lange, bis er, völlig ausser Atem, die offensichtliche Sinnlosigkeit seines Tun erkannte. Er wählte – zum xten Mal seit der rätselhaften Verwandlung der Welt und der Versteinerung der Zeit – auf seinem Handy die Nummer von Aluks Handy und zum xten Mal meldete sich lediglich die Mailbox.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ganz plötzlich wurde Oesch von einem tiefen Gefühl der Einsamkeit und des Verlusts ergriffen. Die Flut im Meer der Trauer, das auch sonst an die Gestade seiner Seele brandete, stieg ins Uferlose. Diese Trauer galt weniger ihm selbst als Aluk, nicht seiner eigenen Einsamkeit, sondern dem Umstand, dass er Aluk irgendwo allein zurückgelassen hatte. Er empfand ein brennendes Schuldgefühl, so, als habe er Aluk bewusst und willentlich im Stich gelassen. Die Art seiner Gefühle für Aluk war so, dass er Aluk nicht leiden sehen konnte. So, als sei er ihm buchstäblich ans Herz gewachsen, empfand er Schmerz und Verzweiflung seines Gefährten um ein vielfaches verstärkt bei sich selbst. Er wusste, dass das sentimental war, aber er empfand es so, als habe Gott – an den er im Übrigen nicht einmal glaubte – ihm das Schicksal von Aluk persönlich anvertraut. Er verstand das als die Bewährungsprobe seines Lebens – konnte er seinen Bruder tragen? Insofern war die Beziehung zu Aluk für Oesch weit mehr als eine normale Beziehungskiste. Aluk war für Oesch – natürlich in einem übertragenen Sinn – zu einem Teil seiner selbst geworden. Und zwar zum wichtigsten Teil seiner selbst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Oesch sass auf einer Stufe im Treppenhaus vor seiner abgeschlossenen Wohung, während ein solcher Gefühlsstrum durch seine Brust jagte, dass es ihm die Tränen in die Augen trieb. Er sass da, bis er es nicht mehr aushielt. Die Wohnungstür mit Gewalt zu öffnen, schien ihm absolut sinnlos – ohne dass er hätte sagen können, warum. Wie im Traum wusste er, dass ihn in seiner Wohnung alles Mögliche erwarten konnte – so, wie es seit dem ominösen 10 Dezember schliesslich dauernd passierte –, aber sicher nicht Aluk. Was also wollte er in seiner Wohnung? Die Vorstellung, seine Wohnung jemals wieder zu betreten, erfüllte ihn mit Widerwillen, ja Ekel. Eine Wohnung mag in der normalen Welt ein Ort der Geborgenheit sein – in der Welt, in der Oesch sich jetzt befand, war die eigene Wohnung ein Gefängnis oder gar ein Grab.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-1520978010721236367?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/1520978010721236367/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=1520978010721236367&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1520978010721236367'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1520978010721236367'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2011/01/ein-tag-wie-jeder-andere-2.html' title='Ein Tag wie jeder andere (2)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-8953628066276187785</id><published>2010-12-18T17:00:00.000+01:00</published><updated>2010-12-18T17:01:05.715+01:00</updated><title type='text'>Ein Tag wie jeder andere</title><content type='html'>Oesch wacht eines Morgens auf – es ist ein Tag wie jeder andere. Könnte man meinen. Er setzt Wasser für den Capuccino auf, geht ins Bad, duscht, rasiert sich, steckt Toastscheiben in den Toaster, stellt den Käse und den Aufschnitt auf den Tisch, setzt sich mit einem Buch an den Frühstückstisch, beginnt zu essen, zu lesen, zu trinken. Aluk, sein Partner, schläft noch, wie immer. Denkt Oesch. Dann fällt ihm aber doch etwas Ungewohntes auf, eine überraschende Ruhe. In der Wohnung ist es zwar immer relativ ruhig, die Fenster isolieren gut, aber so ruhig denn doch nicht, normalerweise hört man ein Flugzeug, das sich im Ab- oder Landeflug befindet, den vorbeifahrenden Zug, entfernten Baulärm. Oesch realisiert diese Ruhe, aber die Erkenntnis bleibt in seinem Unbewussten, unterhalb der Bewusstseingrenze, er ergänzt, weil er es so erwartet, die Wirklichkeit einfach mit seiner Fantasie zur Normalität. Ausserdem hat er es eilig, er muss ins Büro, davor noch scheissen, er weiss, wann der Bus fährt und wann der nächste, also packt er sein Buch, um auf der Toilette weiter zu lesen und sein Geschäft zu erledigen, dann putzt er sich noch rasch die Zähne, schlüpft in Schuhe und Mantel, greift sich Rucksack und Schirm und verlässt die Wohnung, wie immer nach mehrmaliger Kontrolle, ob der Kochherd ausgeschaltet ist. Inzwischen ist die Dunkelheit einem schmutzigen Dämmerungslicht gewichen, das wenig Freude macht. Es ist kurz nach acht Uhr, Dezember. Oesch eilt zur Bushaltestelle, auf dem Weg begegnet ihm niemand. Jetzt wird die Stille unüberhörbar. Nichts regt sich. Nirgends Menschen. Auch Tiere sind vorerst keine zu sehen, was nicht ungewöhnlich ist im Dezember. Allerdings hat es auch im Winter auf dem Streifen Wiese zwischen Bahngeleise und Wohnblock meistens ein oder zwei Kolkraben. Heute nicht. Das irritiert Oesch aber weniger als das Fehlen von Menschen und die Abwesenheit von jeglichem Verkehrslärm. Oesch überlegt kurz, ob er sich im Tag geirrt hat, oder im Datum, vielleicht ist heute ja Sonntag, oder Weihnachten. Ach Quatsch, so senil ist Oesch dann doch noch nicht, Sonntag war vorgestern, also ist heute Dienstag, und es ist erst der 11. Dezember, ein Blick auf die Datumsanzeige auf seinem Handy bestätigt es Oesch. Jetzt befindet er sich an der Bushaltestelle, wo sich nicht nur kein Bus befindet wie sonst üblich, weil die Busse zu dieser Tageszeit in kurzen Abständen fahren und es sich bei der Haltestelle von Oesch um die Endhaltestelle der Buslinie handelt, sondern auch sonst nichts, was sich bewegt, weder auf Beinen noch auf Rädern. Oesch ist ratlos, verblüfft erst, dann zunehmend irritiert. Nachdem er eine Viertelstunde gewartet hat, in der sich nicht das geringste ändert, macht er sich zögernd zu Fuss auf den Weg. Normalerweise wird an den Stationen per Lautstärker über Busausfälle oder Linienblockierungen informiert, aber nicht heute. Er geht Richtung Innenstadt, was ein langer Weg ist, da Oesch an der äussersten Peripherie der Stadt wohnt. Immer noch begegnet er keiner Menschenseele, überhaupt keinem Lebewesen, und folglich auch keinen Fahrzeugen. Oesch wird immer deutlicher bewusst, dass wirklich etwas nicht stimmt. Immer noch hofft er auf eine einigermassen einleuchtende Erklärung für den perversen Zustand, in dem sich seine Umwelt ganz offensichtlich befindet, auch wenn er sich eine solche Erklärung ganz und gar nicht vorstellen kann. Jetzt kommt er an einer der Zeitungsboxen vorbei, in denen üblicherweise die Gratiszeitungen liegen, und es liegt auch tatsächlich ein ganzer Stapel Gratiszeitungen in der Box, was ebenfalls unüblich ist um diese Zeit. Er greift sich eine Zeitung, sie kommt ihm bekannt vor, und er sieht auch gleich wieso, es ist nämlich ein Exemplar von gestern, also von Montag, also vom 10. Dezember. Richtig. Er sieht sich bestätigt: 20 Minuten, Exemplar vom Montag, dem 10. Dezember.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Plötzlich scheint es ihm ganz sinnlos, länger der menschenleeren Strasse zu Fuss Richtung Innenstadt zu folgen. Sinnlos und falsch. Plötzlich ergreift ihn siedendheiss die Panik. Er muss sich um seinen Freund und Lebenspartner, um seinen Schützling kümmern, er muss zu Aluk zurück, ihn wecken und gemeinsam mit ihm überlegen, was jetzt zu tun ist, vielleicht findet sich auch eine Erklärung in den Medien, im Fernsehen, im Radio, im Internet, ja, im Internet wird sich eine Erklärung finden, denn im Internet findet man alles. Oesch ändert seine Marschrichtung um 180 Grad; er hastet jetzt, rennt fast, er will möglichst rasch nach Hause zurück. Aus Angst zieht sich sein Unterleib zusammen; er muss unbedingt noch einmal scheissen. Aber in der Wohnung eilt er zuerst nicht auf die Toilette, sondern zum Zimmer von Aluk. Im Zimmer von Aluk ist es Dunkel, die Rollläden sind heruntergelassen, er sieht auf dem Bett von Aluk nur ein schwarzes Bündel, er schwankt zwischen Panik und Hoffnung, Aluk, sagt er mit rauer Stimme, Darling, wach auf – da merkt er, dass das schwarze Bündel auf dem Bett lediglich die Bettdecke von Aluk ist, dass von Aluk selbst aber jede Spur fehlt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hektisch sucht Oesch die ganze Wohnung ab, es ist ja schon vorgekommen, dass Aluk sich versteckt hat, um Oesch bei dessen Heimkehr zu erschrecken oder zu foppen, aber es ist ihm eigentlich schon klar, dass Aluk sich ebenfalls wie alle anderen in Luft aufgelöst hat oder was sonst auch immer, jedenfalls für den Moment verschwunden und somit ein Teil des Rätsels geworden ist, zu welchem sich Oeschs Leben seit heute morgen beim Aufwachen gewandelt hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einen kurzen Moment lang überlegt Oesch, dass er vielleicht noch immer träumt, nämlich wach geworden und dann in dieses Schlamassel geraten zu sein, aber er entscheidet sich relativ rasch dafür, dass das nicht möglich sei, denn er fühlt sich entschieden wach, so, wie er sich immer fühlt, wenn er wach ist. Anderseits erinnert er sich natürlich schon daran, manchmal darüber gegrübelt zu haben, ob er etwas jetzt tatsächlich erlebt oder nur geträumt hat. Aber diese Unsicherheiten dauerten immer nur einen Moment, und jetzt ist er seit mindestens einer Stunde in diesem Wachheitszustand. Nein, ein Traum kann das nicht sein. Er erinnert sich an seinen Vorsatz, die Realität mittels Medien abzuchecken. Er macht den Fernseher an. Normales Frühstücksfernsehen. Nachrichten, jetzt News genannt. Die News von Montag, dem 10. Dezember... Oesch erstarrt. 10. Dezember? Aber heute ist doch eindeutig der 11. Dezember, ein erneuter Blick auf die Datumsanzeige des Handys bestätigt den Befund, ausserdem ist ganz sicher nicht Montag, denn Montag war gestern, und was für einer, ein beschissener nämlich mit jeder Menge Ärger, also daran erinnert sich genau, er ist doch nicht blöd. Ich bin doch nicht blöd, sagt er laut und ahmt die Stimme aus der Fernsehwerbung nach. Aber warum bringen denn die jetzt noch einmal die News von gestern? Gottverdammte Scheisse!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Oesch fährt seinen Mac, einen alten Power Mac G5, hoch. Er schwitzt, und gleichzeitig ist ihm kalt. In seinen Gedärmen rumort es. Er startet den Firefox, öffnet die Seite von tagesanziger.ch. Montag, 10. Dezember 2010 steht da, letztes Update 09.30 Uhr. Ein Bombenanschlag in Stockholm, Deutschland wünscht sich die D-Mark zurück, Barack Obama... Höchsttemperaturen 2 Grad, das Wetter vom 11. Dezember, das könnte etwa stimmen, bewölkt ist es auch, in der zweiten Wochenhälfte wird es deutlich kälter, aber nichts von einer Kathastrophe, die eingetreten ist oder noch eintreffen wird, vom 10. Dezember aus gesehen. Auch der Blick tut so, als wäre immer noch der 10. Dezember, Islamist sprengt sich in die Luft, ein gewesener Parteipräsident bezeichnet die kommende Bundespräsidentin als «stutenbissige Musterschülerin», auf CNN ist es ebenfalls noch december 10 oder seit december 10 0748 GMT nichts mehr geupdated worden, dasselbe Bild bei NZZ Online, bei der Frankfurter Allgemeinen («Wir Deutschen sollen noch mehr zahlen», Mutti Merkel unter einem Plastikregenschirm), bei der Herald Tribune («China’s Army of Graduates sStruggles für Good Jobs»), bei der Sunday Times («The New Tower of London», «Commissioner indicated to Charles and Camilla that he was ready to resign for putting their lives at risk in the tuition fee riots»), bie «Le Monde», beim «Corriere della Sera», bei «El Pais», bei der «Times od India», beim «Sydney Morning Herald», bei «The Mail &amp; Guardian», bei «Globo», bei «The Jakarta Post», beim «Tokyo Journal»...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nein, das brachte nichts. Irgendwie war die Zeit aus den Fugen geraten, seine, Oeschs Zeit, und die seiner Umgebung. Irgendwie war er aus der Zeit katapuliert worden in die Zukunft, die einzig und allein für ihn, Oesch, nun die Gegenwart war, während sie offenbar für alle anderen die Zukunft blieb. Nur so, so wirr und vage, konnte sich Oesch seine gegenwärtige Lage erklären. Und für sich den ebenso vagen Wunsch formulieren, die vage Hoffnung, wieder in die «richtige» Zeit, die Zeit aller anderen, zurückzufinden. Aber wie?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-8953628066276187785?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/8953628066276187785/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=8953628066276187785&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8953628066276187785'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8953628066276187785'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/12/ein-tag-wie-jeder-andere.html' title='Ein Tag wie jeder andere'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-2254718332141414267</id><published>2010-10-24T15:59:00.001+02:00</published><updated>2010-10-24T16:00:38.634+02:00</updated><title type='text'>"...or I'll simply be a drop of rain/but I will remain..."</title><content type='html'>&lt;object width="480" height="385"&gt;&lt;param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/uw1bHaUk1CM?fs=1&amp;amp;hl=de_DE"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="allowFullScreen" value="true"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="allowscriptaccess" value="always"&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src="http://www.youtube.com/v/uw1bHaUk1CM?fs=1&amp;amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Willie Nelson, Johnny Cash, Kris Kristofferson: Highway Man&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-2254718332141414267?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/2254718332141414267/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=2254718332141414267&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/2254718332141414267'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/2254718332141414267'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/10/or-ill-simply-be-drop-of-rainbut-i-will.html' title='&quot;...or I&apos;ll simply be a drop of rain/but I will remain...&quot;'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-1123940913975038695</id><published>2010-10-24T10:14:00.002+02:00</published><updated>2010-10-24T10:20:52.588+02:00</updated><title type='text'>Der Schweigegott</title><content type='html'>"Ich setzte das Schweigen, zu dem ich meine Gedanken sandte, Gott gleich. Ich gewöhnte mich daran, dass er keine Antwort gab, und erwartete auch keine mehr. Der Schweigegott war jetzt nicht mehr die Leere, das Nichts - sondern eine Kraft. Ich lieferte mich ihr aus und vermeinte zu spüren, dass sie etwas auf mich übertrug, Ohne es zu wissen, machte ich religiöse Erfahrungen und überwand dadurch den Zustand der Bodenlosigkeit."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gerhard Roth, Das Alphabet der Zeit&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-1123940913975038695?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/1123940913975038695/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=1123940913975038695&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1123940913975038695'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1123940913975038695'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/10/der-schweigegott.html' title='Der Schweigegott'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-5106946975661095315</id><published>2010-10-12T15:44:00.000+02:00</published><updated>2010-10-12T15:45:10.708+02:00</updated><title type='text'>Das gierige Hirn</title><content type='html'>Mein Hirn – nein, das kann man nicht so formulieren. Mein Hirn gehört mir nicht, es gehört höchstens sich selbst oder dem Bewusstsein, das es produziert. Wenn schon, müsste es vielleicht eher heissen: Ich, das Hirn. Aber auch diese Formulierung kann nicht recht überzeugen, schliesslich ist dieses „Ich“ ein jämmerliches Kerlchen, von dem man wenig weiss und nicht mal sicher, ob es überhaupt existiert. Also: Nicht mein Hirn, sondern: das Hirn. Das Hirn, es will und will. Es will beschäftigt, stimuliert werden. Es braucht Nahrung, es braucht Sinneseindrücke, es braucht Schlaf, es will Sex, es will vergessen, es will sich erinnern, es will immer mehr, dann will es gar nichts mehr, es ist überdrüssig, es ist überstimuliert, es ist überwach, es ist müde, es leidet an Hyperaktivität, es leidet an Überfluss, es leidet an Mangel, es leidet an sich selbst, es will leiden, es will Erkenntnis, es will Sinn, es will Erleuchtung, es will Drogen, es will bittere Bananen, es will kiffen und saufen, es will huren und fluchen, es will quälen und morden, es will aber auch bereuen und sich schuldig fühlen, es will Vergebung und Rache, es will alles und nichts, aber alles kann es nicht bekommen kann und nichts erst recht nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zivilisation ist die Trockenlegung der Feuchtgebiete des Gehirns, des Sumpfgebietes der Psyche, des Schlamms und des Moors der Psyche, dem wie Blasen der bewusste Gedanke entsteigt, das blubbert und köcherlt nur so vor sich hin in dieser Ursuppe, diesem riesigen Meer der Illusion und der Verschleierung der wahren Tatsachen, die das Hirn nicht erkennen kann, weil es sich im Grunde immer nur selber bespiegelt, um nicht zu sagen bespitzelt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Hirn, denkt das Hirn, macht sich selber verrückt: es ist wie der Hund, der vergeblich seinen eigenen Schwanz jagt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-5106946975661095315?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/5106946975661095315/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=5106946975661095315&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/5106946975661095315'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/5106946975661095315'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/10/das-gierige-hirn.html' title='Das gierige Hirn'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-8283105290905077776</id><published>2010-09-11T22:45:00.002+02:00</published><updated>2010-09-11T23:04:49.325+02:00</updated><title type='text'>Eine Frage des Standpunkts</title><content type='html'>Letztlich ist alles eine Frage des Standpunkts. Wir sind eingeschlossen in die Schreckenskammer unserer Determiniertheit. Wir beurteilen alles von der Warte unserer Geprägtheit aus. Das ist gewiss eine banale Erkenntnis, aber eine Erkenntnis, die wahrlich keine Konsequenzen hat. Niemand zieht seine Schlüsse daraus - und schon gar nicht leitet jemand daraus konkrete Folgen für sein persönliches Lebens ab. Ich übrigens auch nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber zumindest ahne ich, dass ich nicht recht habe, dass "Wahrheit" eine Illusion ist. Es gibt keine Wahrheit, nur subjektive Standpunkte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber wie kann man so leben?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Leben kann man so schon, aber man kann nicht funktionieren. Es ist eine Lebenshaltung, die man sich allenfalls in dieser Radikalität kurz vor dem Ableben leisten kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Erfolgsrezept kann man als leidlich gesunder Mensch schwerlich daraus ableiten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was folgt daraus? Allenfalls schaffst du es, als Komödiant über die Runde zu kommen. Aber du musst gut sein, Schlitzohr. Sonst glaubt dir keiner, woran du selbst zweifelst.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-8283105290905077776?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/8283105290905077776/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=8283105290905077776&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8283105290905077776'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8283105290905077776'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/09/eine-frage-des-standpunkts.html' title='Eine Frage des Standpunkts'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-1923079977408110652</id><published>2010-09-05T22:29:00.004+02:00</published><updated>2010-09-05T23:11:54.400+02:00</updated><title type='text'>Schicksal oder Zufall</title><content type='html'>Mein Leben ist immer so verlaufen, wie es wollte. Es hat sich meinem Willen entzogen. Ich war nicht sein Herr. Ich bin nicht sein Herr. Und ich werde nicht sein Herr sein. Allenfalls und eher noch seine Dame. Ich bin die Dame meines Schicksals. Klingt doch nicht übel, oder?&lt;br /&gt;Insofern ist der heutige Machbarkeitswahn, der allerorten Urständ feiert, für mich ein Witz. Ein modernes Märchen. Aber kein sehr erbauliches. Ein ziemlich jämmerliches sogar. Eine Blähung des Zeitgeistes, sozusagen. Ein Furz der Effizienzhuberei, eine unsichtbare Hand des freien Marktes. Eine späte und ziemlich ungeniessbare Frucht des Fortschrittglaubens etc. etc.&lt;br /&gt;Glaubt nicht den Worten der Politiker, meine Brüder und Schwestern, auch nicht der Politikerinnen, auch nicht dem grimmig positiv gestimmten Unternehmertum, das behauptet, jeder sei seines Glückes Schmid.&lt;br /&gt;Ich behaupte: Schicksal. Oder Zufall. Oder beides. Oder was auch immer.&lt;br /&gt;Nein, wir haben es nicht in der Hand, unser Glück.&lt;br /&gt;Glaubt nicht den Vernünftigen, hört auf die Dichter.&lt;br /&gt;Zum Beispiel auf Paul Auster. In seinem Buch "Nacht des Orakels" geht es um den Zufall. Oder um das Schicksal. Und darum, dass es keinen Ausweg gibt. Am Ende landen wir in einem geschlossenen Raum unter der Erde, die Tür ist zu, und wir haben den Schlüssel draussen vergessen, aus Tüteligkeit oder weil es eben so sein musste. Oder hören wir auf Kafka und seine Strafkolonie. Und auf seine Strasse, die stets enger wird, zum Weg und schliesslich zum Pfad, während gleichzeitig die Mauern links und rechts immer höher werden.&lt;br /&gt;Hört mir doch auf mit diesem idiotischen positiven In-die-Zukunft-Schauen. Die Verkennung der Realität, das Ausschliessen all dessen, was uns an Hilflosigkeit, Hinfälligkeit, Krankheit und Tod erinnern könnte, aus dem öffentlichen Bewusstsein, hat etwas ausgesprochen Würdeloses. Etwas Kindisches wie die idiotische politische Korrektheit, die die deftigen Realitäten des Daseins aussperren will, oder einsperren, oder vielmehr eliminieren.&lt;br /&gt;Buddha konnte nicht erleuchtet werden, als man sein Bewusstsein einsperren respektive die Realität von seinem Bewusstsein aussperren wollte. Als behüteter Prinz konnte er nicht erkennen. Er war unglücklich, weil er vom Leben abgetrennt war, weil er aus dem Leben ausgesperrt war. Ohne Leiden gibt es keine Erkenntnis und damit auch keine Freiheit.&lt;br /&gt;Wir sind weniger als Hauch, ein Darmwind angesichts der wahren Dimensionen der Zeit und des Raums. Unsere einzige Chance, uns ein wenig Respekt zu verschaffen, besteht vielleicht darin, unsere absolute Bedeutungslosigkeit zu erkennen. Wenn wir es zulassen, kännen wir allenfalls ein klitzekleiner Teil des Ganzen sein.&lt;br /&gt;Darin läge dann eventuell auch ein bisschen Glück.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-1923079977408110652?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/1923079977408110652/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=1923079977408110652&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1923079977408110652'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1923079977408110652'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/09/schicksal-oder-zufall.html' title='Schicksal oder Zufall'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-4877736335987852361</id><published>2010-08-23T22:55:00.001+02:00</published><updated>2010-08-23T22:56:24.030+02:00</updated><title type='text'>Berufliche Patchwork-Existenzen – schöne oder schreckliche neue Arbeitswelt?</title><content type='html'>Die Zeit der lebenslangen Beschäftigung in einem Beruf ist vorbei – von der lebenslangen Beschäftigung in einem Betrieb ganz zu schweigen. Das, was man „berufliche Patchwork-Existenz“ nennen könnte – das Nach- und Nebeneinander von selbstständigen und unselbstständigen Erwerbsformen, der Zweit- und Drittberuf, ehrenamtliche Tätigkeiten, Arbeit auf Zeit, Arbeit auf Abruf, Teilzeitarbeit und Teilselbstständigkeit inklusive Kinderbetreuung und Hausarbeit – wird immer mehr zur alltäglichen Realität. Die Frage ist nur: Führen diese neuen, flexiblen Formen des Arbeitens zu grösserer Freiheit und Selbstverwirklichung - oder doch eher zu einer prekären beruflichen Existenz am sozialen und finanziellen Abgrund?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Begriff „Prekarisierung“ beschreibt die stetige Zunahme der Zahl von Arbeitsplätzen mit wenig (Einkommens-)Sicherheit. Mit einer prekären Beschäftigung kann man kaum seinen Lebensunterhalt verdienen und sich schon gar nicht auf Dauer sozial absichern. Eine homogene Klasse wie ehedem das Proletariat ist das „Prekariat“ aber nicht: Vom Arbeiter ohne Schulabschluss bis zum Privatdozenten sind viele Gruppen vertreten. Auch Radiojournalismus, früher mal ein Traumjob, kann ins „Prekariat“ führen: In der Deutschschweiz liegt das Durchschnittseinkommen dieser Branche gerade mal bei 3300 Franken. Minijobs, Zeitarbeit und Dauerpraktika schufen moderne Tagelöhner. Dies hat Auswirkungen auf die Mittelschicht: sie wird seit Jahren kleiner und ihre Vertreter steigen eher ab als auf ("Abwärtsmobilität").&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Probleme des Prekariats sind primär organisatorischer Natur, verursacht dadurch, dass das soziale Netz noch nicht den neuen ökonomischen Realitäten angepasst worden ist. Der Arbeitsplatz als solcher, egal, ob in der Fabrik oder im Büro, ist prekär, unsicher geworden. Die rasanten Entwicklungen in Wissenschaft und Technik haben zu einem wachsenden Bedarf an hoch spezialisierten Fachkräften geführt – aber auch zu einem entsprechend geringeren Bedarf an Unspezialisierten. Dies erhöht die Prekarität der Arbeitssituation der sogenannten Unterschicht zusätzlich. Einfache Arbeit ist nichts mehr wert, weil irgendwo auf der Welt immer noch billiger produziert werden kann. Bereits ist zur Kennzeichnung der sozialen Position der grössten Verliererinnen und Verlierer dieser Entwicklung ein neuer Begriff kreiert worden: das „abgehängte Prekariat“ – Menschen, die mit den neuen Realitäten des Arbeitsmarkts nur schlecht klarzukommen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Flexibilisierungsstrategien im Arbeitsmarkt schliessen neben der flexiblen Gestaltung der zeitlichen Dimension von Arbeit wie Gleitzeit-, Teilzeit-, Temporärarbeit, Jobsharing usw. Veränderungen ihrer räumlichen, biografischen, funktionellen sowie lohnbezogenen Dimensionen ein. Stichworte dazu sind Tele- und Heimarbeit, flexibler Berufsausstieg, Laufbahnunterbrechung, verlängerte Lebensarbeitszeit, Outsourcing, Arbeit auf Abruf, Leistungslöhne, Boni und Aktienoptionen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Modernisierungsgewinne und -verluste&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Flexibilisierte Arbeitsverhältnisse und berufliche Patchwork-Existenzen werden wohl zu beidem führen, zu „Modernisierungsgewinnen“ und „-verlusten“.  Man kennt in der Psychologie den Begriff der Selbstwirksamkeit, der ein wichtiger Indikator dafür ist, ob sich jemand gesund und zufrieden fühlt. Erlebt jemand eine Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse als Gestaltungsraum, über den er oder sie (mehr oder weniger) frei verfügen kann, dann empfindet er/sie das als eine Zunahme an Selbstwirksamkeit und damit an subjektivem Wohlbefinden und an Glück. Sind mit einer solchen Flexibilisierung aber Gefühle der Ohnmacht, der Verunsicherung und der Existenzangst verbunden, dann wird sie im Gegenteil als Verlust von Selbstwirksamkeit erlebt und damit als Verlust von Lebensqualität. Es ist nicht „nur“ die Unsicherheit der materiellen Existenzgrundlage, die diese diffuse Angst provoziert; ebenso droht stets die Möglichkeit eines Status- und damit auch eines teilweisen Identitätsverlusts.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ob es für den Einzelnen eher in die eine oder die andere Richtung gehen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab:&lt;br /&gt;- primär von seiner Ausbildung und seiner Herkunft&lt;br /&gt;- von seiner Bildung und seiner Fähigkeit zum „Wissenmanagement“&lt;br /&gt;- von seinem Alter&lt;br /&gt;- von den familiäre Verhältnissen, in denen er lebt&lt;br /&gt;- von seiner persönlichen Einstellung einer „offenen“/unsicheren Zukunft gegenüber&lt;br /&gt;- von seinem Gesundheitszustand&lt;br /&gt;Das positive Bild der „Zukunft der Arbeit“ entspricht für eine Minderheit von Menschen durchaus bereits der Wirklichkeit. Für diese sogenannten Wissensarbeiter/-innen, zu denen Manager, Beraterinnen und Wissenschaftler gehören, bedeuten Entgrenzungsprozesse meist ein Zugewinn an Freiheit, da sie in der Lage sind, eigene Normen aufzustellen und meist auch die Verhandlungsposition besitzen, diese durchzusetzen.&lt;br /&gt;Anders zeigt sich die Situation am anderen Ende der Skala, bei den schlecht ausgebildeten und unqualifizierten Arbeitnehmerinnen und -nehmern. Die starke psychische Verunsicherung dieser Gruppe durch schwindende Arbeitsplatzsicherheit resultiert aus der zunehmenden Verwundbarkeit dieser Arbeitnehmer. Die Arbeitsbedingungen in den so genannten Entwicklungsländern vermitteln einen Eindruck davon, wie eine Arbeitswelt mit fehlender Durchsetzung von Arbeitsnormen und Rechten der Arbeitnehmer aussieht. Flexibilisierte Arbeitsverhältnisse in dieser Form erfüllen zwar ihre Rolle als „Puffer“ der Globalisierung, die soziale Zeche bezahlen zunächst aber die Beschäftigten dieses „informellen Sektors“ allein. Dass sich bei jedem längeren Ampelstopp eine Horde von Scheibenputzern auf die wartenden Autos stürzte, war früher ein sicherer Hinweis darauf, dass man sich in der Metropole eines „Entwicklungslandes“ befand; heute ist dies auch in europäischen Grossstädten wie Berlin der Fall.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei der Mittelschicht, die von der eingangs erwähnten „Abwärtsmentatlität“ betroffen ist und unter denen sich durchaus auch gut ausgebildete „WissenarbeiterInnen“ befinden, sind die Erfahrungen mit flexibilisierten Arbeitsverhältnissen wohl eher ambivalent. Abhängig von Alter, Branche und Persönlichkeit, erleben sie die Entwicklung mal eher als grössere Gestaltungsfreiheit, mal eher als grössere Unsicherheit. Für jemanden, der keinen Job mehr findet, weil er zu alt ist oder den „falschen“ Beruf hat, reduziert sich die Wahlfreiheit allerdings auf den unfreiwilligen Gang zur Regionalen Arbeitsvermittlungsstelle und später zum Sozialamt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Was tun gegen die negativen Folgen?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Massnahmen zur Verbesserung der Situation des „Prekariats“ verlangen nach einer Reform der öffentlichen Versicherungen, des Steuerwesens und der Arbeitslosenversicherungen. Um dem Prekariatsbetroffenen zu helfen, muss die Frage beantwortet werden, wie der Staat für die soziale Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger besorgt sein soll und welche Gegenleistung diese dafür zu erbringen haben. Auch die Altersvorsorge ist nicht auf die Gegebenheiten einer sich wandelnden Arbeitsgesellschaft eingestellt: Die „armen Alten“ von morgen sind die Langzeitarbeitslosen, erfolglosen Selbstständigen und Kleinstverdiener von heute.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Schaffung eines existenzsichernden Bürgergeldes oder garantierten Grundeinkommen ist zwar keine neue Idee, aber in dieser Frage vielleicht ein bedenkenswerter Lösungsansatz: Er würde bei den meisten Menschen zu einer «Mischarbeit» führen, die sich aus normaler Erwerbsarbeit, Gemeinschaftsarbeit und Versorgungsarbeit zusammensetzen könnte. Der Zeitanteil, der für Erwerbsarbeit genutzt würde, ginge insgesamt stark zurück – klassische Arbeitslosigkeit wäre wohl kaum noch ein Thema. Um das Bürgergeld zu finanzieren, müsste sich der Staat aus vielen Bereichen der Versorgung zurückziehen; dies würde aber durch den Anstieg von Gemeinschafts- und Versorgungsarbeit mehr als kompensiert. Der Wirtschaftsethiker Peter Ulrich sagt dazu: „Wer Bürger eines Landes und volljährig ist, hätte Anspruch auf ein solches Grundeinkommen. Wie weit er darüber hinaus noch erwerbstätig sein möchte, bliebe ihm überlassen. Wer Kinder aufzieht, würde zusätzlich zum Beispiel ein halbes Grundeinkommen pro Kind bekommen.“ Dem Einwand, dass die Menschen dann womöglich keine Motivation mehr hätten, zu arbeiten, begegnet Ulrich mit dem Argument, dass nur die Kombination von Grund- und Erwerbseinkommen einen hohen Lebensstandard ermöglichen würde. Zudem bedeute die Erwerbsarbeit für die meisten Menschen weit mehr als nur Einkommen, nämlich innere Erfüllung und Selbstwertgefühl. Das Grundeinkommen dürfte allerdings nicht zu hoch sein, damit der Anreiz, eine Erwerbsarbeit anzunehmen, nicht allzu gering wäre. Es dürfte aber auch nicht zu tief sein – sonst würden weiterhin fast alle in den Arbeitsmarkt drängen. Es käme also darauf an, Grundeinkommen und Lohnanreize so auszubalancieren, dass weder Arbeitslosigkeit noch Arbeitskräftemangel daraus resultieren würde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;„Flexicurity“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;„Flexicurity“ lautet das Zauberwort der Vertreter einer sozial abgesicherten Flexibilisierung, die überzeugt sind, dass in Zukunft Arbeitsmärkte weiter flexibilisiert werden müssen, wenn Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit gesichert werden sollen. Dies erfordere jedoch eine Weiterentwicklung des bisherigen Instrumentariums der sozialen Sicherung. Soziale Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit würden sich in einem neuen Gleichgewicht weiterentwickeln lassen und müssten nicht als gegensätzliche Interessen betrachtet werden. Zu den Elementen einer sogenannten "Flexicurity-Strategie" gehören derzeit die Schaffung von Übergangsarbeitsmärkten, die Instrumente einer beschäftigungssichernden Arbeitszeitpolitik und das Konzept des lebenslangen Lernens. Übergangsarbeitsmärkte versuchen, fliessende Übergänge zwischen Beschäftigung und Nicht-Beschäftigung zu schaffen. Sie sollten tarifvertraglich oder gesetzlich abgesichert sein und niedrige und unstetige Einkommen mit Sozialtransfers kombinieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Flexicurity“ steht nicht grundsätzlich im Widerspruch zum Bürgergeld, klingt im Moment aber noch etwas gar vage und damit nach Absichtserklärung und gutem Willen. Weil es im Interesse der ganzen Gesellschaft liegt, dass sich soziale Konflikte in Zukunft nicht (wieder) zuspitzen, wäre es nötig, den Begriff mit Leben zu füllen. Eine Zweiklassengesellschaft kann auch nicht im Interesse jener sein, die sich auf der sicheren Seite wähnen. Der Arbeitsmarkt der Zukunft ist eine Herausforderung, die alle Beteiligten betrifft.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-4877736335987852361?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/4877736335987852361/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=4877736335987852361&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/4877736335987852361'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/4877736335987852361'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/08/berufliche-patchwork-existenzen-schone.html' title='Berufliche Patchwork-Existenzen – schöne oder schreckliche neue Arbeitswelt?'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-6728265404914809397</id><published>2010-08-15T17:24:00.002+02:00</published><updated>2010-08-15T17:58:02.137+02:00</updated><title type='text'>Songs for Blue hours</title><content type='html'>&lt;object width="480" height="385"&gt;&lt;param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/awi14wDTxNw?fs=1&amp;amp;hl=de_DE"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="allowFullScreen" value="true"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="allowscriptaccess" value="always"&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src="http://www.youtube.com/v/awi14wDTxNw?fs=1&amp;amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Al Green: Aint no sunshine&lt;br /&gt;Alan Parsons Project: The Turn Of A Friendly Card&lt;br /&gt;The Allamn Brothers: Whipping Post&lt;br /&gt;Alvin Lee &amp; Ten Years After: The Bluest Blues&lt;br /&gt;Atomic Rooster; Metal Minds&lt;br /&gt;Audioslave: I Am the Highway&lt;br /&gt;Bad Company: Holy Water&lt;br /&gt;The Beatles: Eleanor Rugby&lt;br /&gt;Ozzy Osbourne: Changes&lt;br /&gt;Blue Oyster Cult: Don't Fear The Reaper&lt;br /&gt;Coldplay: Violet Hill&lt;br /&gt;The Dandy Warhols: Sleep&lt;br /&gt;Dire Straits; Six Blade Knife&lt;br /&gt;Green Day: Boulevard of Broken Dreams&lt;br /&gt;Joe Cocker: First We Take Manhattan&lt;br /&gt;John Mayall; Lying in My Bed&lt;br /&gt;Led Zeppelin: Babe i'm Gonna Leave You&lt;br /&gt;Leonard Cohen: Woke Up this Morning&lt;br /&gt;Lionel Richie: Hello&lt;br /&gt;Marianne Faithful: Guilt&lt;br /&gt;Massive Attack: Dissolved Girl&lt;br /&gt;Nirvana: Come as You Are&lt;br /&gt;Willie Nelson: The Highwayman&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;to be continued&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-6728265404914809397?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/6728265404914809397/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=6728265404914809397&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6728265404914809397'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6728265404914809397'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/08/songs-for-blue-hours.html' title='Songs for Blue hours'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-4549138007895313251</id><published>2010-07-06T21:54:00.004+02:00</published><updated>2010-07-06T22:17:36.591+02:00</updated><title type='text'>Ich bin empört, ja entsetzt</title><content type='html'>Also was hab ich da gehört: Die Mäusekammer, oder die Ärztekammer der Mausheit, ich weiss nicht mehr genau, hat beschlossen, dass die Amputation von Zehen in Menschenversuchen erlaubt sein soll. Da kann ich nur sagen: ich bin dagegen! Und zwar total. Und zwar radikal! Die armen Menschen! Haben Sie sich schon mal die Zehchen von so frisch geschlüpften Menschenkindern angeschaut? Diese feine Textur! Das ist doch ein Wunder der Natur. Und jetzt sollen diese Zehen für unser Wohlergehen geopfert werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was in der Theorie simpel tönt, war in der Praxis bisher unmöglich. Jetzt leider nicht mehr. Ken Muneoka, Obermaus aus Osaka, bemüht sich seit Monaten, den Regenerationsprozess bei einer Menschenzehe auszulösen, da sie dem Fuss der Maus ähnelt. Eine Knacknuss sind insbesondere die Gelenke; ihre Bildung ist für die Forscher nach wie vor ein Rätsel. «Ich hoffe, dass Mensch und Maus sehr ähnlich sind und wir vielleicht bereits in 10 bis 20 Jahren einen Körperteil des Menschen nachwachsen lassen können», sagt Muneoka. Damit wäre der Heilige Gral der regenerativen Medizin gefunden. Und das ist der Gipfel: Regenerationsforscher liessen dem Menschen ein drittes Bein wachsen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie gesagt: ich bin dagegen. Nieder mit den Menschenversuchen!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-4549138007895313251?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/4549138007895313251/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=4549138007895313251&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/4549138007895313251'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/4549138007895313251'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/07/ich-bin-emport-ja-entsetzt.html' title='Ich bin empört, ja entsetzt'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-1307007143841990076</id><published>2010-07-03T23:36:00.003+02:00</published><updated>2010-07-03T23:41:20.447+02:00</updated><title type='text'>Being A Wolf</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/TC-udmxNaHI/AAAAAAAABQo/Xr5wR2LjNpU/s1600/Wolf_web.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 283px; height: 400px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/TC-udmxNaHI/AAAAAAAABQo/Xr5wR2LjNpU/s400/Wolf_web.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5489798294434310258" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-1307007143841990076?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/1307007143841990076/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=1307007143841990076&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1307007143841990076'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1307007143841990076'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/07/being-wolf.html' title='Being A Wolf'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/TC-udmxNaHI/AAAAAAAABQo/Xr5wR2LjNpU/s72-c/Wolf_web.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-3817524245696547398</id><published>2010-06-21T22:08:00.002+02:00</published><updated>2010-06-21T22:22:53.795+02:00</updated><title type='text'>Ich bin in der richtigen Welt</title><content type='html'>Ich bin in der falschen Welt aufgewachsen - in dieser Welt. Das heisst: Die Welt ist schon okay, sie ist mehr als okay, sie ist sogar wunderschön. Die Welt ist von einer unbestechlichen, fast grausamen Schönheit, aber die Menschheit - die ist Scheisse. Das heisst, nicht die Menschheit ist Scheisse, nicht die Menschheit, soweit sie Teil der Welt ist, der Natur, des Lebens, des Lebendigen. Aber der mächtige Teil davon, die Menschheit als Machtsystem, die ist von einer abgrundtiefen Hässlichkeit und Verderbtheit. Weil dieses Machtsystem sich durchsetzen und alles kaputt machen kann, die ganze Poesie, die ganze Herrlichkeit der Schöpfung - das korrumpiert die Menschheit als Ganzes. Dass nur das Hässliche, Harte und Grausame erfolgreich ist nach den Massstäben der Menschenwelt, das ist das Traurige. Insofern bin ich in der falschen Welt. Es wäre die richtige Welt, aber diese Welt - eine wehrlose Welt - ist dem Untergang geweiht. Es macht mich unendlich traurig, ein Mensch zu sein. Ich fühle mich schuldig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nein, ich möchte nicht wiedergeboren werden - jedenfalls nicht als Mensch. Und ich hoffe, dass Gott den Menschen nicht nach seinem Ebenbild geschaffen hat. Das wäre der Abgrund der Verzweiflung.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-3817524245696547398?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/3817524245696547398/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=3817524245696547398&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/3817524245696547398'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/3817524245696547398'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/06/ich-bin-in-der-richtigen-welt.html' title='Ich bin in der richtigen Welt'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-4503129011728886855</id><published>2010-06-13T11:13:00.001+02:00</published><updated>2010-06-13T11:14:54.504+02:00</updated><title type='text'>Double Bind</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/TBShZjjKcRI/AAAAAAAABQY/KBjgL1rjhIM/s1600/doubnd.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 196px; height: 250px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/TBShZjjKcRI/AAAAAAAABQY/KBjgL1rjhIM/s400/doubnd.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5482184106828263698" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;You can do what you like&lt;br /&gt;But I don't like what you do&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-4503129011728886855?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/4503129011728886855/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=4503129011728886855&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/4503129011728886855'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/4503129011728886855'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/06/double-bind.html' title='Double Bind'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/TBShZjjKcRI/AAAAAAAABQY/KBjgL1rjhIM/s72-c/doubnd.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-7775357875684490958</id><published>2010-05-30T14:14:00.000+02:00</published><updated>2010-05-30T14:15:14.950+02:00</updated><title type='text'>Quelle heure est-il au paradis?</title><content type='html'>&lt;object width="480" height="360"&gt;&lt;param name="movie" value="http://www.dailymotion.com/swf/video/x10igt"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="allowFullScreen" value="true"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="allowScriptAccess" value="always"&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed type="application/x-shockwave-flash" src="http://www.dailymotion.com/swf/video/x10igt" width="480" height="360" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always"&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-7775357875684490958?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/7775357875684490958/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=7775357875684490958&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/7775357875684490958'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/7775357875684490958'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/05/quelle-heure-est-il-au-paradis.html' title='Quelle heure est-il au paradis?'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-2888830222132599646</id><published>2010-05-22T16:58:00.002+02:00</published><updated>2010-05-22T17:02:04.297+02:00</updated><title type='text'>Still unbroken too!</title><content type='html'>&lt;object width="480" height="385"&gt;&lt;param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/AqKmWslGiac&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="allowFullScreen" value="true"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="allowscriptaccess" value="always"&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src="http://www.youtube.com/v/AqKmWslGiac&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-2888830222132599646?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/2888830222132599646/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=2888830222132599646&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/2888830222132599646'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/2888830222132599646'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/05/still-unbroken.html' title='Still unbroken too!'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-5343444137792005786</id><published>2010-05-17T10:54:00.001+02:00</published><updated>2010-05-17T10:54:25.083+02:00</updated><title type='text'>Zwei Leben</title><content type='html'>Ich habe in den letzten Wochen zwei Lebengeschichten gelesen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Die eine, verfasst anfangs der Siebzigerjahre von Golo Mann, ist ein beinahe 1000 Seiten starker Wälzer zum Leben von Wallenstein, Generalissimus des Kaisers von Österreich, Ferdinand II., Herzog von Friedland und Mecklenburg, überragende Figur im dreissigjährigen Krieg und also die Lebensgeschichte eines bedeutenden Menschen. Andererseits die literarische Spurensuche von Markus Werner, der den Lebensstationen seines Ururgrossvaters Heinrich Bluntschli zu folgen versucht und darüber ein schmales Bändchen mit dem Titel „Der ägyptische Heinrich“ publiziert hat, das zum besten gehört, was die neuere Literatur der Schweiz zu bieten hat.&lt;br /&gt;Heinrich war im Gegensatz zu Albrecht, Bluntschli anders als Wallenstein ein ganz gewöhnlicher Mensch und eigentlich das, was man nach den Normen seiner Zeit einen Versager zu nennen pflegte. Allerdings, rollt man die Lebensgeschichten der beiden vom Ende her auf, war Heinrich wahrscheinlich der glücklichere von beiden.&lt;br /&gt;Wallenstein wurde zuletzt, als Verräter diffamiert, der er wahrscheinlich gar nicht war, und selber verraten und verkauft, im äussersten Winkel Böhmens, in Eger, niedergestochen; damals war er bereits seit Jahren chronisch krank, konnte sich wegen der Gicht, die er Podagra nannte, kaum mehr bewegen, litt an  Verstopfung, Magenbrennen und wahrscheinlich auch Syphilis.&lt;br /&gt;Überhaupt konnte er seinen Reichtum, den er sich unter mehr oder weniger dubiosen Umständen zusammengerafft hatte und der ebenso schnell zerronnen wie gewonnen war, nie so recht geniessen (er litt im Gegenteil stets unter der Furcht vor Verarmung), und auch Ruhm, Macht und Ehre waren ungetreue Gesellen, deren Freundschaft sich leicht ins Gegenteil verkehrte. Auch scheint es in Wallensteins Leben, folgt man der Beschreibung Golo Manns, wenig Liebe und Platz für weichere Gefühle als solche, die mit Kopfabschlagen, Rauben, Morden und Brandschatzen einhergingen, gegeben zu haben. Es waren eben harten Zeiten, und noch die Glücklichsten unter den Unglücklichen mussten erfahren, was alle Menschen im Zeitalter des Barock als Erkenntnis mit sich ins Grab nehmen durften, nämlich dass das Leben vor allem und in erster Linie Leiden ist, etwas, was die Buddhisten ja auch heute noch behaupten und was sich zu allen Zeiten schwerlich widerlegen lässt.&lt;br /&gt;Am dreissigjährigen Krieg lässt sich sehr schön die Absurdität des menschlichen Daseins belegen, man erkennt aber im Kern der politischen Diskussionen, Entscheidungen und folgenreichen Handlungen jener Zeit das Debattieren, Entscheiden und folgenreiche Handeln unserer heutigen Politiker - insofern lässt sich schon etwas lernen aus der Geschichte.&lt;br /&gt;Betrachtet man die Kriegszüge und Schlachten in der ersten Hälfte es siebzehnten Jahrhunderts, die Feindschaften, die nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen Kursfürsten, Herzogen, Königen und Kaisern auf Kosten ihrer Völker ausgetragen wurden, erkennt man kein Muster und keinen Sinn. Irgendwie taktierten und paktierten und intrigierten aus rein egoistischen Gründen (obwohl natürlich edlere Gründe wie etwa der Kampf um die allein wahrhaftige Religion vorgeschoben wurden) alle gegen alle in stets wechselnden Koalitionen, mal die Österreicher mit den Bayern gegen die Norddeutschen und die Schweden, dann wieder die Österreicher mit den Spanier gegen die Franzosen, dann wieder die Bayern mit den Franzosen gegen die Spanier usw. usf., oder eben der österreichische Kaiser gegen den französischen König und dessen Richelieu, Kurfürst Maximilian von Bayern gegen König Gustav Adolf von Schweden etc., und mittendrin unser gichtgeplagter Wallenstein mit seinem gewaltigen, bis 100'000 Mann starken Heer.&lt;br /&gt;Das grösste Problem des damaligen Kriegens waren nicht die Schlachten, von denen es wenige gab und die oft nicht sehr lange dauerten; sie waren zwar grausam und blutig, wurden aber immerhin Mann gegen Mann gefochten. Verheerender war vielmehr, dass die Heere verpflegt werden mussten und sie sich, weil zu ihrem Unterhalt von den Fürsten stets zuwenig finanzielle Mittel aufgebracht werden konnten, anderweitig durch Rauben, Morden, Vergewaltigen und Brandschatzen schadlos hielten. Welche verheerende Wirkung diese Tatsache in einem Krieg, der dreissig Jahre dauerte, für die betroffene Bevölkerung - im Verbund mit Pest und anderen Seuchen - hatte, kann man nur erahnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Ururgrossvater von Markus Werner (oder seinem literarischen Alter Ego) lebte etwa zweihundert Jahre nach Wallenstein und war ein Zeitgenosse von Gottfried Keller, auf dessen Grünen Heinrich sich Markus Werner mit dem Titel ja auch bezieht. Heinrich Bluntschli, Sohn des trinkfreudigen Pfarrers von Oberurdorf, war offenbar ein eher fantasiebegabtes Kind, das davon träumte, mit Seide zu handeln. Später war er beruflich vor allem eins: erfolglos.&lt;br /&gt;Konsequent setzt der junge Mann, inzwischen verheiratet und mit Kind, ein geschäftliches Unternehmen nach dem andern in den Sand. Er lebt gern auf zu grossem Fuss und träumt lieber, auf dem Strohsack in einer Ecke seines Kontors liegend, von beruflichen Erfolgen, als etwas dafür zu tun. Nein, fleissig ist Heinrich nicht, und auch nicht unbedingt pflichtbewusst – vor den Ansprüchen seiner Familie und seiner Gläubiger entflieht er nach Ägypten, wo er es zum „Postdirektor“ von Isma’ilia, einer Stadt, die beim Timsahsee, einem den Bitterseen vorgelagerten Salzsee, am Sueskanal in der Mitte zwischen Port Said im Norden und Sues im Süden gelegen ist, etwa 120 km von Kairo entfernt. Vielleicht war er auch der Direktor eines Salzbergwerks, ein Bekannter und Mitarbeiter von Ferdinand Lesseps, dem Leiter der Erbauung des Suezkanals, ein Günstling des türkischen Paschas, der damals in Ägypten regierte - man weiss es nicht genau und der Autor, auf Spurensuche in Ägypten, findet es auch nicht heraus.&lt;br /&gt;Sicher ist dagegen, dass dem Heinrich in Ägypten das Liebesglück in Gestalt der jungen und schönen Catherine, mit der er drei oder vier Kinder hat, noch einmal lacht. Wahrscheinlich, so darf spekuliert werden, hat der Träumer und Versager tatsächlich mehr vom Leben gehabt als der erfolgreiche Machtmensch mit den Kisten voller Gold, den Teppichen aus Venezien und den edlen arabischen Pferden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwei Lebensgeschichten, die die Abfolge meiner Lektüre in zufällige Nachbarschaft gebracht hat. Gemeinsam ist ihnen, dass sie literarisch gespiegelt und deshalb hoch verfremdet sind; die Menschen, die hier beschrieben werden, hat es so ganz sicher nicht gegeben. Es sind interpretierte Leben; aber vielleicht sind Biografien nur so zu fassen, als Geschichten, die erzählt werden müssen, damit sie einen Zusammenhang haben und einen Sinn ergeben.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-5343444137792005786?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/5343444137792005786/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=5343444137792005786&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/5343444137792005786'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/5343444137792005786'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/05/zwei-leben.html' title='Zwei Leben'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-5303129275015595376</id><published>2010-05-03T15:34:00.001+02:00</published><updated>2010-05-03T15:39:00.355+02:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (Schluss)</title><content type='html'>Epilog&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tief unten schlängelt sich silbrig der Fluss. Links und rechts wachsen die Hügel, wachsen zu Bergen, zu gewaltigen bewaldeten Rücken und Buckeln, man sieht nur Wald, in hellerem Grün leuchten die Laubbäume, in dunklerem Grün dazwischengestreut die Tannen. Man sieht, da es Zeit nicht gibt, wie die Pflanzen sich mit kraftvollen Bewegungen der Sonne entgegen dehnen, man sieht nur Wald und das Schwimmen der Wolken am Horizont, ein Gewitter, das sich schwarz in den Himmel schiebt, tief unten das silbrige Band des Flusses und über den Hügeln die Sonne, die in ihrem Licht versinkt. Vögel gleiten durch die Luft, singen ihren Abendgesang. Sonst hört man nur den Wind, der auf Hohlkörpern seine Lieder spielt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber mein Mund ist kein Auge, mein Mund ist nicht das Ohr. Der Zauber liegt nur ganz dünn wie goldener Staub auf meinen Gedanken und Worten, wenn ich beschreiben will, was das Wesen sieht und hört.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Wesen sitzt auf einem Felsvorsprung hoch oben über dem Fluss, sein Ohr ist offen und lauscht, es sitzt und schaut und lauscht die Ewigkeit des Moments, die absolute Gegenwart; sonst nichts. Es ist am Ziel seiner Träume angekommen; es ist am Ziel aller Träume angekommen, denke ich. Ich betrachte das Wesen nur ab und zu verstohlen aus den Augenwinkeln vom&lt;br /&gt;Götzenhimmel der Sprache aus, denn ich fürchte mich vor seiner Schönheit, für die meine Worte zu dürr und zu kümmerlich sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich möchte es erlegen, das Wesen, wie ein Jäger sein Wild. Ich möchte es nicht verletzen oder vertreiben, denn ich weiss, es ist scheu. Ich möchte es beschützen, denn ich ahne, man wird es zerstören, wenn es nicht zu entwischen vermag.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tief unten schlängelt sich silbrig der Fluss, und ich warte, bis die Dämmerung grösser geworden ist und ich mich im milderen Licht des Mondes näher an das Wesen heranwagen darf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt sehe ich nur noch die Silhouette, die feine Linie des Profils, den zarten Umriss der Glieder. Ich weiss, dass es kein Mensch, sondern ein Engel ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und ich bin sein Schatten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Wesen wittert mich wie ein wildes Tier. Eine fast unmerkliche Bewegung, ein Schaudern geht durch seinen Körper.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tief unten schlängelt sich silbrig der Fluss.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-5303129275015595376?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/5303129275015595376/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=5303129275015595376&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/5303129275015595376'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/5303129275015595376'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/05/traurige-jager-schluss.html' title='Traurige Jäger (Schluss)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-3365058841564575408</id><published>2010-04-29T10:44:00.001+02:00</published><updated>2010-04-29T10:46:40.667+02:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (30)</title><content type='html'>Ich, der Verfasser, befinde mich seit einiger Zeit schon in diesem Zimmer, in dem alles weiss und sauber ist. Der Tagesablauf ist streng geregelt. Gott sei Dank. Pünktlich um viertel vor sieben am Morgen bringt mir die Schwester das Frühstück. Dann werde ich angehalten, mich zu waschen und zu rasieren. Wenn ich mal keine Lust dazu habe, werde ich mit sanftem Zwang dazu überredet. Im besten oder im schlimmsten Fall brauche ich weder das eine noch das andere zu tun. Zweimal pro Woche werde ich gebadet. Irgendwann im verlauf des Vormittags gibt’s einen Apfel und ein Glas Tee. Um halb zwölf ist Mittagessen, dann muss ich wieder für zwei Stunden ins Bett. Um halb sechs Abendessen. Manchmal erzähle ich einem freundlichen Onkel im weissen Kittel aus meiner Kindheit. Auch darf ich zeichnen und malen, in dieses Heft hier schreiben. Alles, was ich tue, wird gern gesehen. Es geht mir gut, man mag mich, ich werde hier bleiben.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-3365058841564575408?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/3365058841564575408/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=3365058841564575408&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/3365058841564575408'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/3365058841564575408'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/04/traurige-jager-30.html' title='Traurige Jäger (30)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-5713971376136809420</id><published>2010-04-26T16:49:00.000+02:00</published><updated>2010-04-26T16:50:14.125+02:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (29)</title><content type='html'>Die Geschichte ist nun bald zu Ende erzählt. Don Quichotte und Sancho Pansa wurden, lese ich im Krankenbericht des zuständigen Psychiaters, anderntags vom Arrestlokal in die Klinik und damit in den zivilen Bereich zurückgestellt. Sie leisteten ihrer erneuten Internierung offenbar keinen nennenswerten Widerstand. Natürlich trennte man die beiden ungleichen Freunde in der Folge. Sancho wurde sogar an einen anderen Ort verlegt, da es die Ärzteschaft als sozusagen sicher erachtetem dass entweder Don Quichotte auf Sancho Pansa oder aber Sancho Pansa auf Don Quichotte oder sowohl der eine auf den andern als auch der andere auf den einen einen ungünstigen Einfluss ausübe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was weiter mit den beiden geschehen ist, wird in den Papieren nicht mehr erwähnt und entzieht sich somit den Kenntnissen des Berichterstatters. Es bleibt offen, ob sie zum guten Ende als geheilt entlassen werden konnten, darf aber mit gutem Grund bezweifelt werden.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-5713971376136809420?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/5713971376136809420/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=5713971376136809420&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/5713971376136809420'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/5713971376136809420'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/04/traurige-jager-29.html' title='Traurige Jäger (29)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-7255954232003957576</id><published>2010-04-17T12:51:00.001+02:00</published><updated>2010-04-17T12:51:33.939+02:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (28)</title><content type='html'>Tausenderlei bunte Vögelein auf den Bäumen begannen zu trillern und schienen mit ihrem mannigfaltigen frohen Gesängen Willkomm und Gruss zu bieten der frischen Morgenröte, die bereits an den Pforten und Erkern des Ostens die Reize ihres Angesichts enthüllte und aus ihren Locken eine unzählige Menge feuchter Perlen schüttelte, in deren süssem Nass sich die Pflanzen badeten und nun aus ihrem Schosse weissen feinen Perlenstaub auszustreuen und nieder zu regnen schienen. Die biegsamen Weiden tröpfelten erquickliches Manna, das Brünnlein lachte plätschernd, die Bäche murmelten, die Wälder wurden heiter, und die Wiesen schmückte reicher der Glanz des kommenden Morgens.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho dehnte und reckte sich, dann öffnete er das linke Auge, dann ganz schnell das rechte. Er war überzeugt davon, tot und gestorben zu sein, gefressen von den kannibalischen Urmenschen; aber als er an sich hinunter schaute, war alles noch da, sogar sein dicker Wanst. Dann glaubte er für einen Moment, dieser Wanst sei vielleicht ein ätherischer und er befinde sich im Paradies oder sonst einer Art Überwelt, aber dann knurrte dieser Wanst ganz unätherisch und unesoterisch, und da wusste er, dass er sich noch in irdischen Gefilden befand, was aber nicht weniger erstaunlich war, als wenn er sich Harfe spielend auf einer Wolke sitzend wieder gefunden hätte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn er konnte sich ganz und gar nicht erklären, wie er aus den Zähnen der Urmenschen so ganz und gar unbeschadet hatte hervor- und herausgehen können. Gewiss: es hatte in seinem Leben nun schon genug Wendungen gegeben, die nicht zu verstehen waren. Nicht mit dem Verstand, wenn man von eher durchschnittlicher Intelligenz war wie Sancho. Wenn er rekapitulierte: zuerst war da der Wachsaal mit der schlafenden Schwester gewesen (wie war er überhaupt in diesen gekommen? Er hatte sich ganz und gar nicht krank gefühlt), dann die Sache mit den Cerberanern, des Weiteren das Intermezzo als Weltdiktator, die schrecklich leeren, hell erleuchteten Strassen in der Nacht, Amerika und das Bermudadreieck des Fortschritts, die Schwester des Sheriffs und der Hund Idefix, der nur kurz seine Lebensbahn gekreuzt hatte, leider, Misericordia City, dieser Wahnsinn von einer Stadt, an die es nur ungern und mit Scham zurückdachte, die Schattenengel, das «Café Universum», ein Morde, den man auch als Sachbeschädigung verstehen konnte, die hungrigen Urmenschen und Urahnen – wenn man das alles so überblickte, dann war die momentane Situation an Harmlosigkeit und Heiterkeit gar nicht mehr so zu überbieten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho schaute sich um, ob er irgendwo seinen Herrn entdecken könne. Und richtig, nicht weit entfernt lag Don Quichotte mit weit offenem Mund im Gras, nur bekleidet mit einem Hemd, das ihm allerdings bis zu den Kniekehlen reichte, so dass man nur gerade die hageren und haarigen Unterschenkel sehen konnte, und schnarchte. Oben schaute sein Antlitz heraus mit leicht gekrümmter Adlernase, tief liegenden, jetzt geschlossenen Augen, lückenhaftem Gebiss und grossem melancholischem Schnurrbart, der noch ziemlich schwarz war und deshalb im Kontrast stand zu dem schütteren, ergrauten Haupthaar. Ein Gesicht, selbst jetzt, im Schlaf, voll feierlichem Ernst, und so hohlwangig, so wenig Backenzähne waren ihm verblieben, dass die Wangen einander im Innern zu berühren schienen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neben dem Ritter lag im Gras seine Kleidung: Ein Wams aus chamoisfarbenem Leder, an dem die Knöpfe entweder fehlten oder nicht zueinander passten, befleckt mit jenem Rost, den Regen und Schweiss auf dem löchrigen Panzer hinterlassen. Die enge braune Kniehose von lohfarbenen Flicken verunziert, die grünseidenen Strümpfe nur mehr ein Gitterwerk aus Laufmaschen. Und dann ein Sammelsurium aus Harnisch und Waffenzeug, eine von Schimmel befallene schwarze Ritterrüstung, der goldene Helm Mambrins in Form eines Bartbeckens, Schild, Lanze, Schwert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und richtig: Unter einem Baum weidete ein Pferd, hager und langhalsig wie sein Herr, man errät es, Rosinante, und neben ihm der Graue, sein liebes Eseltier.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da machte Sanchos Herz einen Riesensprung. Ja, nun war man endlich daheim! Sofort musste er den Don wecken, um ihm die ungeheuerliche Tatsache dieser letzten und endgültigen Verwandlung vor Augen zu führen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Don Quichotte richtete sich kerzengerade auf, als er von Sancho an den Schultern geschüttelt wurde, und schaute sich mit einem vom Schlaf noch etwas irren Blick um. «Wo sind wir?» Zum ersten Mal zeigte sein Gesicht einen Ausdruck von Unsicherheit und Verwirrung. «Aber mein Don!» rief Sancho da begeistert aus, «erkennen Sie denn unser gutes altes Spanien nicht wieder? Daheim sind wir, endlich wieder daheim, in unserem guten alten Buch!»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Don Quichotte liess sich indes von der Begeisterung seines Knappen nicht anstecken. Mit Befremden schaute er auf die im Gras liegenden Kleidungs- und Ritterstücke.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Aber erinnern Sie sich denn nicht, mein lieber Herr?» insistierte Sancho, «Sie sind ein fahrender Ritter, die Blüte und der Spiegel des fahrenden Rittertums! Beschützer der Jungfrauen, der Witwen und Waisen, derjenige, der kein Gesetz anerkennt ausser jenem, das ihm die ritterliche Ehre diktiert, ein Löwe an Kraft und vor allem an Mut – und nicht zuletzt natürlich ein ergebener Diener der Dame seines Herzens, der schönen und edlen und nicht zu überbietenden Dulcinea von Toboso!» – «Was schwätzt er da für einen Unsinn, Sancho? Ich glaube fast, das, was wir in letzter Zeit an Verzauberungen über uns ergehen lassen mussten, hat ihm das letzte Restchen Verstand geraubt! Ein fahrender Ritter soll ich sein, angetan mit diesem verlumpten Karnevalszeug?! Willst du einen Narren aus mir machen? Wohl bin ich ein Streiter; und mein Kampf ist Handlung zwar ohne Zweck, nicht aber ohne Sinn. Gestritten einzig deshalb weil das Schicksal, das ich Cerberus nenne, den Höllenhund, es so will und man dem Schicksal gerade dadurch, dass man sich ihm zu entziehen versucht, erst recht in die Arme läuft. Denn, Sancho, wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um. Es ist ein Paradox und eine tiefe Wahrheit, die du aber nicht verstehst, Sancho, dass man den Verstrickungen des irdischen Daseins nur dadurch entkommen kann, dass man sich bewusst in sie fügt. – Und geh mir weg mit deiner Dame Dulcinea, die die Dame meines Herzens und aus Toboso sein soll! Sancho, Sancho, wer hat dir das nur eingeredet! Auf Toboso, diesem Stern jenseits der Hoffnung, gibt es keine Damen mehr, gibt es keine Trennungen mehr, weder nach Geschlecht, Ansehen, Aussehen, Alter, Einkommen, noch nach Hautfarbe, Rasse, Gerissenheit, Bosheit und Macht wie in dieser jämmerlich verkommenen Menschenwelt. Toboso ist das Element, in das man eintaucht wie der Tropfen in den Ozean, um ununterscheidbar eins mit ihm zu werden, erlöst von der Vereinzelung und verbunden mit Allem.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho betrübte sich sehr, als er diese eigenartige Rede von Don Quichotte, seinem lieben Herrn, hören musste. Er hatte sich so gefreut darüber, wieder einmal auf festem Boden zu stehen, mit seinem Herrn in ganz normale Abenteuer zu geraten, in handfeste Prügeleien mit handfesten Menschen, die währschafte spanische Küche und dazu einen handfesten Schluck aus der Bota zu geniessen. Hätte doch nur sein Herr geglaubt, ein fahrender Ritter zu sein! Das wäre doch viel normaler als diese Hirngespinste hier!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur war immer noch alles so schwankend wie eh und je, erbarmungslos verwirrend, gnadenlos fremd. Wie gerne wäre Sancho Pansa einfach heimgekehrt auf das kleine Bauerngut zu seiner Frau Teresa Pansa und seiner Tochter Sanchita und seinem Sohn Sanchito. Aber dieser Weg, so ist zu fürchten, war ihm ein- für allemal versperrt. Der Mensch weiss zuviel und zuwenig: Das ist seine Qual. Wer sich einmal in den Zeiten umgetan hat, findet nicht mehr zurück in eine einfach, unkomplizierte Gegenwart.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-7255954232003957576?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/7255954232003957576/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=7255954232003957576&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/7255954232003957576'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/7255954232003957576'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/04/traurige-jager-28.html' title='Traurige Jäger (28)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-6703794742614287738</id><published>2010-04-14T17:01:00.003+02:00</published><updated>2010-04-14T17:19:36.776+02:00</updated><title type='text'>Letzte-Runde-Trübseligkeit</title><content type='html'>«Vor nicht allzu langer Zeit sass ich in meinem Büro an meinem Schreibtisch, hatte meine bestrumpften Füsse hochgelegt und las im landesweiten Makler-Bulletin einen öden Artikel aus der Forschungsredaktion darüber, dass Cap-Floaters (variabel verzinsliche Anleihen mit einer Höchstmarke für die Verzinsung, C.U.) der Trend der Zukunft seien - als mein Blick nach unten zu einer Glosse glitt, in der stand: "Danach gefragt, welchen praktischen Nutzen das Wissen hätte, ob Neutrinos eine Masse besitzen, gestand Dr. Dieter von Reichstag vom Mains-Institut in Heidelberg, er hätte nicht die leiseste Ahnung, doch was ihn wirklich erstaune, sei die Tatsache, dass sich auf einem kleineren Planeten (der Erde), der einen durchschnittlich grossen Stern umkreise, eine Spezies entwickelt habe, die in der Lage sei, diese Frage überhaupt zu stellen."&lt;br /&gt;Bestimmt gab es da irgendwelche interessante Verbindungen zu den Cap-Floaters und dazu, welch erstaunliche Produktankurbler sie auf dem Markt der Wohnhypotheken darstellen (ich habe nicht zu Ende gelesen). Aber das Erstaunen, das Dr. von Reichstag eingestand, entspricht mehr oder weniger dem Gefühl, das ich zurzeit häufiger empfinde, auch wenn es weniger gewichtige Dinge betrifft. Dr. von Reichstag kennt vielleicht wie ich die Letzte-Runde-Trübseligkeit, denn alle neuen Empfindungen tragen in ihrer DNS eine Ahnung von ihrem eigenen Ende mit sich. Wenn ich das Neue in dieser Weise betrachte, steht das ziemlich sicher in Verbindung mit meinem Krebs und dazu, dass ich selber ein älterer, schnell verlöschender Stern bin.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Richard Ford: Die Lage des Landes. Frank Bascombe ist fünfundfünfzig Jahre alt und freut sich mit schöner Strandvilla und zweiter Ehefrau auf ein ruhiges Leben. Völlig unvorbereitet bringen eine Ehekrise und eine Krebsdiagnose alles ins Wanken. Nachfolgeroman von «Der Sportreporter» und «Unabhängigkeitstag». «Pflichtlektüre» für alle Fünfundfünfzigjährigen (dieses Doppelte-Schnapszahl-Jahr - 2010 - haben alle Fünfundfünfzigjährigen den Jahrgang 55), aber evtl. auch für andere Jahrgänger interessant.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-6703794742614287738?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/6703794742614287738/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=6703794742614287738&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6703794742614287738'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6703794742614287738'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/04/letzte-runde-trubseligkeit.html' title='Letzte-Runde-Trübseligkeit'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-880896695942355945</id><published>2010-04-01T18:10:00.002+02:00</published><updated>2010-04-02T11:00:41.364+02:00</updated><title type='text'>Blues im Blut</title><content type='html'>&lt;object width="480" height="385"&gt;&lt;param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/RxiEMpcI83E&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="allowFullScreen" value="true"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="allowscriptaccess" value="always"&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src="http://www.youtube.com/v/RxiEMpcI83E&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gab einen verborgenen, nur ihm offensichtlichen Widerspruch zwischen seinem banalen Leben und seinem Lebensgefühl, das geprägt war von einem gewissermassen pathetischen Hang zur grossen Leidenschaft, erfüllt von heisser Lebenslust und abgrundtiefer Trauer, umflort von leiser Melancholie und erhoben von den Schwingen der Sehnsucht. Er war sich in diesem Gefühl seiner Bedeutungslosigkeit ebenso bewusst wie seiner Einzigartigkeit, seiner elementaren Unwissenheit ebenso sehr wie der grundsätzlichen Unbegrenztheit seines Bewusstseins. Kurz: er hatte den Blues nicht nur im Ohr, sondern auch im Gemüt, ja sogar im Blut. Dort kochte der seine dickflüssig-dunkelviolette, süss-saure Suppe. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Blues, das waren einmal schwarze Sklaven in Baumwollfeldern gewesen, die sich aus ihre Trauer und Wut ins wilde freie Leben spielten und sangen und schrieen und tanzten. Blues ist auch heute noch eine Beschwörung des Paradieses im irdischen Jammertal, ist der Sonnenstrahl, der durch den grau verhangenen Himmel bricht, ist ein Gefühl des Friedens nach einer langen Nacht in der blauen Stunde morgens um halb vier, in einer verrauchten Bar, mit Gästen, die wie die Geister ihrer selbst aussehen, während der Pianist, ganz in sich versunken und ganz für sich selbst, den schwarzweissen Tasten eine Melodie entlockt, eine Tonfolge, die direkt aus dem Herzen der Welt emporzusteigen scheint... Blues, das ist der Moment, der entschwindet, ist die Gegenwart, die sich nicht aufhalten lässt, sondern sich höflich empfiehlt, ist unsere Vergänglichkeit, das Erbärmliche, aber auch das Tröstliche unserer Vergänglichkeit, ist das Aufbegehren und der Schmerz, aber auch die Einsicht und das Annehmen. Blues, das ist jener Teil in uns, der sich nicht zähmen und domestizieren und verformen lässt, Blues ist unsere ureigenste Authentiziät, ist die Unvergänglichkeit unserer Jugend im Altsein und die Weisheit des Alters im Kind. Der Blues in uns ist subversiv, er unterläuft die Rollen, die uns zugedacht sind und die wir ausfüllen sollen, die aber nichts mit unserer echten Natur zu tun haben. Ja, Natur ist ein gutes Stichwort: Blues ist die Natur in uns, das Mineralische und das Pflanzliche und das Tierische in uns, das Salz unserer Tränen ebenso wie der Geschmack unseres Spermas und unseres Bluts. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er hatte zwar den Blues im Blut, aber gleichzeitig war er sehr kompliziert. Ich will nicht gerade behaupten, dass er ein Intellektueller war – dagegen hätte er bestimmt Einspruch erhoben, wie ein Anwalt, der die Unschuld seines Klienten beteuert -, aber er hatte unzweifelhaft einen zum Komplizierten neigenden Geist, dem alles Eindeutige zuwider war – und deshalb auch eine eindeutige Selbstwahrnehmung seiner Gefühle. Das – eindeutige Gefühle zu haben oder eindeutige Gefühle zu sein -, dachte er, müsste man schon fast als psychologischen Kitsch wahrnehmen. Ich habe den Blues im Blut – lächerlich! Ich lasse mich von Sonnenstrahlen entzücken, die durch graue Wolkenmassen brechen – mehr als verdächtig einer geradezu esoterischen Gesinnung, nah angesiedelt bei der vollkommenen geistigen Verblödung. Der melancholische alte Barpianist klimpert am Klavier, während die besoffenen Gäste über dem Tresen träumen – ein Klischee, in tausend Schwarz-weiss-Filmen festgehalten, in tausend Songs beschworen. Singende Schwarze in Baumwollfeldern, die sich während der Arbeit im Rhythmus der schwermütigen Musik bewegen, und irgendwo spielt traurig eine Mundharmonika – geht es eigentlich noch? Vom Salz der Tränen zu schwärmen, vom süss-sauren Geschmack des Spermas und des Bluts – übelste Blut-und-Boden-Romantik! Jedesmal, wenn er einen echten Blueser sah – keinen intellektuellen Pseudoblueser, sondern zum Beispiel einen Rocker in schweissftriefender Lederkluft, oder einen echten, stinkenden Penner, der sich ein tatsächliches und nicht bloss eingebildetes Elend wegsoff, ergriff ihn so etwas wie eine falsche und auch vergebliche Sehnsucht. Niemals gelang es ihm, wirklich in das Klischee einzutauchen (oder das, was er dafür hielt). Er blieb draussen, auf seinem Beobachtungsposten. Er beobachtete andere, das wohl, aber er beobachtete vor allem auch sich selbst (und zwar vor allem dabei, wie er andere und sich selbst beobachtete). Nur selten gelang es ihm, sich einer kleinen Illusion hinzugeben. Von wegen Blues im Blut – diese Eier hatten vielleicht andere. Wenn überhaupt. Wäre ja schön.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Letzte Nacht träumte er, Janis Joplin zu begegnen. Und zwar nicht als der Zeitgenosse der Sängerin mit der rauen Stimme, der er tatsächlich war – die Joplin, obwohl schon lange tot, wäre tatsächlich nur wenige Jahre älter als er, würde sie noch leben -, sondern als ein Bote aus der Zukunft gewissermassen, als ein aus dem Strom der Zeit herausgerissener Beobachter, der alles von einer höheren Warte aus beurteilen kann. Die Sängerin war gutgelaunt und sah sogar glücklich aus. Er sagte anerkennend zu ihr: «Weisst du, Janis, ein paar von deinen Songs sind zu richtigen Klassikern geworden, die noch immer gespielt werden. Sie haben die kurzfristige Aktualität überdauert und sind in die Musikgeschichte eingegangen.» Worauf Janis nur ihr kehliges, durch Burbon, Zigaretten und Joints veredelte Lachen lachte und ihm den Vogel zeigte. Der war es so was von egal, ob sie in die Musikgeschichte eingegangen war oder nicht. So was!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Baumwollfelder schuftende Sklaven, die wehmütige Lieder singen... Auch heute schuften Sklaven und machen sich andere ein fettes Leben auf deren Kosten, worauf man ihnen auch noch ihren mehr als verständlichen Neid vorzuwerfen die Stirn hat. Nicht weniger absurd sind die Zustände im heutigen Kapitalismus als die feudalen Zustände im 30jährigen Krieg oder meinetwegen auch im alten Rom oder eben auf den Baumwollfelder der 20er-Jahre im Süden des nördlichen Amerikas. Nicht weniger absurd und nicht weniger ungerecht. Nur das, das darf man heute nicht mehr beklagen. Klagelieder sind verboten; schliesslich leben wir in der besten aller Zeiten. Und aller politischen Systeme. Und aller wirtschaftlichen Systeme sowieso. Nein, wer die Zustände beklagt, macht sich verdächtig der hoffnungslosen Rückwärtserei. Optimismus ist angesagt. Blues, das gibt es heute bloss noch als Nostalgie.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-880896695942355945?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/880896695942355945/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=880896695942355945&amp;isPopup=true' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/880896695942355945'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/880896695942355945'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/04/blues-im-blut.html' title='Blues im Blut'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-334376064032359945</id><published>2010-03-29T11:40:00.000+02:00</published><updated>2010-03-29T12:07:17.691+02:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (27)</title><content type='html'>Sie froren beide. Die spärlich bewachsenen Steppe oder Tundra war beleuchtet von einem kalten nördlichen Licht. Ein Gefühl von ungeheurer Weite erfasste einen angesichts dieser Landschaft. Sie standen auf einem Hügel, der sich kaum hundert Meter über die Ebene erhob und dennoch ein majestätischer Aussichtspunkt war. In der Ebene sah man riesengrosse schwarze Vögel durch die Luft gleiten; ihr schauerliches Kra kra gab der Grösse und Weite dieser Landschaft eine durchaus adäquate akustische Dimension. Kleine Wölkchen schwammen zum fernen Horizont dieses weiten Himmels, der über die weite Landschaft gespannt war. Ja, Ehrfurcht rührte die beiden angesichts dieser Landschaft und berauschte ihr Herz; eine schmerzliche Sehnsucht, toska, angoisse, saudade, soledad. Sie begriffen nun, aus welcher Stimmung heraus die Religion – die Angst vor den Göttern und die Hoffnung auf eine Erlösung von den Furchtbarkeiten der Welt und des Lebens – in den Morgenstunden der Menschheit geboren wurde. Es sind schreckliche Götter, vor denen wir nackt stehen, und doch wissen wir, sie sind gut – zu gross und zu mächtig nur für uns, sie zu verstehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Don Quichotte und Sancho Pansa standen stumm und staunend vor dieser Szenerie. Wie lange schon? Sie schienen da in eine Zeit geraten zu sein, die noch kein Zeitmass kannte. Dass jetzt in der Ferne die königlich-plumpe Silhouette eines Dinosaurus Rex auftauchte, war allerdings schon fast zu viel des Guten. Wenn es nicht so kalt und unwirtlich gewesen wäre, hätte man beinahe meinen können, in ein überdimensioniertes Disney-Land geraten zu sein. Sancho entfuhr ein Ausruf des Erstaunens.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Ich glaube fast, jetzt sind wir gar in die Vorzeit geraten! Hijcho des puta, was soll denn noch alles kommen! Jetzt reichts mir aber wirklich! Ich frage mich, ob wir jemals wieder nach Hause kommen.» – «Schweig, du kleinmütiger Sancho!», sagte Don Quichotte streng, «was störst du mit deinem dummen hasenherzigen Geschnatter diese heilige Ruhe?! Sind wir denn bis jetzt nicht noch aus jedem Abenteuer heil und ganz hervor gegangen? Unsere Schutzengel, deiner Sancho, und meiner, haben uns bisher mit wohltätiger Hand durch die eigenartigsten Geschichten geführt. Und du jammerst, statt dankbar zu sein! In welcher Zeit sind wir denn zu Hause? Und an welchem Ort? Kannst du mir das sagen? Ich jedenfalls weiss, dass ich durch die Zeiten und die Räume als ein ruheloser Wanderer gehen muss, bis sich mein Schicksal erfüllt haben wird, und ich ohne Murren annehmen will, was es mir bereitet!»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho kam nicht mehr dazu, auf diese fatalistische Rede zu antworten, denn jetzt taucht ein Wesen auf, genau in der Mitte zwischen einem Menschen und einem Affen. Man mag nun einwenden, dieses Auftauchen eines Neandertalers passe erdgeschichtlich in keinster Weise zum Vorhandensein der majestätischen Silhouette des einige Zeilen weiter oben erwähnten Dinosaurus Rex. Aber die Zeiten sind in dieser Geschichte nun mal ziemlich durcheinander gerutscht. Wir können deshalb also auch nicht dafür, dass das seltsame vormenschliche Wesen nun auf die beiden Gestalten unserer Helden zuhüpft, gelächterartige Geräusche ausstossend und den Sancho am Bart, zu dem dieser wie die Jungfrau zum Kind gekommen sein muss, packend.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das mochte als Geste der Zuneigung gemeint sein oder nicht – vielleicht erkannte der Halbaffe oder Halbmensch den Sancho als seinen fernen Nachkommen an, Blut ist, wie man weiss, dicker als Wein –, Sancho begann sich jedenfalls gegen dieses Bartziehen zu wehren, sodass sich schliesslich aus dem, was als zärtliche Neckerei begonnen hatte, ein handfestes Schlagen, Knuffen, Reissen und Beissen entwickelte, bei dem sich Sanchon nicht einmal so schlecht behauptete.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schliesslich gelang es Don Quichotte aber doch, die beiden ineinander verkeilten Kämpfer zu trennen. Der Urmensch oder Neandertaler schnaufte nicht weniger heftig als Sancho, der den haarigen, wulstäugigen, niedrigstirnigen, langarmigen Körper seines Vorfahren voller Verachtung musterte. Dieser grunzte und gab andere nicht zu definierende Laute von sich, schüttelte die Arme und hüpfte von einem Bein aufs andere, als wollte er damit etwas Bestimmtes mitteilen. «Eine anständige Sprache scheinen die noch nicht erfunden zu haben», meinte Sancho kopfschüttelnd. Don Quichotte belehrte seinen Assistenten: «Und doch will er sich uns verständlich machen. Der gute Wille ist zu honorieren. Vielleicht verstehen wir seine Sprache auch einfach nur nicht. Sieh, wie niedlich er die Augen rollt, wie er den Arm und den Finger streckt – ich glaube, er will, dass wir ihm folgen. Er will uns etwas zeigen.» – «Vielleicht will er uns zum Essen einladen», witterte Sancho da Morgenluft, «hoffentlich haben sie wenigstens das Feuer schon erfunden. Roh schmeckt der Dinosaurierbraten sicher nicht sonderlich gut.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während sie ihrem neuen Freund folgten, begann es bereits wieder dämmrig zu werden – auch die gwöhnlichen Tageszeiten scheinen in dieser Geschichte etwas ausser Kontrolle geraten zu sein – und wurde bald stockdunkle Nacht. Mit beklommenem Herzen folgten die beiden Abenteuer – der widerwillige und der mutwillige – ihrem Vorfahren oder Urahnen. Der Boden, über den sie gingen, war weich und feucht; nur gut, dass unsere beiden Helden ihre Stiefel, zu denen sie im Verlauf dieser Geschichte in einem unbemerkten Moment gekommen sein müssen und wiederum wie die Jungfrau zum Kind, aus zivilisierteren Tagen in diese hoffnungslose graue finstere Vorzeit hinübergerettet hatten. Der Halbaffe oder Halbmensch ging nacktfüssig, wie sich das gehört, überhaupt trug er kein einziges Kleidungsstück ausser seinem körpereigenen Fell.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schliesslich wurde die Dunkelheit von einem rötlich-gelben Schimmer etwas aufgehellt, und bald zeigte es sich, dass das Feuer glücklicherweise schon erfunden war. Es erhellte eine geräumige und ganz gemütliche Höhle, in der mindestens zehn Urmenschen auf Fellen hockten, zottelige Männer, Frauen und Kinder, die jetzt angesichts des Besuch, den Vati da mit nach Hause brachte, in ein aufgeregtes Geschmatze und Gegrunze ausbrachen, das aber eher erfreut als ärgerlich klang. Über dem Feuer bruzelte an einem Spiess ein enttäuschend kleines Stück Fleisch, das eher von einer Ratte als einem Dinosaurier stammte. Ausserdem roch es in der Höhle etwas streng, was die Aussicht auf eine Mahlzeit zu einer etwas zwiespältigen Sache machte. Sancho dachte mit Wehmut an die siebengängigen Menus im Palast zurück, für die er jetzt ohne Zweifel den nötigen Appetit gehabt hätte. Don Quichotte hob, um seine freundliche Absicht zu bekunden und ein Beispiel für seine sanfte Gemütsart und edle Gesinnung zu geben, zu einer grossen Rede an: «Liebe Freundlinnen, liebe Freunde, seid gegrüsst! Wir sind von weit her zu euch gekommen, von sehr weit her, nämlich aus den Tiefen der Zeit, um euch als Engel der Zukunft eine Verheissung dessen zu sein, was einst zum modernen Menschen wird aus dem in einem dumpfen geistigen Schlaf verharrenden Material der Evolution, für das ihr euch vielleicht betrübt halten möget. Aber nein! Wisset! Der Mensch ist ein Seil, über den Abgrund gespannt...» Aber weiter kam Don Quichotte nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er wurde nämlich von mehreren der Urmenschen gepackt und zu Boden gerissen. Jetzt war die Mordgier, die sich auf dieser Stufe der menschlichen Entwicklung als simple Fresslust entpuppte, in den Augen der Halbaffen ganz deutlich. Obwohl Don Quichotte bestimmt keinen wohlschmeckenden Braten abgeben würde, war er in diesen mageren Zeiten immerhin besser als nichts. Und erst unser guter Freund Sancho! Zwar auch nicht mehr der Allerzarteste, aber immerhin war an dem ganz schön was dran. Sancho, der wandelnde Festtagsschmaus! Der allerdings schrie Zeter und Mordio. «Hört auf, ihr Kannibalen, ihr Monster, ihr Menschenfresser, ihr könnt mich gar nicht fressen! So jung und zart und frisch wie ich kann ein Braten gar nicht sein, da ich doch eigentlich noch gar nicht geboren bin! Weg da, weg mit den Dreckpfoten habe ich gesagt!»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber an dieser Logik musste etwas falsch sein, denn die Urmenschen hielten sich an das, was ihnen ihr Magen befahl. Und so war denn das Letzte, was Sancho hörte, das Geräusch brechender Knochen (und zwar seiner eigenen) und das zufriedene Mahlen von Kiefern, denen ein gütiger Gott für einmal doch ein saftiges Stück Fleisch zwischen die Zähne gezaubert hatte (der allerdings so zart auch wieder nicht war). Des einen Leid ist des anderen Freud, hätte wohl Sancho dazu gesagt, wenn er noch etwas hätte sagen können.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-334376064032359945?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/334376064032359945/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=334376064032359945&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/334376064032359945'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/334376064032359945'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/03/traurige-jager-27.html' title='Traurige Jäger (27)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-6249238062020873846</id><published>2010-03-24T10:16:00.000+01:00</published><updated>2010-03-24T10:18:33.930+01:00</updated><title type='text'>Eiereien</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/S6nY1_Lnh-I/AAAAAAAABQQ/jViK2SsWygA/s1600/Dresatzkarte2.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 283px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/S6nY1_Lnh-I/AAAAAAAABQQ/jViK2SsWygA/s400/Dresatzkarte2.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5452127245913524194" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/S6nY1ZQTGnI/AAAAAAAABQI/tQ0qX2RbuX0/s1600/Dresatzkarte1.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 288px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/S6nY1ZQTGnI/AAAAAAAABQI/tQ0qX2RbuX0/s400/Dresatzkarte1.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5452127235732609650" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/S6nY1KljiTI/AAAAAAAABQA/RQpcZkX5HsM/s1600/Dreisatzkarte3.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 282px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/S6nY1KljiTI/AAAAAAAABQA/RQpcZkX5HsM/s400/Dreisatzkarte3.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5452127231795235122" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/S6nY02GgVzI/AAAAAAAABP4/AvSYLBKVc-k/s1600/Dreisatzkarte4.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 283px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/S6nY02GgVzI/AAAAAAAABP4/AvSYLBKVc-k/s400/Dreisatzkarte4.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5452127226296293170" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-6249238062020873846?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/6249238062020873846/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=6249238062020873846&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6249238062020873846'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6249238062020873846'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/03/eiereien.html' title='Eiereien'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/S6nY1_Lnh-I/AAAAAAAABQQ/jViK2SsWygA/s72-c/Dresatzkarte2.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-4953082627888115942</id><published>2010-03-22T14:44:00.001+01:00</published><updated>2010-03-22T14:49:58.530+01:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (26)</title><content type='html'>Er stand auf, mitten in einem Chaos von spitzen Dingen, die ihm gleichsam in den Kopf stachen. Er wusste nicht, für welche der Identitäten, von denen er geträumt hatte und die alle ganz zweifellos zu ihm gehörten, er sich entscheiden sollte. Der Mensch braucht, tritt er in der Aussenwelt auf, eine einheitliche Form. Sonst ist er verrückt. Er stand auf, die spitzen Dinge drangen in seinen Kopf, er blieb in der Schwebe zwischen den möglichen Identitäten, die von verschiedenen Seiten mit der gleichen Kraft an seinem Schwerpunkt zerrten. Er konnte sich nicht entscheiden, das heisst, es ergab sich für einen vielleicht nur winzigen Moment nicht die richtige Eindeutigkeit, nicht das, was ihn sonst beim Erwachen in die Form presste, in irgendeine Form. Der Boden schwankte, er selbst schwankte, alles schwankte. Das dauerte aber, wie gesagt, nur einen Moment. Dann, mit einem Blick auf die vielen leeren Flaschen, die er durch den Schleier vor sich auf dem Boden sah, bahnte sich die Erinnerung einen Weg in sein Hirn: Ich war besoffen, dachte er sich, und nun verfestigte sich alles auf einen Schlag. Die spitzen Dinge in seinem Kopf waren die Krallen des Katers. Die leeren Flaschen auf dem Boden Weinflaschen, Schnapsflaschen. Die Dunkelheit Dunkelheit, Dunkelheit in einem ärmlichen Zimmer, unvollständige Dunkelheit: Ein schmaler Streifen war Licht, verursacht von der Sonne, die draussen schien, denn es war schon Tag. Ja, Tag, ein Blick auf die Uhr bewies es: Mittag sogar. Das pelzige Gefühl im Hals war Durst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Durst: Das heisst, es gab etwas zu tun. Man musste Schritte machen, Muskeln bewegen. Eigentlich ging das ganz automatisch, trotz der Schmerzen in den Gliedern. Der Impuls liess ihn wie eine Puppe tanzen. Die kleine Kammer war voller Rotz und Dreck, aber es gab in ihr nichts zu trinken. Auch im Korridor, wo es kühler war als im Zimmer, lag Unrat, war zudem ein Summen und Brummen wie von einer Legion Insekten zu hören. Sancho wunderte sich nicht über das Geräusch und fragte sich nicht nach dessen Ursache, er war es offenbar gewohnt, das Geräusch zu hören, ausserdem hatten sich bei ihm, wie wir wissen, vor kurzem erst die spitzen Dinge in Kopfschmerzen verwandelt, der pelzige Ball, an dem er herumwürgte, in Durst. Er ging so schnell wie möglich und so langsam wie nötig die Treppenstufen hinunter, er wollte nicht stürzen, mit dem Schädel auf die Stufen knallen, liegen bleiben und verrecken. In diesem Haus, dachte er, warten die Ratten doch nur darauf, dass du hilflos am Boden liegst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch er, Sancho, war eine Ratte. Eine weisse Ratte mit roten, entzündeten Augen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt war er eine Strassenratte, der das grelle Mittagslicht um die Ohren geschlagen wurde, als müsste er weich geprügelt werden. Er griff sich mit beiden Händen an den Kopf, das Licht war spitzer, als es die spitzesten Dinge im sanften Halbdunkel gewesen waren, war überspitz, überblendete für Momente den Durst. So stand er, die Hände im Gesicht, wurde von Hunden angebellt; es stank in der Strasse wie immer nach Benzin und Kot und Leichen, wie immer, wenn er auf die Strasse trat, musste er sich übergeben. Das tat gut. Jetzt konnte er die Augen wieder öffnen. Wie immer lagen Leichen im Dreck, erstochen, verfault, gedunsen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er schaute sie sich gewohnheitsmässig an, drehte sie auf den Bauch, wenn sie auf dem Rücken lagen, auf den Rücken, wenn sie auf dem Bauch lagen, vielleicht gab es bei ihnen etwas zu finden. Und es gab etwas zu finden, dies war sein Glückstag. Ein dicker Mann, den die Hunde noch fast unberührt gelassen hatten, dem aber ganze Heerscharen von Ameisen aus den Ohren, den Nasenlöchern und dem Mund entströmten, trug eine Pistole in der verkrampften Hand. Neben einem anderen Kadaver, der schon fast abgenagt war bis auf die Knochen, lag wie durch ein Wunder eine noch fast unangebrachte Packung mit Tabletten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Don Quichotte steckte ganz automatisch die Pistole in die linke, die Tabletten in die rechte Tasche. Als er um die Ecke eines verfallenden Hauses in eine Hauptstrasse einbog, begegnete ihm das erste Mal auf diesem Gang lebende Menschen: einige Ratten zuerst, dann zwei Schattenengel. Dir Ratten gehörten zu den wenigen Überlebenden der ehemaligen Menschenrasse: Sie hatten durch einen ungeheuerlichen Zufall die vierfache Katastrophe – die &lt;br /&gt;Kriege, den Hunger, die Seuchen, die Zerstörung der «natürlichen Lebensgrundlagen» – überlebt. Wer oder was die Schattenengel waren, wusste Don Quichotte im Grunde nicht. Vielleicht waren es Abkömmlinge eines fremden, weit entfernten Planeten, Besucher aus dem All; vielleicht Mutanten, die sich aus dem untergehenden Menschengeschlecht entwickelt hatten – eine neue Art und Gattung von Lebewesen, genauso weit entfernt von diesem wie der «Homo sapiens» es vom Affen gewesen waren – Wesen vom Typus des «Übermenschen», wie ihn Friedrich Nietzsche, Philosoph eines lange vergangenen Jahrhunderts, in Visionen vorausgeahnt hatte. Schattenengel nannte Don Quichotte diese Wesen deshalb, weil sie von tiefschwarzer Hautfarbe waren; ansonsten aber hatte sie weder mit dem negroiden noch dem asiatischen Menschentypus etwas gemein. Diese Schattenengel hatten Gesichtszüge von im wahrsten Sinn des Wortes unbegreiflicher, un-menschlicher Schönheit, die man weder als jung noch als alt, weder als männlich noch als weiblich hätte beschreiben können. Ihre Bewegungen waren von einer solchen Grazie, dass selbst ein Nurejeff neben ihnen wie ein Tanzbär oder Gorilla gewirkt hätte. Auch schienen sie tatsächlich geschlechtslos zu sein oder vielmehr zweigeschlechtlich; Don Quichotte erinnerte sich vage an das Gleichnis aus der griechischen Philosophie von den Kugeln, die ein eifersüchtiger Gott entzweigeschnitten hatte – diese Wesen waren noch Kugeln, metaphorisch gesprochen. Sie waren ganz, männlich im Weiblichen, weiblich im Männlichen Yin im Yang und Yang im Yin. Die Schattenengel kümmerten sich in keinster Weise um die Ratten, behandelten sie wie Luft. Überhaupt strahlten ihre Augen so schwarz und entrückt (genauso genommen waren ihre Augen wie Seehundaugen, man wusste nie, ob sie einen anschauten oder nicht), als würden sie sich in ständiger Ekstase befinden. Was sie taten tagsüber oder nachts war nicht ersichtlich, es sah ganz so aus, als würden sie gar nichts Bestimmtes tun.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho kümmerte sich, von seinem Durst getrieben, weder um Ratten noch Schattenengel. Da trat auch schon das «Café Universum» in sein Blickfeld. Er keuchte jetzt in der Hitze, vor seinem Mund stand Schaum. Er versuchte zu rennen, fiel hin. Lag da, vermochte nicht mehr aufzustehen. Sein herz schlug ihm schmerzhaft in den Hals. Auf seiner Brust hockte eine dicke fette Katze, die hiess Durst. Die wollte ihn zerquetschen. In seinem Kopf zog sich der Nebel rot zusammen und wurde zu einem kleinen heissen giftigen Punkt. Da erinnerte sich Sancho an den von Hunden geschändeten Kadaver, an die neben der Leiche liegende, noch fast unangebrauchte Packung Tabletten. Der bewegte seine Hand langsam zur Taschen hin, riss mit zwei Fingern unendlich mühsam die Packung auf und hatte nach einer Ewigkeit, wie ihm schien, endlich eine Tablette im Mund.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber nun konnte er nicht schlucken. Sein Mund war trocken, wie von Papier ausgekleidet. Da rutschte seine Aufmerksamkeit in einem überwältigenden Moment der Erschöpfung den Körper hinunter in die Gegend der Lenden, wo er einen Druck spürte. Er musste pissen, und in diesem Moment liess er das Wasser auch schon fahren. Seine Finger berührten fast zärtlich das Nass, als wären sie am Verdursten. Er führte die feuchten Finger zum Mund; und jetzt konnte er auch die Tablette schlucken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenige Sekunden später spürte er Kraft von der Gegend des Sonnengeflechts aus den ganzen Körper durchströmen. Ein unendliches Wohlbefinden löste seine Glieder, liess ihn aufstehen und die paar Schritte zum «Café Universum» tun. Das Café hatte riesige Dimensionen und ehemals vielleicht als Parlamentssaal oder Fabrikhalle für die Montage von Gleitern der «Moon and Mars-Company» gedient. Es war angenehm kühl hier in der Mitte der Welt, Sanchon inzwischen in Hochform. Er hatte zwar noch immer Durst, aber dieser Durst existierte gewissermassen nur noch am Rande seines Bewusstseins. Er bewegte sich wie ein Prinz im Farbenspiel der Lasershow. Oder vielleicht doch eher wie eine Prinzessin, oder eine Prinzessinnen-Mutter, mit ausladendem Sonnenhut im geblümten Kleid? Dieser Gedanke, der ihm von irgendwoher zugeflogen war, brachte ihn zum Lachen. Wie dem auch sei: Der Prinz bewegte sich auf die Bar zu, die von einer Traube von Albinoratten mit Sonnenbrillen vor den wahrscheinlich roten Augen umlagert war. Man machte der königlichen Hoheit Platz, man spürte, dass ihr Wille jetzt unbeugbar war, chemisch gepanzert, gefüllt, satt. Straff wie ehemals ein junger Leutnant in Galauniform vor seinem Kaiser. Stählern wie ein riefenstahlscher Athlet in einer Sportarena der Dreissigerjahre. Prinz Sancho von Pansa bestellte sich ein riesengrosses Glas. Er trank wie ein Mann nach Wüstenfahrt. Ahhhhhhhh! Die Prinzessinnen-Mutter dehnte sich aus, schneller, als ihr Verstand es fassen konnte, wurde unendlich, grenzenlos, alles durchdringend. Ein Fluss ohne Ufer. Griff in die Tasche, nahm eine weitere Tablette. Es hatte noch paradiesisch viele Tabletten in der Packung, es reichte für eine Ewigkeit. Das Leben war ein Schlaraffenland: Sancho trank Nektar, den Trank der Götter, aus grossen Gläsern, spülte Ambrosia (Marque déposée) hinunter ins Uferlose des riesigen Magens, in den sich alles verwandelt hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber mit der Zeit (Zucken der Lichter, Wirbeln der Töne) genügte Don Quichotte das nicht mehr. Von seiner augenblicklichen Fallhöhe aus konnte Sancho genau erkennen, dass der rattenhaft mit der Möglichkeit der Stillung sich steigernde Durst auf diese Art nicht mehr zu befriedigen war. Don Quichotte schaute sich um. Sein Blick fiel auf einen Schattenengel, der sich wie ganz zufällig in das postmoderne Café mit den riesigen Ausmassen verirrt hatte und abwesend und entrückt einfach dastand, und nun wusste Sancho, worauf sein Hunger und sein Durst aus waren. Er nahm eine weitere Pille, trank ein neues Glas. Don Quichotte versuchte, den Blick des Schattenengels zu fassen kraft seines unbeugsamen Willens. Aber die seehundhaft schwarzen Augen des Schattenengels gaben keinerlei Antwort. Sanchos Gier wurde zur Wut.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er schob sich an den Schattenengel heran. Dieser nahm noch immer keine Notiz von ihm. In Sanchos Kopf tönten die Textzeilen des Songs «My Passion»:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Obey me, seduce me, please me&lt;br /&gt;Now touch me, adore me and serve me&lt;br /&gt;I'll &lt;br /&gt;harvest without&lt;br /&gt;sorrow&lt;br /&gt;Obey me, seduce me, please me&lt;br /&gt;Now touch me, adore me and serve me &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trust me,&lt;br /&gt;I'll be your guide&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Pistole, die er erbeutet hatte, lag plötzlich glatt und schwarz in seiner Hand. Dann gab es einen trockenen Knall. Der Schattenengel fiel um, nicht wie ein sterbender Mensch, sondern wie ein Ding, das zu Boden gestossen wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Don Quichotte wurde es für einen Moment der Erkenntnis ganz still. Er sah das schwarze Blut, das träge und dickflüssig wie Marmelade aus dem Schattenengel floss. Sanchos Finger, der sich hinabtasten wollte, um zu kosten, war wie steif gefroren. Eine grosse Kälte wie aus den Tiefen des Alls, schien es ihm, strömte bei diesem Impuls durch den Finger bis ans Herz. Sancho hatte Angst, eine noch viel tiefere Angst, als er sie vorher, verdurstend auf dem stinkenden Boden liegend, empfunden hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er flüchtete in Panik aus dem Café «Universum». Er fürchtete nicht, dass ihn jemand verfolgen könnte; er fürchtete, sie könnten ihn nicht verfolgen. Und es verfolgte ihn auch tatsächlich niemand. Es gab keine Polizei mehr und keine Strafverfolgung und kein Rechtssystem. Es galt das Gesetz des «Jeder gegen Jeden», es galt das Recht des Stärkeren. Niemand verfolgte ihn, und niemand wartete auf ihn, und allen war alles egal.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-4953082627888115942?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/4953082627888115942/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=4953082627888115942&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/4953082627888115942'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/4953082627888115942'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/03/traurige-jager-26.html' title='Traurige Jäger (26)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-8972499718824033592</id><published>2010-03-18T16:29:00.003+01:00</published><updated>2010-03-22T14:58:03.055+01:00</updated><title type='text'>Another Brick in The Wall (2)</title><content type='html'>«Ich war nie sehr wählerisch bei dem, was ich tat. Ich war mit allem einverstanden, hielt meine Termine ein, beklagte mich nie, schrieb lesbar. Kurzum, ich war ein gewissenhafter Mensch. Wo andere Kollegen schluderten, leistete ich manierliche Arbeit. Ich verzog nie eine Miene, auch nicht, wenn das Honorar niedrig war. Wenn nachts um halb drei ein Anruf kam, ob ich bis sechs Uhr morgens zwanzig Seiten (zum Thema Vorteile analoger Uhren oder Der Charme von Frauen in den Vierzigern oder Die Schönheit von Helsiniki, wo ich natürlich noch nie gewesen war) abliefern könne, war ich schon um halb sechs fertig. Und wenn sie mich um eine Überarbeitung baten, hatte ich das bis sechs Uhr erledigt. Kein Wunder, dass ich einen guten Ruf hatte.&lt;br /&gt;Es war wie Schneeschaufeln.&lt;br /&gt;Wenn es schneite, leistete ich hocheffiziente Räumarbeit.&lt;br /&gt;Ohne ein Fünkchen Ehrgeiz, ohne die geringste Erwartung. Es ging mir lediglich darum, Dinge systematisch zu erledigen, eins nach dem anderen. Manchmal fragte ich mich natürlich, ob ich mein Leben nicht verplemperte. Aber abgesehen davon, so lautete mein Fazit, hatte ich kein Recht, mich darüber aufzuregen, dass Papier und Tinte verschwendet wurde. Wir leben schliesslich in einer hochkapitalistischen Gesellschaft. Verschwendung gilt hier als höchste Tugend. Politiker nennen es «Verfeinerung des einheimischen Konsums». Ich hingegen nenne es sinnlose Verschwendung. Die Auffassungen unterscheiden sich eben. Doch trotz dieser Differenzen ist es nun einmal die Gesellschaft, in der wir leben. Wenn mir das nicht passt, kann ich ja auswandern, nach Bangladesch oder in den Sudan.&lt;br /&gt;Ich brannte nicht darauf, in Bangladesch oder im Sudan zu leben.&lt;br /&gt;Also erledigte ich stillschweigend meine Arbeit.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Haruki Murakami, in: Tanz mit dem Schafsmann.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-8972499718824033592?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/8972499718824033592/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=8972499718824033592&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8972499718824033592'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8972499718824033592'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/03/another-brick-in-wall-2.html' title='Another Brick in The Wall (2)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-9189601427808612472</id><published>2010-03-17T14:06:00.005+01:00</published><updated>2010-03-17T14:21:22.500+01:00</updated><title type='text'>Venezianische Freundschaft</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/S6DWvc_l7nI/AAAAAAAABPw/cUO06w-1i3M/s1600-h/Venedig.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 267px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/S6DWvc_l7nI/AAAAAAAABPw/cUO06w-1i3M/s400/Venedig.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5449591659843415666" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Darin ist das ganze Phänomen seiner grossen, wenn auch labilen Schönheit enthalten, die Tatsache, dass er einen halböffentlichen Körper besitzt – man wird von seinem Körper angesprochen. Mit seiner Zielstrebigkeit, mit jener Willensstärke, die seinen Handlungen eingraviert ist, und mit seiner Autorität als exhibitionistische Gestalt repräsentiert er wahrlich den Glanz der Welt. Hier glimmt das Schicksal auf, eine gewaltige, im Dunkeln lauernde Macht, und man nimmt wahr, wie prachtvoll und skandalös es ist, am Leben zu sein.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;aus: Harold Brodkey: Profane Freundschaft. Rowohlt Verlag&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kaum eine Stadt ist Gegenstand so vieler Romane wie Venedig. Beliebt ist die Stadt vor allem bei amerikanischen Autoren, man denke nur an Patricia Highsmith (Venedig kann sehr kalt sein) oder Donna Leon (Brunetti-Kriminalromane). Aber natürlich zehren auch deutsche Dichter vom Fluidum dieser Stadt (Thomas Mann, Franz Werfel).&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-9189601427808612472?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/9189601427808612472/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=9189601427808612472&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/9189601427808612472'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/9189601427808612472'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/03/venezianische-freundschaft.html' title='Venezianische Freundschaft'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/S6DWvc_l7nI/AAAAAAAABPw/cUO06w-1i3M/s72-c/Venedig.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-8540487512237411840</id><published>2010-03-15T09:51:00.001+01:00</published><updated>2010-03-15T09:51:21.108+01:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (25)</title><content type='html'>Am andern Morgen schmerzte zwar der Kopf und der Geschmack im Mund war eklig, aber seine Erregung hatte sich ein wenig gelegt. Der gesunde Menschenverstand hatte wieder die Oberhand  gewonnen. Gewissermassen über Nacht war in ihm zudem der Entschluss gereift, baldest möglich abzureisen, nicht erst in zwei Wochen, sondern schon morgen oder übermorgen. Die Aussagen des komischen farbigen Arztes konnten doch einfach nicht stimmen. Diese ungeheuerliche Geschichte war lächerlich, abstrus, einem paranoiden Gehirn entsprungen. Er würde sich von einem Arzt untersuchen lassen, einem echten, medizinischen &lt;br /&gt;Arzt, damit wäre alles geklärt und bewiesen, und er würde später eine Glosse über die angebliche Krankheit im Land der Gesundheit schreiben. Andererseits erinnerte sich Sancho noch immer voller Widerwillen an gewisse Dinge, zu denen er sich in Misericordia hatte hinreissen lassen und die ihm, wenn er daran dachte, die blutrote Scham in die Wangen trieben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Frühstück nahm Sancho nur schwarzen Kaffee und eine Kopfwehtablette. Dann erkundigte er sich bei einer Angestellten des Hotels, die natürlich mit Schwester anzureden war und auch wie eine echte Krankenschwester aussah, nach einem Arzt, einem Doktor der Medizin; er fühle sich nicht ganz wohl. Was er denn habe, fragte die Schwester, ein Drache, wie er im Buch stand, eine impertinente Person, die einem kopfwehgeplagten Menschen den Rest geben konnte. Ob denn nicht sie helfen könne; er, Sancho, wisse es vielleicht nicht, aber alle Frauen in Misericordia seien in der Behandlung leichterer Unpässlichkeiten bestens geschult. Es handle sich um eine intime Unpässlichkeit, und auch um mehr als eine Unpässlichkeit, log er, eine gewissermassen psychosomatische, die unmöglich mit einer Frau verhandeln könne und wolle. Die Schwester schaute ihn tadelnd und mit wenig Sympathie in den Augen an. Sie werde sehen, was sich tun lasse, meinte sie, und verschwand, um zu telefonieren. Es dauerte eine ganze Weile. Warum muss die jetzt auch so lange telefonieren, dachte Sancho nervös. Sancho hätte jetzt gern ein Bier gehabt, nur ein kleines, gegen die Nervosität und den Kater. Als der Drachen endlich vom Telefonieren zurückkam, sagte sie mit einem Mund, als hätte sie soeben etwas Bitteres gegessen: «Gut, man ist bereit, Sie kurzfristig zu einer Konsultation zu empfangen. Weil Sie ein Gast unseres Landes sind. In zwei Stunden können Sie bei Professor Doktor Ochsenknecht vorsprechen. Er ist ein berühmter Venerologe. Ein Forscher. Er empfängt sonst keine Patienten», fühlte sie sich bemüssigt, in strengem Ton hinzu zu fügen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dr. Ochsenknecht war ein kräftiger Mann wie ein Stier, mit breiten Schultern und für eine Kapazität erstaunlich jung. Er hatte sein Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und trug enge weisse  Lederhosen, die seinen Schritt auffällig betonten. Als Sancho zu sprechen anfangen wollte, hiess der Doktor ihn mit einer gebieterischen Geste zu schweigen. Noch während er von dem schweigsamen Arzt auf das Gründlichste untersucht wurde, wusste Sancho, dass er diese Untersuchung ebenso gut hätte bleiben lassen können. Es gab nichts auf der Welt, das ihm seinen Seelenfrieden hätte zurück bringen können. Die Frage, ob er krank war oder nicht, schien auf dieser Ebene plötzlich absurd.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Sie sind vollkommen gesund», waren die ersten Worte des Arztes, «so gesund, wie man sein kann bei dem Lebenswandel, den Sie führen. Aber das wissen Sie wohl selbst. Es gibt bei uns in Misericordia wirklich keine unheilbaren Krankheiten mehr. Misericordia ist zwar noch nicht das Paradies auf Erden, aber in diesem Punkt sind wir dem Paradies immerhin ein gutes Stück näher gerückt. Krankheiten sind Schnee von gestern. Wir beschäftigen uns längst mit anderem: mit der physischen Unsterblichkeit, der ewigen Jugend, der endgültigen Beseitigung von Angst, Schmerz und Unlust. Das ist alles eine Frage der Hirnchemie. Alle Probleme und Spannungen fallen von Ihnen ab. Sie fühlen sich leicht und frei. Alles ist gut.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach der Konsultation eilte Sancho sofort in den Keller, denn wenn er sich jetzt auch ganz leicht und frei fühlte und alles gut war, so brauchte er jetzt doch immer noch ein kleines oder mittleres Bier gegen die Nervosität und den Kater. Auch hegte er die wahnwitzige Hoffnung, noch einmal auf seinen gestrigen Gesprächspartner zu stossen. Aber es war überhaupt niemand in dem Lokal, ausser natürlich dem lakonischen Barkeeper. Das enttäuschte Sancho auf übertriebene Weise, wie er selber fand; er fühlte sich wie ein Kind, dem man seine Weihnachtsüberraschung vorenthält. Diese Enttäuschung und Verlorenheit liess sich auch mit ein paar Bieren nicht wegspülen. Er versuchte, sich an dem tröstlichen Gedanken empor zu ranken und aufzurichten, dass er dann Misericordia morgen schon weit hinter sich gelassen haben, mit seinen Freunden in der «Merkur»-Bar sitzen und auf das Ganze wie auf einen absurden Alptraum zurück blicken werde. Aber gleichzeitig schien es ihm, als ob das unmöglich, Misericordia auch anderswo und überall sei. So, wie auch Don Quichotte überall war, in jeder Welt, in die sich Sancho verirrte. Überhaupt, Don Quichotte! Sancho begann, seinen hageren Freund zu verstehen. Don Quichotte hatte Heimweh nach Toboso, seinem Planeten. Auch er, Sancho, hatte Heimweh, nur war dieses nicht benennbar, weil er sein heiliges Land noch gar nicht kannte und es dieses vielleicht noch nicht einmal gab. Also war dieses Heimweh vielleicht doch eher ein Fernweh, gegen das es einmal mehr anzutrinken galt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-8540487512237411840?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/8540487512237411840/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=8540487512237411840&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8540487512237411840'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8540487512237411840'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/03/traurige-jager-25.html' title='Traurige Jäger (25)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-2183778775565313946</id><published>2010-03-07T11:01:00.002+01:00</published><updated>2010-03-08T08:55:01.913+01:00</updated><title type='text'>Vorsatz</title><content type='html'>Einen Roman (oder eine Erzählung) schreiben mit dem Titel «Desaster. Auf der Kriechspur des Lebens».&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-2183778775565313946?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/2183778775565313946/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=2183778775565313946&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/2183778775565313946'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/2183778775565313946'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/03/vorsatz.html' title='Vorsatz'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-7294777231481353264</id><published>2010-03-06T11:57:00.000+01:00</published><updated>2010-03-06T11:59:22.457+01:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (24)</title><content type='html'>Nach getaner Arbeit betrat Sancho erneut einen der Keller, die behördlicherseits ignoriert wurden, aber es war nicht Claudes Keller, vielleicht gab es Claudes verruchten Keller wirklich nicht und hatte ihn nie gegeben, vielleicht hatte er, Sancho Pansa, Journalist mit Embonpoint, Halluzinationen gehabt, was wusste man schon in diesem verfluchten Land der chemischen Substanzen, ein Getränk, eine Speise konnten vergiftet sein, es galt auf jeden Fall aufzupassen. Trotzdem trank er, Sancho Pansa, leidenschaftlicher Porschefahrer, in langsamen Schlucken das Bier, das vor ihm stand. Sancho war so in Gedanken versunken, dass er gar nicht merkte, wie sich jemand neben ihn setzte. «Darf ich Sie etwas fragen?» fragte dieser Jemand zu Sancho herüber. Es war ein etwa fünfundvierzigjähriger, grosser und dicker Mann mit grauen Strähnen im Haar und auch in dem sehr gepflegten Schnurrbart. «Schon passiert», sagte Sancho mit einer vagen Handbewegung. Der Mann war sorgfältig, aber nicht geschmackvoll gekleidet, in Farben, die Sanchos Meinung nach nicht zueinender passten. Das Hemd zum Beispiel war zu pink, die Krawatte zu hellblau, mit zu gelben Punkten getüpfelt, er trug, wie das in diesen Kellern üblich war, nicht das offizielle Weiss, wein Anzug war in einem zarten Hellgrün gehalten. Ein Papagei, dachte Sancho, ein Paradiesvogel. Viele, auch nicht zu einander passende Farben zu tragen entsprach wohl in Misericordia einem kompensatorischen Bedürfnis. «Sie sind, wie ich gehört habe, ein ausländischer Journalist?» fragte der Mann in höflichem Tonfall. «Woher wissen Sie das?» Sancho war etwas alarmiert. «Ach», sagte der Mann obenhin, «von irgendwoher. Gerüchte. Klatsch. Ich weiss es nicht mehr, ehrlich. Da einer wie Sie in Misericordia Seltenheitswert hat, sind Sie natürlich eine Sensation. Und in gewisser Hinsicht ist Misericordia City ein grosses Dorf. Man sieht Ihnen den Ausländer übrigens von weitem an», meinte der farbige Herr schelmisch und drohte scherzhaft mit dem Finger. «Wieso?» fragte Sancho perplex. «Nun, Sie wirken ein bisschen… verwildert. Schön verwildert. Frei.» Sancho winkte ab. «Bei uns ist auch nicht alles Gold, was glänzt», meinte er grosszügig, «Mensch bleibt schliesslich Mensch – bei allen ethnischen, kulturellen und politischen Unterschieden.» Immer beim Bier hatte Sancho den Hang zu banalen Redensarten. «Der Mensch ist des Menschen Wolf – auch wenn gleichzeitig alle Menschen Brüder sind. Und Schwestern», fügte er ziemlich zusammenhangslos bei. Sancho lachte. «Was wollten Sie mich also fragen?» – «Sie haben natürlich auch bemerkt, mein Verehrter, dass wir Misericordianer, bildlich gesprochen, in zwei verschiedenen Stiefeln herumlaufen. Herumhinken. Herumtorkeln. Dass auch wir zwei Seelen…» – «Sicher habe ich gewisse Widersprüche zwischen Theorie und Praxis wahrgenommen. Ist ja logisch. Solche Widersprüche gibt es überall. Vielleicht sind sie anderswo nicht ganz so krass wie bei euch. Nehmen wir nur mal diese Kneipe…» – «Und?» unterbrach ihn der farblich nicht zueinender passende Herr. «Werden Sie über diese Widersprüche in Ihrer Zeitung berichten?» – «Aber klar doch, aber sicher, schliesslich bin ich Journalist und kein PR-Heini! Ich werde das ganze ein bisschen humoristisch-satirisch verpacken und im Rahmen des Schicklichen… Hören Sie, was wollen Sie eigentlich? Ich bin hier Gast und… Das journalistische Gewissen hat ein grosses Herz, wenn Sie mir dieses schiefe Bild erlauben. Widersprüche gibt es, wie gesagt, überall, und die Leser unserer Medien wollen sowohl printmässig wie auch online in allererster Linie unterhalten werden.» Sancho wusste gar nicht, was ihn dazu brachte, so viel zu reden. Vielleicht doch eine Droge? «Ich weiss», seufzte der farbige Herr, «es geht um das, worum es immer geht: Um Reklame, Absatz, Umsatz, Geld…Werden Sie dafür, dass Sie diplomatisch bleiben, auch entsprechend bezahlt?» Der Herr fragte das im gleichen, sachlich-höflichen Tonfall. «Also bitte, erlauben Sie mal!» protestierte Sancho mit rotem Kopf. «Nein, ich werde natürlich nicht dafür bezahlt, dass ich diplomatisch bleibe. Ich werde natürlich von meinem Arbeitgeber bezahlt, und der wiederum wird von den Inserenten bezahlt, aber die Redaktion ist natürlich strikt unabhängig.» – «Warum schweigen Sie dann zu dem Skandal, der sich in Misericordia nicht ereignet, sondern der Misericordia ist!» – «Ich schweige ja gar nicht. Ich werde, wie gesagt, im Rahmen meiner Möglichkeiten und so objektiv wie möglich… Ich weiss ja gar nicht, worüber ich schweigen sollte, falls ich darüber schweigen möchte! Ach, das ist alles zu kompliziert. Ich kriege regelmässig Kopfschmerzen, wenn ich über Misericordia nachdenke. Gewiss, Misericordia ist ein seltsames Land, ein Land mit für mich exotischen Sitten. Aber so seltsam und exotisch denn auch wieder mich. Manches hier ist mir nur allzu vertraut. Einiges glaube ich zu verstehen, anderes lässt mich völlig ratlos, kann ich in keinster Weise in mein Weltbild platzieren. Ich begreife zum Beispiel nicht, was mit mir ganz persönlich vorgeht, seit ich in Misericordia bin. Ich glaube, dieses Land spielt ein Verwirrspiel mit mir. Deshalb bin ich lieber ein bisschen vorsichtig. Ich halte nichts von jenen Haudrauf-Journalisten, die meinen, partout die Helden spielen zu müssen. Kriegsberichterstatter, Frontschweine – das sind doch alles Desperados und Spinner. Ich tue meinen Job, das ist alles. – Wer garantiert mir eigentlich, dass Sie nicht auch zu jener ominösen Gegenseite gehören, die es in einem paranoiden Land wie Misericordia einfach geben muss? Vielleicht gehören Sie ja zu den Hals-, Nasen-, Augen- und vor allem Ohrenärzten! Wer garantiert mir, dass Sie überhaupt wirklich sind – was immer das heissen mag – und nicht ein Trugbild, ein Phantom, chemisch erzeugt in meinem Hirn? Gott, es ist wirklich nicht leicht, unter solchen Voraussetzungen Journalist zu sein.» – «Da haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen», antwortete der bunte Hund von einem Herrn betrübt, «die Wirklichkeit von wem oder was auch immer kann Ihnen niemand garantieren. Umgekehrt gilt natürlich auch. Wir befinden uns in einer Erkenntnisfalle. Also müssen wir von der Hypothese ausgehen, dass wir uns beide zumindest auf der gleichen fiktiven Ebene befinden, sollte es uns denn etwas an handfester Realität mangeln. Denn wie können Sie mich halluzinieren, während ich gleichzeitig Sie halluziniere? Das wäre ein eigenartiger Zufall. Aber zugegeben – ausgeschlossen ist es nicht. – Ich muss Ihnen übrigens einen Gruss ausrichten. Vom schönen Claude.» Der Herr schaute ernst. «Das heisst, so schön ist er nicht mehr, der schöne Claude.» «Von Claude?» Sancho war erstaunt, ja erschrocken. «Ja, ist denn Claude…?» – «Er wurde interniert. Ins Hospital verfrachtet. Traurig, aber wahr. Andererseits aber auch nicht allzu verwunderlich. Claude hatte schon immer eine besondere Begabung, mit dem DmG in Konflikt zu geraten. Ausserdem ist es nämlich ganz und gar nicht so, dass es in Misericordia keine Krankheiten mehr gibt. Gewiss, es wurde die eine oder andere Krankheit überwunden, dafür tauchte umgehend eine neue auf. Diese Mär von der ausserordentlichen Gesundheit der Misericordianer ist eine reine Propaganda lüge, gut für die Pharmaindustrie und ihre Exporte. Aber das wissen Sie ja. Was Sie vielleicht nicht wissen, ist, dass seit einiger Zeit eine mysteriöse Krankheit in Misericordia grassiert (und, soviel wir wissen, grassiert sie vorläufig nur in Misericordia, Folge der Abschottung des Landes), die konsequent tödlich ist und gegen die man bis vor Kurzem weder ein Heilmittel noch einen Impfstoff kannte. Wäre das offiziell bekannt geworden, hätte es bestimmt unangenehme Folgen für die Glaubwürdigkeit des Systems und das internationale Ansehen  dieses Landes gehabt, und es wäre sehr schlecht für die Exportquote unserer Pharmaindustrie gewesen. Jetzt scheint diese Industrie vor einem entscheidenden Durchbruch zu stehen, wie gemunkelt wird. Man rechnet also damit in Kürze ein Heilmittel und vor allem einen entsprechenden Impfstoff zu finden. Es handelt sich bei der Krankheit, von der hier diem Rede ist,  übrigens um eine Virusinfektion. Die hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr übertragen wird. Wann haben Sie eigentlich vor, Misericordia wieder zu verlassen?» – «In etwa zwei Wochen läuft meine Aufenthaltsbewilligung aus.» – «Dann nehmen Sie sich in Acht, mein Herr», sagte der Herr uns schwieg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch Sancho schwieg. Er erinnerte sich an seine Ankunft in Misericordia, an seine Verhaftung danach, an die traumatische Fahrt im roten Porsche, während der er, nachdem er gewissermassen durch ein Wurmloch geschlüpft war, eine Begegnung mit sich selbst hatte, an den Oberchefarzt, der so sehr Don Quichotte glich, an die äusserst verwirrende Begegnung mit Claude, einem fast androgynen Wesen, das weder Mann noch Frau oder vielmehr sowohl Mann als auch Frau war, oder vielleicht auch ein Engel (oder ein Schattenengel oder ein Engelsschatten), so anziehend und die Sinnlichkeit Sanchos erregend, dass er einen Pflaumensturz um den anderen erlitten hatte, an seine Kontakte als Journalist mit dem «offiziellen» Misericordia… Das Unbehagen in seinem Baum verdickte sich zu einem schweren Klumpen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Sie meinen…» fing er an, wagte aber nicht, den Satz zu Ende zu sprechen. Stattdessen sagte er: «Darf ich Sie zu einem Bier einladen?» – «Aber bitte!» meinte der blassrosa-hellblaugrüne Mann gönnerhaft, «ein Schlückchen Champagner, auch Chlöpfmost oder Nuttendiesel genannt, wäre mir allerdings lieber. Bier macht dick. Und ich bin schon dick genug. Sehen Sie denn nicht, wo das alles hinaus läuft, lieber, guter, bester und ebenfalls eher vollschlanker Freund? Man kennt Sie doch hier in Misericordia! Sie sind ein offenes Buch: Sie sind der goldrichtige Mann. Das Departement für moralische Gesundheit mit seinen hartgeschliffenen Fundamentalisten, diesen Taliban, die, was den Zustand der Moral im ausländischen Teil der Weltbevölkerung betrifft, immer noch eine missionarische Hoffnung in sich tragen, empfiehlt Sie wärmstens dem Departement für Pharmazie. Man ködert Sie, und es braucht nicht viel, um Sie in eine Falle zu locken. Sie sind Journalist; aber das ist unwichtig, so lange Sie nichts wissen. Sie ahnen nichts davon, dass Sie angesteckt sind; ebenso wenig, dass uns wie sehr Sie ansteckend sind, denn die Krankheit bricht erst mehrere Jahre nach der Ansteckung aus. Und mit jedem Geschlechtsverkehr, den Sie als ein polygam veranlagter und mit einer gesunden sexuellen Neugier ausgestatteter Mensch vollziehen, potenziert sich die Zahl der Angesteckten und neuen Anstecker enorm und erhöhen sich damit die Marktchancen für unser in Kürze entwickeltes geniales Serum und Medikament. Da staunen Sie, was! So was nennt man aktives Marketing, mein Herr! Da müssen nur noch ein paar solche wandelnde Zeitbomben wie Sie in die grosse weite Welt entlassen werden, und schon steht unserer Pharmaindustrie ein Bombengeschäft ins Haus. Ausserdem ist diese Krankheit für unsere Regierung dann eine gewissermassen aussenpolitische Angelegenheit uns erst recht ein Grund, uns vornehm vom Rest der bösen Welt abzukapseln.» – «Aber das ist ja ungeheuerlich! Bestätigen Sie mir auf der Stelle, dass das alles nur zusammengesponnen und restlos erfunden ist!» Sancho war so schockiert, dass er sich gar nicht mehr erholen konnte. «Woher wollen Sie denn das alles überhaupt wissen?» – «Ich weiss es, weil ich das Geschäft und die Menschen kenne. Ich arbeite selbst im DmG, als Arzt zweiten Grades. Natürlich, die Geschichte um diese Krankheit kann sich auch ganz anders abspielen, aber das heisst nicht auf eine weniger schockierende Art. Ich muss jetzt gehen. War mir eine Freude, Sie kennen zu lernen. Und denken Sie daran, was ich Ihnen gesagt habe. Seien Sie vorsichtig – wenn Sie das können und wollen. Und nun adieu.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Mann war verschwunden. So etwas durfte doch einfach nicht wahr sein! So etwas gab es nicht einmal in den absurdesten Alpträumen. Nein, es war unmöglich, dieser farbige Heini ein Wichtigtuer und Scharlatan. Plötzlich schreckte er auf, eilte zur Tür. Aber der so genannte Arzt hatte sich in seiner ganzen farblich nicht zusammen passenden Pracht bereits in Luft aufgelöst. Frechheit. Zum Teufel mit diesem ganzen Scheiss-Misericordia. In erregtem Ton fragte er den Kellner: «Kennen Sie den Herrn, der soeben gegangen ist? Können Sie mir sagen, wer das ist? Es ist wichtig!» – Aber der Kellner schüttelte nur den Kopf. «Welcher Herr? Ich habe keinen Herrn gesehen. Sie müssen sich täuschen», sagte er abweisend. Sancho blieb nichts anderes übrig, als durch die inzwischen menschenleeren Strassen, die gewisse nebelhafte Erinnerungen an sehr unangenehme Gefühle (und an voll geschissene Hosen) in ihm weckten, zu seinem Hotel zurück zu kehren, da eine starke Schlaftablette, von denen es in jedem misericordianischen Schlaf- und Hotelzimmer grosse Mengen gab, zu sich zu nehmen und dann die Reserveflasche, die Notfallfalsche mit der brennenden Flüssigkeit in langen tiefen Schlucken leer zu trinken und dann diesen höchst unerfreulichen Tag schleunigst zu vergessen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-7294777231481353264?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/7294777231481353264/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=7294777231481353264&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/7294777231481353264'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/7294777231481353264'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/03/traurige-jager-24.html' title='Traurige Jäger (24)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-664267443843764150</id><published>2010-03-03T10:10:00.006+01:00</published><updated>2010-03-03T10:32:11.314+01:00</updated><title type='text'>Another Brick In The Wall</title><content type='html'>"Wir leben in einer Zeit, in welcher der Glaube an die unbegrenzte Problemlösungsfähigkeit von Märkten der politischen Auseinandersetzung  ihren Stempel aufdrückt und jede Diskussion wirtschaftspolitischer Alternativen müssig erscheinen lässt. Aber ist nicht die Idee des reinen Markts selbst eine Utopie, «hintergründiger und moderner, amoralischer und grenzenloser als jede bisherige Utopie», wie Helmut Willke schreibt? Wie ältere Utopien zeichnet sich übrigens auch diese durch die Geringschätzung der Individualität aus. Der Markt braucht, so Willke, Individuen wie das Haus Backsteine. Er schliesst sie ein in eine Form, der sie so wenig entrinnen können wie der Backstein der Mauer. Dass die Moderne im Sinne der kapitalistischen Globalisierung den Individualismus fördere, ist in Willkes Urteil lediglich ein Wunschdenken der Apologeten der Postmoderne.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;object width="425" height="344"&gt;&lt;param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/M_bvT-DGcWw&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="allowFullScreen" value="true"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="allowscriptaccess" value="always"&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src="http://www.youtube.com/v/M_bvT-DGcWw&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="344"&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Urs Marti, Titularprofessor für Politwissenschaft an der Uni Zürich, in: Zoon Politikon (Zeitschrift von Studierenden der Politikwissenschaft der Universität Zürich) Februar 2010 zum Thema "Utopie". Das Heft kann bezogen werden unter infos@zoon-politikon.ch oder über den Buchhandel.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-664267443843764150?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/664267443843764150/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=664267443843764150&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/664267443843764150'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/664267443843764150'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/03/another-brick-in-wall.html' title='Another Brick In The Wall'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-1322737505937525567</id><published>2010-02-24T10:46:00.003+01:00</published><updated>2010-02-24T10:53:57.055+01:00</updated><title type='text'>Heimweh</title><content type='html'>«Unten nahm mich die Strasse in Empfang. Zu meiner Mutter musste ich die Strassenbahn nehmen. Aber jetzt ist mir schon aufgefallen: richtig, ich habe ja kein Geld, und so habe ich dann beschlossen, zu Fuss zu gehen. Um Kraft zu sammeln, bin ich noch einen Augenblick auf dem Platz, bei der Bank von vorhin stehengeblieben. Dort vorn, wo ich dann würde gehen müssen und wo die Strasse sich zu verlängern, zu verbreitern, ins Unendliche zu verlieren schien, waren die Schäfchenwolken über den bläulichen Hügeln schon violett und der Himmel purpurn. Auch war es, als hätte sich um mich herum etwas verändert: der Verkehr hatte sich beruhigt, die Schritte der Menschen waren langsamer geworden, ihre Stimmen leiser, ihre Blicke milder, und es schien, als würden sie ihre Gesichter einander zuwenden. Es war die gewisse Stunde – selbst jetzt, selbst hier erkannte ich sie –, die mir liebste Stunde im Lager, und ein schneidendes, vergebliches Gefühl ergriff mich: Heimweh.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;aus: Imre Kertész, Roman eines Schicksallosen. rororo Taschenbuch&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-1322737505937525567?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/1322737505937525567/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=1322737505937525567&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1322737505937525567'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1322737505937525567'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/02/heimweh.html' title='Heimweh'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-870837470049780496</id><published>2010-02-21T16:57:00.000+01:00</published><updated>2010-02-21T17:00:01.872+01:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (23)</title><content type='html'>Sancho tippte in den Labtop: «Misericordia ist formell eine parlamentarische Demokratie. Allerdings konstituiert die oberste Regierung des Landes, die Exekutive, sich selbst: gelebte Aristokratie als Herrschaft der Besten. An der Spitze des Staatsgebildes steht der Oberstchefarzt, vergleichbar einem Ministerpräsidenten in anderen Ländern. Es ist dies seit über zwanzig Jahren bereits der ehemalige Schönheitschirurg Prof. Dr. Dr. Johannes Becker-Wegerich. Ihm unterstellt sind sechs Chefärzte, die de facto den Rang eines Ministers innehaben, welche den sechs Departementen Pharmazie (vergleichbar mit einem Volkswirtschaftsdepartement), Venerologie (Aussenministerium), Hygiene (Erziehung), Allgemeine Chirurgie (Landesverteidigung), Spezielle Chirurgie (Justiz, Polizeiwesen, innere Sicherheit), Hals-/Nasen-/Ohren (Geheimdienst), Psychiatrie (Bildung) und dem Departement für moralische Gesundheit vorstehen. Als Aussenstehender ist es am Anfang schwierig, die Organisation des Staates Misericordia, ja der ganzen Gesellschaft zu verstehen und in ein Begriffssystem zu übersetzen, das uns geläufig ist. Misericordia ist in vielerlei Hinsicht seine ganz eigenen Wege gegangen und hat sich so – in unseren Augen – zu einem Exotikum, vielleicht zu einem Modellfall entwickelt. Die oben angeführten Vergleiche der Departemente in Misericordia mit Ministerien in einem uns geläufigen Sinn sind deshalb mit Vorsicht zu geniessen. Ein Beispiel: Die Kompetenzen des Departements für moralische Gesundheit, welches in vielen Bereichen die Funktionen einer Kirche übernommen hat, decken sich in manchen Punkten mit den Kompetenzen des Polizeiwesens in unserem Sinn, das heisst, dass das Departement für m.G. über polizeiähnliche Organe verfügt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den Chefärzten unterstellt sind Oberärzte verschiedener Grade, welchen Staatssekretäre und Beamte der höheren Kader entsprechen, aber auch höhere Wirtschaftsfunktionäre und Militärs. Da die gesamte Wirtschaft von der Pharmazie kontrolliert wird und diese wiederum monopolisiert ist, besteht in Misericordia de facto Planwirtschaft. Etwas überspitzt gesagt, funktioniert Misericordia wie eine Mischung aus Nordkorea und der Schweiz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur ein kleiner Teil der enormen Produktion an misericordianischen Pharmazeutika verbleibt im Land. Da die Misericordianer, wie bereits gesagt, das gesündeste Volk der Welt sind, herrscht hier natürlich wenig Bedarf an Arzneimitteln. Deshalb wird der grösste Teil der hergestellten Produkte exportiert, was den Misericordianern natürlich sehr viel Geld bringt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die mittleren Kader werden in Misericordia von den Ärzten der verschiedenen Grade gebildet. Frauen findet man bis etwa in die Position von Oberärztinnen, es mögen vereinzelt weibliche Chefärzte vorkommen, zurzeit ist das jedoch nicht der Fall. Das Gros der Menschen in Misericordia wird von Pflegern und Krankenschwestern, Hilfspflegern und .Schwestern, Unterhilfspflegern und –schwestern gestellt. Daneben gibt es aber noch eine grosse Gruppe von so genannten Kastenlosen, die den Bodensatz der misericordianischen Gesellschaft bilden. Jene, die in das Gesundheitswesen Misericordias eingebunden sind, lassen sich aber nur ungern auf diese nicht klassifizierbaren Bevölkerungsschicht ansprechen. Einige streiten sogar rundweg ab, dass es sie gibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Primat des Gesundheitswesens lässt sich nur schon rein optisch wahrnehmen an der Farbe der «Uniformen», die in Misericordia natürlich weiss ist. Natürlich gibt es Nuancen, Moden und Stile, die aber nur für das geübte Auge wahrnehmbar sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was in Misericordia auffällt, sind Sauberkeit, Ruhe und Ordnung. Speise und Trank sind ausgewogen, bekömmlich und gesund (freilich ist nicht ganz klar, ob die gesunde Ernährung in Misericordia eher auf der naturnahen oder auf der gentechnologischen Bühne tanzt oder gar auf beiden ein bisschen). Alkohol wird in Gaststätten nicht ausgeschenkt, und selbstverständlich ist Rauchen überall strengstens verboten. Dies ist das offizielle Bild, das Misericordia vermitteln will: Die Menschen machen einen frischen, ausgeruhten Eindruck, es sind im Allgemeinen Menschen von einer natürlichen Schönheit. Keine Bettler, Krüppel und Müssiggänger lärmen und johlen in den Strassen, schon vor Mitternacht sind die Strassen selbst einer grossen Stadt wie Misericordia City wie leergefegt. Dass der Schlaf vor Mitternacht der gesündeste sei, das ist hier kein leeres Wort. Natürlich gibt es auch keine Prostitution, keine Sexshops und keine perversen Laster in Misericordia.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trotzdem gibt es in den grösseren Städten des Landes ein reichhaltiges kulturelles Leben, Konzerte (etwa der berühmten Sanitas-Philharmoniker oder der Menssanaincorporesano-Brassband), Theateraufführungen meist gesundheitspädagogischen Inhalts, vor allem aber wissenschaftliche Vorträge zu medizinischen Themen und verwandten Gebieten, etwa der Prophylaxe.»&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-870837470049780496?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/870837470049780496/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=870837470049780496&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/870837470049780496'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/870837470049780496'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/02/traurige-jager-23.html' title='Traurige Jäger (23)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-5643998507033550901</id><published>2010-02-13T12:59:00.001+01:00</published><updated>2010-02-13T13:01:33.202+01:00</updated><title type='text'>Eine unmögliche Liebe</title><content type='html'>Dass sich Richie in Robin verlieben würde, war weder wahrscheinlich noch vorhersehbar. Es widersprach im Gegenteil allem, was man von der Wirklichkeit – der wirklichen Wirklichkeit, aber auch der Wirklichkeit dieser Geschichte – zu erwarten bereit wäre. Richie war jung, ein erfolgreicher Sportler und Versicherungsbroker, er sah gut aus auf eine Weise, die seine Schönheit durch etwas Wildes, Dreckiges, ja Vulgäres zu einer sexuellen Verführungskraft steigerte, die kaum noch zu überbieten war. Richie war bei beiden Geschlechtern begehrt. Er hätte zahllose Affären haben können, aber das kam Richie überhaupt nicht in den Sinn; er war in Robin verliebt, und zwar ohne dass diese Liebe erwidert worden wäre. Robin hatte eine Stupsnase, Tränensäcke unter den Augen, kaum Haare auf dem Kopf und war exakt einen Meter 36 Zentimeter gross, also eher klein; schon fast kleinwüchsig. Ja, Richie hat sich in Robin verliebt, Sie haben schon richtig gehört. Nicht Robin in Richie, noch nicht oder nie.&lt;br /&gt;Dass sich Robin in Richie verlieben würde, das könnten wir noch goutieren, das würde uns noch einleuchten, aber andersrum macht die Geschichte für die meisten Menschen einfach keinen Sinn. Es spricht gegen die Plausibilität, dass sich ein Schöner in einen Hässlichen, ein Grosser in einen Kleinen verliebt. Das kommt uns schon fast pervers vor. Oder zumindest leicht anrüchig. Aber es kommt vor. Lassen Sie sich das gesagt sein. Es kommt vor, und gar nicht mal so selten. Es kommt nicht häufig vor, zugegeben, aber immerhin, wie Sozialwissenschaftler wohl sagen würden, mit einer Wahrscheinlichkeit im statistisch relevanten Bereich.&lt;br /&gt;Wenn Sie wüssten, was nicht alles vorkommt! Unglaublich, was da alles unter dem Deckel schlummert und wummert und wabert und sich windet, diese Schlangenbrut im Abgrund der Seele, da sind die Geschichten in den Boulevardblättern das reinste Nasenwasser dagegen. Und es sind meistens nicht mal die ganz schlimmen Sachen, die das Licht des Tages und des Bewusstseins scheuen; wie die grosse Mehrheit unter uns nicht die Bestimmung zum grossen Helden, Heilige oder Geistesriesen in dieses Erdenleben mitbringen, so sind auch die meisten nicht zum grossen Verbrecher oder Unhold geboren. Das, was wir unter dem Deckel verbergen, ist uns meist schlicht peinlich; oder wäre uns peinlich, wenn wir uns dessen bewusst wären.&lt;br /&gt;So wäre es auch Richie peinlich gewesen, wenn es ihm bewusst gewesen wäre, dass er sich in Robin verliebt hatte, und dass er sich deshalb nicht auf die zahllosen Affären einliess, die er hätte haben können. Es war aber Richie nicht bewusst; nur dass er so ein komisches Zerren und Ziehen in der Magengegend spürte, wenn er Robin sah. Und dass er eben keine Lust hatte, sich auf die zahllosen Affären einzulassen, die ihm angetragen wurden.  Richie begegnete Robin relativ oft; sie waren Nachbarn. Richie wohnte allein und seine Wohnung war infolgedessen eine Junggesellenwohnung; Robin, lebte mit seiner normal grossen – oder annähernd normal grossen, sie war etwa eins sechzig – Schwester zusammen. Diese Schwester, man ahnt es, war heimlich in Richie verliebt. Damit verdichtet sich das eng gesponnene Netz aus Tragik, das über dieser Geschichte liegt, noch einmal erheblich. Wir dürfen davon ausgehen, dass Robin Richie ebenfalls nicht grundsätzlich abgeneigt ist; aber er kommt sich durch jegliche Art von Zuwendung von Seiten Richies, sei diese nun positiver oder negativer Art, verhöhnt, ja verarscht vor. Also macht er sich abweisend, stachelig, widerborstig, was wiederum Richie verstört, der allmählich seinen wahren Gefühlen auf die Spur kommt. In einer aklhol- und tränenreichen Nacht gesteht er sich selber seine Liebe zu Robin ein. Er ist verzweifelt, dass sein Angebeteter nichts von ihm wissen will und, je mehr er um ihn wirbt, desto weniger von ihm wissen will. Schliesslich wirft er sich in einem Anfall von akuter Verzweiflung vor den Zug. Robin aber verbittert ob der Tatsache, dass niemals jemand ihn begehren, ihn lieben wird. Man darf davon ausgehen, dass ihn ein einsames Alter erwartet. Und Robin Schwester, die in dieser Geschichte nicht mal einen Namen hat? Die heiratet einen andern, von dem sie sich später wieder scheiden lässt; ihren Bruder verleugnet sie vor ihren Kindern, die alle mindestens einen Kopf grösser sind als sie.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-5643998507033550901?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/5643998507033550901/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=5643998507033550901&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/5643998507033550901'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/5643998507033550901'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/02/eine-unmogliche-liebe.html' title='Eine unmögliche Liebe'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-4281705254054983329</id><published>2010-02-12T11:07:00.002+01:00</published><updated>2010-02-12T11:14:04.656+01:00</updated><title type='text'>Warten auf Godot</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/S3Up4h7TRII/AAAAAAAABPo/bWVwf3l1cXo/s1600-h/no_country_for_old_men_blu-ray_print_02.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 266px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/S3Up4h7TRII/AAAAAAAABPo/bWVwf3l1cXo/s400/no_country_for_old_men_blu-ray_print_02.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5437298176276251778" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Wenn einer ungefähr achtzig Jahre lang drauf gewartet hat, dass Gott in sein Leben tritt, dann würd man doch meinen, dass der dann auch kommt. Wenn nicht, müsste man trotzdm davon ausgehen, dass er weiss, was er tut. Ich weiss nicht, wie man Gott anders beschreiben könnte. Letzlich läuft's darauf raus, dass diejenigen, zu denen er gesprochen hat, es wohl am nötigsten gehabt haben. Das ist nicht so einfach zu akzeptieren. (...) Aber vielleicht schauen wir ja alle durchs falsche Ende vom Fernglas. Und zwar schon immer."&lt;br /&gt;Sheriff Bell, in Cormac McCarthy, Kein Land für alte Männer.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-4281705254054983329?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/4281705254054983329/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=4281705254054983329&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/4281705254054983329'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/4281705254054983329'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/02/warten-auf-godot.html' title='Warten auf Godot'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/S3Up4h7TRII/AAAAAAAABPo/bWVwf3l1cXo/s72-c/no_country_for_old_men_blu-ray_print_02.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-8194247975361792769</id><published>2010-02-07T11:22:00.003+01:00</published><updated>2010-02-07T11:31:08.717+01:00</updated><title type='text'>Rückwärtserei</title><content type='html'>"Tatsächlich war ich, während Loos immer wacher zu werden schien, fast eingenickt und hatte seine Stimme wie aus weiter Ferne gehört. Doch, ja, sagte ich und unterdrückte ein Gähnen, Sie haben mir weismachen wollen, Sie seien nicht rückwärtsgewandt, dann aber ein Szenario gezeichnet, das Sie Lügen straft. - Das stimmt, sagte Loos, das ist das Dilemma der heutigen Sofaträumer: gehen sie vom Bestehenden aus, ohne es anzutasten, starten sie also auf der Rampe des Status quo und phantasieren sie sich vorwärts Richtung Zukunft, um dort etwas Lieberes zur Erscheinung zu bringen, dann scheitern sie. Denn in der Zukunft wird das heute Faktische, das sie ja mitträumen müssen, noch dreimal faktischer sein. Da bringt man kein Luftschloss mehr unter. Zukunftsträume, mit anderen Worten, können nur Alpträume sein, zumindest für jene, denen es schon vor der Gegenwart graut. Und wenn man sich diese wegträumt, indem man der Menschheit vom Sofa aus eine partielle Sintflut verordnet, dann landet man naturgemäss im Gestern. Den Vorwurf der Rückwärtserei muss man schlucken. Wer alles gern langsamer hätte, stiller, sinnlicher, weniger grell, hat keine andere Wahl, als sich in Einst hineinzuphantasieren, denn wie erwähnt, das Künftige wird so gewaltsam wirklich sein, dass sich kein Träumchen mehr nach vorne wagt, verstehen Sie?"&lt;br /&gt;aus: Markus Werner, Am Hang. Roman, 2004.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-8194247975361792769?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/8194247975361792769/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=8194247975361792769&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8194247975361792769'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8194247975361792769'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/02/ruckwartserei.html' title='Rückwärtserei'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-2787130688880191529</id><published>2010-02-04T14:05:00.001+01:00</published><updated>2010-02-04T14:08:10.161+01:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (25)</title><content type='html'>Sancho warf einen Blick in den mannshohen Schrankspiegel. Es war nicht zu leugnen: Er war klein und dick. Nun, vielleicht nicht gerade dick, aber unzweifelhaft eher stark gebaut. Er war nicht zufrieden mit sich an diesem Morgen, das Gesicht schien ihm gedunsen, das Haar zu struppig, der Körper zu schwammig. Vielleicht war er ja krank. Auf jeden Fall gefiel ihm dieser Mann im Spiegel nicht, er konnte sich nicht vorstellen, wie jemand, wie eine Frau erotischen Gefallen an ihm finden konnte. Er fühlte sich total unsexy. Ja, früher, als er noch ein junger Mann gewesen war, oder in anderen Jahrhunderten, da hatte er sich gerne im Spiegel betrachtet. Eine halb angenehme, halb peinliche Erinnerung. Sancho duschte, rasierte sich, kämmte sich sehr sorgfältig, verwendete spärlich ein diskretes Herrenparfum, holte den massgeschneiderten Anzug aus dem Schrank, vergewisserte sich, dass die Schuhe tadellos glänzten. Dann betrachte er sich ein weiteres Mal mit mehr Befriedigung im Spiegel. Er lächelte sich aufmunternd zu.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach dem Frühstück ging Sancho Pansa, Journalist mit Embonpoint und gut gekleideter Porschefahrer, zu Fuss zum nahe gelegenen Haus der grossen Ärztekammer. Dort war ein emsiges Kommen und Gehen von Männern mit entschlossenen, vertrauenserweckenden Gesichtern in langen weissen Kitteln, einige mit vor der Brust baumelnden Stethoskopen, andere mit stilisiertem Chirurgenbesteck, das sie wie Broschen oder vielmehr Orden auf der Brust trugen, dazu Frauen, deren Gesichter von Verzicht und Aufopferung geadelt wurden, auch sie ganz in Weiss, doch an Brustschmuck natürlich keine stilisierten Chirurgenbestecke aufweisend, sondern so etwas wie kleine Pissnelken n diskretem Weissgold. Übrigens hatte auch Sancho sich der Landessitte anpassend wenn schon nicht in reines Weiss, so doch in ein sehr helles Beige gekleidet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho schritt die grosse breite Treppe hoch, die zu den Wandelhallen führte. Er erkundigte sich bei einem Amtsdiener nach der Zuschauertribüne. Von der Tribüne aus konnte man sehen, dass in der Tiefe des riesigen Saales ungefähr die Hälfte aller Stühle mit Angehörigen der grossen Ärztekammer besetzt war. Die meisten von ihnen blätterten on Zeitungen, etwa der seriösen «Neuen Ärzte Zeitung» oder dem grellen Boulevardblatt «Skalpell»; einige der Anwesenden schienen zu schlafen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es äusserte sich soeben ein Redner zum Thema der Arzneimittelexporte, einem Kernthema misericordianischer Politik. Er war offenbar ein in der Wolle gewaschener Lobbyist und erging sich in Lobeshymnen auf die pharmazeutische Industrie des Landes, der die misericordianische Volkswirtschaft ihren Wohlstand, die geringe Arbeitslosenquote, mithin den sozialen Frieden, mithin Kontinuität und Stabilität sowie blablabla blablabla. Der Antrag der Vertreterin der Oppositionellen Ärzte und Krankenschwestern OAK, auch «die Ultraweissen» genannt, auf Senkung der Exporte gewisser pharmazeutischer Produkte insbesondere so genannte Entwicklungsländer (da diese Länder sich ohnehin schon in einer dramatischen Auslandsverschuldung befänden) sei deshalb gar nicht ernst zu nehmen. Stets wachsende Direktinvestitionen wurden vom Redner wuchtig ins Feld geführt, das Argument, auch diese Investitionen dienten in Anbetracht des niedrigen Lohnniveaus der berücksichtigten Länder bloss der Bereicherung multinationaler Konzerne, mit dem Hinweis auf die zunehmende Digitalisierung der Produktion entkräftigt. Ausserdem leiste Misericordia in stets wachsendem Mass direkte Entwicklungshilfe, die schon in zehn Jahren den internationalen Durchschnitt übertreffen, ja, übertreffen werde. Der Redner überliess das Pult einer Vertreterin der «Ultraweissen». «Dass die Welt», hub diese an, «mit Medikamenten versorgt werden muss, das sehen auch wir ein. Und wir versorgen die Welt, das kann man wohl sagen, mit allen nötigen und unnötigen Pillen, Tabletten, Zäpfchen, Essenzen, Ampullen, Pülverchen und Wässerchen. Ich gebe zu, dank der pharmazeutischen Industrie ist Misericordia eins der reichsten Länder der Welt, wenigstens am Bruttoinlandprodukt gemessen. Dagegen will nicht einmal etwas sagen. Natürlich könnte man einwenden: Draussen in der Welt, von der wir leider so wenig mitbekommen, fehlt es Millionen von Menschen zuallererst an ausreichender Ernährung, an sauberem Wasser und an hygienischen Wohnverhältnissen. Aber was geht uns das an. Man könnte sich den Luxus leisten, festzustellen, dass Armut krank macht und Gesundheit zuallererst Gerechtigkeit braucht – Gerechtigkeit auch in der Versorgung mit den unentbehrlichen Arzneimitteln. Dass etwa in einem Land, dessen Bevölkerung zu einem grossen Teil an Unterernährung leidet, in den Schaufenstern der Apotheken hauptsächlich Abmagerungspillen für die wenigen übergewichtigen Reichen angeboten werden – selbstverständlich misericordianische Abmagerungspillen –, können Sie meinetwegen lustig finden. Man weiss es ja eigentlich: Überflüssige Medikamente fördern nicht die Gesundheit, sondern bloss das Geschäft. Uns kann es nur recht sein! – Werte Kolleginnen und Kollegen! Können Sie aber noch ruhig schlafen, wenn Sie wissen, dass wir auch solche Substanzen exportieren, und zwar ebenfalls in Ländet, die erwiesenermassen von brutalen, gewalttätigen, undemokratischen Diktatoren beherrscht werden, von Regierungen, die ein ganz anderes Motto als «Helfen und Heilen» in ihrem Wappen haben, Substanzen, verehrte Damen und Herren, die Nervenkrämpfe verursachen, Blutzerfall, Psychosen, alle Arten von Krebs, Substanzen also, die nach einer qualvollen Agonie zum Tod führen? Ich habe geschlossen.» Erstaunlich, dachte Sancho, dass in einem, wie soll ich sagen, so «wohlorganisierten» Land wie Misericordia in einem quasiöffentlichen Rahmen so aufmüpfige Reden geschwungen werden durften. Aber vielleicht ist ja diese «Ärztekammer» auch bloss so eine Schwatzbude wie das Parlament bei uns. Jetzt schritt der nächste Weisskittel, ein älterer, väterlich wirkender Herr mit Glatze, zum Rednerpult. «Ich bin», sagte er mit gönnerhafter Stimme, «mit grosser Anteilnahme, ja mit Spannung den Argumenten meiner charmanten Vorrednerin gefolgt. Die Geisteshaltung, aus der heraus sie gesprochen hat, verdient sogar meine Sympathie. Aber», und hier hob er oberlehrerhaft seinen Zeigfinger, «es gilt dazu, von einem streng naturwissenschaftlichen Standpunkt aus gesprochen, Folgendes zu bemerken. Jede Substanz, und gelte sie als noch so harmlos, wird für den menschlichen Organismus in einer gewissen Quantität zu einem – ja, sprechen wir es ruhig aus –, zu einem Gift. Selbst das für uns so überlebenswichtige Wasser. Gift und Heilmittel, Heilmittel und Gift, das ist nicht zu trennen. Dosis facit venenum, wie der Lateiner moniert. – Wenn nun also einige unserer Heilmittel, die wir als neutrale Geschäftsleute unseren Kunden anbieten und verkaufen – was nicht nur unser Recht ist, sondern auch unsere verdammte Pflicht –, wenn unsere so wertvollen Heilmittel also als Gifte missbraucht werden, so ist das zwar in höchstem Mass bedauerlich und verwerflich, da gebe ich meiner Vorrednerin recht, aber es ist leider nicht zu vermeiden. Meine Damen und Herren! Wir sind zwar gewiss alle zivilisierte und einer hohen Ethik verpflichtete Menschen, aber wir wollen und können und dürfen uns doch nicht zum Weltgewissen machen oder gar als Weltpolizisten auftreten!»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einige Weisskittel applaudierten lahm. Andere raschelten weiterhin mit Papier. Wieder andere befanden sich entweder in einem Zustand tiefer Meditation oder hatten den fulminanten Auftritt des Rhetorikers selig verschlafen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das nächste Thema, das behandelt wurde, war ein Antrag von Seiten der Vereinigung für geistige Gesundheit und Moral, die Zuwendungen der staatlichen Gelder für die Wahrung der moralischen Gesundheit zu erhöhen. «Trotz aller Fortschritte auf dem Gebiet der moralischen Gesundheitspflege», meinte der erste Redner zu diesem Geschäft, ein sehr dicker Herr mit einer gewaltigen Bassstimme wie aus einem Kellergewölbe, «ist gerade hier die optimale gesundheitliche Sicherheit für Leib und Seele noch nicht vollständig gewährleistet. Auch ist auf diesem Gebiet die Gefahr von Rückfällen besonders gross. Die Moral ist ein zartes Pflänzchen, es muss gehegt werden. Wie sich gezeigt hat, kann mit der Vernachlässigung der moralischen Gesundheit durch gewisse Individuen auch eine Gefahr für die Gesundheit des Leibes verbunden sein. Das Laster ist eine Krankheit! Natürlich haben unsere Gesundheitsbehörden die Situation auch an dieser Front voll im Griff. Aber es gilt, wachsam zu sein. Deshalb ist es unabdingbar, den Vollzugsorganen der moralischen Gesundheit, unserer wackeren Gesundheitspolizei, den besonderen Kredit zu gewähren.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der dunkle Bass hatte im Ton ruhiger Zuversicht gesprochen. Er war mit dem Chefarzt der Gesundheitspolizei befreundet. Die Aufmerksamkeit im Raum war klein. Dieses Geschäft besass keinerlei Brisanz. Die Wichtigkeit der moralischen Gesundheit war allen klar. Man scherzte in den Reihen der Abgeordneten, las die Zeitung oder erhob sich, um sich in der Wandelhalle die Beine zu vertreten und Kamillentee zu trinken. Die eigentlichen Geschäfte wurden eh in der Wandelhalle entschieden. Sancho machte sich schon lange keine Notizen mehr. Er hatte einen mächtigen Hunger, der kaum mit ein paar Salatblättchen zu stillen war.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-2787130688880191529?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/2787130688880191529/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=2787130688880191529&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/2787130688880191529'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/2787130688880191529'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/02/traurige-jager-25.html' title='Traurige Jäger (25)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-3270762743286480276</id><published>2010-01-26T16:13:00.001+01:00</published><updated>2010-01-26T16:13:58.909+01:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (24)</title><content type='html'>Der Chefarzt war ein altmodischer Herr von leptosomer Gestalt mit einem in die Länge gezogenen Gesicht, in dem sich würdige Zuversicht mit einem abgeklärtem Fatalismus paarte. Wieder so einer, der dem guten Don Quichotte bis an die Nasenspitze glich. Der hohe Herr bot seinem Gast als erstes einen Cognac an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Wer auch immer Sie sind», eröffnete der Chefarzt das Gespräch, «und woher auch immer Sie kommen und was auch immer Sie wollen, ich begrüsse Sie als eine angenehme Auswechslung im misericordianischen Alltag. Man muss mit der Welt da draussen in Kontakt bleiben, schliesslich, als der oberste Chef aller Misericordianer. Prost!» – «Aber Ihren Untertanen scheinen Sie diesen Kontakt nicht zubilligen zu wollen, Herr Professor, wenn ich das richtig verstanden habe. Sie lassen – mit wenigen Ausnahmen – keine Fremden in dieses Land herein, und die Misericordianer dürfen nicht ins Ausland reisen.» – «Unsere Leute wissen mit den Fremden und dem Fremden nicht umzugehen. Noch nicht. Sie fürchten sich vor den Fremden – vor dem Fremden – und hassen sie deshalb. Besser, wir halten sie vor ihnen fern. Sie sind so unsicher, unsere Misericordianer. Sie brauchen einen Halt in ihrem Leben, eine Identität, eine Religion. Das alles bieten wir ihnen in unserem alles umfassenden Gesundheitsstaat.» – «Stichwort Gesundheit: dieser Begriff hat doch, Herr Doktor, in Misericordia wohl eine rein ideologische Funktion?» – «Natürlich kann man die Idee der Gesundheit als rein fiktional betrachten. Kann sagen, dass Gesundheit nur relativ zur Krankheit existiere. – Sehen Sie: Ich bin Platoniker. Genauso, wie das Schöne und das Gute, so es sich auf Erden manifestiert, nur ein schwacher Abklatsch des Schönen und Guten an sich, der Idee des Schönen und Guten ist, ist auch die Gesundheit (die bloss die Abwesenheit der Krankheit bedeuten mag) relativ, ein schwacher Abklatsch der Idee der Gesundheit oder der Gesundheit an sich.» – «Ich nehme an. dass wohl die wenigsten Ihrer Untertanen, Herr Professor, Ihrer philosophischen Argumentation zu folgen vermögen.» – «Früher habe ich darum gekämpft. Jetzt warte ich ab. Das Wachsen und Reifen der Menschen braucht Zeit. Es ist unabdingbar, dass die Menschen durch viele Irrtümer hindurchgehen, bevor sie das Licht der Wahrheit sehen können. Jetzt richten sich die Menschen noch an den äusseren Insignien des Gesundheits- und Krankenwesens auf. Sie haben eine kindliche Freude an weissen Kitteln, Stethoskopen und Pissnelken, eine Neigung, die der Fachmann in einzelnen extremen Fällen geradezu als fetischistische Pathologie diagnostizieren würde. Dies natürlich out of record. Meine lieben Misericordianer fürchten sich sehr vor Viren, Bakterien und unkontrollierbar sich vermehrenden Zellen. Sie fürchten sich, wie gesagt, vor dem Fremden, ohne zu merken, dass das, was sie als das Eigene, Vertraute zu erkennen glauben, der Volkskörper, dem sie sich zugehörig fühlen, die Heimat, die sie die ihre nennen, dass das alles letztlich auch Ideen und Fiktionen sind – sagen wir ruhig: Hirngespinste – wie ‹die Gesundheit›. Ideologien eben. Die Gesundheit im platonischen Sinn ist weit mehr als Gesundheit im herkömmlichen Sinn: sie ist Glück, Weisheit, Erfüllung, Erleuchtung. So, wie sich hinter Begriffen wie Freiheit oder Gerechtigkeit oder Frieden am Horizont eine Realität auftut, die Glück, Weisheit und das Ende allen Leidens umfasst. Ich weiss, ich erkläre unklare Begriffe mit unklaren Begriffen – aber es geht leider nicht anders. Dieses Pudels Kern lässt sich sprachlich nur umkreisen. Dieser Kern des Kerns, vor dem sich die meisten Menschen völlig zu Unrecht so sehr fürchten. Deshalb brauchen sie eine Ideologie, eine Theologie: eine Religion. Opium fürs Volk.» – «Kehren wir zurück zu Konkretem, Herr Doktor», versuchte Sancho den philosophischen Schwung des Obersten zu bremsen. «Können Sie uns, das heisst den Leserinnen und Lesern meiner Zeitung, sagen, welche Funktion das Gesundheitswesen in Misericordia hat?» –  «Wir versuchen, uns auf das Wesentliche dessen, was das Führen und Regieren eines Volkes bedeutet, zu besinnen. Wir greifen dabei, nicht ganz überraschend, auf Ideen zurück, wie sie vom grossen Philosophen Platon in seinem Werk ‹Der Staat› entwickelt wurden, in welchem bekanntlich die Philosophen die Könige sind. In diesem Sinn sind wir nicht nur Ärzte, Helfer und Heiler in Sachen Körper, sondern auch Helfer und Heiler in Sachen der Seele, Geburtshelfer des Geistes.» – «Alle Verlautbarungen Ihrer Regierung sind von einem starken Glauben an die Erlösbarkeit des Menschengeschlechts geprägt. Versteht sich Misericordia als die letzte christlich geprägte Nation des Abendlandes?» – «Uns interessiert das Christentum nicht», entgegnete Don Quichotte im weissen Kittel mit knappem Lächeln, «wie gehen streng naturwissenschaftlich vor. Nein. Wir stehen eher in der Nachfolge des Hippokrates als in der nachfolge Christi. Die Menschheit muss zu ihrem Glück gezwungen werden. Dies ist auch in Misericordia so. Lassen Sie es mich überspitzt formulieren: Wir versklaven die Menschen, um ihnen die Freiheit schmackhaft zu machen. – Ich weiss, was Sie sagen wollen», der Chefarzt hob abwehrend die Hände. «aber nicht wir versklaven die Menschen, die Menschen versklaven sich selbst.» Der Chefarzt nippte am Cognac. Dann stand er auf, streckte Sancho die Hand entgegen. Er fürchtete sich offenbar nicht vor möglicher Krankheitsübertragung. In Misericordia begrüsste sonst nie jemand jemanden per Handschlag. Der Oberchefstabsarzt schon. Die Audienz war definitiv beendet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho verliess fast auf Zehenspitzen den hohen weiten Raum, ging dann, begleitet von einem Diener in weisser Livree, durch endlos lange, blitzsaubere und nach Reinigungsmitteln duftende Gänge und treppauf treppab, das wollte kein Ende nehmen und erinnerte ihn irgendwie an leere, hellerleuchtete Strassen in der Nacht, und so wandte er sich an seinem Begleiter zu. Musterte ihn, während er ging, Fusstrittlaute in den leeren Gängen verursachend, aus den Augenwinkeln heraus. Der Diener war noch jung und hübsch und sah aus wie ein an der frischen Luft aufgewachsener Bauernbub.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-3270762743286480276?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/3270762743286480276/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=3270762743286480276&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/3270762743286480276'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/3270762743286480276'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/01/traurige-jager-24.html' title='Traurige Jäger (24)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-1894144950853948538</id><published>2010-01-20T10:40:00.000+01:00</published><updated>2010-01-20T10:50:04.590+01:00</updated><title type='text'>Die Eidechse</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/S1bRwleA1VI/AAAAAAAABPY/UuCcurEWG4U/s1600-h/Eidechse.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 378px; height: 337px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/S1bRwleA1VI/AAAAAAAABPY/UuCcurEWG4U/s400/Eidechse.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5428757033463633234" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tagsüber sah er im Zentrum der Stadt die Reichen auf den breiten Avenues aus ihren glänzenden Autos steigen und wieder wegfahren, weisse Männer, schwarze Männer, Inder. Von Cosmos hatte er erfahren, was diese Autos kosteten. Die Summe war so schwindelerregend, dass es warm als hätte Cosmos von der Entfernung zu einem Stern gesprochen und nicht vom Preis eines Autos. Wenn er diese Reichen betrachtete, konnte Nelio zugleich seine eigene Armut sehen. Zwischen den Reichen, die offenbar dauernd in eiligen Angelegenheiten unterwegs waren, und dem Rudel der Strassenkinder gab es einen Abgrund, den er sich täglich öffnen sah. Sie überquerten ihn, wenn sie rasch zur Stelle waren und baten, das Auto waschen oder bewachen zu dürfen, während der schwarze, weisse oder indische Mann, der mit seinem Aktenkoffer ausstieg, seine bedeutenden Aufträge erledigte. Nelio hatte Cosmos einmal gefragt, wer diese Männer seien, was sie in ihren Aktenkoffern hätten, und wieso sie immer so beschäftigt wirkten. Cosmos hatte keine Anzwort gehabt, aber zugegeben, dass es wertvoll sein könnte, es in Erfahrung zu bringen. Bei einer günstigen Gelegenheit hatte er Mendoza und Tristeza angewiesen, ein Auto aufzubrechen und den Aktenkoffer zu stehlen, der darin lag. Anschliessend hatten sie hinter der Tankstelle Schutz gesucht und den Koffer untersucht. Mandioca hatte phantasiert, er wäre voller Geld. Aber als sie die Schlösser öffneten und den Deckel aufklappten, hatten da nur die vertrockneten Reste einer Eidechse gelegen. Es war ein magischer Augenblick, den niemals hätten sie sich vorgstellt, eine tote Eidechse könnte das Geheimnis der grossen Reichtümer sein.&lt;br /&gt;«Sie tragen Kästen mit toten Tieren herum, sagte Cosmos gedankenvoll. «Vielleicht sind es spezielle Eidechsen, die vor bösen Geistern schützen?»&lt;br /&gt;«Es ist eine gewöhnliche Eidechse», sagte Mandioca, nachdem er sie genommen, gründlich studiert und schliesslich beschnüffelt hatte.&lt;br /&gt;«Irgendwas muss es aber bedeuten», meinte Cosmos.&lt;br /&gt;«Lasst uns jedenfalls deutlich machen, dass wir jetzt wissen, was in ihren Koffern los ist», sagte Nelio.&lt;br /&gt;Woher ihm diese Idee gekommen war, wusste er nicht, genauso wenig wie bei vielem anderem, was in seinem Kopf vorging. Er stellte sich vor, es gäbe da einen heimlichen Raum, wo die überraschenden Gedanken auf einen günstigen Moment warteten, um in die Freiheit zu entschlüpfen.&lt;br /&gt;«Wie machen wir das, ohne dass sie uns erwischen? Fragte Cosmos.&lt;br /&gt;Nelio überlegte. Plötzlich wusste er es.&lt;br /&gt;Wir fangen eine lebende Eidechse und stecken sie in den Koffer», sagte er. Dann legen wie ihn zurück ins Auto. Mandioca und Tristeza knacken die Autotür so, dass man nichts merkt. Der Mann bekommt etwas, worüber er grübeln kann, solange er lebt. Wir haben jetzt die Macht über ihn. Wir wissen, wie es zugegangen ist. Er weiss es nicht.»&lt;br /&gt;Cosmos nickte. Dann rief er Alfredo Bomba und erteilte ihm den Auftrag, sofort eine der Eidechsen zu fangen, die an den Baumstämmen auf und ab huschten oder sich in den Ritzen der Hausfassaden versteckten. Alfredo Bomba stellte sich regungslos neben einen Baum, legte seine Hand an der Stamm und wartete, bis eine Eidechse ganz in der Nähe war. Dann ruckte er mit dem Handgelenk, und die Eidechse steckte zwischen seinem Daumen und Zeigfinger fest.&lt;br /&gt;Nelio wollte wissen, wie er diese Kunst gelernt hätte.&lt;br /&gt;Alfredo Bomba hatte sich über die Frage gewundert.&lt;br /&gt;«Ich habe den Eidechsen abgeschaut, wie sie die Insekten fangen», sagte er.&lt;br /&gt;Da es Tristeza war, der das Auto bewachte, konnten Mandioca und Tristeza ungehindert die Autotür noch einmal öffnen und den Koffer zurückstellen. Als der Besitzer des Wagens zurückkam, gab er Tristeza einen Schein über ganze 5000, weil er das Auto so gut gehütet hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(aus: Henning Mankell: Der Chronist der Winde. Zsolnay, 2000)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-1894144950853948538?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/1894144950853948538/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=1894144950853948538&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1894144950853948538'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1894144950853948538'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/01/die-eidechse.html' title='Die Eidechse'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/S1bRwleA1VI/AAAAAAAABPY/UuCcurEWG4U/s72-c/Eidechse.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-7637125998039388325</id><published>2010-01-19T12:02:00.001+01:00</published><updated>2010-01-19T12:02:55.126+01:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (23)</title><content type='html'>Sancho dachte darüber nach, was es bisher an zugleich Positivem, Wissenswertem und Unterhaltsamem über Misericordia zu berichten gab. Er würde gern auch etwas erfunden haben, aber da er nur in beschränktem Mass über Fantasie verfügte, fiel ihm das allzu schwer. Nicht ohne Grund pflegte er unter Kollegen zu behaupten, dass es im Leben nichts Fantastischeres gebe als die Realität. Und nichts Komplexeres. Sancho war müde und ratlos.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Im Staate Miserciordia ist vorbildlicherweise alles, was gefährlich ist, verboten. Also ist alles verboten in Misericordia, denn unter bestimmten Umständen kann alles gefährlich sein. Das ganze Leben ist lebensgefährlich, haha. Misericordianer sind prophylaktisch denkende Leute. Vorsicht ist die Mutter ihrer Porzellankiste. Der gute Misericordianer übt es, sich klein zu machen, damit er von den gewaltigen Kräften, die letztlich auch sein Dasein bestimmen, möglichst übersehen werde. Es ist in Misericordia strengstens verboten, mit einem anderen Menschen in näheren Kontakt zu treten, denn solcher Kontakt beinhaltet Seuchengefahr. In Misericordias pharmazeutischen Laboren werden die verletzlichen, weichen Körper chemisch gepanzert, die fleischlichen Seelen wie in einer Esse stahlhart gemacht, hart wie Kruppstahl. Misericordia ist unser aller einziges grosses Spital. Alle Menschen hier sind versichert, rundum versichert, sie haben die Notfallstation in nächster Nähe, ihnen kann nichts geschehen, denn nicht nur sonntags beten sie in ihren weissen Betten zu ihren weissen Göttern.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho seufzte tief. Dann zerriss er, was er geschrieben hatte, und legte sich in den Kleidern aufs Bett, um eine letzte Zigarette zu rauchen. Was natürlich strengstens verboten war. Aber das war Sancho jetzt egal.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-7637125998039388325?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/7637125998039388325/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=7637125998039388325&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/7637125998039388325'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/7637125998039388325'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/01/traurige-jager-23.html' title='Traurige Jäger (23)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-7778806760714547376</id><published>2010-01-13T14:43:00.000+01:00</published><updated>2010-01-13T14:45:14.842+01:00</updated><title type='text'>Glück, Zeit. Wasser. Fragen</title><content type='html'>Ein neues Jahr hat begonnen, sagt man, gar ein neues Jahrzehnt, was bedeutet, dass man sich mit der Zukunft konfrontiert zu werden bemüssigt fühlt, aber was heisst das? Es wäre einmal mehr nach dem Wesen der Zeit zu fragen, ein Unterfangen, das leicht ins Philosophischen hinabzugleiten oder auch hinaufzuflutschen droht, was einerseits daran liegt, dass diese Frage ein weites Feld ist und andererseits daran, dass man, wie beim Sprechen über die Liebe oder das Glück oder das Leben oder den Tod oder die Unermesslichkeit des Alls, beim Sprechen über all diese letzten Fragen also eigentlich nie so richtig weiss, worüber man spricht. Über Zeit zu spekulieren kommt mir ähnlich absurd vor wie es wohl dem Fisch vorkommen müsste, sich über das Wesen des Wassers den Kopf zu zerbrechen. Nun nehme ich nicht an, dass es einem Fisch in den Sinn kommen könnte, seinen nicht sehr zum Intellektuellen und Abstrakten tendierenden Fischkopf über das Wesen des Wassers zu zerbrechen, obwohl man auch das natürlich nicht sicher sagen kann, denn schliesslich gibt es ja offenbar auch viele sehr intelligente Fische wie Delphine und Wale, wobei ich mir da nicht sicher bin, ob das wirklich Fische sind. Mein an unzähligen Quizsendungen trainiertes Halbwissen sagt mir, dass Delphine und Wale Säugetiere sind, man spricht von Meerssäugern, nicht wahr, doch wäre das Bild, die Metapher von Meeressäugern, die sich über das Wesen des Wassers den Kopf zerbrechen, ja auch irgendwie überzeugend, resp. eben absurd, oder die Frage, ob absurd oder nicht, ebenso berechtigt. Dieser Schlenker von meinem eigentlichen Gegenstand, der Zeit, zu den Fischen resp. dem Wasser führt mich zum auch nicht das erste Mall gedachten Gedanken über die Unendlichkeit meines Nichtwissen, meiner fundamentalen Ungebildetheit. Je älter ich werde, desto mehr wird mir – wie Sokrates – bewusst, dass ich nichts weiss, und je älter ich werde, desto weniger Dinge erlebe ich rep. desto weniger Gedanken denke ich zum ersten Mal, das Leben neigt mit zunehmendem Alter zur Wiederholungsträchtigkeit, weshalb es auch nicht allzu sehr verwundern darf, dass mir immer öfter auffällt, wie wenig ich weiss. Eine Erkenntnis oder Einsicht, die einen deprimieren könnte, die mich aber seltsamerweise nicht deprimiert, sondern auf eine beinahe verzweifelte Weise beinahe fröhlich macht. Wobei es, kleine Klammerbemerkung, natürlich gar nicht stimmt, dass man in fortgeschrittenem Alter nichts mehr Neues erlebt, man erlebt sogar ganz dramatisch oder auch traumatisch Neues, zum Beispiel spätestens dann, wenn man stirbt. Vielleicht stirbt man sogar darum, weil man wieder einmal etwas Neues erleben möchte. Wobei man jetzt kleinkrämerisch und erbsenzählerisch und indiesuppespuckerisch resp. spielverderbend einwenden könnte, dass es in keinster Weise erwiesen sei, dass das Sterben etwas Einmaliges und damit Erstmaliges sei, man könnte mit den Millionen oder gar Milliarden, diesen Myriaden von Hindus und Buddhisten der Welt hinter dem Ofen oder dem Berg hervorkommen, die an die Wiedergeburt glauben, aber das wollen wir hier jetzt nicht tun, um die Sache nicht noch mehr zu verkomplizieren. Und obwohl wir in den letzten paar Minuten nicht schlecht auf den Assoziationen herumgesurft sind und unseren eigentlichen Gegenstand scheinbar oder anscheinend so ziemlich aus den Augen verloren haben, haben wir doch einiges zum Wesen der Zeit gedacht und nun auch ausgesprochen, wenn auch nicht sehr Präzises und schon gar nichts Naturwissenschaftliches, aber trotzdem, belassen wir es dabei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Etwas anderes. «Glück» soll zum Schulfach werden. Ein besonderes Wahlfach soll den Aargauern Berufs- und Oberstufenschülern künftig die positiven Seiten des Lebens näher bringen: das Wahlfach «Glück». Dies fordern drei Grossräte der Grünen in einem Vorstoss vom Regierungsrat. Es gehe nicht um «Zuckerguss-Pädagogik». Der Umgang mit dem Glück sei jedoch eine Lebenskompetenz, die jungen Menschen vermittelt werden müsse, begründen sie ihr Anliegen. Glück sei eine «anspruchsvolle Angelegenheit». Bei Schülern und Lehrpersonen habe die Schule  «immer weniger das Image eines Glückbringers». Wer glücklich sei, bringe in der Schule und am Arbeitsplatz eine höhere Leistung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Glück als leistungssteigernde Droge? Und stimmt das: ist Glück eine «anspruchsvolle Angelegenheit»? Ist Glück lernbar? Oder anders gefragt: Ist ein Glück, das man lernen kann, noch Glück? Wenn ja, warum? Und wenn nein, warum nicht? Anregungen zur Beantwortung dieser schwierigen Fragen sind jederzeit willkommen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-7778806760714547376?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/7778806760714547376/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=7778806760714547376&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/7778806760714547376'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/7778806760714547376'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/01/gluck-zeit-wasser-fragen.html' title='Glück, Zeit. Wasser. Fragen'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-6273326559094796656</id><published>2010-01-08T09:59:00.000+01:00</published><updated>2010-01-08T10:01:16.890+01:00</updated><title type='text'>Motto des Tages</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Das Ende ist erst der Anfang.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(Gefunden in: NZZ Folio, Januar 2010: Der Tod. Geschichten aus dem Diesseits. Das Heft ist übrigens sehr zu empfehlen)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-6273326559094796656?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/6273326559094796656/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=6273326559094796656&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6273326559094796656'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6273326559094796656'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/01/motto-des-tages.html' title='Motto des Tages'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-8203762579590008337</id><published>2010-01-05T09:06:00.001+01:00</published><updated>2010-01-05T09:06:29.786+01:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (22)</title><content type='html'>Sancho sass nun wieder in seinem Auto, dem geliebten Porsche, der ihm das Gefühl von Freiheit und Abenteuer gab. Ja, Freiheit! Sancho spürte sie im Sonnengeflecht. Es liess sich schnell fahren im Porsche, denn es gab wenig Verkehr aus Misericordias Strassen. Die Landschaft war flach und karg. Ein kahler Hügel war Abwechslung für die Augen. Der Highway ging schnurgerade. Die Sonne brannte erbarmungslos aus einem spanischen Himmel. Sancho lehnte sich zurück. Einmal donnerte auf der Gegenfahrbahn ein wie ein Weihnachtsbaum geschmückter Truck an ihm vorbei. Blitzschnell entschwindend und doch ganz deutlich konnte er für einen Moment den irischen Trucker, einen kleinen dicken Mann und einen Hund, der eigentlich schon aus dieser Geschichte verschwunden ist, ausmachen. «The Greatest Niagara» musste er allerdings übersehen haben. Mit Füssen, die ihm affenartig gekrümmt, nackt und stark behaart erschienen, hielt er sich am Steuerrad fest, die Hände lässig hinter dem Kopf verschränkt, Kaugummi kauend, während er mit sehr hoher Geschwindigkeit auf der schnurgerade Strasse an Hinweisschildern vorbeiraste, die die nahende Stadt, Miserciordia City, ankündigten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-8203762579590008337?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/8203762579590008337/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=8203762579590008337&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8203762579590008337'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8203762579590008337'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/01/traurige-jager-22.html' title='Traurige Jäger (22)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-8881439990108041277</id><published>2010-01-01T17:35:00.001+01:00</published><updated>2010-01-01T17:43:24.536+01:00</updated><title type='text'>"Einmal...</title><content type='html'>...verliebte sich ein Mädchen in einen Weissen und betete zu Elegba, das auch sie weiss sein möge. Sie flehte derart inbrünstig und opferte so viele Hähne, dass die Göttin ihren Wunsch erfüllte. So konnte sie ihren Geliebten heiraten, und er nahm sie mit nach Frankreich, ohne von ihrer wirklichen Abstammung zu wissen. Aber nach einigen Jahren des Glücks gebar die junge Frau einen Jungen, der genau so aussah wie sein Grossvater: stark und schwarz. Im Glauben, dass sie ihn mit einem Sklaven betrogen habe, liess der Ehemann sie in der gleichen Nacht töten. Im Tod wurde sie wieder schwarz, aber dort in Frankreich schien niemand den Zauber und die Wunder Elegbas zu verstehen, und schnell wurde behauptet, dass sie die Pest gehabt habe, weshalb man ihren Leichnam verbrannte. Und ihren Sohn auch." Ratlos hob er die Schultern. "Vielleicht hast du ja mehr Glück!", sagte er schliesslich.&lt;br /&gt;(aus: Alberto Vazquez-Figueroa, Der Leguan)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-8881439990108041277?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/8881439990108041277/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=8881439990108041277&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8881439990108041277'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8881439990108041277'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2010/01/einmal.html' title='&quot;Einmal...'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-704679034375910599</id><published>2009-12-26T11:40:00.001+01:00</published><updated>2009-12-26T11:43:16.429+01:00</updated><title type='text'>Zürich, im Dzember</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SzXomy3wRcI/AAAAAAAABPA/0vA9OhtO4VQ/s1600-h/herzbaracke251229009.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 300px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SzXomy3wRcI/AAAAAAAABPA/0vA9OhtO4VQ/s400/herzbaracke251229009.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5419493479798556098" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SzXompXJhII/AAAAAAAABO4/O-2_JozK6vc/s1600-h/25122009zuerichsee.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 300px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SzXompXJhII/AAAAAAAABO4/O-2_JozK6vc/s400/25122009zuerichsee.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5419493477245879426" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-704679034375910599?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/704679034375910599/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=704679034375910599&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/704679034375910599'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/704679034375910599'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/12/zurich-im-dzember.html' title='Zürich, im Dzember'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SzXomy3wRcI/AAAAAAAABPA/0vA9OhtO4VQ/s72-c/herzbaracke251229009.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-493500617505189157</id><published>2009-12-23T17:20:00.000+01:00</published><updated>2009-12-23T17:30:25.616+01:00</updated><title type='text'>Wir befinden uns in einer Scheune im Nordosten unseres Landes,</title><content type='html'>in Amerika, im Hochsommer des Jahres, in dem der Präsident sich einem Amtsenthebungsgesuch gegenübersah, und bislang waren wir sowenig romanhaft wie die Kühe mythisch oder ausgestopft waren. Das Licht und die Hitze des Tages (dieser Segen), die gleichbleibende Geruhsamkeit des Lebens einer jeden Kuh, das dem Leben der anderen Kühe entsprach, der verliebte alte Mann, der die geschmeidigen Bewegungen dieser tüchtigen, energischen Frau verfolgte, die Verklärung, der er sich hingab, der Eindruck, als hätte er nie etwas Ergreifenderes erlebt, und auch mein eigenes bereitwilliges Warten, meine eigene Faszination angesichts der Vielfalt, der Variantionsbreite, der anarchischen Ungeregeltheit sexueller Verbindungen und angesichts des Gebots an Mensch und Vieh, an hochdifferenzierte ebenso wie an kaum differenzierte Lebensformen, zu leben und das Leben nicht bloss zu ertragen, sondern es zu l e b e n und seine sinnlose Bedeutsamkeit fortwährend hinzunehmen, weiterzugeben, zu füttern, zu melken und aus vollem Herzen als das Rätsel anzuerkennen, das es ist - all dies wurde von zehntausend winzigen Eindrücken als Teil der Wirklihkeit bestätigt. Die sinnliche Fülle, der Überfluss, die reichliche, überreichliche Vielfalt der Einzelheiten, die die Rhapsodie des Lebens ausmachen.&lt;br /&gt;Philip Roth, in: Der menschliche Makel. Hanser 2002.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-493500617505189157?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/493500617505189157/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=493500617505189157&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/493500617505189157'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/493500617505189157'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/12/wir-befinden-uns-in-einer-scheune-im.html' title='Wir befinden uns in einer Scheune im Nordosten unseres Landes,'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-2226482582528573094</id><published>2009-12-22T12:52:00.000+01:00</published><updated>2009-12-22T13:10:17.200+01:00</updated><title type='text'>Es rührt mich an...</title><content type='html'>... mit welcher Sorgfalt da Gartenwege angelegt, mit welcher Emphase Balkone möbliert sind, mit welcher Entschiedenheit Strassen überquert, mit welcher Inbrunst Stühle vor Tische gerückt werden. Ganz leicht kommt mir die Stadt vor, ein Hauch, die Einwohner Luftbläschen, die mit tiefem Ernst Brötchen tragen und Grillwürstchen im Rauch wenden. Mit welcher Würde, mit welcher Ergebenheit jeder sich selber spielt, bis zum bitteren Ende. Was für ein wunderschönes Gärtchen wir anpflanzen mit Bäumchen und Stühlchen und Sonnenschirmchen. Was für herrliche Wohnblöckchen mit zierlichen Treppenhäuschen und Schornsteinchen obendrauf, was für saftiggrüne Hügelchen dazwischen, was für Rutschbähnchen, was für Bierfläschchen, was für Messerchen! Die einen spielen torkelnde Säuferchen, die anderen spielen kurzgeschorene Muskelmännchen, krawattentragende Prokuristchen. Mütterchen tauchen auf, einigen perlen Tränchen über die Wangen, die Chromstahlteilchen an den Krankenhausbettchen blitzen kostbar, und nicht einer, der sagt, ich verstehe mich nicht; nicht einer, der zu flattern beginnt; nicht einer, der übers Wasser entwischt. Alle bleiben und sind ganz ernst in ihrem Tun, ganz sicher in ihrem Glauben, dass dies eine Stadt sei, dass sie einzig dazu da seien, auf diese Art zu leben, Kinder zu kriegen, sich nach Balkonen zu sehnen. Eine heisse Welle von Glück über diese Sicherheit steigt in mir auf. Gleichzeitig steht die gnadenlose Sonne der Angst über mir, und ein umfasender Zweifel beginnt mich zu würgen, ob wir uns nicht vielleicht alle gegenseitig im falschen Leben halten, indem jeder die Ahnung, dass dies nicht das richtige ist, auf so tapfere Weise für sich bewahrt. Wir können gefoltert werden bis zum äussersten und würden trotzdem nicht preisgeben, dass wir nicht wissen, wer oder was wir sind, dass wir so sind, um keine Zeit und keine Gedanken darüber verlieren zu müssen, ob wir nicht vielleicht ganz anders sein könnten.&lt;br /&gt;Matthias Zschokke, in: Ein neuer Nachbar. Ammann Verlag, 2002&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-2226482582528573094?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/2226482582528573094/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=2226482582528573094&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/2226482582528573094'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/2226482582528573094'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/12/es-ruhrt-mich.html' title='Es rührt mich an...'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-1158101574539319462</id><published>2009-12-16T15:24:00.000+01:00</published><updated>2009-12-16T15:27:38.743+01:00</updated><title type='text'>Der Engel vom Hauptbahnhof</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SyjuTz9L_CI/AAAAAAAABOw/A2sfeVp40KU/s1600-h/engel-hb.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 296px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SyjuTz9L_CI/AAAAAAAABOw/A2sfeVp40KU/s400/engel-hb.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5415840576044792866" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Letzthin unterhielt ich mich mit Fendi, meinem indonesischen Lebenspartner, über die alte Frau, die immer im Rollstuhl in der Hauptbahnhofshalle sitzt. Er hatte mit seinen Freunden gerätselt, was diese Frau wohl den ganzen Tag mache und warum sie da sei. Es gebe ihm jedes mal einen Stich ins Herz, wenn er sie so dasitzen sehe, weil sie ihn an seine Mutter erinnere. Zuerst hatten sie gedacht, sie sitze da, weil sie kein Geld habe, aber dann beobachteten sie, dass die Frau Geld energisch zurückwies und höchstens eine Blume oder einen Apfel als Geschenk akzeptierte. Einer kam dann auf die folgende Idee: Die Frau sitze da, weil sie als junge Frau ihren Geliebten verloren habe. Er habe sie verlassen und sei mit dem Zug weggefahren. Und nun sitze sie da und erwarte seine Rückkehr. Ist das nicht eine schöne, traurige Geschichte? Ich erklärte ihm dann, dass sie meines Wissens da sitze, weil sie sich von Gott höchst persönlich beauftragt fühle, die Ankommenden und die Abfahrenden zu beschützen und zu segnen, als Schutzengel gewissermassen – eine Interpretation, die ihm ebenfalls unmittelbar einleuchtete.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-1158101574539319462?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/1158101574539319462/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=1158101574539319462&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1158101574539319462'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1158101574539319462'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/12/der-engel-vom-hauptbahnhof.html' title='Der Engel vom Hauptbahnhof'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SyjuTz9L_CI/AAAAAAAABOw/A2sfeVp40KU/s72-c/engel-hb.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-3067039120284362045</id><published>2009-12-15T15:36:00.000+01:00</published><updated>2009-12-15T15:42:17.324+01:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (21)</title><content type='html'>&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SyegPa7kLFI/AAAAAAAABOo/ayVMsvwCDX8/s1600-h/p865.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: undefinedpx; height: undefinedpx;" src="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SyegPa7kLFI/AAAAAAAABOo/ayVMsvwCDX8/s400/p865.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5415473263723949138" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ihn wunderte nicht, dass die Zollbeamten wie Ärzte gekleidet waren; er wusste, dass im Staate Misericordia die Repräsentanten des Gesundheitswesens – ein Clan von Ärzten, Psychotherapeuten, Krankenschwestern, Sozialarbeitern – die Macht in ihrer Hand hatten. Natürlich waren auch die Zollbeamten in Misericordia Zollbeamte wie anderswo auch und keine Ärzte; trotzdem musste man als Besucher von Misericordia damit rechnen, dass man sich einer peinlich genauen Untersuchung seines Gesundheitszustands zu unterziehen hatte. Auch im weitesten Sinn als Kranke geltende Personen durften die Grenzen von Misericordia nicht passieren. Und wer ist schon nicht im weitesten Sinn krank?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho Pansa, Journalist mit Embonpoint, gut gekleideter Porschefahrer, liess die umfangreichen Untersuchungen seines Körpers mit Gleichmut über sich ergehen, beantwortete willig alle Fragen, die man ihm stellte, um heraus zu finden, ob auch in seinem Kopf alles in Ordnung sei. «Nun, zumindest ist er kein Seuchenträger», murmelte der ranghöchste Zollbeamten-Arzt schliesslich, das Auto und sämtliche Habseligkeiten waren inzwischen auch desinfiziertem und Sancho konnte die Grenze passieren. «Helfen und Heilen!» las er auf unzähligen Plakaten und Flaggen, die links und rechts die Autobahn flankierten. Misericordia war der weltgrösste Produzent und Exporteur aller Arten von Pharmazeutika. Jetzt, dachte Sancho, brauche ich etwas zu trinken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er hielt an der ersten Raststätte. Natürlich konnte man sich in Misericordia nicht einfach etwas zu trinken bestellen; Alkoholausschank war offiziell nicht nur in Autobahnraststätten strengstens verboten. Der Fusel, den man zu übersetzten Preisen auf dem Schwarzmarkt angeboten bekam, schmeckt scheusslich und ruinierte nicht nur die Leber. Gott sei Dank hatte Sancho sein Reservefläschchen dabei, für das man sich an der Grenze seltsamer- und glücklicherweise überhaupt nicht interessiert hatte und dessen Inhalt er nun diskret in die Cola kippen konnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho war einer der wenigen Journalisten, die die Grenzen Misericordias überschreiten durften, um eine Reportage über das «verbotene Land» zu schreiben. Sogar ein Interview mit dem ersten Misericordianer, dem Staatschef oder Oberstchefarzt, wie er hier genannt wurde, war ihm zugestanden worden. Ein wichtiger Job, der sich als Karrieresprung erweisen konnte. Sancho war mächtig stolz, dass die Chefredaktion ihn für diese Mission ausgewählt hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber während Sancho so sass und an seiner mit Wodka versetzten Cola nippte und ein wenig stolz auf sich war, schlossen sich vier kräftige Hände um seine Arme und rissen ihn brutal zurück in die Wirklichkeit und Gegenwart. Zwei fast noch milchgesichtig junge Männer schauten ihn nicht böse, sondern fast traurig an. «Was soll denn das?!» fragte Sancho empört. «Lassen Sie mich unverzüglich los! Ich bin Journalist und beauftragt, eine Reportage über Ihr Land zu schreiben – ein Auftrag, der mich fast ein wenig stolz macht. Sie können sich sicher vorstellen, dass Ihr Benehmen keinen guten Eindruck hinterlässt.» Die Psychiatriepflegerburschen, die übrigens beide auffallend gut gebaut und hübsch waren, verzogen keine Miene in ihren Milch-und-Honig-Gesichtern. «Wir müssen Sie leider einer Blutprobe unterziehen. Sie stehen im Verdacht des illegalen Alkoholkonsums und damit der eigenwilligen Gefährdung Ihrer Gesundheit. Da in unserem Land Rechtsgleichheit herrscht, werden misericordianische Gesetze auch auf ausländische Journalisten, so selten sie bei uns auch zu finden sind, angewandt. Bitte folgen Sie uns widerstandslos. Wir wollen nur das Beste für Sie!»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da wurde Sancho, was sonst nicht seine Art war, beinahe hysterisch. Die beiden hübschen Burschen lösten in ihm ein ihm völlig neues Gefühl der Panik aus. Er verlangte nacheinander nach einem Anwalt, nach einem Kontakt mit seiner Botschaft, zuletzt absurderweise gar nach einem Arzt. Die beiden Weisskittel redeten besänftigend auf ihn ein, während er aus der Raststätte gezerrt, geschleift und getragen wurde, verfrachteten ihn in ein Dienstfahrzeug, dessen Türen mit dem Wappen Misericordias («Helfen und Heilen») geschmückt waren. Verpassten ihm eine Spritze. Sogleich war er bereit, sich in alles, was da auf ihn zukommen sollte, heiteren Sinnes zu schicken. Die Wärter hatten ihren harten Griff gelockert. Die Hand des einen ruhte nun warm auf Sanchos Oberschenkel, während der andere den Arm beinahe freundschaftlich um seine Schultern gelegt hatte. Sanchos Kopf glühte, so sehr schämte er sich der Erregung, die machtvoll von ihm Besitz ergriffen hatte.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-3067039120284362045?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/3067039120284362045/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=3067039120284362045&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/3067039120284362045'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/3067039120284362045'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/12/traurige-jager-21.html' title='Traurige Jäger (21)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SyegPa7kLFI/AAAAAAAABOo/ayVMsvwCDX8/s72-c/p865.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-2191407332915089639</id><published>2009-12-12T13:57:00.000+01:00</published><updated>2009-12-12T13:58:43.613+01:00</updated><title type='text'>Winter, am Rand der Stadt</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SyOTcD1jSrI/AAAAAAAABOg/q5SSBNlMx10/s1600-h/Affoltern001.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 317px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SyOTcD1jSrI/AAAAAAAABOg/q5SSBNlMx10/s400/Affoltern001.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5414333287305005746" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-2191407332915089639?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/2191407332915089639/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=2191407332915089639&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/2191407332915089639'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/2191407332915089639'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/12/winter-am-rand-der-stadt.html' title='Winter, am Rand der Stadt'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SyOTcD1jSrI/AAAAAAAABOg/q5SSBNlMx10/s72-c/Affoltern001.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-6254786608636278538</id><published>2009-12-12T00:12:00.001+01:00</published><updated>2009-12-12T00:13:59.963+01:00</updated><title type='text'>Man schämt sich</title><content type='html'>Man schämt sich, ich zu sagen.&lt;br /&gt;Man kann sich nur den Schädel einschlagen.&lt;br /&gt;Das Leben lässt sich nüchtern nicht ertragen.&lt;br /&gt;Man schämt sich, ich zu sagen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-6254786608636278538?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/6254786608636278538/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=6254786608636278538&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6254786608636278538'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6254786608636278538'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/12/man-schamt-sich.html' title='Man schämt sich'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-9173924385193599027</id><published>2009-12-10T11:20:00.000+01:00</published><updated>2009-12-10T11:22:15.606+01:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (20)</title><content type='html'>Aber eine Stunde später schon ritten zwei uns wohlbekannte Gestalten – der lange Dünne mit dem Texanerhut auf dem Schädel auf einem klapperdürren Ross, der kleine Dicke auf einem kurzbeinigen Esel, beide mit Scheriffsstern auf der Brust – in die nächtliche Wüste hinaus. Der Himmel war von den vielen gut sichtbaren Sternen wirklich erstaunlich hell. Jetzt, in der Nacht, war es empfindlich kühl geworden, und Sancho und der Sheriff ritten in einem so flotten Tempo, wie es die Pferdestärken von Esel und Klappermähre gerade eben noch erlaubten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Plötzlich hörte Sancho ein grässliches Schreien, das ihm sämtliches Blut in den Adern gerinnen liess. «Ach,das sind doch bloss die Affen», sagte der Sheriff, als er das Erschrecken seines Assistenten bemerkte. «Aha, nur die Affen», sagte Sancho und wiegte den Kopf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie ritten die ganze Nacht, kreuz und quer, wie es Sancho schien (aber wie will man das in der Wüste beurteilen), ohne dass sich etwas Erzählenswertes ereignet hätte; ausser, dass der Sheriff einmal das ganze Magazin seiner Pistole auf einen harmlos dastehenden, wenngleich stacheligen Kaktus abfeuerte. Irgendetwas musste Don Quichotte an dem Kaktus erschreckt oder irritiert haben. Sancho war aber so taktvoll, den Sheriff nicht nach dem Grund dieser Irritation zu fragen. Trotzdem schien Don Quichotte für den Rest des nächtlichen Streifzuges etwas verlegen zu sein. «Du hast», sagte er zu Sancho, «wie alle allzu freundlichen Menschen etwas Schizophrenes an dir.» Ansonsten wurde zwischen den beiden nur noch wenig gesprochen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es dämmerte bereits der Tag, als sie müde und hungrig und staubig endlich wieder zuhause anlangten. Die Schwester des Sheriffs schlief wohl noch. Der Hund war bereits ausgeschlafen und bellte morgenfroh, nicht ahnend, dass er schon bald aus dieser Geschichte verschwinden muss. Sancho schlug vor, ein paar Eier zu braten, vorzüglich zu etwas Schinken und Speck, aber der Sheriff wollte wieder einmal nichts vom Essen hören. Deshalb beschränkten sie sich darauf, vor dem Schlafengehen ein letztes – oder vielmehr ein erstes – Glas zu trinken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Sancho, der lange – getrennt durch die Unendlichkeiten von Raum und Zeit – nicht mehr auf einem Bett gelegen, die Glieder wohlig ganz fest und zärtlich auf der Matratze liegen fühlte und die Müdigkeit einer holdseligen Entspannung wich, da dachte er: So könnte es ewig sein, dieses Liegen ist das ganze Glück (der Schlaf sei ewig, doch das Erwachen gewiss). Dann schlief er schon, sank in einen neuen Traum. Die Momente des Glücks sind auch für einen Sancho von flüchtiger Natur. Don Quichotte aber ging auf und nieder, schlaflos, murmelte etwas zwischen den Zähnen hindurch und dachte nach und dachte nach.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-9173924385193599027?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/9173924385193599027/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=9173924385193599027&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/9173924385193599027'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/9173924385193599027'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/12/traurige-jager-20.html' title='Traurige Jäger (20)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-7517100200059823167</id><published>2009-12-04T11:56:00.001+01:00</published><updated>2009-12-04T11:56:51.700+01:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (19)</title><content type='html'>Der Sheriff lud Sancho samt Hund dazu ein, in seinem Haus zu wohnen, das er mit seiner unverheirateten Schwester zusammen besass. Das Haus war verlottert und irgendwie altmodisch und vielleicht gerade deshalb sehr gemütlich. Die Schwester war eine schweigsame, mürrisch scheinende Frau mittleren Alters, die aber, wenn sie etwas sagte, einen klaren, nüchtern-sachlichen Geist besass. Zweifellos hatte es der Sheriff einzig und allein ihr zu verdanken, dass er ein einigermassen vernünftiges Leben zu führen vermochte, oder eben: vermocht hätte. Denn es ist einem Don Quichotte nicht vergönnt, ein einigermassen vernünftiges Leben zu führen. Das wissen wir ja.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Sheriff hatte ein eigenartiges Hobby oder vielmehr eine ziemlich ausgefallene Leidenschaft: Er sammelte Engel. Die standen in allen Grössen, Farben, Formen und Geschmacksnuancen im ganzen Haus herum und bildeten einen Gegenstand stetigen Zankens und Streitens zwischen den beiden Geschwistern. Aber der Sheriff, obwohl sonst von sanfter, gütiger Wesensart, liess sich auf keine Weise dazu bringen, von den Engelsfiguren, deren älteste nach seiner eigenen Aussage mehrere tausend Jahre alt war, abzulassen. Die Engel waren nämlich ein Teil der Lebensphilosophie Don Quichottes und hatten mit dem Kampf oder Kreuzzug zu tun, den er führte. Abends, nach einem einfachen, aber wohlschmeckenden Mahl, das aus Maisfladen, Hammelfleisch, einer Sauce aus Tomaten, schwarzen Oliven, viel Knoblauch, Rosmarin und Basilikum bestand, versuchte der Sheriff, seinem neuen alten Assistenten diese Lebensphilosophie auseinander zu setzen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Die Engel», führte Don Quichotte aus, «sind ein Symbol für die Zukunft des Menschen über den Menschen hinaus. In den Engeln vollendet sich das, was im Menschen erst angelegt ist als Möglichkeit. Der Mensch von heute ist ein Schlachtfeld, auf welchem die Engel der Zukunft mit den Gespenstern der Vergangenheit einen erbitterten, aber fairen Kampf kämpfen. Fair nenne ich ihn deshalb, weil der Ausgang dieses Kampfes immer wieder und immer noch ungewiss ist, also beide Seiten die Chance haben, ihn zu gewinnen.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Sheriff machte eine bedeutungsschwangere Pause, in der das verächtliche Schnauben seiner Schwester deutlich hörbar war. Dann dozierte er weiter: «Ich stehe im Dienst der Engel. Ich ringe für den Engel in mir mit dem Schatten des Engels in meiner Brust. Ich fühle mich – verzeiht mir das Bild – zur Hebamme berufen, insofern fühle ich mich mit dem grossen griechischen Philosophen Sokrates verwandt; ich bin Hebamme, aber auch Gebärmutter und Embryo. Das ist alles so schwierig auszudrücken.» Don Quichotte seufzte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie tranken Burbon oder Scotch, Sancho konnte das nicht so genau entscheiden. Jedenfalls schmeckte es scheusslich. Zumindest wenn mqn es mit einem guten spanischen Brandy verglich. Der Hund schnarchte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Die Engel haben ihre Antithese, ihren Kontrapunkt, ihren Schatten. Dieser Schatten ist nicht das Tier, oder das Tierische im Menschen, das wir meinen, wenn wir vom Teufel reden und im Hinblick darauf, dass der Mensch die Krone der Schöpfung sei. Nein. Das Tierische in uns ist wie eine wehmütige Erinnerung an eine längst vergangene, altvertraute Zeit. Mit der Entwicklung vom Menschen zum Engel, wenn ich so sagen darf, ist auch das Böse im Begriff, einen entsprechenden Schritt zu tun und seine verlockende, entsetzliche Melodie auf einer höheren – oder tieferen – Oktave zu spielen. So, wie die Engel ein Entwurf des Guten im Menschen sind, so sind die Schattenengel eine Projektion des Ungeheuerlichen in die Zukunft hinein. Dass beide Entwicklungen zusammengehören und sich bedingen, um ein Ganzes zu geben, braucht uns hier nicht zu interessieren, Sancho. Der Kämpfer ergreift Partei. Und zwar ohne Vorbehalte.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Sheriff schwieg und trank. Sancho trank und schwieg. Die Schwester Don Quichottes murmelte: «Hirngespinste!» und nahm ebenfalls einen Schluck.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Und so, wie das Engelhafte der Zukunft kraft seiner Potenz schon jetzt im Gegenwärtigen und gar im Vergangenen wirkt, Sancho, schwappt auch die Ungeheuerlichkeit des Bösen zurück ins Gegenwärtige. Das ist die Krankheit, von der ich dir sprach!»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Schwester sagte: «Dass es Gut und Böse gibt, ist ein Gesetz des Lebens. Sogar der tödliche Kampf ist ein Spiel. Nur Idioten machen eine Idee zur Tyrannin ihres Lebens. Eine Idee ist wirklich eine gute Geliebte für einen Mann: so treu, dass sie ihm schliesslich die Luft zum Atmen nimmt!» Die Schwester lachte trocken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Es gibt hier», fuhr der Sheriff fort, ohne sich in seinem Gedankengang stören zu lassen, «ganz in der Nähe und mitten in der Wüste das, was ich das Bermudadreieck der Zukunft nenne: Eine chemische Fabrik, in der hinter Stacheldraht, Elektrozaun und scharf bewacht von Männern mit Maschinenpistolen und Schäferhunden, die Alchemie unserer Zeit vorangetrieben wird. Es gibt eine Energiefabrik, in welcher der Funken aus dem Stein geschlagen wird und der Mensch sich die Gewalt der Materie untertan macht. Und es gibt eine Weltraumbasis, von welcher aus die Menschen – vorerst noch langsam wie die Mücken _ in die unendlichen Tiefen des Alls vordringen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hier, in diesem Bermudadreieck der Zukunft, zeigt das, was wir den Fortschritt der Wissenschaft nennen, sein Janushaupt ganz deutlich. Der so genannte Fortschritt könnte uns vielleicht helfen, mit der stets wachsenden Zahl von Menschen auf der Erde fertig zu werden, sie zu ernähren und zu erhalten – er kann uns zum Beispiel helfen, neue Heimstätten im Weltraum zu finden, er uns sogar zu so etwas wie einer gewissen Weisheit und einem begrenzten Verständnis führen – er kann aber auch bewirken, dass die Menschheit endgültig zu einer Monstrosität wird, zu einer Krankheit, zu einem Fieberwahn, den die Erde, will sie gesunden, erst einmal ausschwitzen muss.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Brutalität und Grausamkeit, die Menschen an Menschen verüben können und wollen und verüben in den grossen Krieger der Völker und den kleinen Kriegen des alltäglichen Zusammenlebens, diese äusseren Zeichen des Bösen sind ein vergleichsweise harmloser Widerschein der wahren zerstörerischen Kraft.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Das Böse», sagte die Schwester des Sheriffs darauf nur trocken, «ist keine selbstständige Kraft. Es ist ein Teil der Kraft, die sich selbst in einer bestimmten Art und Weise interpretiert. Es gibt, wie auch die Physik es sagt, nur diese eine Kraft, allerdings in sehr verschiedenen Manifestationen. Gott, mein lieber Bruder, ist blind.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho ging die Theoretisiererei der beiden allmählich auf die Nerven. Er wollte wieder einmal etwas Konkretes hören. Die Anwesenheit der Schattenengel, erfuhr er auf sein Drängen, sei im «Bermuda-Dreieck» besonders stark zu bemerken; man spüre sie wie einen kalten Hauch, der ganz und gar durch einen hindurchgehe, so, als wäre man bloss ein Knochengerüst ohne Fleisch und Haut. Ausserdem werde das Denken bei der Berührung mit den Schattenengeln wie zu einem Stück Materie: Man denke plötzlich in kleinen Lehmklümpchen, die absonderliche Figuren ganz ohne Sinn ergeben würden, und dies reize einen zu einem ganz und gar nicht lustigen Lachen, es sei, als würde man an einer besonders unanständigen Stelle besonders hinterhältig gekitzelt. Auch habe man, mitten in der Wüste unter einem unnatürlich grossen Mond stehend und mit dieser erdrückenden Unzahl von Sternen über dem Kopf und der absurden Silhouette der Weltraumbasis im Gegenlicht der Scheinwerfer vor Augen, immer das Gefühl, als ob dicht hinter einem jemand stehe. Es sei dies ein sehr körperliches Gefühl. Es mache einen gelinde gesagt nervös. Er, der Sheriff, neige überhaupt zur Nervosität in letzter Zeit. Deshalb habe er auch Sancho als seinen Assistenten engagiert, denn der, mit seiner Statur und seiner Bodenständigkeit, mache den Eindruck eines nicht so leicht zu erschütternden Menschen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho wollte diese Komplimente (oder wie auch immer die Einschätzung des Sheriffs gemeint war) schleunigst abwehren und berichtigen, aber Don Quichotte war bereits nicht mehr zu bremsen. «Noch diese Nacht», rief er mit dem Feuer der bei ihm wieder neu erwachten Begeisterung aus, «wollen wir der Gefahr vereint ins Auge sehen.» Dabei hatte er, wie Sancho fand, vom Whiskey bereits den gewissen sehnsüchtigen glasigen Blick. Auch gefiel ihm der Gedanke gar nicht, heute noch einmal raus zu müssen mit seinem Herrn in die finstere Nacht, wo es doch hier so gemütlich war gerade.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-7517100200059823167?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/7517100200059823167/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=7517100200059823167&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/7517100200059823167'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/7517100200059823167'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/12/traurige-jager-19.html' title='Traurige Jäger (19)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-5146760820438086492</id><published>2009-11-29T11:16:00.001+01:00</published><updated>2009-11-29T11:21:02.826+01:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (18)</title><content type='html'>Die Bar war angenehm schattig, aber die Luft wurde durch den Ventilator, der sich müde an der Decke drehte, im Grunde genommen überhaupt nicht gekühlt. Trotzdem herrschte in dem Raum ein tiefer Frieden. Der dunkle Mann hinter der Theke – ein Neger, dachte Sancho, oder ein Indianer – bewegte sich in keiner Weise und schien mit halb geschlossenen Augen tief und  fest zu schlafen. Ein einziger Gast befand sich in der Bar, ein grosser hagerer Mann von ausgesprochen leptosomer Gestalt, mit breitem Texanerhut auf dem langezogenen Schädel. Der Hund war ganz brav und getraute sich nicht einmal zu winseln, geschweige denn nahm er sich die Freiheit heraus zu bellen. Sancho wagte fast wie in der Kirche kaum zu atmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also hörte man nur das Summen der Mücken oder Fliegen unter dem Ventilator. Sancho zuckte hilflos mit den Achseln. Dann gab er sich einen Ruck, stellte sich neben den Hageren an die Bar und sagte mit fester, wenn auch etwas heiserer Stimme: «Una cerveza, por favor.» Unendlich langsam hoben sich die Augendeckel des Negers oder Indianers. Minuten später stand ein grosses kühles schäumendes Bier vor Sanchos Nase. Der Hund wedelte heftig mit dem Schwanz, während Sancho in langen Schlucken trank, bewegte die Ohren hin und her und schnüffelte mit der Nase an Sanchos Hosenbeinen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Hagere wandte sich an Sancho und sagte mit einer Stimme, die wie eingerostete Eisenketten klang: «Ich bin der Sheriff in dieser gottverdammten Gegend. Sie befinden sich hier unter Geiern, mein Herr.» – «Sie sprechen Spanisch, Señor! Sie sprechen Spanisch, wenn auch mit einem gewissen Akzent: Gott hat Sie mir geschickt und alle Heiligen des Himmels. Lassen Sie mich Ihre Hände küssen!» Der Hagere liess das nicht zu, konnte aber nicht verhindern, dass ihm der Hund die Hosenbeine leckte. Sancho aber sprudelte los und erzählte seine Geschichte mit umso grösserer Vertrauensseligkeit, als er in den Zügen des Sheriffs eine nicht geringe Ähnlichkeit mit denen des Botschafters von Toboso entdecken konnte:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Sie gleichen, verehrter Sheriff, Boss, Sir, in nicht unerheblichem Masse Don Quichotte, dem Botschafter von Toboso, der gekommen ist, die bösen Cerberaner zu bekämpfen.» – «Toboso?» sinnierte der Sheriff, «sagt mir nichts. Und Sie kommen tatsächlich aus Spanien mit Ihrem Hund?» – «Ich? Aus Spanien, ja. Mein Hund eher nicht. Oder vielmehr: Ich bin auch nicht mehr so sicher, woher wir eigentlich kommen. Es ist alles so verwirrend. Ursprünglich aus Eljas, Spanien, einem Dorf in der spanischen Estremadura, nahe Salamanca, nicht unweit der protugiesischen Grenze gelegen.» – «España!» seufzte der Hagere, «ein schönes, herbes Land.» Dann verfiel er wieder in sein dumpfes Schweigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho trank sein Bier leer. Der Hund begann nun doch, von der Sehnsucht nach einer Wurst überwältigt, zu winseln. Der Sheriff klopfte mit seiner knochigen Hand auf die Theke. Die Augenlider des dunklen Mannes rutschten nach oben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Ein Bier für den Mann und eine Wurst für den Hund und einen Burbon für mich», bestellte der Sheriff. «Und etwas Hafer für mein treues Pferd.» Dann wurde getrunken und lange geschwiegen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schliesslich stellte der Hagere Sancho die folgende Frage: «Willst du mein Hilfssheriff werden?» – «Exakt genau das oder auch etwas Anderes», antwortete Sancho rasch. «Ich habe nämlich keinen müden Cent, keinen Sou und auch keine Pesete in der Tasche.» – «Dann lass dir diesen Stern an die Brust heften, mein Junge. Die Sterne sind ein Symbol für die Freiheit, aber auch für vollkommene Gesetzmässigkeit. Es ist dieselbe Gesetzmässigkeit, die die Sterne in unserem Innern regiert.» – «Das kann ich nicht entscheiden, Señor Sheriff, denn ich bin kein Mann von grosser Bildung. Aber da sie meinem Freund Don Quichotte vom Planeten Toboso so in allen Teilen gleichen wie ein Ei dem anderen, will ich Ihnen vertrauen. Sagen Sie mir nur, was ich zu tun und zu lassen habe, Boss, und ich werde mich sogleich anschicken, Ihnen zu gehorchen, Meister.» – «Zuallererst brauchst du, Hilfssheriff, ein Pferd; oder zumindest so etwas wie ein Pferd. Denn ich habe nur noch einen Esel im Stall. Natürlich hat man mir auch einen Dienstwagen mit Martinshorn zur Verfügung gestellt: doch der ist alt und rostig. Zudem ist Hafer billiger als Benzin und die Spesenordnung der hiesigen Behörden ist nicht gerade grosszügig ausgestaltet. Der Ort, den wir von Räubern, Banditen, Mördern und ähnlichem Gesindel sauber halten sollen, ist klein. Da gibt es bloss einen verlassenen Drugstore, eine leere Presbyterianerkirche und ein paar vergammelte Farmen. Die Gegend ist unwirtlicch, die Winde sind giftig, das Klima ist ungeniessbar. Kurz, dies hier ist ein Vorort zur Hölle. Bei uns in ‹Last Waterhole› lassen sich nicht einmal die Verbrecher gerne nieder.»&lt;br /&gt;Don Quichotte schwieg gedankenverloren. Sancho dachte bei sich, dass das, was der gute Sheriff da ausgeführt hatte, einerseits schlecht, andererseits aber auch wieder gut war. Klar, dies hier war ein elendes Kaff. Klar, aber dafür gab es auch nicht so viel zu tun. «Den Kampf, den wir führen», fuhr der Sheriff da unvermittelt fort, «ist kein Kampf, in dem wir schnelle Autos und gefährliche Knarren brauchen. Schnelle Autos und feuerspeiende Waffen nützen uns in diesem Kampf gar nichts. Vergiss also schleunigst alle Kriminal- und Westernfilme, die du in deinem Leben gesehen hast, Sancho.» – «Ich bin weiss Gott schon lange nicht mehr dazu gekommen, mir einen gemütlichen Fernsehabend mit einem Krimi oder Western zu machen», seufzte Sancho mit tief empfundener Wehmut. Er musste sich auch eingestehen, dass der Sheriff wenig von einem John Wayne an sich hatte, eher im Gegenteil. «Wogegen oder wofür, Boss, kämpfen wir denn nun?» fragte er seinen neuen alten Vorgesetzten. «Wir kämpfen gegen etwas Unsichtbares», antworte Don Quichotte ernst. «Man kämpft immer gegen Unsichtbares. Das ist banal, ich weiss. Gegen einen Schatten. Gegen die Krankheit. Gegen eine Art Krankheit. Aber das brauchst du nicht zu verstehen. Folge mir einfach!» – «Ein Sheriff ist, wenn ich mich nicht täusche, so etwas wie eine Art Ritter. Ob Sie daneben auch noch so etwas wie ein Arzt sind, Boss, wage ich nicht zu entscheiden. Ich für meinen Teil kenn mich im Medizinischen nicht so aus. Schnupfen und überhaupt Erkältungen pflege ich mit einem kräftigen Schluck Brandy zu kurieren, ebenso nervöse Bauchschmerzen, die ich aber selten habe, und das dumpfe Völlegefühl, das sich nach einem ausgedehnten Mal einzustellen pflegt (das kommt bei mir schon häufiger vor). Man lebt zwar nur einmal, wie es heisst, muss aber im Leben für alles bezahlen, wie man mit den Jahren merkt. Unter Kopfschmerzen und Wetterfühligkeit leide ich glücklicherweise selten bis nie. Seit ein paar Jahren fühle ich allerdings manchmal ein Reissen in den Knochen. Das muss das Alter sein.» – «Das Alter oder nicht, Sancho, ich bin kein Arzt und rede auch nicht von Kopfweh oder Gliederreissen. Ich rede nicht von verschiedenen Krankheiten, sondern von der Krankheit schlechthin. Ich rede von der Wurzel des Übels, gegen die kein Kraut gewachsen ist und gegen die alle Ärzte der Welt nichts ausrichten können. Die Ärzte», Don Quichotte schnaubte verächtlich, «kleben Pflästerchen auf. – Die Krankheit, Sancho, ist ein intelligentes Wesen. Die Krankheit ist eine raffinierte Organisation. Verstehst du?»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho verstand nicht im geringsten, was der Sheriff meinte, und er gab sich auch keine grosse Mühe, es zu verstehn, schliesslich ging es ihm nicht darum, seine Bildung zu vervollständigen, sondern einen Job zu bekommen und so sein Geld für Brot und Wein, Bett und Weib mit mehr oder weniger Mühe zu verdienen. Da es gegen einen unsichtbaren Feind ging, bestand die Aussicht, dass das Geld mit eher weniger Mühe verdient werden konnte. Andererseits wusste er aus Erfahrung, dass Menschen wie Don Quichotte oder der Sheriff hier als notorische Kämpfer gegen Windmühlen prinzipiell immer in Schwierigkeiten gerieten. Wenn auch meist in solche, die völlig unvorhersehbar waren. Das machte diese Schwierigkeiten aber jeweils auch nicht angenehmer. Undf auf ihn, Sancho, traf dann jeweils das Sprichwort zu: mitgefangen mitgehangen. Aber seis drum. Jetzt war er ha sowieso wieder in eine Kette von Unwägbarkeiten verstrickt. Und immerhin hatte ihn der Sheriff, der so verblüffend Don Quichotte ähnelte, ohne Weiteres auf die freundlichste Art zu einem Glas eingeladen. Also würde er dem Sheriff gegen unsichtbare Feinde in Gestalt oder in Gestaltlosigkeit von was auch immer kämpfen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-5146760820438086492?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/5146760820438086492/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=5146760820438086492&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/5146760820438086492'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/5146760820438086492'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/11/traurige-jager-17_29.html' title='Traurige Jäger (18)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-2671468927723457633</id><published>2009-11-21T16:28:00.000+01:00</published><updated>2009-11-21T16:40:40.510+01:00</updated><title type='text'>Das Eigene und das Fremde</title><content type='html'>Manchmal, in einem unbedachten Moment, dachte Kafka, wird man sich selbst zum Anderen, zum Fremden. Das Ich sieht sich gleichsam im Spiegel und erkennt sich nicht. Je älter Kafka wird, desto weniger gelingt es ihm, sich heimisch zu fühlen in seiner Identität, die er  als seine Person definiert. Kafka empfindet sich als Reisender oder vielmehr als unstetes Bewusstsein, das unterwegs ist, aber nicht auf ein bestimmtes Ziel zu, sondern gewissermassen frei schweifend. Wobei diese Freiheit keine ist - das Bewusstsein ist in den Körper geknechtet, und der Körper ist in die Vergänglichkeit gekenchtet, und Vergänglichkeit führt auf direktem Weg zur Auflösung, zur Negierung, ins Nichts. Die einzige Freiheit, die Kafka dabei sehen kann, ist die Freiheit des Buddhisten, der sich in alles schickt, der das Nichts akzeptiert, der es gar freudig als Nirwana begrüsst. Diese Freiheit ist die wunderbare Freiheit, den innersten Kern alles Seienden als Ilusion zu begreifen und das Leben als einzigartige Inszenierung der Leidenschaften und des Leidens. Die Welt ist eine Falle, denkt Kafka, die uns mit Irrlichtern der Schönheit lockt. Was wir suchen, sind Betäubung und Visionen. Was wir besitzen, ist der Käfig der Gefangenschaft. Uns lockt nicht, was wir ersehnen; wir lieben nicht, was uns die metaphorische Last des Lebens von den Schultern nimmt. Wir wollen genauso wenig sterben, denkt Kafka, wie wir geboren werden wollten. Die Fähigkeit, getröstet zu werden, ist uns mit dem Kinderglauben abhanden gekommen. "Ich beneide alle Leute darum, nicht ich zu sein." (Fernando Pessoa, "Buch der Unruhe").&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-2671468927723457633?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/2671468927723457633/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=2671468927723457633&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/2671468927723457633'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/2671468927723457633'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/11/das-eigene-und-das-fremde.html' title='Das Eigene und das Fremde'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-7870123688377091860</id><published>2009-11-21T16:16:00.001+01:00</published><updated>2009-11-21T16:19:00.895+01:00</updated><title type='text'>Potsdam, im November</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SwgE2qh3_KI/AAAAAAAABOU/XtsO4c0O_Bo/s1600/November+026.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 300px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SwgE2qh3_KI/AAAAAAAABOU/XtsO4c0O_Bo/s400/November+026.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5406576689834097826" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SwgE2aKXLgI/AAAAAAAABOM/kcSh5xlDhkA/s1600/November+020.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 300px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SwgE2aKXLgI/AAAAAAAABOM/kcSh5xlDhkA/s400/November+020.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5406576685440511490" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SwgE2MBlWEI/AAAAAAAABOE/6t1qnL2ll7s/s1600/November+019.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 300px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SwgE2MBlWEI/AAAAAAAABOE/6t1qnL2ll7s/s400/November+019.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5406576681645594690" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SwgE1tXWaEI/AAAAAAAABN8/fxaxUNjTeuU/s1600/November+017.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 300px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SwgE1tXWaEI/AAAAAAAABN8/fxaxUNjTeuU/s400/November+017.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5406576673415391298" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SwgE1EK1QKI/AAAAAAAABN0/ziTMXuhfvug/s1600/November+016.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 288px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SwgE1EK1QKI/AAAAAAAABN0/ziTMXuhfvug/s400/November+016.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5406576662357033122" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-7870123688377091860?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/7870123688377091860/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=7870123688377091860&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/7870123688377091860'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/7870123688377091860'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/11/potsdam-im-november.html' title='Potsdam, im November'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SwgE2qh3_KI/AAAAAAAABOU/XtsO4c0O_Bo/s72-c/November+026.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-8508759201157791455</id><published>2009-11-21T11:20:00.000+01:00</published><updated>2009-11-21T11:24:39.491+01:00</updated><title type='text'>Berlin, im November</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/Swe_2wi7f_I/AAAAAAAABNs/0igU7kOi3mc/s1600/November+013.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 300px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/Swe_2wi7f_I/AAAAAAAABNs/0igU7kOi3mc/s400/November+013.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5406500825146818546" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/Swe_2hUn5PI/AAAAAAAABNk/Kkhfw202xJg/s1600/November+012.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 300px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/Swe_2hUn5PI/AAAAAAAABNk/Kkhfw202xJg/s400/November+012.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5406500821060281586" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/Swe_2MB6XkI/AAAAAAAABNc/Ewn3FTKvZ1s/s1600/November+009.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 300px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/Swe_2MB6XkI/AAAAAAAABNc/Ewn3FTKvZ1s/s400/November+009.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5406500815344655938" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/Swe_10vYmaI/AAAAAAAABNU/w8rGYyJuP9c/s1600/November+007.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 300px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/Swe_10vYmaI/AAAAAAAABNU/w8rGYyJuP9c/s400/November+007.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5406500809092929954" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/Swe_1vc7Z6I/AAAAAAAABNM/QXORXT4bi00/s1600/November+006.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 300px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/Swe_1vc7Z6I/AAAAAAAABNM/QXORXT4bi00/s400/November+006.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5406500807673341858" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-8508759201157791455?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/8508759201157791455/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=8508759201157791455&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8508759201157791455'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8508759201157791455'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/11/berlin-im-november.html' title='Berlin, im November'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/Swe_2wi7f_I/AAAAAAAABNs/0igU7kOi3mc/s72-c/November+013.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-2084951433122675801</id><published>2009-11-11T09:45:00.001+01:00</published><updated>2009-11-11T09:45:52.768+01:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (17)</title><content type='html'>Als rosig und kitschig und kalifornisch der Morgen sich am Himmel breitmachte, lag Sancho Pansa noch immer am Rand der Strasse, versunken in einen tiefen, komatösen Schlaf. Die Strasse war ein Highway, wenig befahren um diese Tageszeit, und von Mauern war weit und breit nichts zu sehen. Im Gegenteil – die Strasse führte durch eine Wüste.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt näherte sich ein struppiger Hund dem wie tot am Boden liegenden Sancho, um ausgiebig an ihm zu schnuppern und ihm das Gesicht und schliesslich auch das Gesicht abzulecken. Man sieht, dass der kleine struppige Hund sogleich eine tiefe Zuneigung zu unserem Sancho fasste. Durch die Berührung der warmen, raue und nassen Hundezunge wurde Sancho schliesslich wach. Er hatte soeben davon geträumt, in einer römischen Arena mit einem jungen Elefanten einen langsamen Tango zu tanzen. Das Publikum hatte getobt und gewiehert vor Lachen. Sancho konnte das nicht verstehn, Was war denn so komisch daran, wenn er in einer römischen Arena einen langsamen Tango mit einem jungen Elefanten tanzte?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch nun sah er ganz nah vor seinen Augen den Kopf des Hundes, der ihn mit verliebter Gier in den Augen anschaute. «Weg, weg da», ächzte Sancho und versuchte sich zu erheben, was ihm nach einiger Mühe, denn alle Glieder taten ihm fürchterlich weh, schliesslich auch gelang. Der Hund wedelte mit dem Schwanz und stiess kurze begeisterte Beller aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als er verwundert um sich schaute, fragte sich Sancho besorgt, wo denn die Mauern, die Stadt, der Palast und vor allem sein Freund, der Botschafter Don Quichotte von Toboso, geblieben waren. Oder hatte er das alles bloss geträumt? Dass er jetzt in einer Wüste gelandet war, hatte gerade noch gefehlt und setzte dem ganzen die Krone auf. Und liess sich eiegntlich nur durch Zauberei erklären, obwohl Zauberei, Verzauberung und Magie weit besser zu Don Quichotte passten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt, in der hellen, nun schon heissen Sonne, neigte Sancho Pansa weit mehr als bei Nacht zum philosophischen Sichdreinschicken in die momentane Situation. «Sei es wie es sei», sagte er zu dem Hund. «Man wählt sich sein Leben ja nicht aus. Wer fragt dich denn nur schon, ob du überhaupt geboren werden willst.» Der Hund bellte zustimmend, es schien ihm auch schon so einiges widerfahren zu sein in seinem Leben. «Ein Hundeleben», stellte Sancho fest und wischte sich den Schweiss von der Stirn. Er hatte Kopfschmerzen. Indessen näherte sich mit stets sich verstärkendem Brummen ein rasch grösser werdender Latwagen oder Truck von Süden oder Norden oder Westen oder Osten her, um mit lautem Tuten an Sancho und dem Hund vorbeizudonnern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einige hundert Meter weiter schien es sich der Lastwagenfahrer oder Trucker allerdings anders überlegt zu haben, denn er stoppte seinen Koloss ziemlich abrupt. «Gut», dachte Sancho, «gut. Latschen wir also hin. Wir können ja nicht ewig hierbleiben, wo immer hier auch ist.» Und er nahm zusammen mit seinem Hund den staubigen Weg unter ihre sechs Beine, einen ziemlich langen Weg, der sie von dem wie ein Weihnachtsbaum geschmückten riesigen Lastwagen trennte. Sancho kam es so vor, als hätte er inzwischen den ganzen Kopf voller grauer Haare. Wir könnten jetzt gemein sein und den Trucker, kurz bevor Sancho und sein Hund das Riesenbaby ereichten, davonfahren lassen, aber stattdessen lassen wir den Fahrer, dessen Haar im heissen Wüstenwind flattert, aus dem Fenster gelehnt schreien: «Hurry up, man, hurry up, I can’t wait for you this whole fucking day!». Sancho kletterte schnaufend in die Führerkabine, der Hund sprang ihm auf den Schoss. Ehrlicher, fadengerader, schörkelloser Südstaatenrock drang in seine Ohren. Der Fahrer war rotblond und kräftig und von irischer Abstammung. Er hatte natürlich tätowierte Arme und trug eine blaue Fliegermütze mit Schirm, die zu klein wirkte auf seinem riesigen runden Schädel. Ein Gringo, dachte Sancho, wieso begegne ich jetzt einem Gringo? Der Lastwagenfahrer begann, auf Sancho einzureden in seiner breiigen Sprache. «Where you go?» fragte der Trucker, «are you Mexican?» Und, als Sancho nur verständnislos schaute: «Tu Mexico?» – ;No Mexico», sagte Sancho darauf, «Elijas, Provinca di Salamanca, España.» Das verstand nun wiederum der Trucker nicht. Er war aber überzeugt davon, dass er sich einen illegalen Einwanderer aus dem Süden in den Wagen geholt hatte, den er schleunigst wieder loswerden musste. Er war zwar ein gutmütiger Mensch, aber nicht lebensmüde. Da musste nur eine Polizeistreife kommen. Doch tauchte glücklicherweise bloss eine Tankstelle auf, «The greatest Niagara». Eine Tankstelle mit Motel und allen Schickanen. Na ja, ein bisschen abgefuckt, aber immerhin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Du stiegst hier aus», sagte der Trucker unwirscher zu Sancho, als er es eigentlich wollte. Oft sind ja die Menschen im Grunde genommen besser als das Resultat, das die Umstände aus ihnen gemacht haben. Sancho verstand zwar nicht den genauen Wortlaut der wiederum amerikanisch gesprochenen Worte, aber es war ihm immerhin klar, dass er in diesem Gefärt zusammen mit seinem Hund nicht mehr erwünscht war. Erst nimmt er mich mit, um mich dann gleich wieder rauszuschmeissen, grummelte er in sich hinein. Soll einer diese Gringos verstehen, Die spinnen doch, die Amerikaner. Sancho schüttelte, aber vorsichthalber mehr innerlich, den Kopf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da stand er nun wieder mit seinem Hund auf der staubigen Strasse. Was jetzt? Sancho, der Weltenherrscher, hatte keinen Cent in der Tasche und sah aus wie ein Landstreicher. Ach, Weltenherrscher. Eier!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er hatte keinen Cent, keinen Sou und auch keine müde Pesete in seinem Sack, dafür einen kleinen hungrigen und durstigen Hund am Hals. Eine unangenehme Situation für einen Mann in einem fremden Land. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als durch jene Tür zu treten, über welcher ein Schild mit dem Wort «Bar» hing. «Bar», das verstand er. Ein polyglottes Wort, fast in sämtlichen Sprachen der Welt zu Hause. Gott sei Dank gibt es solche Wörter, dachte Sancho. Gott sei Dank gibt es solche Wörter, die nicht nur leere Worte sind. Bars, die man wirklich betreten kann. Beim Lesen des Wortes «Bar» merkte Sancho, dass nicht nur der Hund, sondern auch er selbst ziemlich durstig war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht hatten die da ja eine Arbeit für ihn, Zapfsäule bedienen oder so was, Tellerwaschen meinetwegen, dachte Sancho. Für nicht mehr als ein Glas Bier und eine Wurst für den Hund. Schliesslich befand er sich offenbar in dem gelobten Land, wo man es vom Tellerwäscher zum Millionär bringen konnte.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-2084951433122675801?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/2084951433122675801/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=2084951433122675801&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/2084951433122675801'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/2084951433122675801'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/11/traurige-jager-17.html' title='Traurige Jäger (17)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-8849630381776202800</id><published>2009-11-09T11:13:00.000+01:00</published><updated>2009-11-09T11:14:13.078+01:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (16)</title><content type='html'>Und der liebe Gott schaute mit seinem unerschütterlichen dritten Auge auf diese zwei Geschöpfe seiner Vorstellungskraft, das unglückliche und das glückliche, das verzweifelte und das zuversichtliche, das dicke kurze und das dünne lange, und Er sah, es war alles gut.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-8849630381776202800?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/8849630381776202800/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=8849630381776202800&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8849630381776202800'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8849630381776202800'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/11/traurige-jager-16.html' title='Traurige Jäger (16)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-9141748087425413482</id><published>2009-11-06T09:21:00.001+01:00</published><updated>2009-11-06T09:21:51.132+01:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (15)</title><content type='html'>Währenddessen kämpfte sich Don Quichotte, wie immer unerschrocken, durch das zähe Gestrüpp und Gebüsch eines reichlich ungepflegten Parkes, der bald in einen veritablen Wald zu münden schien. Das wunderte den Toboser, dass es mitten in einer Stadt mit solch strengen kalten geraden Strassen hinter einfachen, wenn auch hohen und glattwandigen Mauern plötzlich und unverhofft Wildnis und gar Wälder geben sollte. Jetzt sah er sogar friedliche Sterne zwischen den Baumkronen leuchten und einen zu einem Viertel vollen Mond. Er überlegte scharf, ob und gegebenenfalls wo sohl der Stern Toboso sein fernes Licht der Erde zeigen mochte. Aber es hatte so viele Sterne am Himmel, dass Don Quichotte nur vage und seufzend «irgendwo da oben» denken konnte. Irgendwo da oben? Plötzlich schien ihm der Himmel eher als eine Spiegelung des Oben, ein Meer, in das er, vollkommen und ganz und gar zur Kugel geworden, zweifellos dereinst einmal eintauchen würde, nicht mehr Teil, sondern ununterscheidbar Ganzes geworden. Und Don Quichotte wurde, gewissermassen auf Vorschuss, von einem Glücksgefühl durchströmt, das in sich vollkommen war wie ein Windstoss, der mit den Blättern und Ästen der Bäume spielt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-9141748087425413482?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/9141748087425413482/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=9141748087425413482&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/9141748087425413482'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/9141748087425413482'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/11/traurige-jager-15.html' title='Traurige Jäger (15)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-6594912696977000569</id><published>2009-11-04T09:54:00.001+01:00</published><updated>2009-11-04T09:56:50.511+01:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (14)</title><content type='html'>Für Sancho war es, als wäre er allein in einem Alptraum zurückgeblieben. Das gleissende Licht der Strassenbeleuchtung brannte ihm in den Kopf. Die Leere Strasse war kalt und gefährlich, als wolle sie sich nächstens auftun und ihn verschlingen, zermalmen mit ihrem steinernen Gebiss. Er fühlte sich wieder wie der kleine Junge, der er einmal gewesen war. Als dieser kleine Junge hatte er sich jeweils in Situationen wie diesen unter dem Bett verkrochen oder sich im Schrank versteckt, voll banger Hoffnung, dass ES, das unbekannt Drohende, das immer näher kam, ihn nicht entdecken möge. Aber hier gab es weder ein Bett, unter das man kriechen, noch einen Schrank, indem man sich verstecken konnte. Auch näherte sich auf der leeren, hell erleuchteten Strasse nichts. Trotzdem schnatterten die panischen Stimmen in Sanchos Hirn wie verrückt. Sein Herz war eine hüpfende Eisenkugel, die ihn gefangen hielt. Er schiss sich in die Hosen, ohne es zu merken. Er hielt es nicht mehr aus, bei wachem Bewusstsein zu sein, und stürzte, in den Armen einer wohltätigen Ohnmacht landend, auf das harte Pflaster der Strasse. Für einmal hatten alle Heiligen des Himmels, die er so oft anzurufen pflegte, ein Einsehen gehabt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-6594912696977000569?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/6594912696977000569/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=6594912696977000569&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6594912696977000569'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6594912696977000569'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/11/traurige-jager-14.html' title='Traurige Jäger (14)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-1409756991417602309</id><published>2009-11-01T11:57:00.001+01:00</published><updated>2009-11-01T11:57:42.078+01:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (13)</title><content type='html'>Es war Nacht und neblig. In der Nähe des Regierungspalastes waren die Strassen praktisch menschenleer. Sie waren nicht nur praktisch, sie waren definitiv menschenleer. Und hell, sehr hell beleuchtet. Die grossen herrschaftlichen Häuser aber, die sich hinter hohen Mauern mehr erahnen als sehen liessen und in geräumigen Parks verbargen, dunkel und durch kein Lebenszeichen irgendwelche Bewohner verratend. Auch Geräusche waren nur als ein fernes Brummen und Summen zu hören. Es fuhren keine Autos oder andere Verkehrsmittel durch die hell erleuchteten Strassen. Der Stadtteil, den Don Wuichotte und Sancho Pansa durchwanderten, war flach und eben, was das Marschieren nicht weniger eintönig machte. Die beiden frischgebackenen Stadtwanderer waren in einfache Gewänder gehüllt, die an römische Tuniken gemahnten: Diese Kleidung hatten sie sich von Bediensteten geborgt oder vielmehr sie ihnen gestohlen, gezwungenermassen, denn paradoxerweise besassen sie beide kein Geld. Im Palast brauchte man ja auch kein Geld. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Dies ist», sagte Don Quichotte, nachdem sie gut eine Stunde gegangen waren und sich die Kulisse, durch die sie schritten, noch immer nicht verändern wollte, «dies ist wirklich eine kuriose Stadt, die Ihr da habt. Sind alle Städte auf der Erde so? Wir in Toboso – ob kugelförmig oder nicht – bewegen uns, wie sie vielleicht wissen, in einem Gemisch aus Wasser und Luft. Angesichts dieser Strassen, Exzellenz, verstärken sich mein Heimweh und meine Sehnsucht nach den heimatlichen Gestaden sogar noch.» – «Fürwahr, mir scheint es auch eigenartig, dass wir auf keine Untertanen stossen. Ich habe pulsierendes Leben erwartet, ein Auf und Ab und Hin und Her, Frauen in glitzernden Kleidern, Männer mit schief im Mundwinkel hängenden Zigaretten, Zuhälter, Dirnen und Gangster, Halbwelt und Lichtreklamen, im Neonlicht blitzende Autokarossen, was weiss ich. Aber das kommt schon noch. Haben sie ein wenig Geduld, lieber Botschafter. Immerhin sind bis jetzt auch keine Cerberaner aufgetaucht.» – «Die Cerberaner sind da, wo Menschen sind. Mein Gott, ich beginne mich noch nach ihnen zu sehnen!» &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und missmutig schritten sie weiter durch die Nacht. Die absolute Gleichförmigkeit der Strassen und Häuser machte es ihnen übrigens bald genug unmöglich, sich zu orientieren und eine Richtung zu halten. Auch schien das leise, feine Brummen aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen und bot deshalb keinen Anhaltspunkt. Möglich, dass sie bereits wieder auf den Palast zu gingen oder sich in einem Kreis bewegten wie in dichtem Schneegestöber oder in der schattenlosen Wüste. Sancho, der schon lange nicht mehr zu Fuss gegangen war, taten die Füsse weh, Don Quichotte, seiner körperlichen Konstitution wegen, eher das Kreuz. Auch hätte für Sanchos Geschmack allmählich eine Gast- und Raststätte, und sei es auch eine miese verkommene Spelunke, auftauchen dürfen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es war ein Leichtes, in diesen leeren nebligen Strassen, obwohl sie beleuchtet waren, sang- und klanglos ganz einfach verloren zu gehen. Ein Totenreich war diese Stadt: kein Fetzchen Musik erklang, kein Fitzelchen von einer stimmen war zu vernehmen, nur das feine Brummen und Summen wie von einer gewaltigen Maschine. Sancho bekam plötzlich einen Wutanfall, er stampfte und schrie, weinte und tobte, bis er sich rot und zerzaust und echauufiert auf den sinnlosen Gehsteig setzen musste. «Dieser Schweinehund hat mich betrogen!» knirschte er zwischen den Zähnen hindurch, «die ganze Zeit über schamlos betrogen! Mein Weltreich existiert nicht. Die Massen, von denen ich in meinem Wahn glaubte, sie würden mir zujubeln, waren eine Fata Morgana. Zerstoben wie eine Geisterschar, ins Nichts verpufft, pulverisiert! Die Menschheit und ihre Geschichte war also ein Traum, ein leerer eitler Traum!  Wahrscheinlich gibt es auch Herrn von Klumpfuss nicht, sind der Palast und das Harem der dicken Frauen dem syphilitischen Hirn eines versoffenen Dichters entsprungen, ja, auch die dicken Frauen, für die ich in meiner Schwäche nun mal eine Schwäche habe, und wahrscheinlich haben wir es nur noch nicht bemerkt, dass es auch uns nicht gibt.» &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Beruhigen Sie sich, Exzellenz, schschsch! Ich kann Ihnen versichern, dass Sie – wenn auch vielleicht nicht absolut, so doch relativ – ganz und gar vorhanden sind» versuchte Don Quichotte, der als Toboser menschliche Existenzängste nicht kannte, den unglücklichen Welt-Diktator zu trösten, und legte ihm einen Arm um die Schulter. «Ich vermute vielmehr, dass dieser Gürtel aus Niemandsland aus purer Berechnung, das heisst zu einem ganz konkreten Zweck, angelegt wurde. Da steckt Politik dahinter. Herr von Klumpfuss ist schon ein rechter Teufel!» Don Quichotte, der die Philosophie stets mit der Tat zu verbinden versuchte, dachte scharf nach. Dann beugte er sich zu Sanchon hinunter und flüsterte ihm ins Ohr:  «Wir müssen über eine Mauer klettern! Wir müssen in einen Park einbrechen, ein Haus erobern! Aber vorsichtig: Die Nacht hat tausend Augen!» &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das war leichter gesagt und zur Absicht erklärt als getan. Die Mauer war hoch und glattwandig. Und nirgendwo stand etwas herum, das man als Hilfsmittel zum Klettern hätte benutzen können. Ausserdem kam es ihnen jetzt, wo sie ihren Vorsatz gefasst hatten, so vor, als würden sie von allen Seiten beobachtet. Das kalte künstliche Licht war womöglich noch heller geworden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Sie müssen sich mir auf die Schultern stellen, Exzellenz», sagte Don Quichotte. «Aber nein, Herr Botschafter, dieses Angebot kann ich unmöglich annehmen, bedenken Sie doch mein Gewicht. Sie müssen sich mir auf die Schulter stellen!» _ ;Ihr gewicht, Exzellenz, ist kein Argument. Ich bin ebenso schwer wie Sie,  nur ist mein Gewicht anders verteilt. Mehr vertikal, sozusagen. Nein, ich muss Ihnen den Vortritt lassen: Schliesslich ist das Euer Hohheitsgebiet, in das wir hier eindringen!» -  ,Eben, mein lieber Botschafter, eben! Sie sind mein Gast, und deshalb gehen Sie vor. Und jetzt Ende der Diskussion!» &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damit war der kleine höfliche Streit entschieden. Don Quichotte stellte sich also dem Weltenherrscher Sancho auf die Schultern (was leichter gesagt als getan ist, aber das ist eine andere Geschichte) und vermochte so den Mauerrand gerade eben zu erreichen. Obwohl er beträchtliche Kraft in den Fingern hatte, zog er sich nur mit viel Mühe hoch. Oben angekommen, sagte er zu Sancho, der weit unten ganz klein bei der Mauer stand: «Auf der anderen Seite scheint es ebenso steil wieder runterzugehn.» Er öffnete die Arme, als wolle er los fliegen, und verschwand hinter der Mauer, verschluckt von der Finsternis.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-1409756991417602309?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/1409756991417602309/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=1409756991417602309&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1409756991417602309'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1409756991417602309'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/11/traurige-jager-13.html' title='Traurige Jäger (13)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-6508489341069557980</id><published>2009-10-26T14:21:00.000+01:00</published><updated>2009-10-26T14:22:31.684+01:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (12)</title><content type='html'>Da ergab es sich, was selten geschah, dass Sancho Pansa, der Weltdiktator, und der ständig an seinem Hof akkreditierte Botschafter Tobosos, Don Quichotte, eines Abends allein zusammen dienierten. Es wurde wieder einmal eine Lachsmoussetarte zur Vorspeise serviert, die zwar exzellent zubereitet war, aber Sancho, im Herzen eher Gourmand als Gourmet, Liebhaber rustikaler Genüsse wie hausgemachter Tortilla und einer gut gewürzter, mit Knoblauch gespickter Chorizo-Wurst, inzwischen zum Hals heraushing.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Don Quichotte mochte einer Lachsmoussetarte erst recht nichts abzugewinnen. Er schaute sie mit seinen melancholischen, blutunterlaufenen Augen nur ganz verächtlich an. Ein paar Gänge später kam zu einem guten Burgunder (Meursault AC Dufouleur Père &amp; Fils) ein Baron d’agneau de Lait auf den Tisch. Der dicke Diktator richtete zum ersten Mal sein Wort an den hageren, mit Appetitlosigkeit gestraften Botschafter. «Ich sehe», seufzte Sancho, «werte Exzellenz, famoser Botschafter, dass Sie auch keinen rechten Hunger haben. Wie sagt das Sprichwort schon wieder? Hunger ist der beste Koch. Und das Sprichwort hat ja ganz recht. Wie aber soll man, frage ich Sie, hier mal so richtig Hunger bekommen? – Ja ja», fuhr Sancho übergangslos fort, manchmal denke ich, dass ich zum Herrscher einfach nicht geboren bin. Ich bin zu sensibel für die Bürde dieses Amtes. Aber was will man? So einen Job kann man doch nicht einfach kündigen. Aber manchmal habe ich die Schnauze einfach voll davon, in diesem goldenen Käfig zu hocken. Unter uns gesagt, streng unter uns gesagt, mein lieber Botschafter, Sie verstehen. Für die Öffentlichkeit bin und bleibe ich natürlich kraftstrotzend, unerschütterlich, zuversichtlich. Der grosse Mann mit Durchblick. Der kleine grosse Mann mit Durchblick, von mir aus.» Sancho schwieg, um eine Träne um so wirkungsvoller aus dem Augenwinkel tropfen zu lassen. «Unter uns gesagt, streng unter uns gesagt, habe ich den Durchblick natürlich überhaupt nicht. Ich weiss nicht, wie meine Untertanen leben, kenne ihr Denken und Fühlen nicht, weiss nicht, was sie tun, was sie bewegt, freut und ärgert. Gar nichts weiss ich. Und dieser Klumpfuss, der meint, für mich denken und entscheiden zu müssen, der glaubt, für mich die Dinge und die Menschen und die Zusammenhänge zu kennen und den Durchblick zu haben, ist ein Scheusal. Ein Scheisskerl. Ein Hurensohn. Ein Mutterficker. Ein Grossmutterverkäufer. Sie sehen, streng unter uns gesagt: Er geht mir tierisch auf den Sack. Ausserdem weiss ich wohl, dass er mich verachtet. Benützt und verachtet, jawohl. Aber was kann ich schon tun? Ich kann ihn nicht entlassen, der Mann hat ja kein Amt. Er ist ein grauer Mann, und ich fürchte, es gibt noch viele von seiner Art am Hof.» Sancho schwieg, ermattet und gedankenschwer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Don Quichotte wunderte sich über die lange Rede des Diktators, denn üblicherweise pflegte Sancho sich in Sprichwörtern zu ergehen, zu schnaufen oder zu schweigen. «Ich habe Ihnen einen Vorschlag zu machen», fing er nach einigen Momenten des Nachdenkens an, «der vielleicht sowohl Ihnen als auch mir selbst einen noch nicht abschätzbaren Vorteil oder gar uns beiden einen plötzlichen Ausweg zeigen kann. Auch ich traue Herrn von Klumpfuss nicht über den Weg, auch wenn es den Anschein hat, dass wir beide die Cerberaner bekämpfen. Es heisst ja, der Feind deines Feindes ist dein Freund. Was man von solchen Sprüchen halten soll? Item. Item und wie dem auch sei. Ich muss die Angelegenheit endlich wieder in meine eigenen Hände nehmen. Ich habe vielleicht, ganz entgegen meiner Gewohnheit, schon allzu lange gezögert und gezaudert und zugewartet, und Sie, Exzellenz, wenn ich mir die Bemerkung untertänigst erlauben darf, wohl auch.» Sancho war plötzlich ungeduldig. «Sagen Sie schon, mein lieber Botschafter, was Sie zu sagen haben, und kommen Sie auf den Punkt!» – «Der Vorschlag ist wie jede Idee im Grunde genommen lächerlich einfach. Wir machen uns einfach aus dem Staub! Mischen uns inkognito unters Volk. Sie, um ihren Untertanen zu begegnen, ich, um auf meine Art die Sache der Toboser zu regeln.» Don Quichottes Augen glühten im alten Feuer. Aber Sancho hatte natürlich Bedenken anzumelden. Gewiss, er brannte darauf, inkognito durch die Welt zu wandern, wieder einmal richtig Hunger und Durst zu haben, wieder einmal richtig müde zu sein. Er hatte genug von dem falschen Märchen, in dem er lebte. Aber andererseits hatte er sich auch an das fette faule Leben im Palast gewöhnt, und die heimtückischen Gefahren, die von diesem ausgingen, schienen ihm weniger bedrohlich als die freie Wildbahn des Lebens draussen vor dem Palast. Und die Eitelkeit! Die Eitelkeit, ein Diktator und Weltbeherrscher zu sein, musste auch fallen gelassen werden. Das tat weh. Aber gut, dachte Sancho, lassen Wir die Eitelkeit fahren und werden wieder zu einem ich mit kleinem i, mehr noch: Scheissen Wir drauf. Er sagte: «Mein lieber Botschafter und Freund! Ihre Idee gefällt mir sogar ausnehmend gut. Allerdings gibt es noch einige Punkte zu klären. Diese Punkte gilt es dringend zu klären, bevor wir aufbrechen können. Zum Beispiel ist zu bedenken, dass ichj, soweit ich mich enrinnern kann, noch nie ausserhalb der Mauern dieses Palastes war. Genau wie der letzte chinesische Kaiser, Wu oder Pu oder Pipapo oder wie er hiess, befinde ich mich in der fatalen Situation, die Welt da draussen, die mein Reich ist, nur vom Hörensagen her zu kennen. Ich weiss nicht, welche Sprache mein Volk spricht. Ich weiss nicht, wie man sich als gewöhnlicher Mensch, sagen wir einmal als ein Mensch der Klasse F oder G, unter gewöhnlichen Menschen bewegt und benimmt, was sich ziemt oder nicht ziemt, wie und was man isst, wie und wen man liebt und überhaupt, etc. etc. etc. Dazu kommt, dass man mich kennt: Mein Gesicht flimmert über die Bildschirme, mein gesicht hängt, wie man mir immer wieder versichert hat, im jedem anständigen Wohnzimmer auf dieser Welt, ganz zu schweigen von den überlebensgrossen Porträts und Statuen, die die Räumlichkleiten der öffentlichen Gebäude und die Plätze schmücken. Man würde mich doch sofort erkennen! Wie kann ich da inkognito sein?» – «Aber nicht doch, Exzellenz! Sie haben, mit Verlaub, ein recht durchschnittliches Gesicht, das in einer gewöhnlichen Umgebung niemandem auffallen wird. Ausserdem haben sich die Leute schon dermassen an das omnipräsente Bild Ihrer Majestät gewöhnt, dass sie es inzwischen gar nicht mehr sehen. Allenfalls werden die Leute beim Anblick der einst hoheitlichen und jetzt normalsterblichen Exzellenz einen Moment lang denken: Den kenn ich doch von irgenwo her. Aber dann wird dieser Gedanke schon weitergewwandert sein, wie wir. Und was die Sitten und Bräuche in Ihrem Reich angeht, Hochwohlgeborener, das Leben draussen kennt nur einen Grundsatz: Versuch und Irrtum, also: Lernen, lernen, lernen!»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einen Moment lang war Sancho arg gekränkt und wollte böse auf den Botschafter respektive auf Don Quichotte werden, wegen des gewöhnlichen Gesichts. Aber dann erinnerte er sich seines feierlichen Vorsatzes, aller Eitelkeit fortan abzuschwören. Zudem brachte nur schon der Gedanke an die Schwierigkeiten und und Entbehrungen der Zukunft Sanchos alten Appetit zurück: Er ass das Dessert, Poires «Palais Royal», seit langem wieder einmal mit Vergnügen und Lust. Der Diktator der Welt und der Botschafter Tobosos beschlossen, ihren Plan noch in derselben Nacht auszuführen. Ihre langen dünnen und kurzen breiten Schatten liessen sie dabei mit einem schälkischen Vergnügen in der Vergangenheit zurück.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-6508489341069557980?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/6508489341069557980/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=6508489341069557980&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6508489341069557980'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6508489341069557980'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/10/traurige-jager-12.html' title='Traurige Jäger (12)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-4814373867524229137</id><published>2009-10-09T16:25:00.000+02:00</published><updated>2009-10-09T16:29:41.242+02:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (11)</title><content type='html'>Sancho Pansa, seines Zeichens Welt-Diktator, charismatische Identifikationsfigur, grosser Kommunikator und Lebemann, verbrachte seine Zeit inzwischen wie die Made im Speck. Zu regieren hatte er nicht viel und von dem nicht vielen immer weniger. Es ist zu vermuten, dass es ihn selbst nicht mehr brauchte – hatten sich doch die Medien seines Bildes bemächtigt. Es ist zu vermuten, dass sein Phantom ein Eigenleben zu führen begonnen hatte. Möglicherweise verfassten andere für ihn die Reden, die er nicht einmal mehr selbst zu halten brauchte. Möglicherweise fasste man in seinem Namen Beschlüsse, von denen er keine Ahnung hatte und deren Bedeutung er wahrscheinlich gar nicht verstanden hättte. Mit seinem Wort, das andere sprachen, bestimmte er über Bürger, mit denen er keinen Kontakt hatte, war überall präsent und doch ganz allein (im Glashaus seiner Lüste, umgeben von Lustdienerinnen und anderen Bediensteten, die ihm den Becher reichten, vielleicht auch die Füsse küsste, sicher ihm den Becher reichte, immer wieder, und ihm Schmeichelworte ins Ohr flüsteren).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho ass mit immer geringerem Appetit, trank mit immer weniger Durst, triebs mit den dicken Frauen mit immer weniger Lust. Er fing an, sich vor Impotenz zu fürchten – eine Sache, die jeden Mann beunruhigen würde, erst recht aber einen spanischen Macho. Er wurde übellaunig und tyrannisch. Wenn er Nero – oder vielmehr Peter Ustinoff in der Rolle von Nero – gewesen wäre, hätte er sich ein Rom angezündet vor lauter Langeweile und ein Gedicht dazu verfasst oder eine Kantate. Aber es gab kein Rom mehr, das man hätte anzünden können, es gab überhaupt nichts mehr anzuzünden, wozu man hätte Tränen vergiessen und diese in einer Kanüle auffangen können. Ausserdem war Sancho (wie übrigens auch Nero anno dazumal) im Verseschmieden nur mässig begabt. Die Welt ist zu den Zeiten, in denen unsere Geschichte handelt, absolut sicher vor unbeherrschten oder hysterischen Tyrannen. Dafür sorgen Leute wie unser lieber Herr von und zu Klumpfuss schon.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Überhaupt fand von Klumpfuss, dass man auf Sancho eigentlich so langsam verzichten könnte. Dieser Sancho verschlang nur viel Geld. Es kostet Geld, sich einen Weltdiktator wie Sancho zu halten. Geld, das man besser in die Verbesserung der menschlichen Gensubstanz investieren würde. Auch war die Art des Sancho Pansa dem Herrn von Klumpfuss ganz persönlich sehr unsympathisch. Sancho war in den klumpfussschen Augen total vertiert. Und alles Tierische am Menschen war Klumpfuss zutiefst suspekt. Auf Tiere konnte Klumpfuss als Vegetarier generell verzichten. Das einzig Gute an der Natur, diesem Ungeheuer, war, dass sie einst den Menschen hervorgebracht hatte. Und der Mensch wiederum hatte einzig und allein die Pflicht, den vollkommenen Menschen zu zeugen, den Übermenschen. Und  damit basta.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Klumpfuss dachte also daran, Sancho, unseren Sancho, den er nun nicht mehr brauchte, der seine Pflicht und Schuldigkeit getan hatte, aus dem Weg zu räumen. Davon ahnte unser Sancho natürlich nichts. Und Don Quichotte, was ist mit dem? Der wurde immer magerer, schweigsamer, melancholischer. Wen wunderts.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-4814373867524229137?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/4814373867524229137/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=4814373867524229137&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/4814373867524229137'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/4814373867524229137'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/10/traurige-jager-11.html' title='Traurige Jäger (11)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-4418057414967727478</id><published>2009-09-20T11:14:00.000+02:00</published><updated>2009-09-20T11:22:55.066+02:00</updated><title type='text'>20. September</title><content type='html'>Heute ist Id'ul Fitri, der Tag des Fastbrechens für Millionen von Muslimen in der ganzen Welt. Fendi, mein Partner, hat zwar nur spordaisch gefastet, gefestet wird heute gleichwohl. Während ich mit schmerzender Hüfte vor dem Computer sitze, gelangt eine bunte Geräuschkulisse aus javanischen Gesprächsfetzen, indonesischem Gesang und leisem Fernsehmurmeln an mein Ohr. Und es duftet! Leider ist meine Handykamera kaputt und die mit den Supercard bestellte Kamera noch nicht bei mir eingetroffen, so dass ich die Bilder zur Beschreibung leider nicht liefern kann. Die schmerzende Hüfte kommt übrigens nicht vom Sport oder von sonstigen Eskapaden, sondern wahrscheinlich von einem Reumathismus oder einem artritischen Schub, also vom Alter. Seit Freitagmorgen kann ich mich also kaum mehr dem täglichen Vergnügen des Bauchtanzes frönen. Und im Bett liegen - etwas, was ich sonst sehr gern mache - ist momentan auch kein ungetrübtes Vergnügen. Aber jetzt werde ich zum Essen gerufen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-4418057414967727478?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/4418057414967727478/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=4418057414967727478&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/4418057414967727478'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/4418057414967727478'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/09/20-september.html' title='20. September'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-8522850225056913321</id><published>2009-09-16T16:41:00.000+02:00</published><updated>2009-09-16T16:42:12.612+02:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (10)</title><content type='html'>Ein weiteres Gerücht, von dem ich gehört habe, wenn Sie erlauben. Schauplatz Mumbai, im Büro von Phanishwa Singh. Einem vollgeklonten B-Typen, der für die Gebiete Finanzwesen und Controlling programmiert ist. Oder vielmehr war. Phanishwa Singh seit mehr als acht Stunden am Bildschirm, eine wichtige Revision musste abgeschlossen werden für eine Firma in Dubai, London oder Singapur. Was irgendwann während dieser acht Stunden mit Phanishwa Singh passiert ist, weiss bis heute niemand. Eine nachträgliche Überprüfung des Computers ergab nichts Aussergewöhnliches. Möglich, dass sich temporär ein Cerberaner in das System eingeschaltet, eingeschlichen oder eingehackt hat, später aber wieder spurlos daraus verschwunden ist. Andertags hielt Phanishwa Singh jedenfalls, statt die Resultate der Revision zu raportieren, ein Aufsehen erregendes Referat, das für viel Verwirrung sorgte. Phanishwa Singh sprach nämlich in fremden Zungen, einem altertümlichen Idiom, mit dem er sicherlich nie in seinem Leben in Berührung gekommen war. Auch schien es so, als hätte sich Phanishwa Singh gänzlich aus seiner Person und seiner Zeit entfernt und wäre ein völlig anderer geworden, unberührbar für die Gegenwart. Mit grossem Pathos hat er nämlich Folgendes rezitiert: „Friede den Hütten! Krieg den Palästen! Im Jahre 1834 siehet es aus, als würde die Bibel Lügen gestraft. Es sieht aus, als hätte Gott die Bauern und Handwerker am fünften und die Fürsten und Vornehmen am sechsten gemacht, und als hätte der Herr zu diesen gesagt: Herrschet über alles Getier, das auf Erden kriecht, und hätte die Bauern und Bürger zum Gewürm gezählt, undsoweiterundsofort der Unsinnigkeiten mehr. Phanishwa Singh ist seither überzeugt, der längst verstorbene Dichter und Naturwissenschaftler Georg Büchner zu sein und in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts zu leben. Derart, Herr von und zu Bockfuss, stiften die Cerberaner Verwirrung!»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Gerüchte, Herr Botschafter von Toboso, Gerüchte», meinte Herr von Bockfuss cool. «Ich will ja nicht bestreiten, dass die Cerbereaner nach wie vor in einem gewissen Grad aktiv sind. Und sie können uns glauben, dass wir – allerdings auf unsere Weise – alles tun, um sie unschädlich zu machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Cerberaner Sind, sie sagen es selbst, verdammt geschickt darin, sich zu tarnen. Wie aus dem Nichts tauchen sie mal hier, mal dort auf. Mail in dieser, mal in jener Gestalt. Und dann verschwinden sie wieder im Nichts. Zurück bleibt eine unschuldige «Maschine». Das ist doch der Tatbestand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir können nun diese «Maschine» – in Wirklichkeit ein komplziertes Netzwerk und Informationssystem – natürlich zerstören, ausschalten, löschen – aber was bringt es uns? Treffen wir damit die Cerberaner, wie sie auch etwa genannt werden? Sie sehen selbst, dass das eine rethorische Frage ist. Von dieser Seite her ist unserem gemeinsamen Feind nicht beizukommen. Unsere Methode hat – durchlachtigste Hohheit wird mir darin gewiss beipflichten – einen ganz anderen Ansatzpunkt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Cerberaner sind unberechenbar, aber sie arbeiten mit System. Als Sender bleiben sie zunächst einmal unfassbar, unangreifbar. Ihr Medium – die Mittel, womit sie «arbeiten» – ist aber bekannt. Ich darf mich wiederholen: Sie bedienen sich der von uns erfundenen klaren, logisch aufgebaut sind, ganz selbstverständlich verlassen, und verändern sie für eine gewisse Zeit, indem sie als ein gleichsam Irreales oder Surreales die Gesetze der Logik und Folgerichtigkeit ausser Kraft setzen. Wir wissen leider noch nicht, wie sie das tun. Aber unsre Wissenschaft wird dieses Phänomen sicher mit der Zeit in den Griff (oder vielmehr die Begriffe) bekommen, so, wie sie vor langer Zeit so etwas wie die Relativität von Raum und Zeit, die Quantenphysik etc. in den Griff und die Begriffe zu bekommen hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Cerberaner treiebn ihre Possen und Kapriolen vielleicht nicht zu einem bestimmten Zweck, aber sicher ist, dass diese einen bestimmten Effekt, und zwar einen für uns äusserst unerwünschten, haben. Wie Sie wissen, versuchen wir die äusserst schwierig und für die Menschheit als Ganzes gar lebensbedrohlich gewordene Situation auf der Welt dadurch zu meistern, dass wir eben dieser Menschheit selbst zu einem auf Logik aufgebauten „Informationssystem“, oder, um das altmodische Bild zu gebrauchen, zu einer perfekt funktionierenden Maschine umzugestalten versuchen. Sie wissen: Genau dies ist das Fernziel unseres genetischen Programms. Wir können es uns heute einfach nicht mehr leisten, die Mneschheit in ihrer altgewohnten Dummheit und primitiven Art vor sich hinwursteln zu lassen – verzeihen Sie meine saloppe Ausdrucksweise. Soll die Menschheit als solche überleben, dann muss sie veredelt werden. So einfach ist das.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Effekt des Wirkens der Cerebraner ist doch der, dass er unser Genprojekt durcheinanderbringt. Diese Störung ist verheerend, eine Katastrophe! Das Wirken der Cerberaner bringt das Irreale und Surreale im einzelnen Menschen und in Menschengruppen, aber auch in der Menschheit als grosser Familie, sozusagen, wieder zum Vorschein – nachdem wir es längst überwunden und gebannt glaubten, wieder zum Vorschein. Die Cerberaner sind wie Viren in einem Organismus, die dasImmunsystem des Gesellschaftskörpers lahm legen. Deshalb, Herr Botschafter, sind Mittel des Verteidigungsministeriums, das wir für unser Programm beanspruchen, auch Mitel für die Verteidigung gegen Cerberus. Nur darin können wir die Cerberaner treffen, dass wir unser Menschenmaterial gegen sie immunisieren. Und wir können diese humane Biomasse dadurch gegen sie immunisieren, dass wir unser Programm verbessern. Das Unberechenbare, Herr Botschafter, ist unser wirklicher Feind!»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Herr von Klumpfuss schwieg, beeindruckt und erschöpft von der eigenen Rede. Don Quichotte vermochte nicht so recht Gefallen an ihr zu finden, aber der konnte der Logik des Gesagten nicht widersprechen. Es fehlte ihm jedoch eindeutig das Heroische in der lange Rede kurzem Sinn. Herr von Klumpfuss verfocht im Grunde keinen anderen ethischen Gedanken als den, das nackte Überleben der Menschenrasse als Menschenmasse zu sichern. Das war ihm, zumal er ja Toboser und damit kein Erdling oder Mensch war, zu dürftig, zu mager, Was gingen ihn also die Menschen an? Und waren denn die Menschen ohne ihre Fehler und Mängel, ohne das Primitive an ihnen, als perfekte Teile einer Gesellschaftsmaschine überhaupt noch Menschen? Eine zu komplizierte und zu bedeutungslose Frage für Don Quichotte. Er kämpfte gegen die Cerberaner aus einer Lebenseinstellung heraus. Im Grunde ging es ihm gar nicht darum, sie zu besiegen. So rigoros sind Toboser nicht. Denn für ihre Lebenshaltung brauchen die Toboser die Cerberaner geradezu, ebenso, wie das Licht den Schatten braucht, um Licht zu sein: sonst ist es einfach Leere.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber das alles sagte Don Quichotte  dem Herrn von Klumpfuss nicht. Herr von Klumpfuss war ein unernbittlicher, ein praktisch denkender Philosoph.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Ja, ja, Sie haben ja Recht», seufzte Don Quichotte deshalb nur; eigentlich sehnte er sich danach, weiter zu reisen, und bedauerte nur, dass sein Begleiter Sancho, der inzwischen unbemerkt in seinem Harem verschwunden war, offenbar Gefallen an seiner Rolle als der grosse Diktator gefunden hatte. Ausserdem erinnerte er sich gar nicht mehr daran, wo er die Lufthunde gelassen hatte.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-8522850225056913321?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/8522850225056913321/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=8522850225056913321&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8522850225056913321'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/8522850225056913321'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/09/traurige-jager-10.html' title='Traurige Jäger (10)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-6074843623931804005</id><published>2009-08-31T08:31:00.000+02:00</published><updated>2009-08-31T08:39:15.650+02:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (9)</title><content type='html'>Aber der Adjutant ignorierte diese Einwände und sagte, zu Don Quichotte gewandt:«Natürlich wird Herr von Bockfuss gleichzeitig eine Lagebeurteilung von der Kampffront Cerberus abgeben, Herr Botschafter:» Der Ausdruck höchster Aufmerksamkeit verstärkte sich noch in Don Quichottes Miene, auch wenn er nach wie vor äusserlich ganz ruhig blieb.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho ergab sich resigniert in das Erscheinen von Herrn Bockfuss. Inzwischen stand der unerwünschte Besucher nämlich im Raum und entbot ebenfalls, wenn auch lockerer und legerer als der Adjutant, den Führergruss. Er war klein und mager, hatte ein unsympathisches, raubvogelartiges Gesicht, dem alle Gefühle und Leidenschaften fremd zu sein schienen. Seltsamerweise trug er Alpentracht, irgendwas Besticktes und Krachledernes und Kariertes. «Also, was gibt’s?» fragte Sancho weinerlich und alles andere als neugierig. «Ich komme direkt von unserem Einsatz- und Forschungszentrum Uri Rotstock mit der Bitte, uns den Rücken zu stärken, Führer. Gerade jetzt, wo wir in unserem Bemühen so schöne Fortschritte machen, versucht eine Gruppe von Humanitätsduslern, Schwächlingen und Gutmenschen uns in den Rücken zu fallen. Ich glaube kaum, mein Führer, dass das in Ihrem Sinn und Geist ist. Sie sind uns als ein Mann der grossen Entwürfe, als ein Mann mit Visionen bekannt. Nicht umsonst werden Sie "Baumeister des Zehntausendjährigen Reichs" genannt. Sie sind also mit uns der Ansicht, dass diese Störenfriede umgehend zu eliminieren sind. Auszureissen wie Unkraut, das sonst überhand zu nehmen droht. Ich fordere Sie deshalb auf, uns, das heisst mir, freie Hand zu lassen, und, was das Finanzielle betrifft, alles Nötige zu veranlassen. Da es Waffen im herkömmlichen Sinn als Kampfflugzeuge, Marschhflugkörper, Raketensysteme etc. jetzt glücklicherweise oder auch bedauerlicherweise nicht mehr gibt, muss der Etat des Vertedigungsministeriums vollumfänglich uns zur Verfügung gestellt werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie Sie wissen, Herr Botschafter», wandte sich Bockfuss nun wieder Don Quichotte als dem eigentlich Adressat seiner Botschaft zu, «sind wir daran, grosse Fortschritte in der Erzeugung einer effizienten und störungsfreien Menschheit zu machen. Ferner ist es uns bekanntlich gelungen, den Anteil asozialer Elemente in der Gesamtbevölkerung mittels hochwirksamer und äusserst suchtintensiver Drogengifte – das gute alte Heroin ist im Vergleich das reinste Baldrian –, ferner mittels unheilbarer, epidemisch in unerwünschten Bevölkerungsgruppen sich verbreitender Krankheiten signifikant zu senken. Sie sehen also, dass unser Volkskörper als Ganzes daran ist, allmählich zu gesunden. Wir haben dies in unseren Geheimberichten dokumentiert. Natürlich braucht die gentechnologische Spezifikation noch etwas Zeit. Aber auch die letzten noch existierenden Ghettos, in denen sich die totale innere Ordnung noch nicht ganz durchgesetzt hat, werden in einigen Jahren verschwunden sein. Natürlich nur dann, wenn man uns machen lässt. Ich sage immer, dass wir den Krieg erst dann gewonnen haben werden, wenn der letzte Ordnungshüter überflüssig geworden sein wird. Und wenn das, was einst als Jurisprudenz Recht und Gesetz war, endgültig in den Mistkübel der Geschichte geworfen wird.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho, der sich den Generalshut vom runden Kopf genommen hatte, kratzte sich intensiv am selbigen. Er war eher eine charismatische als eine intellektuelle Persönlichkeit, ganz im Gegensatz zu Herrn Bockfuss, dem er gern das Denken überliess. «Was meinen Sie, Herr Botschafter?» fragte er deshalb etwas ratlos den hageren Herrn zu seiner Rechten. Dieser antwortete heiser mit vom langen Schweigen etwas eingerosteter Stimme: «Sie wissen, verehrte Exzellenz, dass ich mich als offizieller Vertreter Tobosos nicht erfrechen darf, mich in Ihre innenpolitischen Anngelegenheiten einzumischen. Unser gemeinsames Interesse liegt in der Bekämpfung der Bedrohung durch die Infiltration der Kräfte vom Planeten Cerberus. Die Cerberaner gelten geradezu als Synonym für das irrationale Element auf dieser Welt – und, in Klammern bemerkt, auch in anderen Welten. Für die grelle Dissonanz in der allgemeinen Harmonie. Cerberus ist die boshafte Tücke der Objekte. Der Inbegriff der Aufsässigkeit im allgemeinen Glück. Wir Toboser haben andere Motive – sie sind ihrem menschlichen Verstehen nicht zugänglich -, die Cerberaner, wo immer sie auftauchen, mit allen Mitteln zu bekämpfen. Gleichviel. Unser Hauptaugenmerk muss auf jeden Fall sozusagen auf die Aussenpolitik gerichtet bleiben. Ich bitte Sie, das auch bei der Ausgestaltung Ihres Verteidigungsetats in Rechnung zu stellen. Verzeihen Sie mir bitte diesen Hinweis.» Herr von Bockfuss schenkte Don Quichotte einen bitterbösen Blick. «Die Cerberaner, Herr Botschafter, sind für uns ein höchst marginales Problem», sagte er mit verächtlich heruntergezogenen Mundwinkeln. «Sie sind leicht in Schach zu halten, gerade ihre Aufsässigkeit verrät sie ja.» – «Da habe ich aber anderes gehört», entgegnete Don Quichotte ruhig. «Nun ja, es sind Gerüchte... Vor einigen Wochen soll einer der Hochgeschwindigkeitszüge, die zwischen Paris und London verkehren, mitten im Tunnel, der unter dem Ärmelkanal hindurchführt, einfach stehengeblieben sein. Stellen Sie sich vor! Die Türen des Zuges waren blockiert, alle Lichter, bis auf einige Notlichter, fielen aus. Eine Szene wie aus den Kindertagen unseres hochtechnisierten Zeitalters. Niemand fand eine einleuchtende Erklärung für diese Panne des perfekten Funktionierens. Der «Stromausfall» oder was es auch immer war konnte nicht behoben werden, das Energieverteilungssystem widersetzte sich bockig allen Versuchen, es dazu zu bringen, seinen Job zu tun, Blut in die Adern des Gesellschaftskörpers zu pumpen. Nach etwa fünf Stunden behob sich der Schaden wie von selbst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Resultat war nicht nur ein gigantisches Verkehrschaos. Im Zug befanden sich etwa 300 Exemplare der Menschenklasse F, die auf dem Weg zu einem Arbeitseinsatz in den Minen Nordenglands waren, ferner 170 japanische Exemplare der Menschenklasse D, alles Physiker und Chemiker, ein gutes Dutzend Typen A bis C, sowie fast tausend unklassifizierte Einheiten, die zu einem Laborversuch in den Spitälern Grosslondons abdetachiert waren. Während des unplanmässigen Aufenthaltes im Tunnel müssen sich an Bord des Zuges unvorstellbare Dinge abgespielt haben. Das Mobiliar wurde zerfetzt wie von einer Horde Wilder, die Verpflegungswagen leergefressen und –gesoffen. Wüste Schlägereien fanden statt, zuhauf wurden Ohren abgerissen, Nasen abgebissen, Beine und Arme gebrochen, Zähne ausgeschlagen – überall Blut, Kot, Tomatenketchup. Und Orgien hatten stattgefunden, sogar widernatürliche, das Schlimmste aber war, dass man später feststellen musste, dass die klassifizierten Exermplare unter den Passagieren auf rätselhafte Art und Weise wieder iin ihren vorklassifizierten Urzustand zurückgefallen waren, ja gerade die Typen A-C, die japanischen Physiker und Chemiker der Klasse D hatten es besonders schlimm getrieben. Als der Zug endlich in Londons Victoria-Station eintraf und sich die Passagiere als eine gröhlende, vandalisierende Horde in die Strassen ergossen, hatte die Weltregierung offenbar für einige Zeit mehr als alle Hände voll zu tun, da nämlich die Unordnung die Tendenz hat, ansteckend zu wirken und sich auszubreiten wie ein Flächenbrand. Sie werden wohl nicht bestreiten, Herr von Bockfuss, dass dieses Ereignis die Handschrift von Cerberus trägt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-6074843623931804005?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/6074843623931804005/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=6074843623931804005&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6074843623931804005'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/6074843623931804005'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/08/traurige-jager-9.html' title='Traurige Jäger (9)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-887390889841547956</id><published>2009-08-12T08:38:00.001+02:00</published><updated>2009-08-12T08:38:29.927+02:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (8)</title><content type='html'>Als die beiden, Sanchon Pansa und Don Quichotte, wieder zu sich gekommen waren und es ihnen gelungen war, ihre Sinne zusammenzuraffen, gerieten sie sogleich nicht schlecht ins Staunen hinein. Das heisst, es blieb ihnen nicht viel Zeit zum Staunen, da, wie beim Übergang vom Traum ins Wachbewusstsein, die eine Normalität rasch von der anderen überdeckt wird und der Kipppunkt, an dem das Staunen ausgelöst wird, eben nur sehr kurz dauert. In der neuen Realität befanden sie sich in einem prachtvoll ausgestatteten Raum, vergleichbar mit der Fürstensuite eines Fünfsterne-Hotels (von einer solchn hatten sowohl Sancho Pansa wie auch Don Quichotte bisher eine Vorstellung nicht aus eigener Anschauung, sondern lediglich aus einschlägigen Spielfilmen und Soap-Operas am Fernsehen gewonnen). Sie befanden sich in einem grossen Raum, der farblich von Zartrosa bis Lachsig von Pastelltönen dominiert wurde. Den Raum, der fast schon ein Saal war, leuchteten grosszügig von der Decke hängende ausladende Kristalllüster aus. Sanchon fand sich auf einem Ruhebett oder einer Chaislongue halb liegen, halb sitzen. Er hielt, wie er erst jetzt bemerkte, ein kelchförmiges Glas in der Hand – ohne Zweifel eine Perle der Glasbläserkunst, wie er hätte bemerken können - , das mit einer goldfarbenen, perlenden Flüssigkeit gefüllt war und ihm gar angenehm in die Nase moussierte, so dass ihm gar nichts anderes übrig blieb, als zu niesen oder zu schlückeln. Vor diese Wahl gestellt, fiel ihm die Entscheidung nicht schwer, und er leerte das Glas mit einem einzigen, genussvollen Schluck bis auf den Grund: Mmh, Champagner, ein teurer Markenchampagner zweifellos, Sancho kannte sich da nicht aus, hatte bisher nur Cava oder Freixenet getrunken, dies aber mousste Moet &amp; Chandon, Dom Perignon, Bollinger Special Cuvée Brut, Tattinger oder gar Roederer Cristal sein (Zahlungen der erwähnten Firmen bitte auf das Konto des Autors). Eine weitere Überraschung war, dass er sich in eine Uniform gesteckt fand, und zwar in eine Uniform, die selbst die Fantasieuniformen eines Oberst Muammar Abu Minyar al-Gaddafi weit in den Schatten stellte. Sancho hatte seinen Lebtag noch nie eine Uniform getragen. Er schaute an sich runter und sah gewichste Stiefel, schwarze Hosen mit breiten roten Längsstreifen, einen Uniformrock mit Achselpaletten und goldenen Knöpfen, ein breites Ordensband und zahlreiche Orden, die im Licht der Kristalllüster verführerisch blitzten. So, wie er auf dem Ruhebett halb lag, halb sass, erinnerte Sanchon wenn schon nicht von der Ausstaffierung, so doch vom gesamten Habitus her ein wenig an Peter Ustinoff als Nero in «Quo vadis?» (Quo vadis, was zu deutsch so viel heisst wie «wohin gehst du?», ist übrigens nicht nur ein gutes Motto für unsere Geschichte und eine echte Kern- und Lebrensfrage für die Weiterentwicklung ihrer Helden, sondern für das Leben der Menschen und der Menschheit überhaupt. Aber das nur nebenbei).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Don Quichotte sass _ wie immer recht würdevoll – in einem lachsfarbenen Sessel mit zierlich geschwungenen Beinen und wäre eine zum Lachen reizende Figur gewesen, wenn ihm in dieser neuen Aufmachung nicht etwas Unheimlich angehaftet wäre. Auch er war vornehmlich schwarz gekleidet, allerdings nicht militärisch, sondern zivil in einem Anzug, der ihm viel zu weit um die mageren Glieder schlotterte. Ferner trug er ein weisses Hemd, dazu eine schwarze Krawatte und eine auffällige Krawattenadel mit einem blauen T auf gelbem Grund. Seine Schuhe waren zwar keine Stiefel, aber ebenfalls blitzblank gewichst. Von den Kufthunden war übrigens nichts mehr zu sehen, die hatten sich offenbar in Luft aufgelöst. Dafür lagen zwei Leoparden faul wie grosase Katzen auf dem kostbaren Teppich herum. Jetzt klopfte es an der Tür, und es trat ein ein ebenfalls Schwarzuniformierter herein, der jetzt die Haken zusammenschlug, den Arm samt Hand und ausgestreckten Fingern so heftig vom Körper wegschleuderte, das es in den Gelenken knackte, und schnarrte und knarrte: «Führer, das Bad in der Menge ist angerichtet. Bitte untertänigst, sich auf den Balkon zu begeben!» Sancho seufzte und stöhnte, lustvoll und angewidert, und quälte sich vom Ruhebett oder der Chaislogue auf die blankgewichsten Stiefel, während Don Quichotte noch immer schweigend auf seinem lachsfarbenen Sessel sass und kerzengerade fanatisch ins Leere schaute. Inzwischen hatte der schwarzuniformierte Schnarrer und Knarrer mit den knackenden Gelenken Sancho in einen knöchellangen Ledermantel hineingeholfen. Draussen hörte man von weit weg und tief unten die Menge und das Volk den Namen Sanchos skandieren. Der Kammerdiener oder persönliche Adjutant öffnete die Flügeltüren des Balkons. Sancho räusperte sich, straffte den Rücken, warf sein Gesicht in Falten und marschierte langsam auf den Balkon hinaus. Wie eine Erlösung ergoss sich die  Spannung der Menge da unten in einem Schrei, der langsam gen Himmel fuhr, als Sancho seine Hand zum Führergruss erhob. Er schloss die Augen. Der Ausdruck seines Gesichts war reine Verzückung, doch das konnte aus der Distanz natürlich niemand erkennen. Dies dauerte einige Minuten, die gar nicht verstreichen und in die Vergangenheit verschwinden wollten. Dann riss sich Sancho aus seiner Trance heraus, machte kehrt, verschwand vom Balkon, löste sich auf wie eine Fata Morgana. Die Menge wand sich wie in peinigendem Schmerz.. Sancho hingegen warf sich erschöpft und befriedigt auf die Chaislongue. Das Tagwerk war getan. Der Adjutant eilte mit einem Kelch voll perlender, prickelnder goldfarbener Flüssigkeit herbei. Der Führer dachte flüchtig daran, dass es bald an der Zeit sei, sich in die privaten Gemächer zurück zu ziehen, um mit seinen fetten Weibern eine wüste Orgie zu feiern. Das Bad in der Menge erzeugte in ihm immer eine gewisse geschlechtliche Erregung. Er stellte sich vor, wie ihn die Frauen mit ihren grossen dicken Brüsten ganz bedeckten, auf dass er herzhaft und mit grossem Appetit in sie hineinbeissen konnte. Aber er konnte sich nicht lange bei solchen süssen Gedanken aufhalten. Der Adjutant sagte nämlich höflich, aber mit einer gewissen Bestimmtheit: «Exzellenz, Führer und Majestät, Herr von und zu Bockfuss ist jetzt bereit zum Rapport.» «Was!» brauste Sancho da auf, «wer ist dieser Bockfuss, dass er es wagt, meine Ruhe zu stören?! Siehst du denn nicht, du Hund, dass ich in Gedanken versunken bin? Die Nacht ist tief, und tiefer als der Tag gedacht. Merk dir das! Verstanden?!»&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-887390889841547956?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/887390889841547956/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=887390889841547956&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/887390889841547956'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/887390889841547956'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/08/traurige-jager-8.html' title='Traurige Jäger (8)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-507296786018174072</id><published>2009-08-03T09:03:00.000+02:00</published><updated>2009-08-03T09:06:07.291+02:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (7)</title><content type='html'>Inzwischen lagen sich in der Arrestzelle Don Quichotte und Sancho Pansa in den Armen, gerührt darüber, endlich wieder vereint zu sein. Don Quichotte erzählte ausführlich, was vorgefallen war, Wie er sich einem Indianer gleich an den Maschinenpark herangeschlichen habe, Iein schwarzer Schatten in der Nacht; wie er, Don Quichotte, langsam und ohne auch nur zu atmen seine Laserpistole gehoben habe und mit einer Salve aus Licht und Lärm über de Cerebraner hergefallen sei, so dass dieser fast augenblicklich seinen Geist habe aufgeben müssen. Die Menschen aber seien undankbare Ignoranten, eingebildete Schwachköpfe, cabrones und calabazos. So sässen sie beide denn nun in Gottes Namen hier in diesem Loch, nicht einmal mit dem Nötigsten, nämlich Wasser und Brot, versehen. Aber Don Quichotte sprach schon seit einiger Zeit ins Leere, denn Sancho, für den es ein langer und ereignisreicher Tag gewesen war, war nun sanft eingeschlafen, was sich an langen, regelmässigen Atemzügen erkennen liess, die allmählich in ein fürchterliches Schnarchen übergingen, ein Geräusch, das Don Quichotte so vertraut und lieb war, dass auch ihn der Schlummer übermannte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Don Quichotte träumte (aber vielleicht war es gar kein Traum, sondern durch Zauberei möglich gewordene Wirklichkeit), das es ihnen, nämlich ihm selbst und seinem Assistenten Sancho Pansa, gelang, ihr Gefängnis zu verlassen. Und zwar gelang es ihnen unter Zuhilfenahme solcher Phänomene wie Unsichtbarsein, Durchdiewändegehenkönnen etc., die Arrestzelle und auch den Maschinenpark unbeschadet und ohne von Kugeln durchlöchert zu werden zu verlassen. Natürlich mussten sie als erstes ihre Lufthunde finden. Die hatten ihre Gestalt inzwischen auch gewandelt und sahen nun nicht mehr wie Fahrräder aus, sondern präsentierten sich, wie Sancho fand, in einer äusserst kuriosen Form. Ihrer wahren Form, wie Don Quichotte erklärte. Lufthunde seiner Fahrzeuge oder Reittiere – gleichviel: einfach Fortbewegungsmittel –, mit denen man nicht nur durchs Wasser, durch die Luft und auf der Erde reisen, sondern auch durch die Zeit, vorwärts und rückwärts, mehr noch, sogar durch den n-dimensionalen Raum. Was ein n-dimensionaler Raum sei, verstehe er, Sancho Pansa, mit seinem schlichten Gemüt wohl kaum, falle es doch sogar ihm selbst, Don Quichotte, schwer, sich diesen Raum ganz plastisch vorzustellen. Das gebe er ganz unumwunden zu. Sancho bestätigte gern, dass er von n-dimensionalen Räumen nichts verstand. Verwundert und mit einigem Respekt begutachtete er die verwandelten Fahrräder, die sich da so wundersam teleologisch entfaltet und zu ihrer wahren Form gefunden hatten (Sancho dachte natürlich nicht in Begriffen wie der der teleologischen Entfaltung und der wahren Form, sondern staunte einfach bloss). Die Lufthunde hatten jetzt als Vorderleib, gewissermassen, die Form eines Hundes, und zwar eher eines Windhundes oder noch eher eines Greyhounds als eines Schäferhundes oder gar eines Dackels. Allerdings wuchsen ihnen Flügel aus den Schulterblättern, was sonst bei Hunden ja eher nicht vorkommt. Der hintere Teil der Lufthunde endete nicht in einem Schwanz, jedenfalls nicht in einem Hundeschwanz, sondern viel eher in einem Fischschwanz oder einer Schwanzflosse, wie man sie gemeinhin bei Meerjungfrauen und anderen Vertretern der Gattung der Pisces findet. Um den Hals trugen sie überdimensionierte Armbanduhren aus einem weichen, nachgiebigen Material wie die zerfliessenden Uhren von Salvador Dalì, welcher ein spanischer Maler und damit ein Landsmann von Don Quichotte und Sancho Pansa war. Item. Diese zerfliessenden Armbanduhren, die man in diesem Fall korrekt als Halsbanduhren bezeichnen sollte, und das Zifferblatt in den Farben des Regenbogens lag auf der oberen Seite des Halses.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So standen die Lufthunde also da und wedelten einladend mit dem meerjungfrauenhaften Fischschwanz. Aber Sancho, wie sich die geneigte und mit einem feinen psychologischen Gespühr ausgestattete Leserschaft sicher schon selber denkt, dachte natürlich gar nicht daran, sich in den Sattel zu schwingen. Er fand tausend Gründe, die gegen das Besteigen von Lufthunden sprachen, hielt dafür, dass er zu schwer sei für das zierliche Tier (oder Ding), führte an, dass ihm in der Luft und vornehmlich in grosser Höhe schwindlig werde, dass er noch nie einen Lufthund gefahren oder geritten habe und deshalb nicht wisse, wie die Sache zu steuern sei, und überhaupt, er sei weder John Wayne noch Old Shatterhand, sondern Sancho Pansa und darauf geschissen. Aber Don Quichotte mit seinem schier unbegrenzten Vertrauen auch in Erscheinungen, Vorkommnisse und Ereignisse ausserhalb der Norm und seiner wahrhaft übermenschlichen Überzeugungskraft brachte Sancho schliesslich doch noch dazu wenigstens einen Flug-, Reit- oder Schwimmversuch zu wagen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kaum, dass sie mehr oder weniger bequem auf dem Rücken der braven Fortbewegungsmittel sassen, fühlten sie sich auf die seltsamste Art und Weise durch die Luft und den Raum eher gesogen als geflogen, auch war die Geschwindigkeit, mit der sie reisten, so enorm, dass es ihnen alle Gedanken, ja den allergrössten Teil der bewussten Wahrnehmung überhaupt, aus dem Hirn heraus blies, so dass sie später weder sagen konnten, ob die Reise lang oder kurz gewesen, angenehm oder unangenehm verlaufen sei.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-507296786018174072?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/507296786018174072/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=507296786018174072&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/507296786018174072'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/507296786018174072'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/08/traurige-jager-7.html' title='Traurige Jäger (7)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-4079927960934672614</id><published>2009-07-29T08:19:00.001+02:00</published><updated>2009-07-29T08:19:28.663+02:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (6)</title><content type='html'>Sancho war inzwischen wirklich ein wenig in seiner Gartenwirtschaft hängen geblieben. Es gab ja auch einiges zu tun, diesen gewaltigen Durst zu löschen. Die beiden jungen Burschen waren schon längst weg und die neuen Tischnachbarn ganz nett. Zwei alte Säufer, Pensionierte aus dem Nachbardorf, die es sich hoch anrechneten, einer Dame ein paar Biere zu offerieren. Man redete über Gott und die Welt, hechelte die nationale Politik und die Cervelatprominenz durch und Sancha musste von ihrer Heimat erzählen. Spanien! Sangria und Flamenco und Stierkampf und heissblütige Senoritas und Olé! Da tut sich manchem alten Säufer die Vorstellungskraft weit auf. Doch plötzlich erinnerte sich Sancho seiner Mission. «Ach Gott, ich habe ja meinen Herrn ganz vergessen! Ich muss sofort gehen. Ahora mismo.» – «Was! Einen Herrn hast du! Das ist aber schade!» meinte einer der pensionierten Säufer, der sich in wenig in die stark gebaute spanische Dame mit dem wohlklingenden Bariton verguckt hatte – man könnte sagen, er hatte sie sich schöngesoffen –, aber Sancho liess sich jetzt nicht mehr aufhalten. «Hijcho de puta!» meinte er, wenig damenhaft, nur, und machte sich mit einem leichten Seemanns- oder Seefrausgang auf und davon und aus dem Staub.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber es gab da eine Schwierigkeit. Sancho hatte nämlich ganz vergessen, wo er seinen Herrn zurückgelassen hatte. Das Luftross oder den Lufthund hatte er auch vergessen und schwankte zu Fuss. «Don Quichoooote!» rief er, alle Sicherheitsmassnahmen in den Wind schlagend, «Don Quichooote!» Ihm war plötzlich weinerlich zu Mut, ganz einsam fühlte er sich, so allein in dieser fremden, kalten Welt. Er wollte nur noch eins: zurück unter die Fittiche seines Herrn, der immer wusste, was zu tun und in welche Richtung das Lebensschiffchen zu steuern war. Derart vom Instinkt geleitet kam er in die Nähe des Maschinenparks der Armee, wo inzwischen der Brand am Jeep gelöscht worden war. Mit dem Mut oder der Verzweiflung der Betrunkenen machte er sich bemerkbar. «Halt, stehen bleiben!» rief darauf die Wache reglementsgemäss und befehlskonforn unserem armen Sancho zu. «Mein Herr Soldat», erwiderte dieser mit eindeutig fremdländischem Akzent, «verzeihen Sie bitte die späte Störung, und seien Sie versichert, dass ich ein ganz harmloser Mann oder in Gottes Namen auch eine ganz harmlose Frau bin, die nur eine kleine Auskunft von Ihnen erbittet. Ich suche nämlich Don Quichotte, meinen Herrn und Gebieter. Könnte es sein, dass er ganz zufälligerweise hier vorbei gekommen ist? Er ist lang und hager, sowohl sein Körper als auch sein Kopf sind eigenartig in die Länge gezogen; unter der Nase spriesst ihm ein Schnurrbart, der traurig über seine Mundwinkel fällt; sein Blick ist fest und bestimmt; er hält sich aufrecht und würdig, obgleich er kurze Hosen trägt wie ein Pfadfinder; seine Beine sind aber nicht die glatten Beine eines Knaben, sondern dürr und knorpelig und mit grauen Haaren überwachsen…» Sancho hätte, zunehmend ins Feuer geratend, wohl seine Beschriebung mit noch vielen weiteren Details ausschmücken können, aber der Soldat wusste längst Bescheid. «Und ob wir diesen feinen Herrn kennen!» meinte er barsch. «Wenn Sie seine Bekannte sind, dann kommen Sie am besten gleich mit!» Davor fürchtete sich unser Sancho verständlicherweise zwar sehr (und es kam ihm so vor, las sei er David kurz vor dem Gang in die Löwengrube), aber die Hoffnung, das der Löwe schliesslich die Gestalt seines Herrn haben würde, war grösser aös die Furcht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Inzwischen war im Wachlokal der Korporal von seiner Meinung, der Delinquent sei ein Spion, wieder abgekommen. Im Radio war nämlich eben die Meldung durchgegeben worden, dass aus der hiesigen psychiatrischen Klinik zwei Patienten entwichen seien, und die Beschreibung des einen Patienten passte so genau auf seinen Gefangenen, dass kein Zweifel an der Identität des vermeintlichen Spions oder Terroristen übrig blieb. Der Korporal hatte sich lautstark darüber empört, das in der Radiomeldung die beiden Ausreisser als zwar skurril, aber durch und durch harmlos beschrieben wurden, was es ohne Gefahr erlaube, die beiden um schonenedes Anhalten zu beten. Der Korporal hatte wiederum einen seiner Soldaten ins Restaurant Sonne geschickt, obwohl er wusste, dass ihm das bei seinem vorgesetzten Offizier keine Punkte einbrachte. Er war zwar der Meinung, dass man unverzüglich mit der Irrenanstalt telefonieren müsse, wagte aber doch nicht, das selber zu entscheiden, insbesondere, da die Irrenanstalt eine zivile Institution war und sich der Verkehr zwischen der militärischen und zivilen Sphäre vor allem in Manöverzeiten nicht so ohne weiteres bewerkstelligen liess.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als nun der Wachabende den zweiten Verrückten hereinführte, löste das bei unserem wackeren Korporal beinahe eine Nervenkrise aus. Schon leicht hysterisch liess er Sancho, der wieder mit seinen Erklärungen anfangen wollte, gar nicht zu Wort kommen, sondern schrie: «Weg mit ihm, aus den Augen mit ihm! Werft ihn zum anderen hinein oder macht mit ihm, was ihr wollt! Ja ist denn das ein Irrenhaus hier?» Die Soldaten, die nicht nur das Verhalten ihres Korporals, sondern vor allem das Aussehen Sanchos im geblümten Rovck und mit schief auf dem Kopf sitzendem Sonnenhut, eines Sancho, der stark aus dem Mund nach Bier roch und Reden hielt, ddie beinahe noch geblümter waren als sein Rock. Ziemlich witzig fanden, gerieten mit dem Korporal beinahe in eine handfeste, zu einer Schlägerei ausartende Auseinanderstezung. Der Korporal fand nämlich das aufkeimende Gelächter gar nicht lustig und wurde noch rabiater.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch da erschien zum zweiten Mal an diesem Abend der diensthabende Offizier auf der Bildfläche, nun noch viel röter von der Hitze, dem gekühlten Rosé und dem nie abbrechenden Ärger dieses Tages.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als er die Neuigkeit vernahm, nämlich dass Don Quichotte, der Delinquent, mit dessen Gefangennahme er sich vor seinen Kameraden schon gebrüstet hatte, gar kein Spion und Terrorist, sondern ein ganz gewöhnlicher Verrückter sei, begann er seinerseits herumzuschreien und herumzutoben, bezeichnete den Korporal als Hornochsen und Rindvieh, auch das Wort Arschloch fiel. Ihn, den Deinsthabenden, wegen einer solchen Lappalie zweimal aus einer wichtigen Lagebesprechung zu sprengen, grenze an Insubordination. «Den Irrenarzt hätten Sie holen müssen, aber das fällt einem Kamel und Esel wie Ihnen ja nicht ein. Ein Kamel und Esel sind Sie, Korporal, und ein Spatzenhirn haben Sie, Korporal, verstanden?» Worauf der Korporal mit vor Wut gespresster Stimme zwischen den Zähnen hervorstiess: «Jawohl, Herr Major, ich bin ein Hornochs und ein Rindvieh, ferner ein Esel und Hornochse, ferner ein Arschloch mit Spatzenhirn, habe verstanden, Herr General!» Worauf sich der Oberleutnant zackig um 180 Grad drehte und ohne zu salutieren mit wütenden Schritten im Dunkel verschwand, der «Sonne entgegen, wo der Rosé wartete, der leider inzwischen warm geworden war.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-4079927960934672614?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/4079927960934672614/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=4079927960934672614&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/4079927960934672614'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/4079927960934672614'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/07/traurige-jager-6.html' title='Traurige Jäger (6)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-1523521270391967067</id><published>2009-07-23T08:21:00.000+02:00</published><updated>2009-07-23T08:23:38.570+02:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (5)</title><content type='html'>&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SmgB15LKzEI/AAAAAAAABNE/zvrD7qDCJMI/s1600-h/17857.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: undefinedpx; height: undefinedpx;" src="http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SmgB15LKzEI/AAAAAAAABNE/zvrD7qDCJMI/s400/17857.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5361537381776936002" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Don Quichotte, der im Wald zurückgebliebene, hatte inzwischen viel nachgedacht und die Waffe, die er als Laserkanone erkannte, genauestens untersucht. Diese Waffe, sagte er sich, sieht zwar haargenau wie eine Pistole aus, aber das ist genauso Tranung, wie es bei den Fahrrädern, die eigentlich Lufthunde, bei den Maschinen, die Cerebraner und bei den Menschen, die in Wirklichkeit Toboser sind, der Fall ist. Das ist eben das Problem, dachte Don Quichotte. Einiges ist getarnt, anderes nicht. Einiges ist Sein, anderes bloss Schein. Und die Kunst, die den grossen Kämpfer auszeichnet, ist es, stets dasWahre vom Falschen unterscheiden zu können. Die Kunst, jeden Augenblick vollständig wach zu sein – Bewusstheit ist das ganze Geheimnis. Ein gewöhnlicher Mensch, ein Mensch wie Sancho, dachte Don Quichotte, wird dieses Geheimnis nie durchdringen. Menschen denken nur ans Fressen und Saufen und Vögeln, sie streiten sich über Kleinigkeiten und Nichtswürdigkeiten, sie hängen ihr Herz an Dinge, die vergänglich sind, sie suchen im Unbeständigen das Glück, sie sind eitel, selbstsüchtig, gefallsüchtig, machthungrig und dumm Wenn er, Don Quichotte, ihnen nun die Befreiung aus der Sklaverei der Cerebraner brachte, so hatten sie es eigentlich gar nicht verdient. Im Grunde, so schien es ihm, liebten die Menschen die Ketten dieser Sklaverei sogar. Aber ein Streiter Tobosos verlangt keine Dankbarkeit für seine Taten, denn ihm winkt höherer Lohn. Und Don Quichotte dachte einamal mehr an die Kugeln, die im Zwischending aus Wasser und Luft schwammen. Oder flogen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Über diesen Gedanken war es fdämmrig geworden, schon fast Nacht. Sanchos Erkundungsgang schien sich in die Länge zu ziehen. Oder hatte sich dieser Tölpel etwa gar entlarven lassen und befand sich nun in der Hand der Feinde? Aber nein, das konnte nicht sein. Die Cerebraner waren bestimmt nicht an einem Sancho Pansa interessiert. Aber vielleicht wollten sie ja ihm, Don Quichotte von Toboso, eine Falle stellen? Sancho als Geisel behalten, ihn womöglich in eine Maschine verwandeln? Oder gar in einen Cerebraner?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Don Quichotte konnte nicht mehr länger warten. Er musste jetzt augenblicklich etwas tun, Freund Sancho befreien, die Cerebraner bekämpfen. Schon sass der tobosische Ritter auf seinem Lufthund und brauste davon. Kaum zehn Minuten später näherte er sich dem bewaffneten Maschinenpark der Armee. Er realisierte sofort, dass sich in diesem Park ein Cerebraner versteckt hielt. Don Quichotte stieg vom Rad und stellte den Lufthund an einen Baum. Robbte auf allen vieren dem Rand der Böschung zu, an deren Fuss der Maschinenpark lag. Sah die Fahrzeugem die Soldaten im Mondlicht stehen. Alles war ruhig und beinahe friedlich, einer der Soldaten hatte sich, obwohl das befehlswidrig war, den Helm vom Kopf genommen, ausserdem nahm er sich hie und da einen heimlichen Schluck zur Brust, worauf der Flachmann jeweils wieder in die dafür bestimmte Tasche des Kampfanzuges wanderte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch Don Quichotte war ein zu erfahrener Kämpfer, um sich von dieser Idylle einlullen zu lassen. Sein und Schein, dachte er grimmig, Sein oder Nichtsein ist hier die Frage. Nach kurzer Observation wusste er, wo der Hund begraben respektive in welcher Gestalt sich der Feind verbarg. Es war das lausigste und am meisten verdreckte Exemplar unter all den Jeeps, die da herumstanden. Du bist erkannt, sagte Don Quichotte leise zu sich selbst zwischen den Zähnen hindurch, und wirst jetzt vernichtet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wobei er die Pistole aus dem Gurt zog und abdrückte. Er schoss ein-, zwei-, fünf-, zehnmal auf den vor Schreck erstarrrten Cerebraner, der von dem Überraschungsangriff des gewieften Strategen völlig überrumpelt wurde und, als eine Kugel in den Pneu eindrang, mit leisem Pfeifen in die Knie ging. Es gab ein wahres Stahlgewitter, dann gab es einen noch lauteren Knall, und der Jeep, am Benzintank getroffen, stand in hellen Flammen. Don Quichotte triumphierte in seinem Innern. Die erste Prüfung war bestanden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Don Quichotte näherte sich dem Wagenpark. Er musste den Wache schiebenden Soldaten, die den Cerberaner für einen Jeep gehalten hatten, doch erklären, warum er geschossen hatte. Diese Soldaten, von denen es, wie man jetzt sehen konnte, nicht nur zwei, sondern drei, gar vier auf dem Platz gab, waren über den Angriff des Tobosers so erschrocken, dass sie mit totenbleichen Gesichtern und offenem Mund einfach dastanden, als sie die hagere, grosse Gestalt des Don Quichotte in den kummerschen Shorts und mit der Pistole in der hand auf sich zukommen sahen. Und dann ging alles sehr schnell. Unser edler Ritter, der die Arme geöffnet hatte, um den erstbesten der Soldaten zu umarmen, wurde mit einem brutalen Fausthieb, niedergestreckt, so dass seine Laserkanone in hohem Bogen in der Dunkelheit verschwand. Da lag er nun am Boden, unser Held, und die uniformierten Mannen standen mit ratlosen Gesichtern um ihn herum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Korporal war, wie sich dies gehört, der erste, der seine Fassung wiedererlangte. Mit befehlsgewohnter Stimme schickte er einen seiner Soldaten in die «Krone». Wo er seinen vorgesetzten Offizier vermutete, der um diese Zeit meist selbst schon einen in der Krone hatte. Dann führte er dem Delinquenten, der aus einer offenbar nur schwachen Ohnmacht – Toboser sind hart im Nehmen – wieder halbwegs zum Bewusstsein gefunden hatte, zu einer ersten Vernehmung persönlich ins Wachquertier. Zwar war der Korporal für einen Moment geneigt zu glauben, dass das soeben sattgefundene Ereignis zum Manöver gehöre. Inszentiert, um die Effizienz des Wachdienstes zu testen. Aber dafür schien ihm das Vorgehen des langen Dünnen denn doch zu radikal. Zudem war der da ein allzu komischer Vogel, um reguläres Mitglied der Truppen zu sein. Nein, kam der Korporal in seinem Gedankengang zum Schluss, dieser Delinquent war echt. Unerhört so was.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Wie heissen Sie?» fragte er Don Quichotte deshalb streng, «Name, Vorname, Adresse, Beruf, Alter, AHV-Nummer und so weiter, aber ein bisschen plötzlich!» Der Korporal hätte sich jetzt gerne von aussen gesehen. Er war bestimmt. Er hatte die Situation im Griff. Er war grossartig! Hoffentlich sahen die anderen das auch so.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Don Quichotte, den der rüde Ton und die schlechten Umgangsformen des Unteroffiziers ein bissschen irritierten, setzte eine womöglich noch würdevollere Miene auf. «Wer ich bin, junger Mann, kann ich Ihnen nicht sagen, denn das ist vorläufig noch geheim. Nur so viel: Ich habe eine Mission zu erfüllen, eine sehr wichtige Mission. Und: wir bekämpfen einen gemeinsamen Feind. Soviel muss vorläufig genügen.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Unteroffizier rieb sich innerlich die Hände vor Vergmügen. Er war jetzt überzeugt davon, einen gefährlichen Spion oder Terroristen verhaftet zu haben. Erstens der dunklen Andeutungen des Fremden wegen, zweitens, weil dieser ein Deutsch mit eindeutig fremdländischem Akzent sprach. Er steckte den Delinquenten also ohne weitere Diskussionen in die Arrestzelle, um in näherer Zukunft das Erscheinen seines vorgesetzten Offiziers und in etwas fernerer Zukunft seine Beförderung abzuwarten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Etwas später traf der diensthabende Offizier tatsächlich ein. Verärgert zwar, weil manihn mitten aus dem schönsten Jassen und von einem ausgezeichneten kühlen Rosé weggeholt hatte, aber auch alarmiert von den haarsträubenden Neuigkeiten des Soldaten. Dass jemand ohne Erlaubnis und Anweisung von höherer Stelle einen Armeejeep in Brand schoss, das war in seiner Militärkarriere bisher noch nie vorgekommen. Er hatte schon jetzt das Gefühl, dass das eine Sache sei, die seine Kompetenz übersteige.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Don Quichotte sass inzwischen auf der Pritsche im Arrestlokal, innerlich ruhig, denn er fühlte sich gut, da er ja wusste, was wirklich los war. Am liebsten hätte er ein Lied vor sich hingeträllert, und zwar ein tobosisches, aber in Toboso gab es leider keine Lieder. Bei Bewohnern eines Luft-Wasser-Gemisches kann sich nun mal keine Gesangskultur entwickeln. Dann öffnete sich die Tür. Davor oder dahinter stand der Offizierm gross und breit, mit hinter den Ordonanzhgurt gklemmten Daumen. «Gut, dass Sie da sind», sagte Don Quichotte, «ich habe Ihnen etwas Wichtiges mitzuteilen.» Der Offizier war perplex. «Erlauben Sie mal! Sie haben hier nur zu reden, wenn man Sie fragt! Sie haben eine Schweinerei angerichtet, eine Riesenschweinerei, und…» Aber Don Quichotte liess ihn nicht weiterreden. «Wir habenjetzt keine Zeit, uns mit solchem Firlefans aufzuhalten, mein Herr. Dire Lage ist ernst. Die Cerebraner sind daran, die Erde zu unterjochen, und sie…» Der Offizier horchte auf. «Wovon sprechen Sie eigentlich?» fragte er argwöhnisch. «Von der Operation Cerberus natürlich! Sie ahnen ja nicht, was der vermeintliche Jeep in Wirklichkeit…» Aber der Offizier hatte nur den Namen Cerberus gehört. So wusste dieser lange Kerl also, wie ihre streng geheime Gesamtverteidigungsübung hiess! Verdächtig, höchst verdächtig! «Wache verdoppeln!» befahl er dem Korporal. Dann machte er sich auf den Rückweg zum Hotel Sonne. Erst wurde  einem Offizier die Ordonanzpistole entwendet, dann ein Jeep in Brand geschossen, des weiteren kannte der Terrorist den geheimen Namen der Gesamtverteidigungsübung, und schlussendlich wurde auch noch der Rosé warm. Das schlug doch dem Fass den Boden aus, aber wirklich!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-1523521270391967067?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/1523521270391967067/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=1523521270391967067&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1523521270391967067'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1523521270391967067'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/07/traurige-jager-5.html' title='Traurige Jäger (5)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SmgB15LKzEI/AAAAAAAABNE/zvrD7qDCJMI/s72-c/17857.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-3300320445309346499</id><published>2009-07-20T09:08:00.001+02:00</published><updated>2009-07-20T09:10:38.637+02:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (4)</title><content type='html'>Als Sancho erwachte, ging es zwar schon gegen Abend, aber die Sonne schien noch immer und es war sehr heiss. Sancho verspürte in erster Linie Durst, und zwar einen ganz spezifischen Durst, nämlich den typischen Durst, den man so oft im Sommer nach einem herrlich kühlen Bier verspürt. Dieser Durst war so gross, dass Sancho beinahe in das sehnsüchtige Seufzen und Stöhnen seines Herrn eingestimmt hätte. Don Quichotte allerdings verlangte es nach allem anderen mehr als nach einem Bier, als Streiter Tobosos kannte er nur den Durst auf Bewährungsproben und auf Kampf. Zweitens verspürte Sancho, wenn er etwas genauer in sich forschte, einen vorerst leise, aber immer intensiver bohrenden Hunger. Also sprach Sancho zu seinem Herrn und Meister: «Ihr, der ihr ein Wesen von einem fremden Planeten seid, mögt ja über ein so irdisches Verlangen wie das nach einem kühlen Bier und nach einer einfachen Mahlzeit – zum Beispiel nach einem Stück Brot und einer kräftig gewürzten Chorizo-Wurst (ich gestehe, das Wasser läuft mir im Mund zusammen) oder einer währschaften Tortilla, wie sie bei uns auf dem Land vom Volk geschätzt wird, um nicht zu sprechen von einer Riesenplatte Paella mit oder meinetwegen, wenn auch ungern, ohne Meeresfrüchte, meilenweit erhaben sein: Ich bin und bleibe Mensch, und ein Mensch muss essen und trinken, oder trinken und essen, sonst kann er nicht denken und nicht handeln. Ich werde mich deshalb ins Dorf oder Städtchen zurück verfügen und meine notwendigsten Bedürfnisse zu befriedigen (denn Gott sei Dank ist in der Börse dieses rätselhafterweise am frühe Morgen schwimmenden älteren Herrn noch etwas Geld vorhanden), ferner die Lage auskundschaften und die Stärke der Feinde, sprich Cerebraner, erforschen. Da ich erstens allein und zweitens wie eine Frau gekleidet bin, Gott seis geklagt, wird niemand auf die Idee kommen, ich könnte Sancho, Assistent des Don Quichotte von Toboso, sein.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Don Quichotte wunderte sich über diese lange Rede seines sonst nur im Anrufen der Heiligen so eloquenten Begleiters. Obwohl er ihm die Auskundschaftung der Cerebraner nicht so recht zutraute, liess er seinen durstigen und hungrigen Freund losziehen. Denn es war jetzt an der Zeit, einen Schlachtplan für die Nacht auszuhecken. Und Pläne konnte er am besten schmieden, wenn er allein war und seine Ruhe hatte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lufthunde, brummelte Sancho kopfschüttelnd, Lufthunde, während er mühsam auf sein Fahrrad kletterte. Mit stets wachsender Geschwindigkeit, denn dieses Mal ging es abwärts, näherte er sich dem Ort. Die Armeepräsenz auf den Strassen und Plätzen war geringer geworden, das supponierte Schlachtengetümmel hatte sich auf den Abend hin mehr ins freie Gelände und die Landschaft hinein verschoben in Form von Truppenbewegungen auf 20-, 50- oder gar 100-Kilometer-Märschen, Schiessübungen, Biwakierungen mit anschliessendem «Feindkontakt» etc., während im Dorf oder Städtchen, das als Ausgangspunkt der Aktionen und Kommandositz fungierte, sich nur noch einige Offiziere befanden, die Nachrichtenzentrale, die stehende Feldküche, das Lazarett und ein mit Stacheldraht umzäunter, schwer von Soldaten mit scharf geladenen Gewehren bewaffneter Maschinenpark, der einige Militärlastwagen, Jeeps, Artilleriegeschütze, Flabkanonen etc. enthielt, die in dieser Nacht vom Kriegsgeschehen ausgeschlossen sein sollten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho entschloss sich, das Gasthaus von heute morgen zu meiden, doch gab es in dem Ort als einem Garnisonsstädtchen viele andere Wirtschaften, denn Soldaten sind hungrige und vor allem durstige Gesellen. Heute allerdings, der Übung «Cerberus» wegen, herrschte die Zivilbevölkerung in den Lokalen vor, aber auch die Zivilbevölkerung war an diesem Abend sehr durstig, die Gartenwirtschaften waren voll und lärmig, und das Bier floss in Strömen. Es war einer jener närrischen Sommerabende, zwei Tage vor Vollmond, an denen selbst den ernsten und gesitteten Menschenschlag in diesem Land ein Hauch vin Übermut, der dann allerdings leicht in Mutwillen umschlägt, streift.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho betrat also eine der zahlreichen Gartenwirtschaften des Städtchens und setzte sich still und bescheiden an einen Tisch, an dem schon zwei junge Burschen sassen, mit vollen Halblitergläsern Bier vor sich. Die beiden schienen schon einige dieser Humpen geleert zu haben, denn ihre Gesichter waren rot und schweissgläzend, ihre Augen unnatürlich blau, sie lachten viel und hieben sich gegenseitig die Hand auf die Schultern. As sie Sancho – im geblümten Rock und Frau Kummers ausladenden Sonnenhut auf dem Kopf – bewusst wahrnahmen, ging der Spass aber erst richtig los. Sancho schäumte und kochte innerlich vor Wut, bedachte dann aberm dass es erstens – zwei gegen einen – im Fall eines handfesten Streits einen ungleichen Kampf geben würde, dass er zweitens in einer wichtigen Mission unterwegs war und deshalb seine Tarnung auf keinen Fall aufgeben durfte, und dass er drittens immer noch Durst hatte und jetzt endlich ein kaltes Bier wollte.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-3300320445309346499?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/3300320445309346499/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=3300320445309346499&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/3300320445309346499'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/3300320445309346499'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/07/traurige-jager-4.html' title='Traurige Jäger (4)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-4353485530889814346</id><published>2009-07-13T08:22:00.000+02:00</published><updated>2009-07-13T08:32:36.090+02:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (3)</title><content type='html'>&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SlrU_VLBn4I/AAAAAAAABM8/e4yN4K54HwI/s1600-h/MaxDodge.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: undefinedpx; height: undefinedpx;" src="http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SlrU_VLBn4I/AAAAAAAABM8/e4yN4K54HwI/s400/MaxDodge.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5357828891190861698" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Don Quichotte und Sancho Pansa machten sich also auf den Weg, in die Richtung, in die sie der Zufall führte, bereit und begierig, sich den Abenteuern zu stellen , die sich ihnen ereignen sollten. Jedenfalls war das so für Don Quichotte, den das Morgenbad ausserordentlich belebt hatte. Sancho Pansa hoffte eher darauf, auf etwas Essbares zu stossen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Richtung, in die sie der Zufall führte, war die Strasse, und die führte ins Dorf. Auf der Strasse war um diese Zeit noch wenig Verkehr. Wenn ein Auto an ihnen vorbei fuhr, wurde das von Don Quichotte unauffällig, aber scharfäugig beobachtet. Die meisten der vorbeifahrenden Gefährte aber waren, wie Don Quichotte erklärte, gewöhnliche Autos und keine getarnte Cerebraner, was Sancho Pansa, der, obwohl Knappe und Assistent des Don Quichotte, kein Toboser, sondern ein gewöhnlicher Mensch war, nur schlecht beurteilen konnte, und es war ihm eigentlich auch ganz egal.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was ihn an der grossen Sache interessierte, war der reiche Lohn , der ihm von seinem Herrn für treue Dienerschaft versprochen war. Er sollte nämlich, falls es ihnen gelingen würde, die Welt von der Herrschaft der Cerebraner zu befreien, als Statthalter Tobosos auf der Erde und infolgedessen als Ministerpräsident zbs Staatschef über die ganze Welt eingesetzt werden. Solche Aussichten gefielen Sancho nicht übel. Er sah sich schon auf dem Balkon über dem Platz stehen, ordenbehangen, die Hand zum Gruss gereckt, während unten auf dem Platz die in die Hunderttausende gehende, huldigende Menge skandierte: San-cho, San-cho, San-cho. Natürlich gehörte zu dieser Vorstellung auch die Idee eines hervorragenden Koches – oder besser: einer ganzen Brigade hervorragender Köche –, erlesener Weine, eines ganzen Harems voller gern nicht allzu schlanker Frauen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorläufig war die Verwirklichung solcher Träume aber noch weit entfernt. Inzwischen waren sie im Zentrum des Dorfes, zu dem die Anstalt gehörte, eingetroffen. Offenbar war die Nachricht ihres Verschwindens und Abhandengekommenseins noch nicht bis ins Dorf gedrungen, denn man schenkte ihnen, einem grossen hageren Mann in Shorts und Birkenstockschuhen und einer kleinen dicken Frau im geblümten Rock, keinerlei Beachtung. Aus einer Bäckerei duftete ihnen nun herrlich frisch gebackenes Brot in die Nasen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schliesslich konnte Sancho seinen Herrn davon überzeugen, dass es zumindest nicht unsinnig sei, hier etwas Proviant für die weitere Reise einzukaufen. Glücklicherweise fand Don Quichotte in der Tasche seiner Shorts eine Geldbörse und in dieser nebst etwas Kleingeld auch einige Banknoten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während im Innern des Ladens Sancho Pansa Brötchen, Hörnchen, Wurstweggem und andere Köstlichkeiten bestellte und sich die Verkäuferin schon etwas wunderte über die tiefe Stimme und den männlichen Habitus der südländischen Dame, die sie überdies noch nie gesehen hatte, überlegte Don Quichotte, der draussen auf seinen Assistenten wartete, dass noch einige wichtige Utensilien fehlten, um aus ihm einen schlagkräftigen Kämpfer Tobosos zu machen. Er wurde plötzlich sehr aufgeregt. Erstens fehlte ihm eine Waffe, vorzüglich eine Laserpistole. Zweitens und wichtiger ein eigenes Transportmittel, sprich Schlachtross, sprich Lufthund.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Sancho bereits mit vollem Mund mit der Verpflegung endlich antrabte, mochte sich Don Quichotte kaum überwinden, wenigstens ein Hörnchen zu essen, so sehr war er erfüllt von seiner nächsten Aufgabe. Zufälligerweise – oder vielmehr überhaupt nicht zufälligerweise, denn die Gemeinde besass nicht nur ein Irrenhaus, sondern war auch eine kleine Garnisonsstadt – befand sich im Ort gerade eine nicht unerhebliche Menge Militär mit entsprechendem Zubehör. Soeben kamen ihnen einige Offiziere im Leutnants-, Oberleutnants- und Hauptmannsrang entrgegen. Sie trugen Pistolen im Halfter, was Don Quichotte natürlich nicht entging. Und jetzt rollten einige Militärlastwagen an ihnen vorbei. «Das sind getarnte Cerebraner», flüsterte Don Quichotte ganz erregt. «Wenigstens die ersten beiden. Ich hoffe nur, dass mich nicht durchschaut haben. – Aber zuerst brauchen wir die Laserkanonen.» In einiger Distanz folgten sie den Offizieren, die sich daran machten, die Treppenstufen zum Eingang des Hotels «Sonne» hochzusteigen, wo sie bei einem guten zweiten Frühstück den morgigen Tagesbefehl durchgehen wollten. Einer der Offiziere war sehr dick, dicker noch als Sancho Pansa, und mindestens doppelt so gross. Don Quichotte und sein Knappe betraten die Gaststube mit unübertrefflicher Selbstverständlichkeit. Die Offiziere hatten sich ihrer Uniformröcke und der Pistolengurte mit den Waffen bereits entledigt und sie leichtsinnigerweise an die Garderobehaken gehängt. Man konnte jetzt die Schweissflecken in den Achselhöhlen des dicken Offiziers sehen. Don Quichotte und Sancho Pansa setzten sich an einen Nebentisch. Der Toboser bestellte einen Kaffee, Herr Pansa, der bereits durstig war, ein Bier. Die Offiziere besprachen gerade den Vrelauf einer umfassenden Gesamtverteidigungsübung mit Namen «Cerberus». Das ist für eine Gesamtverteidigungsübung natürlich sozusagen der ideale Name. Unser langer, dürrer Freund spitzte die Ohren, bis ihm der Schnurrbart zu zittern begann. Er fühlte sich auf der ganzen Linie in seinen Überzeugungen bestätigt. Diesen Cerberus werde ich mal kitzeln! dachte er kampfeslustig. Er machte seinem Sancho ein Zeichen, sich mit dem Bier zu beeilen, denn die Handlung duldete jetzt keinen Aufschub mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sancho legte beim Aufstehen automatisch Geld auf den Tisch, etwas, worauf Don Quichotte nicht gekommen wäre, da es für ihn als Toboser Wichtigeres zu tun gab, als einen Kaffee zu bezahlen, den er noch nicht einmal angerührt hatte. Dafür bemächtigte er sich beim Verlassen des Restaurants mit überraschender Behändigkeit eines der Pistolengurte samt Pistole (es war diejenige des dicken, unter den Achseln schwitzenden Oberleutnants, der ein notorischer Pechvogel war), ohne dass es jemand bemerkt hätte, von den Offizieren, die eifrig am Diskutieren waren, ganz zu schweigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So kam es, dass eine Pistole der Schweizer Armee in der Kommissionentasche von Frau Kummer verschwand, also dorthin, wo üblicherweise Kartoffeln, Karotten, Milch und Schokolade (Frau Kummer liebte Schokolade) zum Transport zwischen Migros oder Coop un kummerschem Einfamilienhaus verstaut wurden. Währenddessen wand sich Don Quichotte den Ordonanzgurt um den Bauch, denn die Sommershorts von Herrn Kummer, der zwar dünn, aber doch nicht so unglaublich mager wie unser tapferer Toboser war, hatten sich inzwischen doch als eine oder zwei Nummern zu gross erwiesen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So gingen sie unangefochten durch den Ort, immer neuem Militär begegnend, Fusstruppen in Zweierkontrollen mit geschultertem Gewehr, Nachrichtensoldaten auf Militärfahrrädern, Offizieren in Jeeps. Die Militärübung Cerberus hatte ja allerhand Leute auf die Beine gebracht. Hinter Sandsäcken lagen vor dem Schulhaus getarnte Beobachtungsposten im Kampfanzug, das Maschinengewehr im Anschlag. Von weiter her knallte und detonierte es. Das alles war einigermassen Furcht erregend. Obwohl hier der kriegerische Ernstfall ja nur geprobt wurde; aber Don Quichotte fühlte sich unverzagt. Sancho hingegen fürchtete sich genug, um dicht hinter seinem Herrn zu bleiben, die Handtasche an den Bauch gepresst. «Die meisten sind ja nur Menschen», beruhigte Don Quichotte seinen Assistenten, «ich sehe lediglich eine beinahe verschwindende Anzahl von Cerberanern. Da drüben, das unter dem feldgrünen Netz da, was sich verzweifelt anstrengt, wie ein Panzer auszusehen, ist jedoch ganz bestimmt ein Feind, schau nur nicht so direkt hin!» Aber Sancho war es schon ganz egal, ob es sich um einen echten Panzer oder um einen getarnten Cerberaner handelte. Er fühlte anflugsweise eine eigentümliche Sehnsucht nach der kaum von den Selbstgesprächen der Verrückten gestörten Stille der Anstalt jenseits des Waldes in sich aufsteigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie kamen jetzt am Migros-Markt vorbei, wo trotz der militärischehn Situation Hochbetrieb herrschte, Frauen mit vollen Einkaufstaschen aus dem Laden strömten, denn es war Samstag, und die Einwohnerinnen und Einwohner des Ortes wollten am Sanntag trotz des simuliertem Krieg und solchen Sachen einen guten Braten essen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da blieb Don Quichotte, der noch immer nach einem geeigneten Schlachtross Ausschau hielt, plötzlich stehen. «Siehst du jene beiden Lufthunde dort?» fragte er Sancho und zeigte auf zwei ganz gewöhnliche Fahrräder, die einträchtig nebeneinander standen. Lufthunde, so hatte ihm Don Quichotte noch in der Klinik erklärt, seien die üblichen Fahrzeuge für Toboser, die sich auf grosser Fahrt befänden, um ihre Bewährungsprobe zu bestehen; Fahrzeuge, sehr praktisch zur Fortbewegung sowohl auf der Erde wie auch in der Luft und unter Wasser. Und diese beiden Fahrräder, die so friedlich und einträchtig nebeneinander standen, sollten nun also Lufthunde sein! Kaum zu glauben. Aber er wusste ja, dass sein Herr ein aussergewöhnlicher Mensch war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also folgte er Don Quichotte, der schon im Begriff war, eines der Fahrräder, und zwar ein rot gestrichenes Damenrad schon älteren Jahrgangs der Marke «Rosinante», zu besteigen. «Komm schon, setz dich auf den anderen Lufthund, beeile dich, du ewiger Zögererer und Zauderer, der du bist, und hab keine Angst, diese Hunde beissen dich schon nicht. Der Kampf wartet!»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also setzte sich Sancho auf das andere Rad, das ebenfalls ein Damenrad war (aber ein blaues), vorher aber schnallte er vorsorglich Frau Kummers Einkaufstasche, jetzt an Inhalt mit einer Ordonanzpistole bestückt, auf den schon etwas angerosteten Gepcäkträger. Sie sassen beide fest im Sattel und waren eben im Begriff, ihren Lufthunden die Sporen zu geben, Don Quichotte voller Enthusiasmus darüber, jetzt endlich vollständig ausgerüstet zu sein, Sancho noch ganz verwirrt vom schnellen Gang der Ereignisse, als sie hinter sich die wütende, rasch sich nähernde Stimme einer gewaltigen Matrone vernahmen. «Haltet die Diebe!» rief sie, «haltet die Diebe!» Aber niemand vermochte die rasch auf ihren Lufthunden davon flitzenden Streiter aufzuhalten. Zu perplex waren die anderen Matronen über den dreisten Velodiebstahl mitten am helllichten Tag, mitten in einem supponierten Krieg. Velodiebstähle mochte es bei Nacht und im Ausland geben, etwa in Amsterdam oder New York, wo die Besitzer ihre Fahrräder mit schweren Eisenketten sichern mussten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So gewannen unsere beiden Helden denn schon bald einen komfortablen Sicherheitsabstand zu ihren Verfolgerinnen. Don Quichotte fühlte sich in seinem Element und fluchte in einem fort, während Sancho wieder einmal alle Heiligen des Himmels anzurufen hatte. «Lass uns um Gottes willen aus diesem vermaledeiten, zehnmal verfluchten Ort verschwinden!» flehte Sancho seinenHerrn und Gebieter an, während ihnen der Fahrwind um die Köpfe fuhr. «Niemals!» verkündete Don Quichotte darauf pathetisch, «nicht bevor ich mindestens einen Cerebraner zur Strecke gebracht habe! Meinst du, ich wolle ewig eine Halbkugel bleiben?»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Inzwischen hatten sie allerdings die letzten Häuser des Ortes, des Dorfes oder kleinen Städtchens längst hinter sich gelassen; die Strasse führte jetzt durch den angenehm kühlenden Schatten eines Waldes. Sancho, der müde war, dem der schweiss vom Körper lief,  dessen Beine schmerzten und was der Unbill noch mehr waren, redete von hinten gegen die strampelnden, stark mit grauen Haaren bewachsenen Waden seines Freundes an, versuchte ihn zu überzeugen, dass es doch das Klügste sei, vorerst einmal im Verborgenen zu bleiben und sich daselbst, etwa unter einer Tanne oder einer Buche, ein wenig auszuruhen. Im Schutze der Nacht liesse sich bestimmt viel operieren. Solch taktische Überlegungen beugte sich Don Quichotte geern, da auch er sich ein wenig ermattet fühlte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also bogen sie in einen Waldweg ein, der sie bald auf eine ruhige und verborgene Lichtung führte, wo sich Sancho augenblicklich im Schatten eines Holunderbaumes hinlegte und eine Sekunde später schon eingeschlafen war, um schnarchend von seinem ordengeschmückten Auftritt vor dem Volk, einer Menge dicker Frauen und anderen Köstlichkeiten des Lebens zu träumen. Don Qucihotte aber wollte nicht einschlafen, er dachte an Toboso und seine bessere Hälfte, die darauf wartete, sich mit ihm zu einem vollkommenen Wesen zu vereinigen, auf dass sie immerdar im Zwischending aus Wasser und Luft herum schwämmen. Und er seufzte tief und sehnsuchtsvoll.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-4353485530889814346?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/4353485530889814346/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=4353485530889814346&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/4353485530889814346'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/4353485530889814346'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/07/traurige-jager-3_12.html' title='Traurige Jäger (3)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SlrU_VLBn4I/AAAAAAAABM8/e4yN4K54HwI/s72-c/MaxDodge.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-446121455475781589</id><published>2009-07-09T08:11:00.000+02:00</published><updated>2009-07-09T08:13:29.675+02:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (3)</title><content type='html'>&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SlWKef0TsYI/AAAAAAAABM0/jb6XDq7_ZXo/s1600-h/Sancho+Pansa+(2).jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: undefinedpx; height: undefinedpx;" src="http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SlWKef0TsYI/AAAAAAAABM0/jb6XDq7_ZXo/s400/Sancho+Pansa+(2).jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5356339588368675202" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Do Quichotte war bis vor noch gar nicht so langer Zeit ein grosser Anhänger von Science-Fiction-Filmen gewersen. Tag und Nacht hatte er vor dem Bildschirm verbracht und sich eine DVD nach der anderen ins Hirn hineingestopft, bis die Bilder schier aus seinen Ohren, aus seiner Nase und seinem Mund quellen wollten und sein Hirn beinahe trockengelegt wurde. In seinen Träumen wimmelte es nur so von Raumschiffen, fremden Planeten, Zeitreisen und bizarren Wesen aus anderen Galaxien. Mit der Zeit hatte Don Quichotte sich selbst immer mehr davon entfernt, ein Erdling zu sein, und hatte sich nach und nach zum Abgesandten einer fremden galaktischen Macht gewandelt, fast nebenbei berufen, die Erde, wohin es ihn nun mal verschlagen hatte, vor Kräften des Bösen zu retten und zu bewahren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Mission, so wurde es Don Quichotte irgendwann klar, sei seine Lebensprüfung und Bewährungsprobe. Manchmal entwickelte sich bei ihm geradezu ein Heimweh nach seiner Heimatwelt, die sich da irgendwo weit draussen in der unendlichen Leere des Universums in anderen Sternennebeln um eine andere Sonne drehen mochte, Millionen, ja Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt. Solche Dimensionen gaben Don Quichotte einen ganz eigenen Zugang zu den Problemen des Alltags und deren Bedeutung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sein Heimatplanet hatte nach Don Quichottes Vorstellung eine sehr kuriose Gestalt. Und seine Bewohner waren nicht minder sonderbar. Der Planet, Toboso eins genannt, war nämlich ganz und gar mit Wasser bedeckt, oder vielmehr mit etwas ähnlichem wie Wasserm nämlich einer Art flüssligen Gases, einem Zwischending aus Wasser und Luft oder so ähnlich, das wusste Don Quichotte, der kein Naturwissenschaftler war, nicht so genau. Auf jeden Fall schwammen oder flogen in diesem Zwischending die Bewohner von Toboso, von denen es zwei Sorten gab, aber nicht etwa eine weibliche oder männliche, sondern eine vollkommene und eine unvollkommene. Die vollkommenen Exemplare waren kugelförmig und, wenn man so will, aus je zwei unvollkommenen Teilen entstanden (gemäss einer anderen Theorie waren die vollkommenen Teile zuerst gewesen und dann aus noch unerforschten Gründen in zwei unvollkommene Teile zerfallen, die nun von der Sehnsucht nach dem unersprünglichen Zustand der Vollkommenheit geradezu besessen waren). Die Kugeln befanden sich in einem Zustand frag- umd wunschlosen Glücks, waren alters- und zeitlos, mussten demnach weder Nahrung aufnehmen noch Exkremente ausscheiden, kannten weder Müdigkeit noch Schlaf, unterlagen nicht der Liebe, dem Hass und der Leidenschaft, sondern waren einfach da und schwammen oder flogen in gänzlicher Harmonie im Zwischending herum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die unvollkommenen Exemplare waren noch weit von solch paradiesischen Zuständen entfernt. Sie mussten sich zuerst in allen möglichen Wandlungen bewähren, manchmal auf der  Erde, dann wieder auf einer Welt in einer ganz anderen Ecke des Universums die verschiedensten Abenteuer bestehen und stets gegen die Mächte des Bösen kämpfen, damit das Gleichgewicht im Grossen und Ganzen erhalten blieb, Dass Toboser, um diese wahrhaft titanische Aufgabe zu bewältigen, nicht nur äusserst mutig und schlau, sondern auch flexibel, anpassungsfähig, kreativ, analytisch, durchsetzungsfähig und einfühlsam sein mussten, versteht sich von selbst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dies alles und noch viel mehr hatte Don Quichotte während der langen Tage in der Anstalt dem Sancho Pansa auseinandergesetzt – natürlich mit der Sache angemessenen Worten und doch so, dass Sancho wenigstens einigermassen folgen konnte – keine geringe intellektuelle Herausforderung, wie Don Quichotte fand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf der Erde sah unser tobosischer Ritter das Böse in verschiedener Gestalt, aber unter Wahrung einer inneren Einheit, sein Werk vollbringen. Die Feinde stammten ursprünglich ebenfalls aus anderen Welten, nämlich von einem Planeten namens Cerberus eins. Don Quichotte war davon überzeugt (allerdings, ohne deshalb in seiner Standfestigkeit oder seiner Zuversicht erschüttert zu werden), dass die Erde kurz vor einer endgültigen Übernahme durch die Cerberaner stehe. Woraus schliesst dies unser Held? Nun, allein schon durch zahlenmässiges Vorhandensein. Die Cerberaner tarnten sich nämlich als Maschinen, während die Toboser, wie gesagt, in Menschen- und in seltenen Fällen auch in Tiergestalt auftraten. Mit Vorliebe wählten die Cerebraner eine Tarnung als Auto, Flugzeug oder als Computer. Oder als Fernsehgerät, Stereoanlage, Gartengrill. Selbstverständlich waren nicht alle Autos, Computer und Wachmaschinen getarnte Cerebraner,&lt;br /&gt; aber doch ein stets wachsender Anteil von ihnen. Die echten Menschen merkten davon natürlich nichts. Sie meinten noch immer, sie würden das Auto steuern, während es längst so war, dass das Auto, also der versteckte Cerebraner, sie steuerte. Leute, die einen versteckten Cerebraner in Form eines Fernsehgerätes bei sich in der Wohung hatten, glaubten, sie würden ein ganz normales Programm anschauen, während sie auf subtile Art und Weise auf die Machtübernahme durch die vom Planeten Cerrberus vorbereitet wurden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gegen derart versteckte Kräfte musste Don Quichotte also antreten. Das Delikate dabei war, dass die Cerberaner alle zusammenarbeiteten, während die Toboser aus Prinzip und aus Bestimmung strikte Einzelkämpfer waren. Don Quichotte wusste deshalb nicht, ob es neben ihm noch andere Toboser auf der Erde gab, was zwar anzunehmen, aus oben erwähntem Grund aber irrelevant war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trotzdem war Don Quichotte stets guten Mutes, denn sein Selbstbewusstsein war sehr ausgeprägt und sein Optimismus ausserordentlich stark.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-446121455475781589?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/446121455475781589/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=446121455475781589&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/446121455475781589'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/446121455475781589'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/07/traurige-jager-3.html' title='Traurige Jäger (3)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SlWKef0TsYI/AAAAAAAABM0/jb6XDq7_ZXo/s72-c/Sancho+Pansa+(2).jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-1036814862969929849</id><published>2009-07-06T13:27:00.000+02:00</published><updated>2009-07-06T13:29:58.907+02:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger (2)</title><content type='html'>&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SlHgLdx7NUI/AAAAAAAABMs/ZSrWLekNqlA/s1600-h/6a00d09e75903fbe2b0100a801cc78000e-500pi.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: undefinedpx; height: undefinedpx;" src="http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SlHgLdx7NUI/AAAAAAAABMs/ZSrWLekNqlA/s400/6a00d09e75903fbe2b0100a801cc78000e-500pi.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5355307919497442626" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ging schon gegen Morgen. Im Wachsaal war – so paradox das klingen mag … ein vielstimmiges Schnarchen, Murmeln, Seufzen und Schmatzen der chemisch betäubten Patienten zu vernehmen. In einer Ecke sass die Nachtschwester über einer Illustrierten zusammengesunken – «Gala». «Glückpost» oder «Schweizer Illustrierte» – zusammengesunken und schlummerte ebenfalls selig und süss. Nur zwei waren wach: Don Quichotte und Sancho Pansa. Denn sie wollten noch in dieser Nacht abhauen. Eine Welt voller Abenteur und Aufgaben erwartete sie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Komm, die Zeit ist da! ¡Vamos! zischte Don Quichotte Sancho Pansa zu. Mit blossen Füssen und in ihre weissen Nachthemden erinnerten sie ein bisschen an Kindergespenster, als sie jetzt aus den Betten stiegen, der eine gross und hager, ein typischer Leptosome (paranoide Schizophrenie, wie der Psychiater befriedigt festgestellt hatte), der andere klein und kugelig, der typischer Pykniker mit einer für den Pykniker typischen manisch-depressiven Neigung. Und schon stand Don Quichotte dicht vor der Nachtschwester und schaute ihr mit durchdringendem Blick ins Gesicht, was diese aber nur veranlasste, die Nase kraus zu ziehen, als müsse sie niesen. Vorsichtig zog ihr Don Quichotte den Schlüsselbund aus der Tasche und öffnete die Tür des Wahcsaals. Adiós, arme Brüder, murmelte er, und der kleine Dicke winkte mit der feisten Hand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die beiden hatten sich erst hier in der Klinik kennen gelernt, waren aber trotz ihrer äusserlichen und charakterlichen Unterschiedlichkeit schon bald unzertrennlich geworden. Stundenlang hatte man sie die Köpfe zusammenstrecken, Don Quichotte leise, aber eindringlich auf Sancho Pansa einreden sehen, während dieser eifrig mit dem Kopf nickte zu den Erläuterungen seines gross gewachsenen, dürren Kumpels.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachdem sie durch endlos lange Gänge gehuscht waren, zwei Kindergespenster, bange horchend auf verdächtige Geräusche, aber ohne aufgehalten zu werden, standen sie jetzt vor dem Gebäude in der lauen Luft der schönbesternten Sommernacht. Adónde vamos ahora? fragte Sancho Pansa, der die Entscheidungen immer anderen, die es besser wussten, zum Beispiel seinem langen Kameraden, überliess. Don Quichotte überlegte eine Weile und sagte dann bestimmt: Zum Schwimmbad! Sancho daraufhin irritiert: Ma porqué? Das Schwimmbad ist doch geschlossen um diese Zeit. Aber Don Quichotte liess diesen Einwand nicht gelten: Als Toboser könne man jederzeit an jeden beliebigen Ort gehen, also auch ins Schwimmbad, selbst wenn dieses geschlossen sei. Umso besser, wenn es geschlossen sei. Denn, so führte er aus, im Schwimmbad seien sie vor der Verfolgung des Feindes sicher. Ausserdem würde es ihnen da bestimmt gelingen, morgen, wenn die ersten Badenden kämen, einige passende Kleidungsstücke zu erbeuten. In diesen Fetzen könne er sich jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit zeigen, geschweige denn auf ein Pferd oder gar einen Lufthund setzen. Nicht einmal Unterhosen habe er an. Natürlich sei es für einen Toboser irrelevant, ob er Unterhosen trage oder nicht, aber er wolle sich ja nicht so leicht zu erkennen geben. Tarnung, lieber Sancho, Tarnung ist das erste Gebot, wenn man mit geheimer Mission im Feindesland unterwegs ist, schärfte der Ritter seinem Knappen ein. Ausserdem habe er einfach Lust auf ein erfrischendes Bad. – Das alles erschien Sancho einerseits nicht so recht plausibel, das heisst, er verstand es nicht so ganz, zudem konnte er nicht schwimmen und war überhaupt wasserscheu; andererseits wusste er auch, dass sein Verstand zu beschränkt war, um so komplexe Materien zu durchdringen, und er war immerhin so gescheit, seine eigene Beschränktheit zu erkennen und anzuerkennen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das öffentliche Schwimmbad der Gemeinde, zu welcher die Anstalt gehörte, befand sich auf der anderen Seite des Waldes, der die Klinik von der Ortschaft trennte. Also machten sie sich mit ihren blossen auf, diesen Wald zu durchqueren, Don Quichotte fluchend, wenn er auf einen spitzen Stein getreten war oder sich die Zehen angeschlagen hatte, Sancho Pansa alle Heiligen des Himmels anrufend, weil er sich in der  Dunkelheit ein wenig fürchtete und das Anrufen von Heiligen ja nie schaden kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach einer Zeit, die ihnen schier endlos erscheinen wollte, weil sie sich natürlich verlaufen hatten, langten sie endlich beim Schwimmbad an, das von einem knapp mannshohen Drahtgitter umzäumt war. Don Quichotte nahm dieses Hindernis im Sturm und landete auf der anderen Seite des Zauns zwar auf der Nase, doch fiel er des Rasens wegen relativ weich. Sancho Pansa jammerte und stöhnte, er werde es nie schaffen, über diesen Zaun zu kommen; eine Selbsteinschätzung, die sich schliesslich nur darum als Irrtum herausstellte, weil der Glaube, und erst recht der Glaube eines Don Quichotte, Berge versetzen kann. Inzwischen dämmerte schon der Morgen herauf, die Luft war jetzt empfindlich kühl, und der arme Sancho, obwohl der weitaus besser gepolsterte auch der weitaus empfindlichere von beiden, begann zu frösteln, ausserdem war er müde und sehnte sich nach einem Bett. Don Quichotte hingegen beschwor wortreich die Atmosphäre Tobosos und die Tiefen des Alls, im heiligen Wasser gespiegelt, vor welcher sowohl Mensch als auch Toboser nackte erscheine. Und tatsächlich, da stand er würdige Ritter auch schon gänzlich entblösst auf dem gespflegten Schwimmbadrasen zwischen Zierschilf, machte einige Freiübungen nach gut müllerscher Art, kreiste mit den Armen, atmete tief durch, nahm einen Anlauf und tauchte kopfvoran ins heilignüchterne Element. Sancho schaute mit bekümmerter Miene zu, wie der edle Herr seine Runden schwamm. Er zog einen heissen Kaffee dem kalten Bad bei weitem vor.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Etwas später hörten sie, wie ein Auto vor dem Schwimmbad anhielt. Wir müssen uns verstecken, rief Don Quichotte, der Feind naht! Es nahte aber bloss der Bademeister, der seine Runde machte, gestern liegen gebliebenes Eiscrèmepapier vom Rasen hob, die chemische Zusammensetzung des Badewassers kontrollierte, bevor er das Bad fürs Publikum, das aber erst vom späten Vormittag an zahlreicher herbeiströmen würde, öffnete. Als erste Besucher kamen wie immer die pensionierten Kummers, er lang und dünn, sie klein und mollig, um in Ruhe zu schwimmen. Am Nachmittag, wenn die heutige ungezogene Jugend das Bad in Beschlag genommen hatte, wurde das ja unmöglich. So früh am Morgen war es noch nicht einmal nötig, die Kleider in Kästchen einzuschliessen. Und für Rohköstler wie die Kummers war der frühe Morgen einfach eine herrliche Tageszeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit angehaltenem Atem standen Don Quichotte und Sancho Pansa hinter dem Vorhang der Männergarderobe, der für die schamvolleren der Badegäste angebracht war, während Herr Kummer sich seiner Kleider entledigte. Als er endlich in den Badehosen war und sich vor dem Schwimmen im Spiegel ausführlich gekämmt hatte (warum das sein musste, wusste nur Herr Kummer selbst, und der Ritter tippte sich, gegen Sancho hin, mit einer bezeichnenden Geste an die Stirn), dauerte es keine Minute, bis Don Quichotte on den Kleidern von Herrn Kummer, die ihm nicht schlecht passten, vor seinem dicken Freund und Knappen stand. Und ich? fragte dieser und hatte schon fast wieder ein Weinen in der Stimme. Du holst dir die Kleider von Madame, aber mach, dass dich niemand sieht, befahl Don Quichotte, – Was soll ich damit? – Sie anziehen, Calabazo, was denn sonst? – Aber ich bin doch keine Frau! empörte sich da Sancho, der als Südländer trotz seines eher hasenfüssigen Wesens eine gesunde Portion Machismo in seinem Blut hatte. – Das merkt doch niemand, jedenfalls nicht von weitem. Hast du ihren prachtvollen Sonnenhut gesehen? Den ziehst du dir ins Gesicht. Wenn sie meinen, du seist eine Frau, dann ist das doch die beste Tarnung! Niemand wird uns in dieser Verkleidung als Don Quichotte und Sancho Pansa respektive als Toboser erkennen. So überlistet man den Feind!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das leuchtete sogar Sancho Pansa ein wenig ein, und er tat, wie ihm geheissen. Das Ehepaar Kummer schwamm indessen und hatte das ganze Schwimmbecken für sich. Der Bademeister sass in seinem Bademeisterkabäuschen, trank Kaffee, ass ein Hörnchen und las in der Morgenzeitung, was in der weiten Welt so alles an Verrücktheiten wieder passiert war. Nur die Frau des Bademeisters, die die Eintrittsbillete verkaufte, wunderte sich, als sie das Ehepaar so bald wieder das Bad verlassen sah; und auch ein wenig über die stark mit grauen Haaren bewachsenen Unterschenkel Herr Kummers, die ihr bisher noch gar nicht aufgefallen waren.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3084518774803943912-1036814862969929849?l=prinzderstaebe.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/feeds/1036814862969929849/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3084518774803943912&amp;postID=1036814862969929849&amp;isPopup=true' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1036814862969929849'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3084518774803943912/posts/default/1036814862969929849'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prinzderstaebe.blogspot.com/2009/07/traurige-jager-2.html' title='Traurige Jäger (2)'/><author><name>Christian 55</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09241757313274084872</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='22' height='32' src='http://bp3.blogger.com/_v00-ojorao4/R3OS8LTayMI/AAAAAAAAAXU/xN1KIizL18I/S220/Scannen0001.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/SlHgLdx7NUI/AAAAAAAABMs/ZSrWLekNqlA/s72-c/6a00d09e75903fbe2b0100a801cc78000e-500pi.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3084518774803943912.post-4732096466242868962</id><published>2009-06-16T08:16:00.001+02:00</published><updated>2009-06-16T08:26:39.073+02:00</updated><title type='text'>Traurige Jäger. Die neuen Abenteuer der Don Quichotte und Sancho Pansa. Ein Fortsetzungsroman</title><content type='html'>&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/Sjc5vFG_hhI/AAAAAAAABMk/KQe76REKox0/s1600-h/019Madryt_resize.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: undefinedpx; height: undefinedpx;" src="http://1.bp.blogspot.com/_v00-ojorao4/Sjc5vFG_hhI/AAAAAAAABMk/KQe76REKox0/s400/019Madryt_resize.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5347806563513894418" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Prolog&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Nacht ist dick und schwarz und samtig warm. Ich habe die Ränder der Stadt hinter mir gelassen, bin den Sicherheitskräften der Gesundheitsbehörden noch einmal entkommen. Ich befinde mich jetzt auf einer Wiese oder in einem Park, ab und zu lassen sich die Umrisse von Büschen und Sträuchern erahnen. Vielleicht fünfzig Meter vor mir duckt sich eine Hütte, ein Schuppen oder ein Stall in eine Senke hinein. Mein Hirn ist ganz leer: Ich fühle keine Angst mehr und keine Wut. Nur diese lähmende Müdigkeit, die mich an allen Gliedern in die Erde hineinzuziehen versucht. Ich muss ein wenig schlafen, eine Stunde nur. Da kommt mir die Hütte wie gerufen. Steht da wie ein Geschenk Gottes und hat die ganze Zeit auf mich gewartet, fünfzig Jahre oder hundert Jahre, seit sie erbaut worden ist. Wie tröstlich. Jemanden oder etwas zu haben, das auf einen wartet, ist bei aller Reisegewandtheit, Weltbürgerlichkeit, Ungebundenheit doch etwas Schönes. Es müssen ja nicht immer die knastähnlichen Spitäler, die zellenähnlichen Krankenzimmer der Gesundheitsbehörden von Misericordia sein. Der Gott dieser Wiese wird es nicht zulassen, dass mein Schlaf vom Licht der extrapotenten behördlichen Taschenlampen brutal entzweigerissen wird. Der Schlaf sei ewig, das Erwachen gewiss. Die Nebelfetzen wachsen in meinen Kopf hinein. Ich taste mich an den Wänden der Hütte entlang, um die Tür zu finden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich lasse mein Feuerzeug anschnappen. Das Innere der Hütte ist im Schein der flackernden Flamme leer bis auf ein undefinierbares Bündel, das in der Mitte des Raumes auf dem Boden liegt. Eine halbvolle Flasche, gefüllt mit einer irgendwie gearteten Flüssigkeit, rotem Wein zum Beispiel, wie das rubinrote Aufblinken im Flammenschein nahe legt. Einen Kerzenstumpf. Ein paar Zeitungsblätter, die verstreut herumliegen. Das wird nun also mein Bett sein in dieser Nacht, mein Prokrustesbett. Ich setze die Flamme an den Kerzendocht. Mache mich daran, Bündel und Flasche einer Prüfung zu unterziehen, denn im sonst leeren Raum sind liegendes Bündel und stehende, mit einer rot blinkenden Flüssigkeit gefüllte Flasche natürlich eine Sensation. Ich berühre das Bündel und rieche an der Flasche. Ich rieche am Bündel und berühre die Flasche. Ich lege an beides, Bündel und Flasche, mein Ohr. Das Bündel ist warm und bewegt sich jetzt. Ausserdem beginnt es zu sprechen, das heisst zu murmeln und undeutlich zu fluchen. Ich erstarre vor Schreck.&lt;br /&gt;«Was willst du hier?» höre ich fragen. «Warum lässt du mich nicht schlafen?»&lt;br /&gt;«Verzeihung», antworte ich, «aber der Zufall, ich schwöre es, hat mich zu dieser Hütte geführt. Oder die Versuchung. Es schien mir nämlich so, als würde die Hütte mich erwarten. Wunschvorstellung auf der Flucht, was solls.» Ich seufze.&lt;br /&gt;Im Kerzenschein zeigt sich jetzt das ausgemergelte Gesicht eines jungen Mannes, der mich mit grossen Augen betrachtet.&lt;br /&gt;«So, hinter dir sind sie also auch her», sagt er befriedigt.&lt;br /&gt;««Ach, bin ich kaputt», antworte ich.&lt;br /&gt;«Da, nimm einen Schluck, das wird dir gut tun.»&lt;br /&gt;Ich trinke gehorsam. Die rubinrote Flüssigkeit schmeckt tatsächlich wie roter Wein. Billiger roter Wein.&lt;br /&gt;«Die Welt», sagte der junge Mann, der dem Bündel entstiegen ist, «ist komisch – komisch im Sinn von seltsam und komisch im Sinn von lustig oder zum Lachen reizend. Und wir hocken auf ihr wie die Flöhe im Fell eines Affen. Oder vielmehr einer Äffin. Die Flöhe können der Äffin nichts anhaben: höchstens sind sie manchmal ein wenig lästig. Allerdings geben sie auch Anlass zu dem köstlichen Vergnügen, sich vom Lieblingsaffen lausen und flohen zu lassen. Oder selber den Lieblingsaffen zu lausen und zu flohe, wobei man als Dessert dann erst noch die Opfer der Jagd genussvoll verspeisen kann. Wobei ich natpürlich nicht behaupten will, dass Läuse und Flöhe besonders gut schmecken.»&lt;br /&gt;«Und wir», will ich wissen, «sollen die Läuse und Flöhe im Fell der Äffin sein? Aber ich bitte dich, das ist doch lächerlich! Haben wir nicht die Naturgewalten gebändigt, das Atom gespalten, sind wir nicht in die Weiten des Alls gereist? Waren wir nicht wahrhaft biblisch und haben uns die Pflanzen und Tiere untertan gemacht, auf dass sie sich in – amerikanisch – saftige Steaks oder – französisch – ein Baron d’agneau de lait oder – indonesisch – ein Ayam campur verwandelten? Das ist Kultur, Mann! Dass am Schluss dann alles wieder zu Scheisse wird, liegt in der Natur der Sache. Das Fäkalische ist nun mal die Kehrseite des Kulinarischen.»&lt;br /&gt;«Das hast du schön gesagt. Wir bleiben aber trotzdem die Flöhe und die Läuse im Pelz der Äffin, das lässt sich mit aller Kultur nicht ändern. Ist ja auch nicht weiter schlimm. Wir haben das Glück unserer Hormone. Und das Glück unserer Vergesslichkeit. Manchmal ist uns im Fell der Äffin auch ganz einfach warm. So richtig gemütlich. Dass uns dereinst der Lieblingsaffe lustvoll runterschmatzt – was solls? Das dient schliesslich auch dem Nahrungskreislauf.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es bleibt eine Weile still. Dann greifen wir beide gleichzeitig nach dem Hals der inzwischen nur noch zu einem Viertel vollen Flasche. Der anerzogene Höflichkeitsreflex ist stärker als die Gier, beide ziehen wir die Hand zurück. Ein peinliches Spiel. Ich bemerke, wie ungewollt ein verlegenes Lächeln auf meinem Gesicht erscheint. Er lächelt gepeinigt zurück. Unsere Hände nähern sich in regelmässigem Rhythmus der Flasche, zucken vor ihrem Hals, als wäre der elektrisch geladen, zurück. Schliesslich geben wir es auf, die Flasche bleibt, noch einmal unbetrunken davongekommen, gewissermassen, stehen, wo sie ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Film zerfliesst, die Gegenwart ist kein Gefängnis mehr, dem man nicht entrinnen kann. Die Mauern der Vergangenheit und der Zukunft öffnen sich, von meinem Bauch aus macht sich siedendheiss eine überwältigend allgemeine, grund-lose Trauer in mir breit, greift wie eine Welle wie über mich hinaus. Ich weiss, dass diese Hütte ein Kastell ist; so muss es auf jeden Fall sein, wenn alles seine Ordnung haben soll. Dass ich Don Quichotte bin, obwohl ich keinen Bart und keine Rüstung und keine Bartschüssel als Helm trage, steht ausser Zweifel. Und jener dort ist Sancho Pansa, mein guter schlauer verfressener Sancho. Wunderbar. Jeder weiss, wo er in dieser Geschichte hingehört. Das nenn ich Heimat, das nenn ich Glück.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Film beginnt wieder zu laufen, der andere Film, der mit den farbigen Bildern und mit Geräuschen, die jemand erzeugt, der hastig eine Flasche leer trinkt. Der junge, grossäugige Mann wirft die Flasche mit überraschender Kraft in eine dunkle Ecke der Hütte, die Tonspur gibt im passenden Moment ein ziemlich lautes, klirrendes Geräusch von sich. Der junge Mann streckt aggressiv seinen Zeigefinger in meine Richtung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Es geschieht dir übrigens recht, dass du in dieser elenden Hütte gelandet bist, ein Verfolgter der misericordianischen Behörde bei einem Verfolgten der misericordianischen Gesundheitsbehörde. Du bist an allem, was dir passiert, selber schuld.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich mag darauf nicht antworten. Ich bin müde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Denn vielleicht», fährt er rücksichtslos weiter, «warst du ja in der so genannten Vergangenheit ein Monster: die Verkörperung der Boshafftigkeit. Eine Drecksau. Ein Scharfrichter. Ein Folterer, ein Massenmörder, ein Schlächter, ein Nazi, ein Diktator, ein Verräter, ein Tyrann. Oder aber einfach nur ein mieser kleiner Ganove und Verbrecher, ein Hlefershelfer und Scharfrichter, ein Befehlsempfänger und
